Marktkommunikation und Interaktion russischer Unternehmen am deutschen Markt aus der Perspektive russischer Top-Manager
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Ekaterina Kravtchik
- Abgabedatum: Oktober 2007
- Umfang: 53 Seiten
- Dateigröße: 373,5 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
- Bibliografie: ca. 28
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0682-0
- ISBN (CD) :978-3-8366-0682-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kravtchik, Ekaterina Oktober 2007: Marktkommunikation und Interaktion russischer Unternehmen am deutschen Markt aus der Perspektive russischer Top-Manager, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Management, Interaktion, Russland, Politik, Marktkommunikation
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Diplomarbeit von Ekaterina Kravtchik
Einleitung:
Russland hat sich seit 2001 zu einem der dynamischsten osteuropäischen Märkte mit einer jährlichen BIP-Wachstumsrate von durchschnittlich 6,75 Prozent entwickelt. Die Kaufkraft von russischen Konsumenten steigt und bietet enorme wirtschaftliche Chancen. Geschäftsleute aus Deutschland haben dieses Potential erkannt und suchen verstärkt den Kontakt zu russischen Geschäftsleuten. Auf der anderen Seite sehen auch russische Unternehmen im deutschen Markt ein Businesspotential. Eine besondere Bedeutung bekommen hierbei Kommunikation und Interaktion, denn beide Aspekte treten bei Geschäften und insbesondere bei Verhandlungen in den Vordergrund.
Vor diesem Hintergrund werden in dieser Diplomarbeit die kulturell-bedingten Aspekte der Kommunikation und der Interaktion russischer Unternehmen im deutschen Markt beleuchtet. Dabei wird auf zwischenmenschliche Kommunikation (interkulturelle Begegnungssituation, Verhandlungen) und auf Unternehmenskommunikation, speziell auf Marktkommunikation, eingegangen. Es werden die Fragen gestellt:
-Welche kulturspezifischen Probleme können bei der Interaktion zwischen Deutschen und Russen entstehen?
-Welche Form von Marktkommunikation bevorzugen russische Unternehmen im deutschen Markt und warum?
-Wie wirken sich die russische Kultur und Mentalität auf den Erfolg der Verhandlungen aus?
Mit dieser Arbeit sollen Erkenntnisse über die Kommunikation und Interaktion russischer Unternehmen gewonnen werden, die dann in Empfehlungen für deutsche Geschäftsleute für den Aufbau erfolgreicherer Geschäftsbeziehungen mit russischen Geschäftsleuten münden.
Als theoretische Grundlagen werden die Bedeutung von Kultur und deren Auswirkung auf das menschliche Verhalten vorgestellt (1.1). Außerdem wird ein allgemeines Kommunikationsmodell vorgestellt (1.2.2) und darauf aufbauend, spezielle Formen der Kommunikation dargestellt: interkulturelle Kommunikation (1.2.3) und Marktkommunikation (1.2.4). Den theoretischen Teil schließt der Blick auf Verhandlungen ab (1.3).
Zu jedem der genannten Bereiche werden Erkenntnisse zur Kommunikation und Interaktion russischer Unternehmen im deutschen Markt herausgefiltert und nach Lücken geschaut und Hypothesen formuliert. Offene Fragen sollen mit den Ergebnissen aus einer qualitativen Befragung beantwortet werden (Abschnitt 2). Abschließend werden die Untersuchungsergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst, Empfehlungen genannt.
