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Marktsegmentierung im internationalen Kontext

Eine marktforschungsspezifische Betrachtung am Beispiel der Automobilbranche

Marktsegmentierung im internationalen Kontext
Über dieses Buch

Diplomarbeit von Sandra Nadin Gebhard

Einleitung:

Im Rahmen der fortschreitenden Internationalisierung der Geschäftstätigkeit von Unternehmen ist die erfolgreiche Bearbeitung von Auslandsmärkten zur Sicherung des Unternehmenserfolges immer wichtiger geworden. So erwirtschaften bspw. viele deutsche Unternehmen heute mehr als 50% ihres Umsatzes außerhalb des Heimatmarktes. Aufgrund dieser Entwicklung als auch vor dem Hintergrund der durch die Internationalisierung bedingten Intensivierung des Wettbewerbs und sich innerhalb vieler Branchen aufzeigender Marktsättigungstendenzen ist die Bedeutung des internationalen Marketings in den letzten Jahren stetig gestiegen.

Während zu Beginn der Internationalisierung die Frage nach der Standardisierung oder Differenzierung der Marktbearbeitung auf Basis der Ländermärkte diskutiert wurde, stellt sich heute diese Fragestellung auf Basis von Marktsegmenten, da das Nachfrageverhalten der Konsumenten innerhalb der Ländermärkte heute verstärkt von Individualisierungsbestrebungen geprägt ist, so dass eine zunehmende Fragmentierung innerhalb der Ländermärkte zu beobachten ist.

Somit kann es sein, dass Konsumenten unterschiedlicher Länder aufgrund erhöhter Mobilität, besserer Kommunikations- und Informationstechnologien, der Angleichung demographischer Strukturen und einer qualifizierteren Ausbildung heute mehr Ähnlichkeiten in ihrem Nachfrageverhalten aufweisen als Konsumenten eines Landes.

Die skizzierten Entwicklungen auf Seiten des Konsumentenverhaltens sowie die Tendenz verkürzter Produktlebenszyklen bei steigenden Aufwendungen für Forschung und Entwicklung deuten sowohl auf die Notwendigkeit als auch auf das Potenzial hin, die absatzwirtschaftlichen Aktivitäten an länderübergreifenden Zielgruppen auszurichten. Die Existenz transnationaler Zielgruppen kann von Unternehmen jedoch nicht allgemeingültig angenommen werden, sondern muss vor dem Hintergrund des jeweiligen Produktes unternehmensindividuell untersucht werden.

Auf Basis dieser Erkenntnis ist das Ziel dieser Arbeit zu zeigen, wie Unternehmen internationale Marktsegmente und insbesondere transnationale Zielgruppen theoretisch identifizieren können, ohne dass lukrative landesspezifische Segmente übersehen werden. Dabei werden marktforschungsspezifische Herausforderungen und Problembereiche thematisiert, welche während des internationalen Segmentierungsprozesses berücksichtigt werden müssen, um zu gewährleisten, dass das internationale Marktsegmentierungsergebnis möglichst realitätsnah ist und somit eine verlässliche Grundlage für die internationale Marktbearbeitung darstellt. Zudem wird am Beispiel der Automobilbranche ein Einblick in die Praxis gewährt, um die Relevanz der internationalen Marktsegmentierung und die Umsetzung der zuvor theoretisch erläuterten Segmentierungskonzeption zu veranschaulichen.

Einführend werden in Kapitel 2 theoretische Grundlagen des internationalen Marketings und der Marktsegmentierung betrachtet. Die theoretischen Grundlagen des internationalen Marketings stellen nach der begrifflichen Abgrenzung Orientierungen des internationalen Marketings in Anlehnung an das EPRG-Konzept von Perlmutter dar und zeigen im Anschluss die Besonderheiten des internationalen Marketings auf. Im Rahmen der theoretischen Grundlagen der Marktsegmentierung erfolgen die Charakterisierung der Marktsegmentierung, die Darstellung von Kriterien anhand derer Abnehmer segmentiert werden können sowie die Vermittlung eines methodischen Überblicks zur Identifikation von Marktsegmenten.

