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Markenpolitik vor dem Hintergrund aufgebrochener Wertschöpfungsketten

Ansätze zur Lösung des Kosten- und Ertragsproblems im deutschen Universalbankensektor

Markenpolitik vor dem Hintergrund aufgebrochener Wertschöpfungsketten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Ingo Boldt
  • Abgabedatum: August 2003
  • Umfang: 94 Seiten
  • Dateigröße: 1,0 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7548-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7548-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7548-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Boldt, Ingo August 2003: Markenpolitik vor dem Hintergrund aufgebrochener Wertschöpfungsketten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Bankenkrise, Wertschöpfungsarchitektur, Bankloyalität, Markenpositionierung, Markenstrategie

Diplomarbeit von Ingo Boldt

Zusammenfassung:

Die deutschen Universalbanken stecken in der tiefsten Krise der Nachkriegsgeschichte. Da überfällige Restrukturierungsmaßnahmen aufgrund des Wiedervereinigungs- und Börsenbooms nicht rechtzeitig eingeleitet wurden, ist ein Kosten- und Ertragsproblem entstanden. Darüber hinaus haben veränderte rechtliche Rahmenbedingungen auf Europaebene und das Internet die Wettbewerbssituation noch verschärft. Die Universalbanken mit ihren flächendeckenden Filialnetzen galten lange als unangreifbar. Das Internet hat jedoch wesentlich zur Absenkung von Markteintrittsbarrieren beigetragen. Außerdem verändert und substituiert es einige Stufen der Wertschöpfung und trägt ferner zu einer Erhöhung der Wechselbereitschaft der Kunden und damit zu einer abnehmenden Bankloyalität bei. Die Summe dieser Faktoren verstärkt die Bankenkrise nun angesichts eines rezessiven Marktumfeldes.

Die deutschen Universalbanken, insbesondere die Großbanken, erwirtschaften zur Zeit negative Überrenditen, d.h. ihre Eigenkapitalkosten liegen über der Eigenkapitalrendite. In der Folge hat sich die Marktkapitalisierung bei einigen Kreditinstituten mehr als halbiert, was sie zu potentiellen Übernahmekandidaten werden läßt.

Zur Überwindung des Problems der Unternehmenswertvernichtung wird folgerichtig nach Kostensenkungspotentialen gefahndet. Teilweise gestaltet sich die Vorgehensweise jedoch zu undifferenziert. Bspw. werden einheitliche Kostensätze Abteilungen und Geschäftseinheiten unternehmensweit vorgeschrieben oder wichtige Projekte schlichtweg eingefroren. Darüber hinaus wird Kostenreduzierung durch Rückzug aus kollabierenden Märkten und dem generellen Abbau von Überkapazitäten sich nur als Einmaleffekt herausstellen, falls man dabei eine strategische Priorisierung unterläßt. Kostensenkungspotentiale sind bekanntlich limitiert und der Wettbewerb verschärft sich weiter. „Gewaltlösungen“ zur Kostenreduzierung sind unbrauchbar, da sie häufig die Kernkompetenzen der Banken angreifen. Im Falle einer nachfolgenden Aufschwungphase werden Kapazitätsengpässe sowie ein Verlust an Know-how die Rückkehr aus der Wertefalle vereiteln. Deshalb müssen zunächst die deutschen Banken ihre Wertschöpfungsarchitekturen überarbeiten, also ein wertschaffendes Geschäftsmodell mit einer Konzentration auf Produkte, Kundengruppen und geographische Märkte schaffen. Dabei kommt einer Optimierung der Wertschöpfungstiefe besondere Bedeutung zu. Danach muß wieder Effizienz durch eine verbesserte Aufwands/Kostenrelation angestrebt werden. In einem dritten Schritt kann eine Unternehmenswertsteigerung nur durch konstante Produktinnovation, durch Eroberung neuer Märkte sowie durch ein effektiveres Management der Kundenbeziehungen erreicht werden.

