Managementverlauf der Studienphase bei Mehrfachbelastung
Eine Analyse narrativer Interviews mit Hilfe der Grounded Theory
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Marcus Baranski
- Abgabedatum: August 2001
- Umfang: 185 Seiten
- Dateigröße: 940,5 KB
- Note: 1,8
- Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5414-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5414-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5414-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Baranski, Marcus August 2001: Managementverlauf der Studienphase bei Mehrfachbelastung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Studierende, Selbstmanagement, Hochschulreform, Gouvernementalität
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Magisterarbeit von Marcus Baranski
Einleitung:
Von einem einheitlichen Typus von Vollzeitstudierenden kann heutzutage nicht mehr die Rede sein. Vielmehr haben sich die Studierenden in eine Reihe verschiedener Typen ausdifferenziert, bei denen die Hochschule häufig nicht mehr den ehemals angestammten zentralen Platz in ihrer Lebensführung einnimmt, sondern als ein Lebensbereich unter mehreren angesehen wird. Das Studium konkurriert mit außeruniversitären Bereichen wie der Erwerbsarbeit, familiären und sozialen Verpflichtungen, außeruniversitärem Engagement und privaten Interessen. Gegenüber einem einstigem Fokus auf Studium und dessen Abschluss stehen heutige Studierende vor einer Fülle von Wahlmöglichkeiten, aber auch Belastungen.
Leitidee dieser Arbeit war es, möglichst viele verschiedene Strategien, mit denen Studierende im neuen Jahrtausend ihre Studienphase bewältigen aufzudecken, ihre Dispositionen kennen zu lernen sowie unterschiedliche Karrieren zu beleuchten. Um eine möglichst objektive Vorgehensweise zu gewährleisten, wurde sowohl bei der Datenerhebung als auch bei deren Auswertung auf Offenheit und die Möglichkeit der schrittweisen Annäherung an den noch auszumachenden konkreten Forschungsgegenstand Wert gelegt.
Aus den durch narrative Interviews gewonnenen Daten wurde über die prozesshafte Vorgehensweise der grounded theory schließlich der Managementverlauf der Studienphase verschiedener Studierendentypen ausgemacht. Anhand dreier exemplarischer Beispiele wird dieser dargestellt, wobei die Theoriegenerierung anhand relevanter empirischer Textstellen illustriert wird.
Wie sich abzeichnete, hat sich unabhängig von der noch in vollem Gange befindlichen hochschulpolitischen Diskussion um Studienreformen, Regelstudienzeiten, Studiengebühren etc. an den Hochschulen bereits eine Form von Selbstmanagement Studierender ausgebildet, welches starke Parallelen zu einem Verständnis des Ich als eigenständigem Unternehmen und der vieldiskutierten gesamtgesellschaftlichen Neoliberalisierung aufweist, in der die Kontrolle vom Staat hin zum Individuum übertragen wird, sprich von der Institution Hochschule hin zum einzelnen, eigenverantwortlichen Studierenden.
Um eine sachliche Auseinandersetzung mit dieser Entwicklung zu gewährleisten, wird auf Michel Foucaults Konzept der neoliberalen Gouvernementalität rekurriert, welches es erlaubt, diese Entwicklung losgelöst von einem ideologisch gefärbten Verständnis des Neoliberalismusbegriffes zu diskutieren. Der Managementverlauf der im Sinne dieser Untersuchung „neuen“ Studierendentypen wird vor diesem Hintergrund als eine Reihe studentischer Selbsttechnologien auf einem neoliberalen „Markt Hochschule“ dargestellt.
Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Entwicklung, speziell im Hinblick auf die verantwortungsvolle gesellschaftliche Vorreiterrolle Studierender, Forderungen an die Bildungspolitik sowie hieraus resultierende Ausblicke in die Zukunft runden diese Arbeit ab.
