Marek Hlasko
Die Selbstdarstellung in der Autobiographie
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Blanka Braun
- Abgabedatum: März 2007
- Umfang: 64 Seiten
- Dateigröße: 433,8 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- Originaltitel: Marek Hlaskos 'Piekni Dwudziestoletni' - Die Selbstdarstellung in der Autobiographie
- Bibliografie: ca. 50
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0623-3
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Braun, Blanka März 2007: Marek Hlasko, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Hlasko, Marek, Piekni dwudziestoletni, Selbstdarstellung (Motiv), Polnische Literatur
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Magisterarbeit von Blanka Braun
Einleitung:
Seine kontroverse Lebensweise und rebellische Einstellung führten dazu, dass er noch zu seinen Lebzeiten zum lebenden Mythos wurde. Hauptfigur verschiedener Geschichten und Anekdoten überschatten nicht nur sein literarisches Schaffen sondern auch seine Persönlichkeit. Aus der heutigen Sicht fällt es schwer zu unterscheiden, welche Berichte über ihn als Fakten und welche als Erfindungen einzuordnen sind. Es gibt nur wenige Informationen, die als tatsächlich gelten können.:Marek Hlasko. Urodzony 14 stycznia 1934 roku w Warszawie. Wzrost – 183 cm, wlosy blond, oczy niebieskie. Na prawym przedramieniu tatuaz.
Der einzige Sohn von Maciej und Maria (geb. Rosiak), gilt als einer der hervorragendsten polnischen Schriftsteller der Nachkriegszeit. Nachdem er die Schule frühzeitig abbricht, versucht Hlasko, u.a. als Hilfsfahrer und Fabrikarbeiter sich sein Lebensunterhalt zu verdienen.
Im Alter von 16 Jahren (1952) schreibt Hlasko seine erste Kurzgeschichte „Sonata Marymoncka“. Zwei Jahre später wurde die Erzählung „Baza Sokolowska“ veröffentlicht, die auch in den Debütband „Pierwszy krok w chmurach“ (1956) den Einzug fand. Auf Grund der guten Aufnahme bei den Lesern bekam der Band zwischen 1956 und 1958 noch zwei weitere Auflagen. In der Zeit entstehen weitere Erzählungen („Amor nie przyszedl dzis wieczorem“, „Glód“, „Zbieg“, „Ósmy dzien tygodnia“), die in verschiedenen Literaturzeitschriften gedruckt werden. Zwischen 1955 und 1957 arbeitet Hlasko in der Redaktion der Zeitschrift „Po Prostu“. Währendessen werden auf der Grundlage seiner Erzählungen auch einige Filme gedreht.
In Januar 1958 bekommt Hlasko den Verlegerpreis, der zum ersten Mal nach dem Krieg wieder verliehen wurde, für sein Debütband „Pierwszy krok w chmurach“. In demselben Jahr (Februar) fliegt Hlasko auf die Einladung des Literaturinstituts nach Paris.
Schon im April 1958 erscheinen im Westen die Erzählungen „Cmentarze“ und „Nastepny do raju“, für die der Autor mit den Literaturpreisen der Pariser Zeitschrift „Kultura“, sowie der Londoner „Wiadomosci“ ausgezeichnet wurde.
In Polen wird Hlasko unterdessen von allen Seiten (Kritiker, Behörden) erst scharf angegriffen, bald jedoch auf Grund seiner Ausreise in den Westen zu »Unperson« erklärt. Die Situation zwischen den polnischen Behörden und Hlasko führt dazu, dass er sich noch 1958 entschließt in Berlin um Asyl zu bitten. Trotz seiner Bemühungen darf er nie wieder in Polen einreisen und sein Name sowie seine Werke verschwinden bis Mitte der 70-er Jahre aus der offiziellen polnischen Literaturgeschichte. Obwohl Hlasko auch sehr schnell Bekanntheit im Ausland erlangt und seine Erzählungen schon 1958 in verschiedenen Sprachen gedruckt werden, verebbt bereits nach 1959 auch im Westen der Rummel um ihn.
