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Markenführung in Theorie und Praxis

Eine exemplarische Analyse

Markenführung in Theorie und Praxis
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Marco Rose
  • Abgabedatum: Februar 2005
  • Umfang: 82 Seiten
  • Dateigröße: 477,7 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Kassel Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6270-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6270-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6270-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Rose, Marco Februar 2005: Markenführung in Theorie und Praxis, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Co-Branding, Markenerweiterung, Markentransfer, Markentyp, Markenstrategie

Diplomarbeit von Marco Rose

Gang der Untersuchung:

Aufgrund weitreichender Änderungen der Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren steht die strategische Markenführung vor neuen Herausforderungen. Die Wirtschafts- und Währungsunion wirkt sich auf die nationale Gesetzgebung aus und stellt somit eine Veränderung des rechtlichen Umfelds der Unternehmen dar. Doch nicht nur das rechtliche Umfeld hat sich in den letzten Jahren maßgeblich verändert. Auch technologische Neuerungen, vor allem das Internet mit weitreichenden Folgen für das Verhalten der Konsumenten, beeinflussen die markenpolitische Ausrichtung der Unternehmen.

Neben diesen Entwicklungen sind, mit besonderem Bezug auf die strategische Markenführung, aktuelle Veränderungen im Wettbewerbsumfeld, in der Markt- und Konsumentenstruktur und Trends im Verbraucherverhalten signifikant.

Durch die zunehmende Globalisierung und die daraus resultierende starke Verflechtung der Unternehmen kommt es zu einer schnellen Verbreitung von technischem Know-how, was wiederum zu einer Homogenisierung der Produkte und Leistungen führt und diese somit leicht substituierbar macht. Ein enormer Anstieg der Marken- und Produktvielfalt bei verstärkter Austauschbarkeit der einzelnen Produkte in einem zunehmend gesättigten Markt beschreibt den harten Verdrängungswettbewerb auf horizontaler Ebene. Der daraus entstehende starke Anstieg der Kommunikationsmaßnahmen stößt jedoch bei den Konsumenten auf eine begrenzte Aufnahme- und Verarbeitungsfähigkeit. Sie werden mit Informationen überlastet und nehmen nur noch einen Bruchteil der angebotenen Kommunikationsmaßnahmen wahr.

Eine weitere Herausforderung an die strategische Markenführung bildet der verstärkte vertikale Wettbewerb. Verursacht durch Konzentration und Kooperation des Handels, ist in den letzten Jahren eine Machtverschiebung zu seinen Gunsten festzustellen, welche durch das steigende Angebot von Eigenmarken verstärkt wird. Der Handel stellt für den Hersteller einen wesentlichen Kanal der Warendistribution dar. „Durch den Angebotsüberhang befindet sich der Hersteller in einer Käufermarktsituation, was dem Handel als Anbieter eine Funktion des „Gatekeepers“ zukommen lässt“.

Im Zusammenhang mit den genannten Faktoren gestaltet sich der Aufbau von neuen, starken Marken zunehmend schwieriger. Hohe Entwicklungs- und Einführungsaufwendungen für neue Marken bei einer Floprate von 75 bis 80 Prozent bei Neuprodukteinführungen veranschaulichen die geringen Erfolgschancen. Durch tendenziell kürzer werdende Produktlebenszyklen wird die Situation verschärft. Somit erweist sich die Amortisation des Markenaufwandes, im Besonderen bei Einzelmarken, zunehmend als schwierig.

Vor dem Hintergrund der beschriebenen Veränderungen der Rahmenbedingungen sind die Unternehmen nun mit einer notwendigen Anpassung ihrer strategischen Markenführung konfrontiert, was die zentrale Frage der Arbeit aufwirft: Welche unterschiedlichen Handlungsoptionen bestehen seitens der strategischen Markenführung, um den veränderten Rahmenbedingungen positiv zu entgegnen? Diese zentrale Frage der Arbeit lässt sich in einige Unterfragen aufgliedern:

- Welche generellen Markenführungsstrategien kommen zur Anwendung?

- Worin unterscheiden sich die einzelnen Markenstrategien?

- Welche Vor- und Nachteile liegen diesen Strategien zugrunde?

