Margaret Thatchers Wirtschaftspolitik und ihr Niederschlag in ausgewählten Romanen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Timm-Daniel Köpke
- Abgabedatum: Oktober 1995
- Umfang: 64 Seiten
- Dateigröße: 683,6 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6718-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6718-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6718-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Köpke, Timm-Daniel Oktober 1995: Margaret Thatchers Wirtschaftspolitik und ihr Niederschlag in ausgewählten Romanen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Fay Weldon, Malcom Bradbury, Realität, Fiktion
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Diplomarbeit von Timm-Daniel Köpke
Einleitung:
Nach über vierzig Jahren politischen Konsensus in Großbritannien läutete Margaret Thatchers Wahlsieg im Mai 1979 eine neue Ära ein. In den folgenden elf Jahren wurden politische Entscheidungen getroffen, die eine radikale Veränderung der sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zur Folge hatten.
Diese Umwälzungen wurden von vielen Autoren in ihren Werken reflektiert. Es seien beispielhaft Martin Amis (Money: A Suicide Note, 1984), Margaret Drabble (The Radiant Way, 1987), Salman Rushdie (The Satanic Verses, 1988) und David Lodge (Nice Work, 1988) genannt.
Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die Wirtschaftspolitik von Margaret Thatcher und zeigt auf, wie diese ihren Niederschlag in der Literatur gefunden hat. Die Analyse beschränkt sich auf zwei Romane: The Life and Loves of a She-Devil (1983) von Fay Weldon und Cuts: A Very Short Novel (1987) von Malcolm Bradbury. Diese Auswahl erhebt nicht den Anspruch, repräsentativ zu sein, sondern erfolgt, weil die beiden Autoren unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte setzen, die zusammen ein großes Spektrum der Veränderungen abdecken. Die Romane empfehlen sich auch deshalb für eine Analyse, da sie formal beziehungsweise stilistisch differieren.
Der Einleitung folgt ein geschichtlicher Überblick über die Nachkriegszeit und die Thatcher-Ära. Dem Leser soll dadurch das Verständnis für die Analyse wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Schwerpunkte in den folgenden Kapiteln erleichtert werden. Der getrennten Untersuchung der Werke wird eine generelle Betrachtung des Verhältnisses von Realität und Fiktion vorangestellt. Auf dieser theoretischen Grundlage aufbauend, werden je Roman zuerst bedeutende wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte untersucht. Nach der inhaltlichen Diskussion erfolgt dann eine Analyse wichtiger formaler und stilistischer Punkte. Die beiden Kapitel enden jeweils mit einer kritischen Würdigung. Abgeschlossen wird die Untersuchung durch einen Vergleich der betrachteten Erzählungen in bezug auf den Niederschlag des Thatcherismus.
Die Trennung in wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte - sowohl beim geschichtlichen Überblick als auch bei der Analyse der Literatur - führt in einzelnen Randbereichen zu Überschneidungen.
