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Die Schlacht von Hastings im Jahre 1066

Die Repräsentation der Hauptakteure in Geschichte und Literatur

Die Schlacht von Hastings im Jahre 1066
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Jana Geburt
  • Abgabedatum: Dezember 2005
  • Umfang: 126 Seiten
  • Dateigröße: 778,3 KB
  • Note: 1,8
  • Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9614-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9614-2 P
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Geburt, Jana Dezember 2005: Die Schlacht von Hastings im Jahre 1066, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Normanne, Eroberung, England, Anglistik, Mittelalter

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Magisterarbeit von Jana Geburt

Einleitung:

Der Herzog fuhr wohl über das Meer, Er fuhr nach Engelland mit gewaltigem Heer. Er sprang vom Schiffe, da fiel er auf die Hand: ‘Hei’ – rief er - ‘faß´ und ergreife dich, Engelland!’ (Ludwig Uhland: Taillefer) Der 14. Oktober 1066 markierte einen der bedeutenden Wendepunkte in der englischen Geschichte. Nach dem Tode des kinderlosen König Eduard – des Bekenners – aus der angestammten Dynastie Cerdics hatten drei nicht diesem Haus angehörenden Bewerber – Harold Godwinsson (Earl von Wessex), Harald Hardraada (König von Norwegen), Wilhelm (Herzog der Normandie) – Anspruch auf den Thron Englands erhoben.

Der Earl von Wessex erlangte raschen Zugriff auf die Königswürde. Doch innerhalb weniger Monate wurde das Inselreich durch Invasionen der beiden anderen Prätendenten in einen verhängnisvollen Zweifrontenkrieg hineingezogen. Während der norwegische König in der Schlacht von Stamford Bridge (25.09.1066) besiegt werden konnte, unterlagen die überanstrengten angelsächsischen Fußtruppen an der Südküste bei Hastings dem aus Reiterei, Bogenschützen und anderen Fußsoldaten zusammengesetzten Lehns – und Söldnerheer des Normannenherzogs. Harold von Wessex hatte seine Machtmittel und Kriegskunst überschätzt und fand in der berüchtigten Schlacht von Hastings seinen Tod. Diese Schlacht bildete die Grundlage der so genannten „normannischen Eroberung“ Englands, die die Vereinigung von insularem und kontinentalen Herrschaftsbereichs des Herzogs beinhaltete. Der normannische Herzog nahm am Weihnachtstag des Jahres 1066 in der Grabeskirche des Bekenners zu Westminster die Königswürde der Angelsachsen auf und baute eine zentralistische Herrschaft über das gewonnene Land und seine Leute auf. Das Königtum Wilhelm I. des Eroberers (1066 – 1087) leitete darüber hinaus eine zukunftsweisende enge Verflechtung zwischen England und dem „lateinischen“ Europa ein. Das Inselreich löste sich damit aus seinen traditionellen Bindungen an das wikingische Skandinavien.

Diese Arbeit versucht, die Hintergründe jenes epochalen Ereignisses zu erklären. Im Zentrum der Darstellung sollen jedoch die Handlungsträger, ihre Verflechtungen und schicksalhafte Bindungen stehen. In diesem Zusammenhang ist es notwendig, die Charakteristika und Persönlichkeitsprofile der Akteure, auf Grundlage der historischen Quellenlage und ihrer fiktiven Bearbeitungen in verschiedenen literarischen Genres, zu ermitteln.

Hierbei werden im ersten Abschnitt, in der historischen Betrachtung, die jeweiligen Personen und Ereignisse in Form von Episoden in chronologischer Reihenfolge interpretiert. Die Basis hierfür sind die zeitgenössischen (angelsächsischen und normannischen) Überlieferungen und die Quellen des 12. und 13. Jahrhunderts. Darüber hinaus soll ein kurzer Ausblick auf die Bewertung der Schlacht und ihrer Hauptakteure aus europäischer Sicht erfolgen.

Die Schilderung fokussiert sich auf Eduard den Bekenner, sein Verhältnis zu den Vertretern des Hauses Godwin, das zu jener Zeit ein wichtiges Machtzentrum Englands darstellte, und die Beziehungen beider Parteien zu Wilhelm von der Normandie. Von diesem Ausgangspunkt aus soll dann die weitere Entwicklung der Personendarstellungen in den historischen Werken bis in die die Moderne nachgezeichnet werden.

Im zweiten Teil, der literarischen Betrachtung, wird dann anhand ausgewählter Werke auch versucht, die historischen Persönlichkeiten im fiktiven Kontext näher zu beleuchten.

Die meisten literarischen Darstellungen basieren im Wesentlichen auf den vorher angeführten historischen Überlieferungen. Aus diesem Grund ist es auch interessant, die Bearbeitung des historischen Stoffes genauer zu betrachten. Zudem sollen auch hier mögliche Tendenzen sichtbar gemacht werden.