- Welche spezifischen Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren wirken sich auf die Markenführung aus?

- Welche zukünftigen Entwicklungen und Trends zeichnen sich bezüglich markenstrategischer Überlegungen ab?

Problemstellung:

Im Anschluss an die Einleitung werden in Kapitel zwei zuerst die markenstrategischen Basisalternativen als reine Markentypen behandelt und in ein einheitliches Raster unter Berücksichtigung ihrer Vor- und Nachteile gebracht. Die Einzel-, Familien-, Mehr- und Dachmarkenstrategie werden jeweils unter der Würdigung ihrer spezifischen konzeptionellen Ansätze anhand von ausgewählten Beispielen analysiert, um einen Einblick zu bekommen, welche Ausprägungsarten von Markenstrategien existieren und durch welche charakteristischen Merkmale sie geprägt sind. Auf diese Weise soll verdeutlicht werden, welche spezifischen Merkmale welcher Strategie zuzuordnen sind, wie sie sich gegeneinander abgrenzen und wie sie von den jeweiligen veränderten Rahmenbedingungen beeinflusst werden. Durch die gewählten Beispiele wird der erwünschte Bezug zur Praxis hergestellt.

Folgend wird darauf eingegangen, dass die Markentypen in der Praxis nicht immer in ihrer Reinform praktiziert werden und die Marktbedingungen eine bedeutende Rolle bei der Entscheidung für eine markenstrategische Kombination spielen. Dies ist notwendig, da die Arbeit einen Praxisbezug aufweisen soll und die Marktbedingungen einen Teil der zu klärenden Fragen beinhalten.

Nach der Erläuterung der Gründe für eine Markentypenentscheidung wird eine aktuelle Tendenz über die Entwicklungsrichtung dieser im Unternehmensprozess immer wieder geforderten Entscheidung aufgezeigt. Diese Vorgehensweise ist angebracht, um am Ende der Arbeit einen möglichen Trend der strategischen Markenführung entwickeln zu können. Das Kapitel schließt mit einem Ausblick auf bestehende Optionen, wenn die Markenführungskonzepte auf internationale Märkte ausgedehnt werden.

Das dritte Kapitel stellt die Prozesse von Markenerweiterungen und Markenkooperationen dar. Es beginnt mit einer Definition des Markenwertbegriffs, um das Kapitel verständlicher zu machen und um zu zeigen, welche Wirkung die später immer wieder beschriebenen Ausstrahlungs- bzw. Transfereffekte haben. Es folgt eine Darstellung der Markentransferstrategie mit ihren spezifischen Ausprägungsarten Line Extension und Brand Extension. Sie wird anhand ihrer charakteristischen Merkmale unter Zuhilfenahme ausgewählter Beispiele auf ihre Chancen und Risiken untersucht, um zu prüfen, ob diese noch relativ junge Markenführungsstrategie eine Handlungsalternative ist, mit der den veränderten Rahmenbedingungen positiv entgegnet werden kann.

