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Maßnahmen der Europäischen Zentralbank zur Stabilisierung des Bankensektors während der Finanzkrise

Maßnahmen der Europäischen Zentralbank zur Stabilisierung des Bankensektors während der Finanzkrise
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Susann Schmieder
  • Abgabedatum: November 2010
  • Umfang: 75 Seiten
  • Dateigröße: 1,6 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (FH) Deutschland
  • Bibliografie: ca. 71
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0948-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schmieder, Susann November 2010: Maßnahmen der Europäischen Zentralbank zur Stabilisierung des Bankensektors während der Finanzkrise, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: EZB, Finanzkrise, Bankensektor, Interbankenhandel, Geldpolitik

Bachelorarbeit von Susann Schmieder

Einleitung:

Im Allgemeinen refinanzieren sich Kreditinstitute durch Geldmittel, die sie am Geld- und Kapitalmarkt mit bonitätsabhängigen Zinsaufschlägen erhalten.

Refinanzierung als Mittelbeschaffung durch Aufnahme von Eigen- und Fremdkapital ist insbesondere notwendig, um das eigene Aktivgeschäft und das Kreditvergabepotenzial zu stützen. Da sich Banken überwiegend durch Fremdkapitalbestandteile refinanzieren, spielt Eigenkapital eine geringe Rolle. Diese Art der Mittelbeschaffung hat sich in der Finanzkrise, die sich aus der amerikanischen Subprimekrise entwickelte, als sehr problematisch erwiesen. Da der bereits angespannte Interbankenmarkt in Folge der Lehmann Brothers Pleite im September 2008 zusammenbrach und war die notwendige Neufinanzierung der kurzfristigen Geldmittel kaum möglich. Die ausgelöste lebensbedrohliche Starre des Geldmarktes drohte aufgrund des Misstrauens zwischen den Banken und der Kunden zu ihren Banken den Bankensektor und das Gesamtwirtschaftssystem zum Erliegen zu bringen.

In der Folge der Bankenkrise haben sich Notenbank und Regierungen weltweit für eine Stabilisierung des Bankensektors eingesetzt. Die Zentralbanken, eigentlich ‘lender of last resort’, entwickelten sich über Nacht zur Hauptfinanzierungsquelle für viele Kreditinstitute. In der vorliegenden Arbeit soll auf die Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) während der Finanzkrise im Zeitraum von 2008 bis Ende 2009 bzw. Anfang 2010 eingegangen werden. Die konkreten Maßnahmen und deren Wirkung auf die Banken und den Bankensektor in Bezug auf Refinanzierung, Bankenstabilität und Indikatoren einer Stabilisierung sollen dabei dargestellt werden. Die Auswirkungen auf das Bankensystem sollen erläutert werden, um Handlungsfelder der EZB aufzuzeigen.

Basierend auf den zugänglichen Daten wird versucht, sich hauptsächlich auf das deutsche Bankensystem zu beziehen. Wenn dies aufgrund des Zahlenmaterials nicht möglich war, wurde sich auf den europäischen Bankensektor bezogen. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass eher wenige Informationen über den genauen Ablauf des Interbankenmarktes und die exakte Art der Refinanzierung von Banken vorliegen. Die verwendeten Zahlen stammen vorwiegend von der Europäischen Zentralbank.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1. Kapitel: Grundlegung 1
1.1 Europäische Zentralbank 2
1.1.1 Charakterisierung 2
1.1.2 Aufgaben 3
1.1.3 Trägerin der Geldpolitik 4
1.2 Bankwesen in Deutschland 5
1.2.1 Aufbau des deutschen Bankensystems 5
1.2.2 Interbankenhandel 6
1.2.3 Refinanzierungsinstrumente von Banken 7
1.2.4 Bedeutung eines stabilen Bankensystems 8
1.3 Finanzkrise 9
1.3.1 Ursachen 9
1.3.2 Ablauf 10
1.4 Auswirkungen der Finanzkrise auf den Bankenbereich 12
1.4.1 Konsequenzen für die deutsche Banken 12
1.4.1.1 Auswirkungen auf Vermögensreserven 13
1.4.1.2 Image- und Vertrauensverlust 13
1.4.1.2.1 Image- und Vertrauensverlust in der Bevölkerung 14
1.4.1.2.2 Image- und Vertrauensverlust zwischen den Banken 14
1.4.2 Konsequenzen für den Interbankenhandel 15
1.4.3 Konsequenzen für die Refinanzierung der Banken 15
2. Kapitel: Reaktionen und eingeleitete Maßnahmen der Europäischen Zentralbank während der Krise 16
2.1 Analyse der wirtschaftlichen Kennzahlen durch die Europäische Zentralbank 16
2.2 Eingesetzte geldpolitische Instrumente 16
2.2.1 Standardinstrument 17
2.2.1.1 Offenmarktgeschäft 17
2.2.1.1.1 Begriffserläuterung 17
2.2.1.1.2 Anwendung in der Finanzkrise 18
2.2.1.2 Ständige Fazilitäten 19
2.2.1.2.1 Begriffserläuterung 19
2.2.1.2.2 Anwendung in der Finanzkrise 19
2.2.1.3 Mindestreserven 20
2.2.1.4 Leitzins 21
2.2.1.4.1 Begriffserläuterung 21
2.2.1.4.2 Anwendungin der Finanzkrise 21
2.2.2 Sonderinstrumente 22
2.2.2.1 Ausweitung der akzeptierter Sicherheiten 22
2.2.2.2 Ausweitung zugelassener Geschäftspartner 23
2.2.2.3 Ankaufprogramm ‘Covered Bonds’ 23
2.2.2.4 Schnelltender 24
2.2.2.5 Kooperation mit anderen Zentralbanken zur Ausgabe von Euro 24
2.3 Unterstützung durch die deutsche Bundesregierung 25
3. Kapitel: Auswirkungen der eingesetzten Instrumentarien auf den Bankensektor 25
3.1 Auswirkungen auf die einzelne Bank 25
3.1.1 Refinanzierung 26
3.1.2 Anlageverhalten 27
3.1.3 Kreditvergabe an Dritte 28
3.2 Auswirkungen auf den Bankensektor 29
3.2.1 Stabilisierung der Geldmarktzinssätze 29
3.2.2 Stabilisierung und Wiederaufnahme desInterbankenmarktes 30
4. Kapitel: Bewertung der eingesetzten Instrumentarien der Europäischen Zentralbank 31
4.1 Standardinstrumente 31
4.1.1 Offenmarktgeschäfte 33
4.1.2 Ständige Fazilitäten 33
4.2 Sonderinstrumente 34
4.3 Fazit 34
5. Kapitel: Schlussbetrachtung und Ausblick 34
Wissenschaftlicher Anhang VI
Literaturverzeichnis XXXI