Im Gegensatz zum Gros der Studierendenforschung stehen bei dieser Arbeit einerseits die Dispositionen der Studierenden selbst, und nicht die Sichtweise bzw. Einschätzung der Institution Hochschule im Mittelpunkt, zum Anderen bietet sie mit ihrem qualitativen Schwerpunkt einen Gegenpol zur sonst häufig verwendeten quantitativen Vorgehensweise bei Untersuchungen zur Situation Studierender.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 2 |
| 1.1 | Zur Situation bundesdeutscher Studierender | 2 |
| 1.2 | Stand der Forschung | 4 |
| 1.3 | Fragestellung | 6 |
| 1.3.1 | Begriffsklärung | 7 |
| 1.4 | Aufbau der Arbeit | 10 |
| 2. | Methodenteil | 11 |
| 2.1 | Methodologische Hintergründe | 11 |
| 2.2 | Das narrative Interview | 13 |
| 2.3 | Die „grounded theory“ | 14 |
| 2.4 | Die Datenerhebung | 17 |
| 3. | Empirischer Teil | 21 |
| „Der Managementverlauf der Studienphase bei Mehrfachbelastung“ | 21 | |
| 3.1 | Drei Portraits von Studierendenkarrieren | 21 |
| 3.1.1 | „Janine“ | 21 |
| 3.1.2 | „Michael“ | 23 |
| 3.1.3 | „Martin“ | 25 |
| 3.2 | Die analytischen Kategorien | 26 |
| 3.2.1 | Kategorie Habitus | 27 |
| 3.2.2 | Kategorie soziales Netzwerk | 27 |
| 3.2.3 | Kategorie Kontext | 28 |
| 3.2.4 | Kernkategorie Managementverlauf | 28 |
| 3.3 | Die drei Typen | 30 |
| 3.3.1 | Die klare Linie: „Ein Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“ | 31 |
| 3.3.2 | Die Abweichler: „Laisser-faire“ | 40 |
| 3.3.3 | Theorie-Teil Mischtypus: „Pendeln zwischen den Polen“ | 52 |
| 3.3.4 | Fazit Die neuen Studierenden | 63 |
| 4. | Der neoliberalisierte Markt Hochschule | 65 |
| 4.1 | Die neuen Studierenden als Indikator einer Ökonomisierung des Sozialen | 65 |
| 4.2 | Foucaults Konzept der neoliberalen Gouvernementalität | 67 |
| 4.2.1 | Regierung | 69 |
| 4.2.2 | Herrschaftstechnologien und „Technologien des Selbst“ | 70 |
| 4.2.3 | Neoliberalismus | 72 |
| 4.3 | „Totale Mobilmachung Menschenführung im Qualitäts- und Selbstmanagement“ | 74 |
| 4.4 | Die gouvernementalisierte Hochschullandschaft und korrespondierende studentische Selbsttechnologien | 81 |
| 4.4.1 | Die neoliberalisierten Studierenden und Hochschulen | 81 |
| 4.4.3 | Studentische Selbsttechnologien | 85 |
| 4.5 | Kritische Diskussion der konstatierten Entwicklung | 90 |
| 5. | Schlussbetrachtungen | 96 |
| Literaturverzeichnis | 100 |
bei die Übertragung ökonomischer Prinzipien auf die Lenkung von Individuen, Gütern und Reichtümern. Hierzu stellt er fest: „Die Einführung der Ökonomie in die politische Amtsführung ist, glaube ich, der Haupteinsatz, um den es beim Regieren geht.“71 Foucault begreift den modernen Staat eher als eine verwickelte Kombination von Individualisierungstechniken und Totalisierungsverfahren, denn als eine institutionell-administrative Struktur. Der Begriff der Regierung erlaubt es ihm hierbei aufgrund des von ihm als weit verstandenen Bedeutungsfeldes anhand unterschiedlicher Formen von Menschenführung den Prozess der Herausbildung moderner Staatlichkeit und moderner Subjektivität zu untersuchen. Losgelöst von einer rein politischen Bedeutung erlaubt es sein Begriff der Regierung, Handlungsformen und Praxisfelder zu untersuchen, die sich damit befassen, inwieweit Formen von Fremdführung und Techniken der Selbstführung ablaufen und auf Individuen und Kollektive wirken. [...]