Danach wird die Co-Branding-Strategie in ihrer horizontalen und vertikalen Ausprägung beschrieben und analysiert. Sie wird unter Berücksichtigung ihrer Vor- und Nachteile als Markenkooperation erforscht, um zu prüfen, ob sie eine Alternative zur Einzelmarkenstrategie bei Produktneueinführungen bietet. Aufbauend auf den Befunden dieser Arbeit erfolgt in Kapitel vier eine Schlussbetrachtung, die die wichtigsten Erkenntnisse darlegt und daraus einen möglichen Trend der strategischen Markenführung ableitet, um den veränderten Rahmenbedingungen positiv zu entgegnen.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
1.1 Fragestellung 1
1.2 Quellen 3
1.3 Methoden und Vorgehensweise 4
1.4 Aufbau der Arbeit 5
2. Typen von Markenstrategien 7
2.1 Anlässe markenstrategischer Entscheidungen 7
2.2 Einzelmarkenstrategie 7
2.3 Mehrmarkenstrategie 12
2.4 Familienmarkenstrategie 16
2.5 Dachmarkenstrategie 20
2.6 Markenstrategische Kombinationsmöglichkeiten 25
2.7 Markentypenentscheidungen 28
2.7.1 Konzeptschaffung 29
2.7.2 Konzeptänderung 30
2.8 Entwicklungsrichtungen bei Markentypenentscheidungen 31
2.8.1 Markenevolution 31
2.8.2 Markenrestrukturierung 33
2.9 Markenstrategien im internationalen Wettbewerb 34
2.9.1 Multinationale Strategie 34
2.9.2 Globale Markenstrategie 35
2.9.3 Gemischte Markenstrategie 38
3. Markenerweiterungen und Markenkooperationen 41
3.1 Markenwertbegriff 41
3.1.1 Finanzorientierter Markenwertansatz 41
3.1.2 Marketingorientierter Markenwertansatz 42
3.2 Markentransfer 44
3.2.1 Line Extension 49
3.2.2 Brand Extension 50
3.2.3 Chancen und Risiken des Markentransfers 52
3.3 Co-Branding 58
3.3.1 Ingredient Branding als vertikale Ausprägungsform des Co-Brandings 59
3.3.2 Co-Branding in seiner horizontalen Ausprägungsform 61
3.3.3 Potentielle Erfolgsfaktoren des Co-Brandings 62
3.3.4 Chancen und Risiken des Co-Brandings 63
4. Schlussbetrachtung 67
Quellenverzeichnis 74
Eidesstattliche Erklärung 80

Automatisiert erstellter Textauszug:

Bei der multinationalen Strategie führen die Unternehmen ihre Marken mit individuellen Konzepten, welche auf die jeweiligen Auslandsmärkte ausgelegt und abgestimmt sind. In den länderspezifischen Anpassungen liegt ein bedeutender Vorteil dieser Strategie. Laut Meffert kann sich das Unternehmen besser an die Bedürfnisse der Verbraucher anpassen und es findet „eine bessere Berücksichtigung von Unterschieden in den Kommunikations-, Preis- und Distributionsgegebenheiten bzw. bei gesetzlichen Bestimmungen statt“55. In der Praxis wird die multinationale Strategie von Nestlé mit den Familienmarken Sarotti und Alete erfolgreich umgesetzt. Dem Vorteil der guten Anpassung an die jeweiligen internationalen Märkte stehen jedoch auch gravierende Nachteile gegenüber. So können Synergien im Marketing nicht oder nur teilweise genutzt werden. Das Marketingkonzept muss an die jeweiligen landesspezifischen Gegebenheiten angepasst bzw. ganz neu entwickelt werden. Es ist möglich, dass das gleiche Produkt in verschiedenen Ländern unter einem anderem Namen und/oder einem anderen Produktdesign auftritt. Auch der Produktionsprozess muss dementsprechend angepasst werden. Durch diese Anpassungen kann wenig standardisiert werden, was zu finanziellen und koordinatorischen Belastungen führt. Ein weiterer Nachteil wäre, dass das Goodwill-Potential einer erfolgreichen Marke auf neuen internationalen Märkten nicht bzw. nur unzureichend genutzt werden kann. Der Markteintritt erweist sich als schwerer und kostenintensiver. Die Konsumenten können je nach Anpassung (Name, Produktdesign, Werbung, etc.) keine oder nur wenige evtl. mögliche positive Assoziationen mit dem Produkt verbinden. [...]

