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Marktverhalten deutscher Unternehmen im Kontext von Industriespionage in China

Marktverhalten deutscher Unternehmen im Kontext von Industriespionage in China
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thomas Beyer
  • Abgabedatum: Juli 2005
  • Umfang: 100 Seiten
  • Dateigröße: 733,6 KB
  • Note: 2,7
  • Institution / Hochschule: Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8944-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8944-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8944-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Beyer, Thomas Juli 2005: Marktverhalten deutscher Unternehmen im Kontext von Industriespionage in China, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Wirtschaftsspionage, Piraterie, Know-How, Wettbewerb, Eigentum

Diplomarbeit von Thomas Beyer

Problemstellung:

Der Globalisierung der Märkte und der damit einhergehende steigende Wettbewerbsdruck in allen Branchen macht auch vor deutschen Unternehmen nicht halt. Moderne Produktionsprozesse sind international fragmentiert, Firmen mit Sitz in unterschiedlichen Ländern beteiligen sich gemeinsam an der Produktion eines Gutes, an unterschiedlichen Stellen der Wertschöpfungskette. Aufgrund der hohen Produktionskosten in Deutschland sind viele Unternehmen gezwungen, ihre Produktionsaktivitäten ins Ausland zu verlagern. Für viele Unternehmen ist jedoch der Weg ins Ausland nicht nur eine Lösung, um Kosten zu sparen. Vielmehr sieht man auch die Chance, neue Absatzmärkte zu bedienen und Gewinne zu erwirtschaften.

In vielen wissenschaftlichen Publikationen der letzen Jahre wird China als ein besonders erfolgsversprechendes Land für ein Auslandsengagement von Unternehmen hervorgehoben. China befindet sich seit der wirtschaftlichen Öffnung 1979 in einem rasanten Wirtschaftsaufschwung. Seit dem Beitritt Chinas zur WTO hat diese Entwicklung weiter zugenommen und das Interesse von ausländischen Investoren ist drastisch gestiegen.

Im Laufe der Jahre hat sich die Bedeutung Chinas für multinationale Unternehmen deutlich verändert. China gilt nicht mehr als Spezialfall internationaler Aktivitäten, sondern wird mehr und mehr ein fester Bestandteil vieler Unternehmensstrategien. Chinas wirtschaftsfreundliche Handelspolitik und die Reduktion von Importzöllen führte in den letzten Jahren zu hohen ausländischen Investitionen, insbesondere von exportorientierten Nationen wie Deutschland. Die WTO-Auflagen zwingen China dazu, die Zölle weiter zu senken und Zugangsbeschränkungen zu den Inlandmärkten bis 2006 aufzuheben. Damit ermöglicht der WTO-Beitritt auf lokaler Ebene Wettbewerb in nahezu allen Bereichen.

Internationale Unternehmen sehen die Wirkungen der niedrigen Produktionskosten auf ihre Wettbewerbsfähigkeit und forcieren mehr und mehr ihr China-Engagement. Die relativ guten Produktionsbedingungen wie niedrige Kosten in Verbindung mit einer relativ gut ausgebildeten und disziplinierten Arbeiterschaft machen das Land zur verlockenden Basis, um von dort aus in die ganze Welt zu exportieren. Die steigende Kaufkraft der Verbraucher und das anhaltende Wirtschaftswachstum von etwa 8-9 % pro Jahr machen China auch für kleine und mittelständische Unternehmen interessant.

Bei all diesen günstigen Vorraussetzungen für ausländische Unternehmen darf man nicht übersehen, dass Chinas Wirtschaftspolitik sich deutlich von der in anderen Staaten im asiatischen Raum unterscheidet. China hat erkannt, dass die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes auch von der eigenen Fähigkeit abhängt, moderne Technologien zu entwickeln.

1986 entwickelte China ein Programm, das sich speziell auf Hochtechnologien wie Informations- und Biotechnologie, neue Materialien und die Entwicklung von „high new technology industry development zones“ (Hi-New zones) konzentriert. Dieses so genannte „The Torch Program“ hat zum Ziel, den Anschluss an Hochtechnologie- Segmente einzuleiten. Zur Zeit generiert China vor allem Know-how durch ausländische Direktinvestitionen.

Es wird immer offensichtlicher, dass China längst nicht mehr nur die „Werkstatt der Welt“ ist. Mehr und mehr Firmen verlagern ihre Forschung- und Entwicklungsarbeit nach China. Grosse Unternehmen der Informationstechnologie und Elektronik bauen ganze Zentren für das Design und die Entwicklung zukünftiger Produkte auf. Die Zulieferer solcher Unternehmen sind dadurch ebenfalls gezwungen, ihre Produktionsstandorte nach China zu verlagern.