Innerhalb der vorliegenden Arbeit werden unternehmensstrategische Notwendigkeiten nicht nur unter dem Aspekt der Kostenreduzierung, sondern auch aus der Perspektive der Markenpolitik betrachtet. Diese ist im deutschen Bankensektor aufgrund der Jahrzehnte währenden Absenz eines ernsthaften Wettbewerbs nicht genügend kundenorientiert. Die deutschen Banken treten insbesondere im Privatkundengeschäft als integrierte Allrounder im Sinne eines „everything for everyone everywhere“ auf. Maßgebliche Alleinstellungsmerkmale existieren kaum. Der Bankdienstleistung fehlt ein Innovationsschutz und die Vertriebswege- sowie Preisgestaltung sind austauschbar. Ferner sind Werbebotschaften nicht nur weitgehend identisch, sondern Kunden erleben im Geschäftsalltag auch die Nichteinhaltung der Nutzenversprechen mit dem Ergebnis, dass sich die ohnehin schon geringe Glaubwürdigkeit der Banken noch weiter vermindert. Vor dem Hintergrund der Austauschbarkeit auf allen Ebenen ist es für die Kreditinstitute immanent wichtig, marktpolitische Maßnahmen zu lancieren, die eine ausgeprägte, institutsspezifische Präferenzbildung bewirken. Das Instrumentarium Marke bietet sich aus Kundensicht an, um einen Beitrag zur Reduktion der Austauschbarkeit zu leisten. Zusätzlich übernimmt die Marke wegen der Entpersonifizierung im Kunde-Bank-Verhältnis immer mehr die Funktion des Loyalitätsobjektes. Es lässt sich konstatieren, dass bisher nur wenige deutsche Kreditinstitute das Instrument „Marke“ so einzusetzen verstanden, dass ihnen ein nennenswerter Wettbewerbsvorteil entstand. Der kosteninduzierte Zwang zur Neupositionierung in der bankbetriebswirtschaftlichen Wertschöpfungskette bietet hingegen die einmalige Möglichkeit Alleinstellungsmerkmale aufzubauen.

Vor dem Hintergrund der skizzierten Problemstellung verfolgt die vorliegende Arbeit sowohl ein theoretisches als auch ein pragmatisches Wissenschaftsziel. Das theoretische Wissenschaftsziel strebt die Erklärung und Prognose des Forschungsobjektes an, wobei rein das Erkenntnisinteresse im Zentrum steht. Dies bedeutet übertragen auf diese Arbeit, die aktuelle Wettbewerbssituation zu analysieren und daraus resultierende Forderungen für das Bankmanagement aufzuzeigen, Markenpolitik als Instrument zur Abgrenzung im Wettbewerb zu untersuchen.

Das pragmatischen Wissenschaftsziel beinhaltet die Ableitung praktisch verwendbarer Handlungsempfehlungen, welche aus den Ergebnissen theoretischer Wissenschaftskonzeptionen abgeleitet werden können. Im Mittelpunkt steht die Beantwortung folgender Fragen:

- Welche Optionen haben die Banken aus unternehmensstrategischer Sicht, um das Kosten- und Ertragsproblem zu lösen?

- Wie kann Markenpolitik bei Implementierung dieser Optionen effektiv gestaltet werden, um die Kundenloyalität zu stärken?

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Der deutsche Bankenmarkt 4
2.1 Begriffsabgrenzung 4
2.2 Verschärfte Rahmenbedingungen im Privatkundengeschäft der deutschen Universalbanken 5
2.2.1 Struktur und Wandel des deutschen Bankenmarktes 5
2.2.2 Ursachen der Ertrags- und Kostenkrise im deutschen Universalbanksektor 6
2.2.3 Wettbewerbsbedingungen 9
3. Markenpolitik als Mittel zur Abgrenzung im Wettbewerb 21
3.1 Grundlagen der Markenpolitik 22
3.1.1 Historische Entwicklung 22
3.1.2 Markenbegriff 23
3.1.3 Wandel des Markenwesens 24
3.2 Die Marke im Privatkundengeschäft der Banken 26
3.2.1 Definition 26
3.2.2 Ansätze zur Erklärung des Markenphänomens im Privatkundengeschäft 27
3.3 Markenpolitik von Kreditinstituten 31
3.3.1 Markenpolitische Zielsetzungen 31
3.3.2 Positionierungspolitische Zielsetzungen 33
3.3.3 Basisstrategien der Markenpolitik im Privatkundengeschäft 35
3.3.4 Probleme in der Markenpolitik von Kreditinstituten 42
4. Überarbeitung der bankwirtschaftlichen Wertschöpfungsarchitektur als Voraussetzung für die Überwindung des Kosten- und Ertragsproblems 45
4.1 Langfristige Folgen der Aufspaltung der Wertschöpfungskette 45
4.1.1 Exkurs zur Konzentrationsstrategie einer Fabrikationsbank 49
4.1.2 Entstehen neuer Kooperationsformen 51
4.1.3 Auswirkungen auf die Kosten- und Ertragssituation dargestellt am Beispiel der Norisbank 53
4.2 Konsequenzen für die Markenpolitik 56
4.2.1 Ansätze für die Markenbildung 58
4.2.2 Steigerung der Markenwahrnehmung am Beispiel der Vertriebsbank 59
5. Schlussbetrachtung 74
6. Glossar 76
7. Literaturverzeichnis 79