Inhaltsverzeichnis:
| EINFÜHRUNG | 4 | |
| 1. | Relevanz der Thematik | 4 |
| 2. | Problem- / Fragestellung | 4 |
| 3. | Herangehensweise / Methodik | 5 |
| 1. | THEORETISCHE GRUNDLAGEN | 5 |
| 1.1 | Kultur | 5 |
| 1.1.1 | Definition des Kulturbegriffs | 5 |
| 1.1.2 | Kulturdimensionen nach Hofstede | 7 |
| 1.1.2.1 | Machtdistanz | 7 |
| 1.1.2.2 | Kollektivismus vs. Individualismus | 8 |
| 1.1.2.3 | Feminine vs. maskuline Kulturen | 9 |
| 1.1.2.4 | Unsicherheitsvermeidung | 9 |
| 1.1.2.5 | Langfristige vs. kurzfristige Orientierung | 10 |
| 1.1.3 | Anwendung der Kulturdimensionen von Hofstede auf Russland | 10 |
| 1.1.3.1 | Studie von Naumov und Puffer zur Charakterisierung der russischen Kultur anhand der Dimensionen von Hofstede | 10 |
| 1.1.4 | Kritische Analyse der Arbeiten von Hofstede und Naumov/Puffer | 13 |
| 1.2 | Kommunikation | 14 |
| 1.2.1 | Definition des Kommunikationsbegriffs | 14 |
| 1.2.2 | Kommunikationstheorie von Schulz von Thun | 15 |
| 1.2.2.1 | Ein psychologisches Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation | 15 |
| 1.2.2.2 | Agieren und reagieren: mögliche Ursachen von Kommunikations-störungen | 16 |
| 1.2.3 | Interkulturelle Kommunikation | 17 |
| 1.2.3.1 | Das Kulturstandard-Konzept von Thomas | 17 |
| 1.2.3.2 | Russische Kulturstandards | 18 |
| 1.2.3.3 | Verbale interkulturelle Kommunikation | 20 |
| 1.2.3.4 | Nonverbale interkulturelle Kommunikation | 22 |
| 1.2.3.5 | Monochronistische vs. polychronistische Zeitauffassung | 23 |
| 1.2.4 | Marktkommunikation | 24 |
| 1.2.4.1 | Definition der Marktkommunikation | 24 |
| 1.2.4.2 | Klassische Marktkommunikation (above the line advertising) | 25 |
| 1.2.4.3 | Nicht-klassische Marktkommunikation (below the line advertising) | 25 |
| 1.2.4.4 | Produktwerbung für Investitionsgüter | 26 |
| 1.3 | Verhandlungen | 26 |
| 1.3.1 | Definition des Verhandlungsbegriffs | 26 |
| 1.3.2 | Drei Verhandlungsphasen nach Ghauri | 27 |
| 1.3.3 | Definition der Verhandlungsstrategie | 28 |
| 1.3.4 | Verhandlungsstrategien nach Pruitt | 28 |
| 1.3.4.1 | Nicht integrative Verhandlungsstrategien | 29 |
| 1.3.4.2 | Integrative Verhandlungsstrategien | 29 |
| 1.3.5 | Das Dual Concern Modell von Pruitt/Rubin | 30 |
| 1.3.6 | Einige Elemente des russischen Verhandlungsstils | 31 |
| 1.4 | Zwischenfazit | 31 |
| 2. | ERKENNTNISSE ÜBER KOMMUNIKATION RUSSISCHER UNTERNEHMEN IM DEUTSCHEN MARKTAUS DER PERSPEKTIVE RUSSISCHER TOP-MANAGER | 32 |
| 2.1 | Marktkommunikation von russischen Unternehmen im deutschen Markt | 33 |
| 2.1.1 | Deskriptiver Teil | 33 |
| 2.1.2 | Messe als Kommunikationskanal | 34 |
| 2.1.3 | Kulturabhängigkeit der Produkte der russischen Unternehmen | 34 |
| 2.1.4 | Werbemaßnahmen | 35 |
| 2.1.5 | Zielgruppe | 35 |
| 2.1.6 | Ziel der Marktkommunikation | 35 |
| 2.1.7 | Werbekanäle | 36 |
| 2.1.8 | Ergebnisse des Messeauftritts | 36 |
| 2.2 | Russisches Businessmeeting: ein Beispiel zur Charakterisierung russischer Businesskultur | 36 |
| 2.2.1 | Verbale Kommunikation | 36 |
| 2.2.2 | Präsentation | 37 |
| 2.2.3 | Die russische Zeiteinstellung | 37 |
| 2.2.4 | Nonverbale Kommunikation | 38 |
| 2.2.4.1 | Dress-Code | 38 |
| 2.2.4.2 | Arbeitsklima | 38 |
| 2.3 | Russische Verhandlungsstrategien | 39 |
| 2.3.1 | Integrative Verhandlungsstrategien russischer Unternehmen | 39 |
| 2.3.1.1 | Das Porträt deutscher Geschäftspartner aus russischer Perspektive | 39 |
| 2.3.1.2 | Aufbau der Geschäftspartnerbeziehung | 39 |
| 2.3.1.3 | Merkmale einer optimalen Geschäftspartnerbeziehung | 41 |
| 2.3.1.4 | Prioritätssetzung bei den Verhandlungen | 41 |
| 2.3.1.5 | Kurzfristige vs. langfristige Orientierung bei den Verhandlungen | 41 |
| FAZIT UND EMPFEHLUNGEN | 41 | |
| ABBILDUNGEN | 44 | |
| ANHANG | 49 | |
| LITERATUR | 52 |
Textprobe:
Kapitel 1.2.2, Kommunikationstheorie von Schulz von Thun:
Ein psychologisches Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation:
Das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun vereint das Organon-Modell vom Sprachpsychologen Karl Bühler und das Kommunikationsmodell vom Psychotherapeuten Paul Watzlawick. Bühler betrachtet die Sprache als ein Werkzeug und weist jedem sprachlichen Zeichen eine dreifache Funktion zu: "Ausdruck" (Selbstoffenbarung), "Appell" und "Darstellung" (Sachinhalt).
