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Die Markowitz Theorie bei vermögenden Privatkunden: Spielt Behavioural Finance eine Rolle?

Die Markowitz Theorie bei vermögenden Privatkunden: Spielt Behavioural Finance eine Rolle?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Frank Wagemann
  • Abgabedatum: Juni 2009
  • Umfang: 91 Seiten
  • Dateigröße: 668,3 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Dortmund Deutschland
  • Bibliografie: ca. 75
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3399-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wagemann, Frank Juni 2009: Die Markowitz Theorie bei vermögenden Privatkunden: Spielt Behavioural Finance eine Rolle?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Behavioural Finance, Markowitz, Privatkunde, Wealth Management, Portfolio

Diplomarbeit von Frank Wagemann

Einleitung:

Problemstellung:

Die Anlageberatung vermögender Privatkunden stellt für Banken und deren Finanzberater eine besondere Herausforderung dar. Hinsichtlich Qualität und Exklusivität sowohl der Beratung als auch der Produkte hat, dieses Kundenklientel vergleichsweise hohe Ansprüche. Zusätzlich bürgt die Beratung dieses Kundensegmentes hohe Reputationsrisiken für Banken, denn es kann davon ausgegangen werden, dass eine Vielzahl von vermögenden Privatpersonen als ‘Meinungsmultiplikatoren’ bezeichnet werden können.

Aus den genannten Gründen, liegt es auf der Hand, dass Anlageideen nicht als isolierte Einzelentscheidungen getroffen werden, sondern vielmehr ein ganzheitlicher Investitionsansatz unter Berücksichtigung der Risiken Anwendung findet. In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, ob ein solcher Prozess, basierend auf der nobelpreisgekrönten Markowitz-Theorie, tatsächlich umgesetzt werden kann oder ob das irrationale Verhalten der Menschen ihre Entscheidungsfindung maßgeblich beeinflusst. Anhand von konkreten Beispielen werden dabei die Erkenntnisse der Behavioural Finance-Theorie (BFT) diskutiert und Lösungsvorschläge erarbeitet, wie sich ein Mix der beiden Theorien auswirken könnte.

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise, können die derzeitigen Kursschwankungen für vermögende Privatkunden schnell den Verlust vieler Millionen Euro bedeuten. So soll beispielsweise das Vermögen des russischen Milliardärs, Roman Abramowitsch, während des letzten Kalenderjahres von 11,7 Milliarden Pfund im vergangenen Jahr auf sieben Milliarden Pfund in diesem Jahr zurückgegangen sein. Der Verlust einer solchen Summe des privaten Vermögens, ruft bei vermögenden Personen eine große Druckssituation hervor. Unter diesen extremen Marktbedingungen scheint jegliche Rationalität der Markteilnehmer zu verschwinden. Die vorliegende Arbeit soll folgende Fragen diskutieren: Kann auf Basis theoretischer Modelle irrationales Verhalten verhindert werden und welche theoretischen Phänomene der BFT lassen sich bei der Beratung vermögender Privatkunden beobachten?

Gang der Untersuchung:

Wie in der vorangegangenen Problemstellung beschrieben, untersucht die Diplomarbeit, wie vermögende Privatkunden auf dem Kapitalmarkt agieren und welche Verhaltensmuster dabei auftreten. Um dem Leser die Orientierung im Text zu erleichtern, soll im Folgenden die Vorgehensweise der Untersuchung in prägnanter Form beschrieben werden.

In Kapitel zwei folgt eine Marktbeschreibung des Private Wealth Managements (PWM), die kurz aufzeigen soll, wie sich das Umfeld, in dem sich vermögende Privatkunden und die Berater bewegen, strukturiert, und vor allem soll dargelegt werden, wie bedeutend dieses Segment für die Privatbank innerhalb der Deutschen Bank ist. Zudem folgt eine Profilbeschreibung der Serviceleistungen, die PWM diesem außergewöhnlichen Klientel offeriert. Eine Eingruppierung dieser exklusiven Kundschaft verdeutlicht die Sensibilität und Zukunftsorientierung der Beratungsleistung.