Zusammenfassung:

In Kapitel 2 wurden wichtige Begriffe zur Illustration und zum besseren Verständnis der Problematik „Industriespionage in China“ dargestellt. Dabei galt das Interesse vor allen Dingen den unterschiedlichen Abgrenzungen.

Kapitel 3 befasste sich mit der Darstellung der Rahmenbedingungen bezüglich des Schutzes von geistigem Eigentum in China. Dabei wurde die derzeitige Situation vor allen Dingen aus der juristischen Perspektive betrachtet. Besonders standen die Entwicklungen im Bereich Patent-, Marken-, Urheber-, und Wettbewerbsschutz in China im Mittelpunkt.

Betrachtet man die derzeitigen Rechtsmöglichkeiten, um gegen ungewollten Know-how-Abfluss in China vorzugehen, muss festgehalten werden, dass die Situation trotz verstärkter Anstrengungen seitens der chinesischen Regierung nach wie vor sehr problematisch ist. Generell gibt es alle erforderlichen Gesetze zum Schutz des geistigen Eigentums. Dennoch gestaltet sich die Durchsetzung dieser Rechte in der Praxis relativ schwierig.

Kulturell-psychologische Faktoren, die gerade in China eine erhebliche Rolle spielen, flossen ebenfalls in die Analyse mit ein. Grundsätzlich sollten Unternehmen - trotz möglicher Reputationsverluste, Kosten und langwieriger Verfahren - die vorhandenen rechtlichen Möglichkeiten, um gegen Know-how-Abfluss vorzugehen, in Anspruch nehmen.

Kapitel 4 befasst sich mit den Strategien chinesischer Industriespionage. Ohne diese Kenntnis ist ein Schutz, der langfristig Erfolg haben soll, nicht möglich. Verfügen ausländische Unternehmen über entsprechende Erfahrungen und über verschiedene Strategien, die gegen chinesische Industriespionage gerichtet sind, kann die eigene Taktik zum Know-how-Schutz gezielt und effektiv ausgearbeitet werden. Kapitel 4 zeigt dabei Unternehmensbereiche auf, die besonders dem illegalen Wissensabfluss unterliegen. Aufbauend auf dem 4. Kapitel soll Kapitel 5 eine Handlungsempfehlung für Unternehmen geben, die sich schon auf dem chinesischen Markt befinden oder es noch vorhaben, ihn zu betreten.

Bei diesem Handlungskonzept fließen der klassische Sicherheitsansatz, der vor vorwiegend passiv ist, Checklisten-orientiert handelt und präventiver Natur ist und der moderne Informationsschutz, bestehend aus flexibler, vorausschauender Analyse zusammen. Das im Kapitel 5.2 vorgeschlagene Screening ist ein wesentlicher Schritt, um Industriespionage zu begegnen. Nur wer Kenntnisse über Risiken, Schwachstellen, Partner und eigene Prozesse hat, kann in China ungewollten Know-how-Transfer verhindern bzw. eindämmen.

Ferner ist es für ein Unternehmen wichtig, sich im klaren darüber zu sein, was eigentlich schützenswert ist und welche Prozesse ausgelagert werden können. Wie viel Know-how übertrage ich auf Partner? Wie groß sind die Risiken von Know-how- Abfluss? Was wären die Folgen?