Im Fokus von Kapitel 3 steht die internationale Marktsegmentierung. Hierzu wird zunächst eine Eingliederung der Marktsegmentierung in das internationale Marketing vorgenommen, welche das Ziel verfolgt die strategische Relevanz der Marktsegmentierung im internationalen Kontext zu verdeutlichen. Im Anschluss wird zur Beantwortung der zentralen Fragestellung, wie internationale Marktsegmente identifiziert werden können, das Blickfeld auf den Prozess der internationalen Marktsegmentierung gelenkt. Hierzu wird das Ziel des Prozesses definiert und vor diesem Hintergrund die Eignung von länderübergreifenden Segmentierungskonzepten diskutiert.

Darauf aufbauend werden die Stufen des internationalen Marktsegmentierungsprozesses detailliert anhand der präferierten mehrstufig-intranational-additiven Marktsegmentierungskonzeption erläutert. Abschließend werden in Kapitel 3 marktforschungsspezifische Herausforderungen und Problemfelder ausführlich thematisiert, die beachtet werden müssen, um ein realitätsnahes internationales Marktsegmentierungsergebnis als Basis für die Auswahl von Zielsegmenten und die Erstellung segmentspezifischer Marketingprogramme zu gewährleisten.

Nach der theoretischen Betrachtung der internationalen Marktsegmentierung vermittelt Kapitel 4 einen Einblick in die Praxis der Automobilbranche. Hierzu wird zunächst die aktuelle Absatzmarktsituation dargestellt, um im Anschluss die Relevanz der internationalen Marktsegmentierung für die Automobilindustrie aufzuzeigen. Im Weiteren wird ein Beispiel aus der Praxis diskutiert, woraus Implikationen für die internationale Marktsegmentierung in diesem Sektor abgeleitet werden.

Abschließend fasst Kapitel 5 die Arbeit zusammen und vermittelt einen Ausblick.

Inhaltsverzeichnis:

ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
TABELLENVERZEICHNIS IV
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS V
1. EINLEITUNG 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Gang der Untersuchung 2
2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 4
2.1 Internationales Marketing 4
2.1.1 Bedeutung und Definition des internationalen Marketings 4
2.1.2 Grundorientierungen im internationalen Marketing 5
2.1.3 Besonderheiten des internationalen Marketings 7
2.2 Marktsegmentierung 9
2.2.1 Charakterisierung der Marktsegmentierung 9
2.2.2 Marktsegmentierungskriterien 11
2.2.2.1 Anforderungen an Marktsegmentierungskriterien 11
2.2.2.2 Marktsegmentierungskriterien der Konsumgüterindustrie 13
2.2.3 Ansätze, Methoden und Verfahren zur Identifikation von Markt-segmenten 16
3. INTERNATIONALE MARKTSEGMENTIERUNG 21
3.1 Eingliederung der Marktsegmentierung in das internationale Marketing 21
3.2 Der internationale Marktsegmentierungsprozess 23
3.2.1 Ziel des internationalen Marktsegmentierungsprozesses 23
3.2.2 Internationale Segmentierungskonzepte 24
3.3 Der mehrstufig-intranational-additive Marktsegmentierungsprozess 25
3.3.1 Überblick 25
3.3.2 Länderauswahl 25
3.3.2.1 Marktwahlmodelle 26
3.3.2.2 Kriterien der Länderauswahl 27
3.3.2.3 Verfahren der Länderauswahl 29
3.3.2.3.1 Checklistenverfahren 30
3.3.2.3.2 Scoring-Modelle 31
3.3.2.3.3 Sequenzielle Bewertungsverfahren 32
3.3.2.3.4 Portfolio-Analysen 33
3.3.3 Intranationale Abnehmersegmentierung 34
3.3.4 Länderübergreifender Vergleich der intranationalen Segmente 36
3.3.5 Internationale Zielmarktbestimmung 36
3.3.5.1 Bewertung der Marktsegmente 36
3.3.5.2 Auswahl der Marktsegmente 39
3.4 Marktforschungsspezifische Herausforderungen und Problemfelder 41
3.4.1 Sekundärforschung 41
3.4.1.1 Evaluation von Informationsquellen 42
3.4.1.2 Evaluation von Informationsmaterialien 44
3.4.2 Primärforschung 47
3.4.2.1 Äquivalenz der Untersuchungssachverhalte 48
3.4.2.2 Äquivalenz der Untersuchungsmethoden 50
3.4.2.3 Äquivalenz der Untersuchungseinheiten 53
3.4.2.4 Äquivalenz der Untersuchungssituation 56
3.4.2.5 Äquivalenz der Untersuchungsdatenaufbereitung 58
3.4.2.6 Zusammenfassende Beurteilung der Äquivalenzbedingungen 59
4. INTERNATIONALE MARKTSEGMENTIERUNG IN DER AUTOMOBILBRANCHE 60
4.1 Darstellung der aktuellen Situation der Automobilbranche 60
4.2 Die Relevanz der Marktsegmentierung für die Automobilbranche 62
4.3 Beispiel einer internationalen Marktsegmentierung 63
4.4 Implikationen für die Marktsegmentierung 67
5. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 70
ANHANG V
LITERATURVERZEICHNIS VIII
EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG XXII