Eine Einführung über die Markowitz-Theorie mit den Voraussetzungen und zentralen Annahmen dieser Theorie ist Bestandteil des Kapitels drei. Dabei soll herausgestellt werden, wie in der modernen Kapitalmarkt-Theorie unter der Annahme, dass die Akteure rational und emotionslos sind, ein optimales Portfolio strategisch aufgestellt werden kann und in welchen Bereichen dieser Ansatz von Markowitz innerhalb der Deutschen Bank Anwendung findet.

Dass die Ökonomie nicht nur auf rationalen Entscheidungen basiert, sondern dass auch Psychologie eine entscheidende Rolle spielt, wird durch die (BFT), die die Anomalien auf dem Kapitalmarkt erforscht, in Kapitel vier dargestellt und behandelt. Es wird beschrieben, dass die Menschen sich trotz ihrer Einzigartigkeit in bestimmten Verhaltensmustern wiederspiegeln und ihre Ziele und Bedürfnisse an 16 Lebensmotiven ausgerichtet sind. Ein Regelwerk bilden die Heuristiken, unter deren Einsatz komplexe Sachverhalte und die Informationsflut vereinfacht und selektiert werden können.

Die behandelten Themengebiete der BFT begründen zum einen die Fehleinschätzungen der Akteure hinsichtlich des Kapitalmarktes und zum anderen, dass eine effiziente Entscheidung allenfalls durch eine Mischung von Rationalität und Irrationalität hervorgebracht werden kann.

Eine Gegenüberstellung der Markowitz-Theorie und der BFT wird in Kapitel fünf durch ein ausgewähltes Fallbeispiel im Beratungsalltag der Deutschen Bank dargestellt. Das Fallbeispiel ist so aufgebaut, dass der Prozess von der Kundenaquise bis zur Anmeldung eines Neukunden für den Leser ersichtlich wird. Dabei wird exponiert, dass die Markowitz-Theorie die Basis für das Advisory Portfolio Tool (APT) bildet, mit dem ein bestehendes oder neues Depot analysiert und optimiert werden kann.

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSVERZEICHNIS I
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS III
ABBILDUNGSVERZEICHNISS VI
ALLGEMEINE BEGRIFFSDEFINITIONEN VII
1. EINLEITUNG 1
1.1 PROBLEMSTELLUNG 1
1.2 GANG DER UNTERSUCHUNG 2
2. MARKTBESCHREIBUNG PRIVATE WEALTH MANAGEMENT 3
2.1 HERKUNFT DES BEGRIFFS 3
2.2 KERN UND PROFILPRIVATE WEALTH MANAGEMENT DEUTSCHE BANK 4
2.3 UNTERSCHIEDLICHE EINSTUFUNGEN VON VERMÖGENDEN PRIVATKUNDEN 9
3. DIE MARKOWITZ -THEORIE BEI VERMÖGENDEN PRIVATKUNDEN 11
3.1 VORAUSSETZUNGEN FÜR DIE ANWENDUNG DER MARKOWITZ THEORIE 12
3.2 ZENTRALE ANNAHMEN UND AUSSAGEN DER PORTFOLIO - SELECTION THEORIE 14
3.2.1 DIE EFFICIENT FRONTIER 16
3.2.2 DAS OPTIMALE PORTFOLIO 18
3.2.3 DAS INDEX -MODELL 19
3.3 KRITISCHE WÜRDIGUNG DES MODELLS 21
3.4 ANWENDUNG INNERHALB DER DEUTSCHEN BANK 23
4. BEHAVIOURAL FINANCE 25
4.1 DEFINITION UND GRUNDSTEIN VON BEHAVIOURAL FINANCE 25
4.2 DIE 16 LEBENSMOTIVE 28
4.3 DIE DREI TYPEN VON MARKTTEILNEHMERN 30
4.4 DIE MARKOWITZ -THEORIE UND DIE RATIONALITÄTSFALLEN 34
4.5 DER ENTSCHEIDUNGSPROZESS 36
4.5.1 INFORMATIONSWAHRNEHMUNG UND VERARBEITUNG DURCH HEURISTIKEN 36
4.5.2 BEWERTUNG VON INFORMATIONEN 43
4.5.2.1 DIE ABNEHMENDE SENSITIVITÄT BEI GEWINNEN UND VERLUSTEN 44
4.5.2.2 DER REFLECTION - EFFEKT 47
4.5.2.3 ’DAS FESTHALTEN AN VERLUSTEN’ UND DESSEN AUSLÖSER 48
4.6 DIE ANOMALIEN AUF DEM KAPITALMARKT 50
4.6.1 DIE KONTROLLILLUSION UND OVERCONFIDENCE 51
4.6.2 WINNER`S CURSE 53
4.7 DIE BEHAVIOURAL FINANCE -THEORIE IN DER PRAXIS 54
4.8 KRITIK AN DER BEHAVIOURAL FINANCE THEORIE ( BFT ) 56
5. AUSGEWÄHLTES FALLBEISPIEL IM BERATUNGSALLTAG DER DEUTSCHEN BANK 58
5.1 DAS ADVISORY PORTFOLIO TOOL ( APT ) 58
5.2 ALLGEMEINE DEFINITION DER DEPOTOPTIMIERUNG 60
5.2.1 SITUATIONSBESCHREIBUNG 61
5.2.2 EINGABE DER DATEN 66
5.2.3 ERGEBNIS UND ANLAGEEMPFEHLUNG DURCH APT 68
5.3 DIE ENTSCHEIDUNG UNTER BEHAVIOURAL FINANCE 70
5.4 MÖGLICHE LÖSUNGSANSÄTZE ALS ANTWORT AUF DIE FINANZKRISE 73
6. RESÜMEE UND BEDARF WEITERER FORSCHUNG 76
LITERATURVERZEICHNIS 79
INTERNETVERZEICHNIS 83