Die Kommunikationstheorie von Watzlawick besagt, dass jede Nachricht einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt hat. Der Inhaltsaspekt ist mit der Bühlerschen "Darstellung" identisch. Der Beziehungsaspekt ist dagegen umfassender und vereint "Ausdruck", "Appel" und "Beziehung in engerem Sinne". Dieser bildet einen "metakommunikatorischen" Teil der Nachricht und zeigt, wie die Nachricht aufzufassen ist. Somit hat jede gesendete Nachricht vier Seiten:
1.Sachinhalt (worüber gesprochen wird).
2.Selbstoffenbarung (was man von sich selbst kundgibt).
3.Beziehung (wie man zueinander steht).
4.Appell (wozu man andere veranlassen möchte).
Es ist wichtig anzumerken, dass eine Nachricht nicht nur sprachliche (verbale), sondern auch nichtsprachliche (nonverbale) Anteile hat. Gestik, Mimik, Blickkontakt, Körpernähe, Tonlage und Lautstärke können den Sachinhalt der Nachricht vollkommen anders erscheinen lassen. Auch eine Nachricht ohne Sachinhalt, z. B. Schweigen, hat einen Mitteilungscharakter, weil die drei andere Seiten dieser Nachricht immer noch existieren.
Das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun ist in Abb. 3 dargestellt. Aus dem Schema wird ersichtlich, dass die gesendete Nachricht von der empfangenen Nachricht abweicht. Das liegt daran, dass der Empfänger dazu neigt eine von vier Seiten der Nachricht verstärkt wahrzunehmen. Der gesamte Nachrichteninhalt wird dadurch falsch interpretiert. Schulz von Thun fügt hinzu, dass die Missverständnisse in der Kommunikation naturgemäß eine Folge der Quadratur der Nachricht und eines schlecht ausbalancierten Empfangs sind.
Agieren und reagieren: mögliche Ursachen von Kommunikationsstörungen:
Zur Kommunikation gehören sowohl die Aktion des Senders, als auch die Reaktion des Empfängers. Abb. 4 schließt eine Rückmeldung des Empfängers ein, die auch vier Seiten hat. Mit dem Feedback signalisiert der Empfänger wie er die Nachricht verstanden hat. Dabei reagiert der Empfänger nicht auf die gesendete sondern auf die empfangene Nachricht. Bei der Dekodierung können Kommunikationsstörungen entstehen. Das Ergebnis der Dekodierung hängt von der Fähigkeit des Empfängers ab, die Nachricht zu entschlüsseln und richtig zu interpretieren. Erst nach der Rückmeldung des Empfängers weiß der Sender, ob seine Botschaft richtig verstanden wurde. Wenn Missverständnisse unaufgeklärt bleiben, können sie die folgende Kommunikation beeinflussen.
Schulz von Thun nennt folgende Ursachen für eine Kommunikationsstörung:
1.Sender und Empfänger benutzen unterschiedliche Code-Systeme. Das kann auf verschiedene Sprachen oder Sprachmilieus zurückzuführen sein.