4.2.1. Regierung Foucault nähert sich der Begriffsbildung der Gouvernementalität über die Auseinandersetzung mit dem Problem der Regierung. Indem er eine Neuorientierung des Regierungsbegriffes vornimmt, erlaubt er Machtbeziehungen unter dem Blickwinkel von Führung zu analysieren und ermöglicht eine neue Dimension der Machtanalyse. Er versieht den Begriff Regierung mit einer Art Scharnierfunktion, die dreierlei erlaube: Regierung wird von ihm als Bindeglied zwischen strategischen Machtbeziehungen und Herrschaftszuständen verstanden. Der Begriff vermittelt zwischen Macht und Subjektivität, wobei deutlich wird, inwieweit sich Herrschaftstechniken und „Technologien des Selbst“ miteinander verknüpfen. Schließlich bietet er ein wichtiges Analyseinstrument, um die Macht-WissenKomplexe zu untersuchen. Wesentliche Form des Regierens ist für ihn hierbei nicht mehr nur das Regieren über andere, sondern auch über sich selbst. Erfordert das Regieren über andere das Befolgen einer Reihe von Herrschaftstechniken, so verlangt das Regieren seiner Selbst einen entsprechenden Einsatz von Selbsttechnologien. Wesentlich für diese „Regierungskunst“ ist nach Foucault hier- [...]
Ausführungen in erster Linie auf für die Untersuchungsergebnisse relevante Punkte konzentrieren66. Foucaults Begriff der Gouvernementalität, der Regieren (gouverner) und Denkweise (mentalité) semantisch miteinander verbindet, stellt ein wichtiges Analyseinstrument der von ihm immer wieder herausgestellten Macht-Wissen-Komplexe dar, indem soziale Beziehungen unter dem Blickwinkel von Menschenführung analysiert werden. Sein Untersuchungsinteresse liegt neben den Beziehungen von Macht und Subjektivität hierbei auf Herrschaftstechniken und den weiter unten detaillierter – weil im Hinblick auf die Untersuchungsergebnisse besonders relevant – behandelten „Technologien des Selbst“. Unter dem Begriff der Gouvernementalität wird von ihm hierbei dreierlei verstanden: „...die Gesamtheit, gebildet aus den Institutionen, den Verfahren, Analysen und Reflexionen, den Berechnungen und den Taktiken, die es gestatten, diese recht spezifische und doch komplexe Form der Macht auszuüben, die als Hauptzielscheibe die Bevölkerung, als Hauptwissensform die politische Ökonomie und als wesentliches Instrument die Sicherheitsdispositive hat. Zweitens verstehe ich unter ‚Gouvernementalität’ die Tendenz oder Kraftlinie, die im gesamten Abendland unablässig und seit sehr langer Zeit zur Vorrangstellung dieses Machttypus, den man als ‚Regierung’ bezeichnen kann, gegenüber allen anderen – Souveränität, Disziplin – geführt und die Entwicklung einer ganzen Reihe von Wissensformen andererseits zur Folge gehabt hat. Schließlich glaube ich, dass man unter Gouvernementalität den Vorgang oder eher das Ergebnis des Vorgangs verstehen sollte, durch den der Gerechtigkeitsstaat des Mittelalters, der im 15. und 16. Jahrhundert zum Verwaltungsstaat geworden ist, sich Schritt für Schritt ‚gouvernementalisiert’ hat.“67 Gemäß Foucault leben wir heute in einem Zeitalter der Gouvernementalität, wobei der Staat, so wie er sich heute darstellt, eben dieser zu verdanken ist. Nach ihm sind es die Taktiken des Regierens, die dem Staat zu jeder Zeit gestatten zu bestimmen, was in seine Zuständigkeit fällt und was nicht. Das Überleben des Staates sowie seine Grenzen sind laut Foucault nur mit dem Hintergrund der Gouvernementalität zu verstehen. Diese Form eines Regierungsstaates, der sich auf seine Bevölkerung stützt und sich zu Zwecken der Lenkung auf die Instrumente des ökonomischen Wissens beruft und von diesem Gebrauch macht, entspricht einer durch die [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832454142
Arbeit zitieren:
Baranski, Marcus August 2001: Managementverlauf der Studienphase bei Mehrfachbelastung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Studierende, Selbstmanagement, Hochschulreform, Gouvernementalität