1959 reist Hlasko nach Israel, wo er sich als Hilfsarbeiter schlägt. 1961 kehrt er nach Europa zurück und heiratet die Schauspielerin Sonia Ziemann, die er schon in Polen, bei den Dreharbeiten zu „Ósmy dzien tygodnia“ kennen gelernt hat. Die Ehe hält jedoch nicht lange, 1965 erfolgt die Trennung und zwei Jahre später die Scheidung.
In den Jahren der Emigration reist Hlasko nicht nur viel, sondern verfasst auch eine Reihe von Kurzgeschichten und Romanen. 1961 veröffentlicht die Pariser „Kultura“ die Kurzgeschichte „Powiedz im, kim bylem“. Im Jahre 1963 bringt das Pariser »Instytut Literacki« Hlaskos Erzählungssammlung heraus, die den sog. Israel-Zyklus eröffnet. Hierzu gehören die Romane „Brudne czyny“ (1962) und „Wszyscy byli odwróceni“ (1964), sowie die Erzählungen „Drugie zabicie psa“ (1965), „Nawrócony w Jaffie“ (1966) und „Opowiem wam o Esther“ (1966). Die Pariser „Kultura“ bringt 1966 auch seine Autobiographie „Piekni dwudziestoletni“ und 1967 seine Briefe aus Amerika. 1968 beendet Hlasko seine letzte Erzählung „Palcie ryz kazdego dnia“.
1969 am 14. Juni stirbt Hlasko in Wiesbaden.
Gang der Untersuchung:
Über der Kluft zwischen dem, was ein Mensch ist, und dem, was er sein möchte, bildet die Selbstdarstellung eine Art Brücke. Eine oft und gern genutzte Ausdrucksform für die menschliche Selbstdarstellung ist die literarische Autobiographie.
Diese Arbeit hat es zum Ziel, die schriftstellerische Selbstdarstellung in der Literaturgattung der Autobiographie zu untersuchen. Deswegen auch werde ich mich zunächst, bevor ich auf die Selbstdarstellung Marek Hlaskos eingehe, mit der Autobiographie als literarischen Gattung beschäftigen.
Die Autobiographie wird als eine der ältesten Formen der Selbstdarstellungsliteratur angesehen und kann in vielen Abwandlungen zu Tage treten. Trotz vieler Untersuchungen erscheint die Autobiographie immer noch eine unklare Position einzunehmen, deshalb werde ich bei der Gattungsbestimmung, vor allem die Merkmale, die eine Autobiographie kennzeichnen, untersuchen.
In der Autobiographie beschäftigt sich der Schreibende retrospektiv mit seinem eigenem Leben, indem er versucht aus der Gegenwart heraus, dem vergangenem Leben einen Sinn zu geben, bzw. diesen zu Erkennen. Dies scheint jedoch nicht der Fall bei Marek Hlasko zu sein. „Piekni Dwudziestoletni“ ist in jedem Fall ein autobiographischer Text und dennoch wird diese literarische Form von dem Autor eher als eine weitere Möglichkeit seines ständigen Selbstdarstellungsdranges und der Legendenbildung, als zur rückblickenden Erforschung seines Lebens genutzt.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | Einleitung | 1 |
| I.1 | Biographische Eckdaten | 1 |
| I.2 | Arbeitsvorgang | 3 |
| II. | Die Autobiographie | 4 |
| II.1 | Versuch einer Gattungseingrenzung | 5 |
| II.1.1 | Die Eigenschaften der Autobiographie | 7 |
| II.2 | Die Selbstdarstellung in der Autobiographie | 9 |
| II.3 | Die Problematik der Wahrheit in der Autobiographie | 12 |
| II.4 | Die Subjekt – Objekt – Frage | 13 |
| II.4.1 | Der autobiographische Antrieb | 14 |
| II.5 | Kurzer Überblick über die Geschichte der polnischen Autobiographie | 16 |
| II.6 | Die moderne Autobiographie | 17 |
| II.7 | Formen moderner autobiographischer Literatur in Polen | 21 |
| III. | Marek Hlaskos „Piekni Dwudziestoletni” | 25 |