Die vorliegende Arbeit versteht unter Wirtschaftspolitik alle Regierungsmaßnahmen, die auf die Erfüllung folgender Ziele ausgerichtet sind: Preisniveaustabilität, stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum, hoher Beschäftigungsstand sowie außenwirtschaftliches Gleichgewicht. Bei der Darstellung wird das letztgenannte Ziel weitgehend ausgeklammert, da es während der Regierungszeit von Margaret Thatcher von untergeordneter Bedeutung war.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | II | |
| Tabellenverzeichnis | III | |
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Geschichtlicher Überblick | 3 |
| 2.1 | Politischer Konsensus 1945-1978 | 3 |
| 2.2 | Ära Thatcher 1979-1990 | 4 |
| 2.2.1 | Wirtschaftspolitik in der Praxis | 6 |
| 2.2.1.1 | Makroökonomische Maßnahmen | 6 |
| 2.2.1.2 | Mikroökonomische Maßnahmen | 8 |
| 2.2.2 | Wirtschaftliche Auswirkungen | 10 |
| 2.2.3 | Gesellschaftliche Veränderungen | 14 |
| 3. | Verhältnis von Realität und Fiktion | 17 |
| 4. | Margaret Thatchers Wirtschaftspolitik in der Literatur | 20 |
| 4.1 | Fay Weldon: The Life and Loves of a She-Devil | 20 |
| 4.1.1 | Darstellung wirtschaftlicher Aspekte | 22 |
| 4.1.2 | Darstellung gesellschaftlicher Aspekte | 23 |
| 4.1.3 | Formale und stilistische Aspekte | 30 |
| 4.1.4 | Kritische Würdigung | 32 |
| 4.2 | Malcolm Bradbury: Cuts: A Very Short Novel | 34 |
| 4.2.1 | Darstellung wirtschaftlicher Aspekte | 35 |
| 4.2.2 | Darstellung gesellschaftlicher Aspekte | 38 |
| 4.2.3 | Formale und stilistische Aspekte | 42 |
| 4.2.4 | Kritische Würdigung | 44 |
| 5. | Vergleichende Schlußbetrachtung | 48 |
| Literaturverzeichnis | 51 | |
| Anhang | 59 |
Seite 27 As it is, she owns four houses and these are cumulatively worth - depending on the state of the property market - anything between half a million and a million dollars. A house, of course, only means anything in financial terms if there is anyone to buy it, or if you can bear to sell it [...]. I wish un-luck in property matters on Mary Fisher. (5-6) Der Hinweis auf den Marktpreis hat seine Berechtigung, da Bobbos Geliebte die Häuser während einer Rezession verkaufen muß und nur geringe Verkaufserlöse erzielen kann. (133) Damit erweist sich der Geldwert von materiellen Gütern zu einem Teil als Fiktion. Ironie wird auch daran deutlich, daß die bekannte Autorin romantischer Bestseller Mary Fisher ausgerechnet mit ihrer ersten echten Liebe Bobbo ihre finanzielle Unabhängigkeit einbüßt, weil Ruth im Laufe der Geschichte durch hinterlistige Transaktionen ihren Mann und seine Geliebte finanziell ruiniert. Fay Weldon verdeutlicht durch die Hauptfigur die Herrschaft der Finanzen über moralische Prinzipien. Ruths Arzt will ursprünglich eine lebensgefährliche Schönheitsoperation nicht durchführen, wird von seiner Patientin aber durch finanziellen Druck dazu genötigt: „[...] ‘Then I am a mad multi-millionairess,’ she said, ‘and you will do as I say.’“ (233) Der Chirurg ist verletzt, als er realisiert, daß Ruth ihr langjähriges freundschaftliches Verhältnis als eine reine Geschäftsbeziehung betrachtet. (217) Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß Fay Weldon die Allmacht des Geldes aus moralischen Gründen stark kritisiert und Zweifel daran äußert, ob das Geld wirklich alle ihm zugedachten Funktionen erfüllen kann. Fay Weldon spricht im She-Devil weitere wirtschaftsethische Probleme an und zeigt, daß die freie Marktwirtschaft auch den privaten Bereich prägt: Mary Fisher, thought Bobbo, wept nice neat little tears, which had an altogether stronger surface tension than his wife’s and would surely be worth more on the open matrimonial market. If only there were such a thing, he would trade Ruth in at once. (23) Diese satirische Darstellung stellt die moralische Vertretbarkeit eines allgegenwärtigen Marktes in Frage. Der Roman offenbart an mehreren Stellen zweifelhaf- [...]