Eine Restrukturierung von Marken ist notwendig, wenn sich eine Marke im Laufe ihrer Entwicklung immer stärker von ihrem Stammgeschäft entfernt hat. Durch die laterale Diversifikation kann also ein Zwang zur Restrukturierung einer Dachmarke zu einem mehrstufigen System aus Familien- und Produktmarken entstehen. In vielen Unternehmen sind Marken und Markenstrukturen eher historisch gewachsen, als strategisch geplant. Durch Ankäufe, neue Marken und Markendehnungen können die Strukturen oft undurchschaubar und nicht mehr nachvollziehbar werden.53 Eine zweckmäßige Restrukturierung ist somit notwendig. Die einst diffuse Dachmarke Melitta mit seiner anschließenden Neustrukturierung kann hier als Beispiel aus der Praxis angeführt werden. Bei Melitta wurden über Jahre hinweg sehr heterogene Produkte angeboten (Kaffee/Kaffeefilter, Staubsauger- und Müllbeutel, Lebensmittelfolien und Luftreiniger), wodurch ein sehr diffuses Markenbild mit einer nur noch schwach erkennbaren Markenklammer entstand. Daraufhin restrukturierte Melitta das gesamte Markenbild. Die Dachmarke Melitta ist nun nur noch für Kaffeeprodukte (Filterpapier, Kaffeeautomaten und Kaffee) reserviert. Für die übrigen Produkte wurden neue Familienmarken eingeführt, wie beispielsweise die Marken Toppits für Gefrierbeutel, Swirl für Staubsaugerbeutel oder auch Aclimat für Luftbefeuchter. Durch die neuen Marken wurde sowohl mehr Glaubwürdigkeit und Kompetenz vermittelt, als auch entsprechende Klammern um die jeweiligen Geschäftsfelder geschlossen. Durch diese neu gebildeten Klammern können nun Produktinnovationen leichter durchgesetzt werden. Abschließend ist festzuhalten, dass es sowohl bei der Restrukturierung, als auch bei der Evolution von Marken darum geht, eine optimale Mischung zu finden. Es können Synergien, die sich durch die Nutzung einer Unternehmensmarke innerhalb der Markenarchitektur realisieren lassen, genutzt werden, wobei auf eine notwendige Differenzierung einzelner Marken nicht verzichtet werden darf.54 [...]

halb wird in der Praxis immer häufiger versucht, starke imageträchtige vorhandene Marken auszubauen. Durch Markentransfers soll die Einzelmarke in eine Familienmarke erweitert bzw. umstrukturiert werden. Starke, gut positionierte Marken können so schneller und vor allem effizienter in neue Märkte eindringen.51 Wie schon bei den Ausführungen zur Familienmarke angeführt, ist die Marke Nivea ein Beispiel, welches zeigt, wie sich diese Strategie erfolgreich in die Praxis umsetzen lässt. Die Muttermarke wurde unter Beachtung der Nutzenphilosophie „natürliche Pflege“ um viele bedarfsverwandte Produkte (Nivea-Milk/ -Lotion, -Gesicht, Sonnenpflege usw.) erfolgreich erweitert. Durch die Erweiterungen der starken und gut positionierten Einzelmarke konnte man neue Absatzmärkte erschließen und somit die hohen Marktinvestitionen auf mehrere Produkte verteilen. Die Kosten für Neuprodukteinführungen konnten gesenkt werden, da kein neuer Markenname am Markt etabliert und beworben werden musste. Generell werden also die Einzelmarken durch nutzenklammergerechte Markentransfers zur Familienmarke auf- bzw. ausgebaut. Besonders wichtig bei der Markenevolution ist eine imagemäßige Affinität zwischen dem Ausgangsprodukt und den geplanten Transferprodukten. Bevor also ein Markentransfer durchgeführt wird, müssen Untersuchungen hinsichtlich der Markenkompetenz und des Markenimages unternommen werden. Laut Becker führt diese einschränkende Bedingung „nicht selten dazu, dass der Markentransfer auf vorgesehene Zielprodukte nur in Stufen, d. h. im Sinne einer kontrollierten Produktlinienerweiterung, vollzogen werden kann“52. Um eine mögliche Markenerosion zu vermeiden, müssen vorschnelle und evtl. nicht stimmige Markentransfers vermieden werden. Die langsame und glaubwürdige Kompetenzerweiterung im Zeitablauf ist somit von enormer Bedeutung. Auch hier kann Nivea als positives Praxisbeispiel angeführt werden. Bevor die Marke der Beiersdorf AG einen Markentransfer in den Bereich Deodorant wagte, wurden zuvor einige andere Pflegeprodukte erfolgreich eingeführt, welche näher am Markenkern lagen. So wurden die Kompetenzen langsam erweitert, um später glaubwürdig in neue Märkte eindringen zu können. [...]

Arbeit zitieren:
Rose, Marco Februar 2005: Markenführung in Theorie und Praxis, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Co-Branding, Markenerweiterung, Markentransfer, Markentyp, Markenstrategie

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