Textprobe:

Kapitel 2.2, Eingesetzte geldpolitische Instrumente:

Die Europäische Zentralbank verfügt über eine Reihe von geldpolitischen Instrumenten. Damit kann sie unmittelbar nur die Zinsen zwischen ihr und den Geschäftsbanken verändern und die Höhe der Geldmenge steuern. Neben der Öffentlichkeitsarbeit gibt es vor allem drei Hauptinstrumente zur Steuerung der Geldpolitik: Offenmarktgeschäfte, Mindestreserveanforderungen und Ständige Fazilitäten. Während der Finanzkrise kam es auch zu Sondermaßnahmen, die die Liquidität am Markt sichern und das Misstrauen zwischen den Banken verringern sollten (siehe Anhang, Abb. 18).

2.2.1, Standardinstrumente:

Standardinstrumente sind die bereits erwähnte Offenmarktgeschäfte, Mindestreserveanforderungen und Ständige Fazilitäten. Sie werden von der Notenbank in regelmäßigen Abständen zur Regulierung der Geldmenge und Zinssätze genutzt.

2.2.1.1, Offenmarktgeschäfte:

Die Offenmarktgeschäfte stellen den wichtigsten Baustein zur Durchführung der Geldpolitik dar. Je nach Art des Verfahrens und der Liquiditätsbereitstellung, der Laufzeit und des Ausgaberhythmus unterscheidet man zwischen vier Unterarten. Es handelt sich entweder um liquiditätszuführende oder abschöpfende Geschäfte, d. h. Geschäfte, bei denen dem Bankensystem einerseits entweder Liquidität zur Verfügung gestellt oder andererseits die Möglichkeit gegeben wird Liquidität anzulegen.

2.2.1.1.1, Begriffserläuterung:

Offenmarktgeschäfte umfassen besicherte Kredite sowie den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren durch die Zentralbank am ‘offenen Markt’ mit allen zugelassenen Geschäftspartnern. Hauptrefinanzierungsgeschäfte (HRG, stellen im Regelfall 85 Prozent aller Maßnahmen) und Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (LRG) bilden dabei die Hauptfelder. Daneben gibt es Feinsteuerungsoperationen und Strukturellen Operationen. Hauptrefinanzierungsgeschäfte stellen befristete Transaktionen, d.h. Geschäfte mit einer Rückkaufvereinbarung dar. In Deutschland handelt es sich dabei meist um besicherte Kreditvergaben der Zentralbank an die Banken. Dafür nimmt die Zentralbank notenbankfähige Sicherheiten als Pfand herein. Mit Hauptrefinanzierungsgeschäften steuert die Zentralbank die Zinsen und die Liquidität am Geldmarkt. Sie werden mit einer Laufzeit von einer Woche ausgeschrieben. Die Höhe des Zuteilungsvolumens basiert auf dem Liquiditätsbedarf der Banken.

Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte dienen Banken zur längerfristigen Versorgung mit Zentralbankgeld und sind neben HRGs die zweitwichtigste Liquiditätsquelle für Kreditinstitute. Sie werden im Allgemeinen monatlich mit einer Laufzeit von drei Monaten ausgeschrieben. Die Ausgabe geschieht dabei über Mengen- bzw. Zinstender. Ab Juni 2000 wurde das Zinstenderverfahren mit Mindestbietungssatz eingesetzt, um den Wettbewerb zwischen den Banken hinsichtlich Liquidität zu stärken.

2.2.1.1.2, Anwendung in der Krise:

Um dem Geldmarkt am Leben zu erhalten und somit den Kollaps des Bankensystems zu verhindern, wurden in der Bankenkrise vor allem Offenmarktgeschäfte genutzt um den Markt mit Liquidität zu versorgen. Vor der Finanzkrise standen siebentägige HRGs im Mittelpunkt. Seither überwiegt der Anteil Längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte. Diese wurden zeitlich verändert und ausgebaut: Es gab nun zeitlich befristet auf 2009 bis zum 31.03. 2010 zusätzlich Laufzeiten von einem bzw. sechs Monaten sowie dreimalig in 2009 LRGs mit Laufzeiten von 12 Monaten. Der Zinstender mit Mindestbietungssatz wurde bei allen Refinanzierungsgeschäften auf bestimmte Zeit im Oktober 2008 durch einen Mengentender mit vollständiger Zuteilung abgelöst. Dadurch wurde das Zuteilungsvolumen, welches beim Zinstenderverfahren von der EZB vorher festgelegt wird und bei der Verteilung vom gebotenen Zinssatz der jeweiligen Bank abhängt, durch einen festen Zinssatz mit nachfragebedingten Zuteilungsvolumen ersetzt (siehe Anhang, Abb. 26). Nur durch eine Änderung des Zuteilungsmechanismus war die EZB in der Lage, die ausgefallene Liquiditätsfunktion des Geldmarktes zu kompensieren. Dies sollte es Banken ermöglichen, dringend gebrauchtes Geld auch tatsächlich zur Verfügung zu haben und den Stabilität des Finanzmarktes zu erhalten. Das LRG sollte am 28.04.2010 wieder auf einen Zinstender umgestellt werden. Aufgrund der Griechenland-Krise wurde es aber auf unbestimmte Zeit verlängert.

2.2.1.2,Ständige Fazilitäten:

Die ständigen Fazilitäten stellen Übernachtgeschäfte der EZB dar, die es der Bank ermöglichen kurzfristig oder über Nacht Liquiditätsengpässe oder -überschüsse auszugleichen. Sie werden durch die Bank initiiert und stehen ihr an jedem Geschäftstag ohne Höchstgrenze zur Verfügung. Man unterscheidet dabei zwischen Spitzenrefinanzierungsfazilität und Einlagefazilität. Sie dienen vor allem dazu, dem Zins für Tagesgeld eine Ober- und Untergrenze zu setzen.

2.2.1.2.1,Begriffserläuterung:

Bei der Spitzenfazilität können Banken ‘über Nacht’ auf eigene Initiative besicherte Kredite bei der Zentralbank gegen refinanzierungsfähige Sicherheiten aufnehmen, um einen kurzfristigen Liquiditätsbedarf auszugleichen. Am nächsten Tag müssen sie den erhaltenen Kredit wieder zurückzahlen. Dabei liegt der Zinssatz für die Spitzenfinanzierungsfazilität konstant um 1 Prozent höher als der Hauptrefinanzierungszinssatz. Er bildet im allgemeinen die Obergrenze für den Tageszinssatz, da keine Bank mit ausreichend Sicherheiten einer anderen Bank für einen Übernachtkredit einen höheren Zins zahlen wird, als sie bei der Notenbank für einen Übernachtkredit zahlen muss.

Durch Einlagenfazilitäten können Banken überschüssiges Zentralbankguthaben bis zum nächsten Geschäftstag bei den nationalen Zentralbanken zu einem festgelegten Zins anlegen. Der vorgegebene Zinssatz der Einlagefazilität bildet im Allgemeinen die Untergrenze für gehandeltes Tagesgeld, da keine Bank bei der Geldausleihe an andere Banken einen niedrigeren Zinssatz akzeptieren wird als die ausfallsichere Anlage bei der Zentralbank. Da in normalen Zeiten die entsprechenden Marktsätze günstiger sind, besteht in der Regel kein Anreiz für Kreditinstitute die Einlagefazilität der Bundesbank zu nutzen.

2.2.1.2.2, Anwendung in der Krise:

Ständige Fazilitäten hatten bis Ende 2007 als Refinanzierungs- oder Anlagequelle des Bankensektors eher eine untergeordnete Rolle. Die realisierten Volumina lagen weit hinter denen der Offenmarktgeschäfte. Das änderte sich seit der Bankenkrise.

Arbeit zitieren:
Schmieder, Susann November 2010: Maßnahmen der Europäischen Zentralbank zur Stabilisierung des Bankensektors während der Finanzkrise, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
EZB, Finanzkrise, Bankensektor, Interbankenhandel, Geldpolitik

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