Seite 26 Wert von Dingen fixiert sind. Die Kritik der Autorin wird besonders deutlich, wenn Bobbo ein volkswirtschaftliches Konzept anwendet und den Wert des Geschlechtsverkehrs mit verschiedenen Personen berechnet.117 Die Regierung wird angeklagt, den Wertewandel aktiv zu betreiben: But now the needle [of government] was shaking, and quivering, and preparing for violent movement; a sharp swing to the right, and property and money would again be sacrosanct and human pain and inconvenience but a passing thing. (155) Bobbos Richter wendet die neuen moralischen Vorstellungen konsequent an, indem er Angeklagte für einen Mord zu drei Jahren und für einen Diebstahl zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. (149, 156) Die große Bedeutung des Geldes in der westlichen Gesellschaft wird im Roman ausführlich diskutiert, wobei sowohl positive als auch negative Effekte aufgezeigt werden. Geld verkörpert Freiheit und Unabhängigkeit. (72) Mary Fisher hat mit ihrem Einkommen den „High Tower“ in ein Liebesnest verwandelt und sich so zumindest vorübergehend eine Traumwelt aufgebaut. (69) Allerdings bietet auch ein großes Vermögen keinen absoluten Schutz gegen eine feindliche Umwelt, es gibt immer eine Angriffsfläche: „Mary Fisher has built her tower around her, and cemented the stone with banknotes, and lined the walls inside with stolen love, but still she is not safe. She has a mother.“ (76) Ruth holt diese sich ständig beklagende Mutter trickreich aus dem Altersheim, übergibt sie Mary Fishers Obhut und zerstört damit deren Privatsphäre in der Traumwelt des „High Tower“. (8594) Bereits zu Beginn des Romans wird angedeutet, daß der Wert von Mary Fishers Vermögen starken Schwankungen unterliegen kann: [...]
Seite 25 essential, if the woman was to continue with her traditional role of homemaker and also earn. (121) Ruth nimmt sich stets Zeit für die von ihr vermittelten Frauen, um deren private und berufliche Probleme zu besprechen. (121) Diese sind ihr für die Hilfe dankbar. (122) Fay Weldon gibt mit diesem Unternehmen ein wünschenswertes Beispiel für eine Firma, die moralischen Wertvorstellungen entspricht und sich besonders dank Ruths Einsatzbereitschaft am Markt behauptet: Within a month or so of its opening the Vesta Rose was functioning efficiently and was even in profit. [...] the agency even enjoyed a little fame; it was held up as a success story; an example to the weak-willed and complaining, what women could do if they really tried, if they hadn’t been fortunate enough to marry well! (120) Neben der erneuten Kritik an der Passivität der Frauen zeigt die Autorin auch, wie diese sich aus ihrer Abhängigkeit lösen können. Die Verfasserin übt also nicht nur durch die konkrete Beschreibung des Altersheims „Restwood“ Kritik an der unter Margaret Thatcher entstehenden neuen Unternehmerkultur, sondern zeigt auch eine realistische Alternative auf. Diese Entwicklung führt Fay Weldon in ihrem Roman Darcy’s Utopia (1990) noch ein Stück weiter. Dort entwirft eine Frau eine utopische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die im krassen Unterschied zu Margaret Thatchers Ideen steht. In dieser Gesellschaft ist Geld im Überfluß vorhanden und hat dadurch seinen Wert verloren. Die Menschen sind nun nicht mehr von Gier und Mißgunst geprägt, sondern helfen sich gegenseitig, handeln verantwortungsbewußt und nehmen Rücksicht aufeinander.116 Der Materialismus wird im She-Devil häufig auf ironische Weise dargestellt. Bei der Beschreibung vieler Gegenstände ist der Kaufpreis das wesentliche Element: „I [Ruth] was taken to visit her [Mary Fisher] once, and stumbled over the carpet a true Kashmiri rug valued at $2,540 - as I approached her.“ (9) Das ständige Aufzählen von Preisen verdeutlicht, wie stark viele Menschen auf den materiellen [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832467180
Arbeit zitieren:
Köpke, Timm-Daniel Oktober 1995: Margaret Thatchers Wirtschaftspolitik und ihr Niederschlag in ausgewählten Romanen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Fay Weldon, Malcom Bradbury, Realität, Fiktion