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Universalbanken haben bisher auf horizontaler Ebene versucht, den Kunden ein möglichst breites Spektrum an Finanzdienstleistungen zu bieten und waren vertikal tief integriert. Traditionell wurden bisher alle Stufen der Wertschöpfungskette in Eigenregie bedient. Hierzu gehörte die Erstellung eigener Leistungen, die durch ein eigenes Vertriebssystem abgesetzt und im zugehörigen Backoffice verarbeitet wurden. Angesichts der verschärften Konkurrenzsituation bereitet diese „Verzettelung“ den Kreditinstituten nun zunehmend Probleme (Eine ausführliche Diskussion zu den Wettbewerbskräften erfolgte in Kapitel 2). Vergleichbar mit einem Zehnkämpfer sind die Universalbanken zwar in der Lage, akzeptable Leistungen zu bieten. Sie sehen sich jedoch immer häufiger mit Spezialisten konfrontiert, die deutliche Kostenvorteile bieten können. Die Deeskalierung der Kosten- und Ertragskrise ist jedoch nur durch eine Verringerung der Wertschöpfung auf vertikaler Ebene zu erreichen. Der Einsicht folgend, dass das Universalbankmodell in Zukunft keinen Bestand mehr haben wird, müssen die Banken durch eine geeignete Wettbewerbsstrategie versuchen, auf die Branchenstruktur Einfluss zu nehmen. [...]

Das Aufzeigen von Möglichkeiten für die nachhaltige Verbesserung der Gewinnsituation bzw. die Steigerung des Unternehmenswertes der Kreditinstitute bildet den Kern der vorliegenden Arbeit. In Kapitel 2 wurden die Ursachen der prekären Kosten- und Ertragssituation im Universalbanksektor und die Hintergründe sinkender Kundenloyalität diskutiert. Es konnte herausgestellt werden, dass aufgrund der Homogenität im Leistungsprogramm der Banken marktpolitische Maßnahmen lanciert werden müssen, um eine ausgeprägte, institutsspezifische Präferenzbildung zu bewirken. Dazu wurde in Kapitel 3 die Markenpolitik als Instrument zur Reduktion der Austauschbarkeit analysiert und Schwachpunkte bei deren Umsetzung im Bankenbereich aufgedeckt. Im nun folgenden Kapitel wird herausgearbeitet, welche Maßnahmen aus unternehmensstrategischer Sicht notwendig sind, um das Kosten- und Ertragsproblem zu lösen und welche Chancen sich dadurch für die Markenpolitik ergeben. [...]

Europa stark heimataffin ist. Umgekehrt bedeutet Polyzentralität eine Konzentration der Geschäftsaktivitäten auf die Gastmärkte. Hierbei variiert die Markenpolitik aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen der Zielgruppen in den jeweiligen Ländern stärker. Daher kann die Perzeption der Marke trotz der Homogenität der Leistung sehr unterschiedlich sein. Bei der Strategie der Regiozentralität stellt sich das gesamte Absatzgebiet zumeist in Form einer Triade bestehend aus Europa, Nordamerika und Asien dar. Die Markenpolitik differenziert sehr stark zwischen den einzelnen Wirtschaftsregionen. Innerhalb der Wirtschaftsregionen ist sie jedoch weitgehend homogen. Der Online Broker Charles Schwab ist in allen drei Märkten vertreten und kann hierbei als Beispiel aufgeführt werden. Die vierte, globale, Strategie ist am ehesten bei stark standardisierten Dienstleistungen, wie sie VISA oder American Express vorweisen können, implementierbar. Sie wird weitgehend ohne Berücksichtigung nationaler Unterschiede durchgesetzt. Der Markenauftritt ist weltweit einheitlich – die Geschäftstätigkeit erfolgt ohne räumliche Fixierung. Hierbei kann die Marke von vornherein oder sukzessive auf internationaler Ebene eingeführt werden. [...]

Arbeit zitieren:
Boldt, Ingo August 2003: Markenpolitik vor dem Hintergrund aufgebrochener Wertschöpfungsketten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Bankenkrise, Wertschöpfungsarchitektur, Bankloyalität, Markenpositionierung, Markenstrategie

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