Textprobe:

Kapitel 4.4, Die Markowitz -Theorie und die Rationalitätsfallen:

Die Markowitz Theorie basiert auf der Annahme, dass alle Menschen ihren Nutzen maximieren wollen und ihre Entscheidungen völlig emotionslos treffen. Goldberg und von Nitzsch hingegen betrachten die Marktteilnehmer als irrationale Akteure, deren Verhaltensmuster sich aus den in Abschnitt 4.3 beschriebenen Charakteren ableiten lässt. Aber dennoch versuchen die Menschen immer wieder dem Ideal eines rationalen Wesens zu entsprechen, indem sie durch ‘Gier’ doch ihren Nutzen maximieren wollen. Dies sind dann die Rationalitätsfallen, die im Folgenden näher betrachtet werden sollen.

Rationalitätsfalle 1: Heuristiken verleiten zum schnellen Handeln.

Wenn bei den Kunden oder Beratern die Informationsbasis sehr dünn ist und sie durch eine hektische Analyse versuchen, die Lage zu beurteilen, dann handeln sie ausgesprochen vorschnell. Ihre Entscheidungsfindung stützt sich auf nicht fundierte Erkenntnisse. Das hat zur Folge, dass sie sich nach sehr kurzer Zeit eingestehen müssen, dass sie eine Fehleinschätzung getroffen haben und diese nicht effizient war. Ihre Verhaltensmuster passen zu den Stereotypen. Des Weiteren ist es durchaus möglich, dass Zusammenhänge hergestellt werden, obwohl diese nur in ein Schema passen und in der Realität nicht existieren.

Rationalitätsfalle 2: Der Einstandspreis im Fokus und die relative Bewertung von Gewinnen und Verlusten.