Die Vereinbarung von Service Level Agreements sorgt für klare Zieldefinitionen, Verantwortungsbereiche und Maßnahmenvereinbahrungen. Des weiteren sollen SLAs für eine bessere Kontrollmöglichkeiten der durchgeführten Handlungen seitens des Unternehmens sorgen. Die Unterteilung von offensiven und defensiven Maßnahmen soll die konzeptionelle Sichtweise unterstreichen. Wichtig ist, dass sämtliche Unternehmensprozesse in die Analyse miteinbezogen werden sollten. Sind mögliche Sicherheitslücken aus Erfahrung oder Voraussicht erkennbar, ist Abhilfe zu schaffen. Auch bestehende, bisher funktionierende Prozesse sollten aus Gründen der Sicherheit dem Konzept angepasst werden. Klassische Sicherheitskonzepte reichen für den Schutz von innovativen Produkten nicht aus. Sinnvoller ist die Verbindung von klassischen Sicherheitskonzepten und modernen Informationsschutzkonzepten unter der genauen Kenntnis der lokalen Gegebenheiten.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielstellung 5
1.3 Vorgehensweise 6
2. Begriffe 7
2.1 Industriespionage 8
2.2 Wirtschaftsspionage 9
2.3 Competitive Intelligence 10
2.4 Produkt- und Markenpiraterie 13
2.5 Betriebs- und Geschäftsgeheimnis 15
2.6 Technologietransfer 16
3. Rahmenbedingungen zum Schutz von Geistigen Eigentum in China 19
3.1 Generelle Einstellung zum geistigen Eigentum in China 19
3.2 Geistiges Eigentum in der chinesischen Gesetzgebung 20
3.2.1 Patentrecht 22
3.2.2 Markenrrecht 24
3.2.3 Urheberrecht 25
3.2.4 Wettbewerbsschutz 26
3.3 Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte in China 25
3.3.1 Durchsetzung auf dem Verwaltungsweg 26
3.3.2 Zivilgerichtsverfahren 27
3.3.3 Durchsetzung im Rahmen der Strafgerichtsbarkeit 28
3.4 Die Bedeutung lokaler Politik 29
3.4.1 Lokaler Protektionismus 29
3.4.2 Bürokratische Rivalitäten 30
3.4.3 Polizeiliche Anstrengungen 30
3.5 Technologieverträge 31
3.5.1 Begriff des Technologietransfers in China 31
3.5.2 Rechtlicher Rahmen des TT 32
3.5.3 Formeller und materieller Rahmen des TT 33
3.5.4 Neuerungen in der Rechtslage des TT 33
3.5.5 Zukünftige Entwicklung der Rechtslage 34
4. Strategien chinesischer Industriespionage 36
4.1 Information und Wissen als Wettbewerbsfaktor 36
4.2 Was ist eine Strategie? 38
4.3 Offene Quellen der Informationsbeschaffung 39
4.3.1 Frei verfügbare Ressourcen 39
4.3.2 Reverse Engineering 40
4.3.3 Joint Venture 41
4.3.4 Auslagern von F & E 42
4.3.5 Overseas Chinese 43
4.4 Geheime Quellen der Informationsbeschaffung 44
4.4.1 Akteure innerhalb des Unternehmens 44
4.4.2 Akteure außerhalb des Unternehmens 45
4.4.3 Chinesische Nachrichtendienste 47
4.5 Abwehrstrategien der Fälschernetzwerke 48
5. Reaktionen und Verhaltensweisen deutscher Unternehmen in China 49
5.1 Handlungskonzept 50
5.1.1 Konzeptionelle Lösung 51
5.1.2 Präventiver und aktiver Ansatz 51
5.1.3 Ganzheitliche Systematik 52
5.2 Screening 52
5.2.1 Service Level Agreements 53
5.2.2 Risiko- und Schwachstellenanalyse 54
5.2.3 Frühwarnsysteme 55
5.2.4 Due Diligence 56
5.2.5 Kontinuität 58
5.3 Offensive Maßnahmen 58
5.3.1 Strategische Maßnahmen 59
5.3.1.1 Kritische Bereiche 59
5.3.1.2 Die Supply Chain 60
5.3.1.3 Reaktion auf Verstöße 61
5.3.1.4 Marktbeobachtungen 62
5.3.1.5 Strategische Kooperationen 62
5.3.1.6 Freihandelszonen 62
5.3.2 Personelle Maßnahmen 63
5.3.2.1 Personalauswahl 64
5.3.2.2 Arbeitsvertragliche Bestimmungen 64
5.3.2.3 Training der MA 65
5.3.2.4 Null-Toleranz-Politik 65
5.3.3 Organisatorische Maßnahmen 66
5.3.3.1 Sicherheitsstandards 66
5.3.3.2 Sicherheitsmanager 66
5.3.3.3 Sicherheitsinseln 67
5.3.3.4 Selbstlernende Organisation 67
5.3.4 Logistische Maßnahmen 67
5.3.4.1 Beschaffungslogistik 68
5.3.4.2 Verpackungslogistik 68
5.3.4.3 Distributionslogistik 69
5.3.4.4 Vertriebslogistik 69
5.3.5 Technische Maßnahmen 70
5.3.5.1 Technologische Hilfsmittel 71
5.3.5.2 Informationstechnik 71
5.3.5.3 Bautechnische Hilfsmittel 72
5.4 Defensive Maßnahmen 73
5.4.1 Rechtliche Maßnahmen 73
5.4.2 Preispolitische Maßnahmen 74
5.4.3 Integrationsmaßnahmen 74
5.4.4 Schnelle Marktdurchdringung 74
5.4.5 Lobbying 75
5.4.6 Monitoring of SLAs 74
6. Zusammenfassung und Ausblick 77
6.1 Zusammenfassung 77
6.2 Ausblick 79
Literaturverzeichnis 81