Automatisiert erstellter Textauszug:

des jeweiligen Segments abhängig, sondern wird zudem von unternehmensinternen und unternehmensexternen Faktoren bestimmt.213 Das Absatzpotenzial des jeweiligen Segments wird von der Anzahl der Segmentmitglieder, dem zukünftigen Segmentwachstum, der Kaufkraft und von der zu erwartenden Kaufintensität der Segmentmitglieder abgeleitet.214 Eine genaue Aussage, welche kritische Größe, d.h. welchen Mindestumfang das Absatzpotenzial besitzen muss, damit es als attraktiv angesehen wird, kann hier jedoch nicht getroffen werden. Ursächlich hierfür ist, dass der Mindestumfang eine relative Größe darstellt, die sowohl von den Unternehmensressourcen als auch von der Branche, der das Unternehmen angehört, abhängt.215 So werden z.B. große Segmente von kleinen Unternehmen oft gemieden, da die erfolgreiche Bearbeitung dieser Segmente Ressourcen erfordern, die den Unternehmen nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen.216 Hinsichtlich unternehmensinterner Determinanten der Segmentattraktivität werden in der Literatur unterschiedliche Aspekte fokussiert.217 Kotler/Bliemel weisen darauf hin, dass ein Segment trotz eines ausreichenden Absatzpotenzials nur dann als attraktiv angesehen werden kann, wenn eine Bearbeitung dieses Segments zur Erreichung langfristiger unternehmerischer Zielsetzungen beiträgt.218 Außerdem muss das Unternehmen über die entsprechenden Fähigkeiten und Ressourcen verfügen, die zur erfolgreichen Bearbeitung des Segments erforderlich sind. „Ein Segment sollte übergangen werden, wenn das Unternehmen ein oder mehrere Kompetenzerfordernisse nicht beherrscht und sie sich auch nicht aneignen kann.“219 Piercy/Morgan betrachten die Segmentattraktivität aus organisatorischer Perspektive und betonen die Kompatibilität der Segmente mit bestehenden organisatorischen Strukturen.220 Die entscheidende Frage diesbezüglich ist, „how well existing organizational structures of departments, functions and divisions can service the segments targeted“221. Je positiver die Frage beantwortet werden kann, desto attraktiver ist das Segment, weil der organisatorische Umstrukturierungsbedarf minimiert wird und somit geringere Schwierigkeiten bei der Implementierung der Segmentierungsstrategie auftreten. Allerdings sind in der Praxis [...]