2.Der Empfänger benutzt das eigene Selbstbild als Deutungsschlüssel für die gesendete Nachricht.
3.Das Erscheinungsbild des Senders (Geschlecht, Alter, Hautfarbe, Kleidungsstil inklusive Stereotypen und Vorurteile des Empfängers demgegenüber) ist der Schlüssel zur Interpretation der Nachricht. Der Empfänger hat bereits vor dem Informationstransfer eine bestimmte Erwartung an den Sender und sein Handeln.
Auf Basis eines allgemeinen Kommunikationsmodells können spezifische Kommunikationsformen erklärt werden: interkulturelle Kommunikation und Marktkommunikation.
Interkulturelle Kommunikation:
Der Grundvorgang der Kommunikation im interkulturellen Kontext bleibt unverändert. Es findet ein Informationsaustausch zwischen Sender und Empfänger statt. Jedoch wird interkulturelle Kommunikation als ein symmetrischer Prozess betrachtet, bei dem Sender und Empfänger nicht unabhängig voreinander gesehen werden können und bei ihrer Interaktion eine vollkommen neue gemeinsame Wirklichkeit (auch Interkultur genannt) konstruieren. Die Kultur spielt dabei eine regulative Funktion und liefert dem Sender und dem Empfänger Orientierungswissen.
Das Kulturstandard-Konzept von Thomas:
Den Begriff des Kulturstandards erklärt Sozial- und Kulturpsychologe Alexander Thomas als "alle Arten des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns, […] die von der Mehrzahl der Mitglieder einer bestimmten Kultur für sich persönlich und andere als normal, selbstverständlich, typisch und verbindlich angesehen werden".
Nach Thomas dienen die Kulturstandards zur Analyse interpersonaler Interaktion beim interkulturellen Kontakt. Die Kulturstandards werden vom Individuum nach erfolgreicher Sozialisation verinnerlicht und innerhalb der eigenen Kultur nicht mehr bewusst erfahren. Erst in der Interaktion mit fremdkulturell sozialisierten Personen können die Kulturstandards bemerkt werden. Wenn man kritisch verlaufende Interaktionssituationen oder interkulturelle Konflikte analysiert, kann man handlungswirksame Kulturstandards identifizieren. Durch das Zusammenfügen mehrerer Kulturstandards könnte die Kultur eines Landes modelliert werden.
Die Kulturstandards sind miteinander verbunden und hierarchisch angeordnet. Es gibt drei Arten von Kulturstandards: zentrale, bereichsspezifische und kontextuelle.
Zentrale Kulturstandards sind Standards, die in sehr unterschiedlichen Situationen wirksam werden und weite Bereiche der Wahrnehmung, des Denkens, Wertens und Handelns regulieren. Ein Beispiel dafür ist die Sachorientierung der Deutschen beim Problemlösen. Zentrale Kulturstandards einer Kultur können in einer anderen Kultur völlig fehlen oder unbedeutsamer sein.
Bereichspezifische Kulturstandards sind nur in einem bestimmten Handlungsfeld wirksam. Sie sind Aufgaben- und Personen-gebunden und werden nur in einem bestimmten beruflichen Umfeld aktiviert.
Kontextuelle Kulturstandards zwingen Vertreter der jeweiligen Kultur eine sehr genau umgrenzte Grundorientierung einzunehmen.
Das Kulturstandardkonzept von Thomas wird von Ertelt-Vieht kritisch betrachtet:
1.Den Kulturstandards mangelt es an begrifflicher Schärfe.
2.Kulturstandards sind an den Kontext und der interkulturellen Begegnungssituation gebunden.
3.Aufgrund des Kulturwandels können Kulturstandards nur eine zeitlich punktuelle Sicht auf die Kultur geben.
4.Kulturstandards allein können die Kultur nicht umfassend beschreiben.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836606820
Arbeit zitieren:
Kravtchik, Ekaterina Oktober 2007: Marktkommunikation und Interaktion russischer Unternehmen am deutschen Markt aus der Perspektive russischer Top-Manager, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Management, Interaktion, Russland, Politik, Marktkommunikation