Das relative Bewerten orientiert sich hierbei an den Einstandspreisen für ein bestimmtes Wertpapier. Dies stellt für den Marktteilnehmer die relative Erfolgsgröße dar, da er jede von ihm ausgewählte Position mit Gewinn abschließen möchte. Dabei lässt sein Verhaltensmuster hinsichtlich des Kapitalmarkts Rückschlüsse darauf zu, dass er bei einem Engagement, das sich hin zur Verlustzone entwickelt hat, zur Risikofreude neigt, um so einen günstigeren Kurs abzuwarten, der dann den Einstandspreis verbilligt. Bei einem Wertpapier hingegen, das sich in der Gewinnzone befindet, reagiert er risikoscheu oder realisiert verfrühte Gewinnmitnahmen, da er das ganze Engagement zu relativ bewertet hat. Dieses Phänomen führt zu einem Dispositionseffekt. Dieser Effekt, innerhalb der Prospect Theory, enthält eine unterschiedliche Bewertung von Gewinnen und Verlusten, was auch zu einer Verschiebung des Bezugspunktes führt.

Rationalitätsfalle 3: Das Retardieren einer misslichen Situation.

Sowohl der Kunde als auch der Betreuer haben ein Problem, sich einzugestehen, dass die getroffenen Entscheidungen nicht die erhoffte Wirkung erzielen, und beide suchen dringlichst nach einer Möglichkeit, die Situation wieder auf den richtigen Pfad zu bringen. Dabei leiden die Akteure meist an Selbstüberschätzung und könnten ihr Ego dadurch verletzen. Das kann verheerende Folgen auf dem Kapitalmarkt haben, da sie dazu neigen Informationen aufzunehmen, mit denen sie eventuell ihr schlecht laufendes Engagement ausgleichen können. Die wirklich wichtigen Neuigkeiten werden ignoriert und bleiben unberührt. Im Vordergrund steht nur eine missliche Situation zu vermeiden, um ein Spannungsfeld zu vermeiden.

Rationalitätsfalle 4: Overconfidence.

Hierbei kristallisiert sich heraus, dass der Marktteilnehmer von seiner persönlichen Marktmeinung zu sehr überzeugt ist und daran zu lange festhält. Das bedeutet, wenn er einmal einige Positionen mit Erfolg abgeschlossen hat, überschätzt er den Kapitalmarkt, und blendet alle gegenteiligen Informationen, Marktanalysen und Einschätzungen aus und geht ein erneutes erhöhtes Risiko mit derselben Ausgangslage wieder ein. Die Teilnehmer agieren meist auf nur einem Marktsegment. Zudem schrumpft der Diversifikationsvorteil, der mit einer Risikoverteilung einhergeht. Eine weitere Falle ist die Orientierung an dem Einstandspreis und den damit verbundenen Gewinnen, wobei der Akteur der Meinung ist, dass er über seine eingegangen Positionen die Kontrolle hat, aber sich in Wirklichkeit eine Illusionshülle darüber gebildet hat. Eine detaillierte Definition folgt im Abschnitt 4.5.3 Overconfidence.

Rationalitätsfalle 5: Der Kontrollverlust.

Das größte Bedürfnis, das der Rationalität entspricht, ist das Kontrollbedürfnis. Die Marktteilnehmer versuchen immer sehr gut informiert zu sein und alle Prognosen in ihre Entscheidung mit einfließen zu lassen. Sollte dies einmal nicht der Fall sein, was der Realität entspricht, so entwickelt sich daraus eine Stresssituation für die Akteure, was sie dazu bringt, Maßnahmen zu ergreifen, die die Kontrolle wieder herstellen sollen, was aber auch damit einhergeht, dass attraktive Investments unberührt bleiben. Dies führt zu unüberlegtem Handeln.

All diese fünf Fallen stellen Beispiele dar, wie sich Akteure auf dem Kapitalmarkt verhalten könnten und jeden Tag können wir an der Börse verfolgen, wie sich daraus eine explosive Mischung bildet, aus Rationalität und Irrationalität, da die Menschen empfindlich auf ihre Umwelt reagieren und nur so eine Bewegung des Marktes gewährleistet ist. Die Volatilität entsteht durch Aufnahme, Verarbeitung und Output von Informationen, sowie den Glauben an eine bestimmte Information.

Arbeit zitieren:
Wagemann, Frank Juni 2009: Die Markowitz Theorie bei vermögenden Privatkunden: Spielt Behavioural Finance eine Rolle?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Behavioural Finance, Markowitz, Privatkunde, Wealth Management, Portfolio

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