Gemäß der mehrstufig-intranational-additiven Segmentierungskonzeption bedarf es vor der internationalen Zielmarktbestimmung zunächst eines länderübergreifenden Vergleichs der identifizierten intranationalen Abnehmersegmente.206 Dieser dient der Identifikation von Abnehmersegmenten mit identischen Charakteristika bzgl. der berücksichtigten Segmentierungskriterien und führt bei Existenz dieser zur Umstrukturierung der bestehenden intranationalen Abnehmersegmente in landesspezifische und transnationale Segmente.207 Mit der Umstrukturierung gehen Verschiebungen in Bezug auf die Bedeutung der Segmente hinsichtlich ihrer Segmentgröße und die Reduzierung der Segmentanzahl einher.208 Ersteres bedeutet einerseits, dass Segmente, die auf der jeweiligen nationalen Ebene wegen ihrer Größe als attraktiv angesehen wurden, im internationalen Kontext aufgrund der Existenz größerer transnationaler Segmente und/oder aufgrund eines relativ geringen Anteils des landesspezifischen Segments bzgl. der internationalen Grundgesamtheit Relevanz verlieren können. Andererseits können Segmente, die auf nationaler Ebene aufgrund ihrer geringen Größe als uninteressant angesehen wurden, im internationalen Kontext als Teil eines transnationalen Segments an Bedeutung gewinnen.209 Die Reduktion der Segmentanzahl ist die Folge der Aggregation gleichartiger intranationaler Segmente, welche auch als „supranationale Segmentfusion“210 bezeichnet wird. [...]

darauf geachtet werden, dass die Anforderungen, Kaufverhaltensrelevanz, Messbarkeit, Handlungsfähigkeit, Zugänglichkeit, Wirtschaftlichkeit und zeitliche Stabilität in allen betrachteten Ländern gegeben sind.197 Darüber hinaus tritt im Gegensatz zur rein nationalen Marktsegmentierung im Rahmen der intranationalen Marktsegmentierung die Anforderung der Vergleichbarkeit hinzu.198 Diese beinhaltet, dass „die in den einzelnen Ländern eingesetzten Marktsegmentierungskriterien … länderübergreifend vergleichbar sein“199 müssen und resultiert aus der gewählten Segmentierungskonzeption. Denn nur bei Erfüllung dieser Anforderung ist gewährleistet, dass auf Basis von intranationalen Abnehmersegmentierungen auch transnationale Segmente identifiziert werden können.200 Aufgrund des von Stegmüller konstatierten relativ geringen Einflusses von Landesspezifika auf soziodemographische Segmentierungskriterien, lassen sich diese unter geringem Aufwand miteinander vergleichen.201 Sie zeichnen sich demnach durch die höchste direkte Vergleichbarkeit aus und wären aus methodischer Perspektive am besten geeignet.202 Ihre geringe Kaufverhaltensrelevanz spricht jedoch gegen ihren Einsatz.203 Somit sind trotz der geringeren direkten Vergleichbarkeit psychographische Kriterien vorzuziehen, wobei es die Aufgabe der Marktforschung ist, eine höchstmögliche Vergleichbarkeit durch die Generierung von landesspezifischen Zusatzinformationen herzustellen. Aufgrund der höheren Vergleichbarkeit im Gegensatz zu anderen psychographischen Kriterien werden in der Praxis überwiegend Nutzensegmentierungen durchgeführt.204 Zudem ist nach Untersuchungen von Yavas/Verhage/Green zu beachten, dass die abnehmerorientierte Segmentierung produktklassenspezifisch vorgenommen wird.205 [...]

Arbeit zitieren:
Gebhard, Sandra Nadin Juli 2004: Marktsegmentierung im internationalen Kontext, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
nationale und transnationale Zielgruppen, internationales Marketing, Marktsegmentierungsprozess - kriterien, internationale Marktforschung, Automobilindustrie

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