Automatisiert erstellter Textauszug:

Verstöße gegen geistiges Eigentum inklusive Marken, Patente, Urheberrechte und Weitergabe von vertrauenswürdigen Informationen führt nach chinesischem Strafgesetzbuch zu Strafen von 3- 7 Jahren, Konfiszierung aller Güter, Maschinen etc. und die Festsetzung von Geldstrafen.94 Problematisch sind dabei die Definitionen in der Strafgesetzgebung. Begriffe wie „schwerwiegende Rechtsverletzung“ können unterschiedlich ausgelegt werden und geben den Gerichten weiten Handlungsspielraum. Ein Grund, warum es so wenige Verurteilungen in diesem Bereich gibt, ist die geringe Anzahl an Fällen, die an Polizei und Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden. Im Jahr 2003 sind 37.498 Fälle von Fälschungen vom China Trademark Office behandelt worden, aber nur 45 Fälle wurden an die entsprechenden juristischen Organe [...]

allzu kooperativ, vor allen Dingen, wenn es sich nur um geringe Mengen von Gütern handelte.91 Ein weiterer Grund, dass dieser Weg kaum von geschädigten Unternehmen beschritten wurde, lag in der unzureichenden Ausbildung der Richter, diese Materie betreffend. Zudem leiten die Gerichte keine schnellen Untersuchungen ein, bevor nicht ein Ergebnis der administrativen Behörden vorliegt. Dies dauert in der Regel etwa 3-6 Monate. Bis dahin sind Beweise und Täter schon längst verschwunden. Dennoch gibt es auch hier Verbesserungen. Nach Inkrafttreten des neuen Markengesetzes 2001 ist es nun möglich, einstweilige Verfügungen gegen die Rechtsverletzer durchzusetzen.92 Diese sind dann innerhalb von 48 Stunden dazu gezwungen, ihre Produktion einzustellen. Schadensersatzansprüche der geschädigten Subjekte konnten in der Vergangenheit kaum durchgesetzt werden, da der Schaden kaum ermittelbar war. Nun ist es möglich, trotz mangelnder Beweislage Schadensersatz von bis zu 500.000 RMB (rund 52.000 EUR) durchzusetzen.93 [...]

Maßnahmen in Kraft. Diese reichen vom Entzug der Lizenz des Fälschers, Beschlagnahmung aller Waren bis zur Festsetzung von Strafen. . Zu den Vorteilen der Einschaltung dieser Behörden gehört, dass sie relativ schnell handeln. Ihnen ist vorgeschrieben, dass sie sich in einer bestimmten Zeit um den Fall kümmern müssen oder die Verfolgung des Falles ablehnen. In manchen Regionen handeln diese Behörden nicht nur auf Antrag, sondern führen aktiv Untersuchen durch. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Einschaltung dieser Behörden vergleichsweise kostengünstig ist. Zu den Nachteilen gehört der Protektionismus verschiedene lokaler Behörden. Die Behörden sind nicht immer gewillt einzuschreiten, z.B. wenn der Fälscher eine große chinesische Firma und zugleich ein Arbeitsplatzgarant in der Region ist. Auf das Problem des Protektionismus wird in einem späteren Kapitel eingegangen. Desweiteren haben Antragsteller und Inhaber der verletzten Marke während der gesamten Dauer des Verfahrens keinen Anspruch auf Information und Mitteilungen zu den Ergebnissen der Untersuchungen.88 Die Strafen, die bei einem erfolgreichen Verfahren festgesetzt werden, sind meistens sehr gering und haben dementsprechend eine geringe abschreckende Wirkung. Laut eines Berichts der SAIC wurden im Jahre 2001 etwa 176 Fälle mit einer Strafe von über 100.000 RMB verhängt.89 Berücksichtigt man, dass diese 176 Fälle nur 1 % aller verhängten Strafen durch SAIC sind, wird dieser Umstand der „milden Strafverhängungen“ nur unterstrichen. [...]

Arbeit zitieren:
Beyer, Thomas Juli 2005: Marktverhalten deutscher Unternehmen im Kontext von Industriespionage in China, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Wirtschaftsspionage, Piraterie, Know-How, Wettbewerb, Eigentum

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