| III.1 | Die Legendenentstehung | 26 |
| III.1.1 | Die Mythostheorien | 27 |
| III.2 | Polen | 29 |
| III.3 | Durch die Volksschule habe ich mich gemogelt… | 29 |
| III.4 | Das Debüt: So blöd kann ich das auch… | 31 |
| III.5 | Kommunismus | 34 |
| III.5.1 | Die Literatur | 35 |
| III.6 | Die Publizistik und die Denunziation | 36 |
| III.7 | Die Kritik des Frühwerks – Beitrag zum Verrätermythos | 39 |
| III.7.1 | Die Kritik nach der Ausreise | 40 |
| IV. | Der Westen | 43 |
| IV.1 | Der Kriminelle und der Träumer | 43 |
| IV.2 | Die Emigration | 45 |
| IV.3 | Vom sozialistischen Realismus zur 'wahrhaftigen Erfindung' | 48 |
| IV.4 | Hlaskos Leben als 'wahrhaftige Erfindung' | 51 |
| V. | Schluss: Eine Art Autobiographie | 54 |
| VI. | Literaturverzeichnis | 59 |
Textprobe:
Kapitel III.1 Die Legendenentstehung:
Die Legenden um Hlasko funktionierten schon zu seinen Lebzeiten und sind im Laufe der Zeit nicht weniger geworden, besonders viele kreisen um sein Privatleben, wobei er selbst nicht ganz unschuldig an deren Entstehung ist. Hlaskos Selbstdarstellung, deren Höhepunkt die literarische Autobiographie ist, machte sein Leben zum mythosträchtigen Symbol, das bis heute nicht nur in der literaturwissenschaftlichen Welt, sondern auch unter den immer noch neu dazu kommenden Lesern funktioniert.
Man kann mit Sicherheit sagen, dass Hlaskos frühes Ableben zu vermehrten Interesse an seinem Leben, seinem Schaffen sowie an den Legenden um ihn herum, beigetragen hat. Denn nichts generiert so viele Mythen und Legenden wie ein ungeklärter, früher Tod eines Prominenten. Hlasko selbst hat viel zu diesen Legenden beigetragen, er arbeitete fast sein ganzes Leben daran, um diese zu mehren und zu erfüllen und nicht zuletzt mit seinem literarischen Schaffen, mit dem er sich selbst ein Denkmal gesetzt hat. Denn der Zulauf an jungen Lesern ist heute noch enorm.
Hlaskos Tod machte die Legende von dem 'schönen Zwanzigjährigen' unsterblich. Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass sie schon vorher existiere und dass Hlasko sie miterschuf. Demnach kann man sagen, dass die Legenden, die um den Schriftsteller herum entstanden, nicht nur von 'außen' (Kritiker, Medien, Freunde, Familie usw.) sondern auch von 'innen', d. h. von ihm selbst auf verschiedene Art und Weise kreiert bzw. verbreitet worden sind.
Eines ist sicher – für jemanden der Hlasko – den Menschen kennen lernen möchte, sollte auch sein Werk kennen, denn sein Leben spiegelt sich im Leben seiner Figuren wider. Hlasko hat zu einer völligen Vermischung von autobiographischen Fakten mit der von ihm geforderten 'wahrhaftigen Erfindung' geführt.:
Neben den dominanten literatursoziologischen Bedingungen nährten die Legende »Hlasko« auch seine konsequente Identifizierung von Literatur und Privatleben, die Aura der Extravaganz und die effektvollen Selbstposen.
Wie schon gesagt, dies gilt nicht nur für seine Autobiographie, sondern auch für seine Erzählungen, denn Hlasko posierte nicht nur vor den anderen, sondern auch vor sich selbst.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836606233
Arbeit zitieren:
Braun, Blanka März 2007: Marek Hlasko, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Hlasko, Marek, Piekni dwudziestoletni, Selbstdarstellung (Motiv), Polnische Literatur