Die Repräsentation der Hauptakteure der Schlacht von Hastings in Geschichte und Literatur verkörpert eine Thematik, die, in den jeweiligen Betrachtungsweisen, Stoff für viele Kontroversen gab. Im gleichen Maße jedoch ist dies ein unerschöpflicher Bereich. Die Darstellung der individuellen Charakterzüge der einzelnen historischen Persönlichkeiten war immer abhängig von Zeit, Kontext und Umständen. Somit wird hierin untersucht, wie einzelne Entwicklungen und Tendenzen in den historischen und literarischen Betrachtungen die Bilder der einzelnen Hauptakteure prägten.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
Historische Betrachtung 3
I. Historische Überlieferung 3
I.1. Zeitgenössische Überlieferungen 5
I.1.1 Angelsächsische Quellen 5
a. Anglo – Saxon Chronicle 5
b. Vita Eadwardi Regis qui apud Westmonasterium requiescit 5
I.1.2 Normannische Quellen 9
a. Wilhelm von Jumièges: Gesta Normannorum Ducum 9
b. Wilhelm von Poitiers: Gesta Guillemi ducis Normannorum et regis Anglorum 10
c. Carmen de Hastingae Proelio 12
d. Der Bildteppich von Bayeux 14
I.2 Überlieferungen des 12. Jahrhunderts 15
a. Chronik des John von Worcester 15
b. Ordericus Vitalis: Historia Ecclesiastica 17
c. Wilhelm von Malmesbury: Gesta Regum Anglorum 19
d. Wace: Roman de Rou 20
I.3 Nordische Überlieferungen : Skaldenlyrik, Königssagas, Snorri Sturluson 22
a. Skaldenlyrik 22
b. Königssagas 23
c. Snorri Sturluson: Heimskringla 24
I.4 Vita Haroldi 25
I.5 Europäische Sichtweisen: kontinentale und skandinavische Berichte 26
II. Die Schlacht von Hastings: Die historische Betrachtung der Hauptakteure 33
II.1 Eduard der Bekenner und die Vertreter des Hauses Godwin: Ursprünge und Entwicklung 34
a. Die frühen Jahre 37
b. Das Ringen um die Herrschaft 38
II.2 Kampf um die Vormachtstellung: Die Vertreibung und Rückkehr des Hauses Godwin 38
II.3 Die Frage der Nachfolge 41
II.4 Die Aufstiege Harold Godwinssons und Wilhelms von der Normandie 44
II.5 Der Eid 47
II.6 Das Ende einer Herrschaft: Der Tod Eduard des Bekenners 51
II.7 Rex Haroldus 55
II.8 Die Schlacht von Stamford Bridge 58
II.9 Die Schlacht von Hastings 61
II.10 Schilderungen über das Fortleben König Harolds II. 69
III. Die historische Darstellung der Schlacht von Hastings und ihrer Hauptakteure bis in die Moderne 74
Literarische Betrachtung 77
IV. Der viktorianische historische Roman: Die Schlacht von Hastings bei Edward Bulwer – Lytton und Charles Kingsley 79
a. Edward Bulwer – Lytton: Harold, der letzte Sachsenkönig (1848) 80
b. Charles Kingsley: Hereward the Wake (1866) 86
V. Das viktorianische Drama: Alfred Tennysons „Harold, a Drama“(1876) 88
VI. Darstellung von Historie im Kinderbuch: Die Schlacht von Hastings in Rudyard Kiplings „Puck of Pook´s Hill“(1910) und „Rewards and Fairies“(1913) 94
VII. ‘Comic Histories’: Die humorvolle Darstellung von Historie in Punch und dessen Ablegern 100
VIII. Der historische Roman im 20. Jahrhundert: Die Schlacht von Hastings bei Hope Muntz und Julian Rathbone 104
a. Hope Muntz: Der Goldene Reiter (1949) 104
b. Julian Rathbone: Der letzte englische König (1997) 109
Abschluss 116
Literaturverzeichnis 119

Automatisiert erstellter Textauszug:

Hierbei bestätigt nur John von Worcester die Weihe durch den Erzbischof von York.205 In der Darstellung des Bildteppichs von Bayeux sieht man, dass einer der zwei Männer, die vor Harold stehen, die Krone übergibt. Daneben sitzt dann der neue König mit Zepter und Reichsapfel auf dem Thron. Rechts von Harold wird ihm das Staatsschwert dargereicht. Auf der anderen Seite hält der Erzbischof von Canterbury (Stigand) im Ornat das Manipel und hebt seine Hände. Der Teppich bekundet damit, dass Stigand die Krönungszeremonie vornahm.206 Wilhelm von Poitiers stellt diese Krönungszeremonie, im Sinne der normannischen Propaganda, als einen verräterischen und hinterhältigen Akt dar. Harold stiehlt die Krone und wird auch noch durch den unkanonischen, mit dem Bann belegten, Stigand geweiht.207 Die gleiche Haltung nimmt auch Ordericus Vitalis ein. Die unangemessene Hast der Vorgänge könnte darauf hinweisen, dass Harold den Plan schon vorher gefasst hatte und um mögliche Opposition fürchtete. Gerade in der Übergehung von Edgar Atheling, als den letzten legitimen Nachfolger aus dem Hause Cerdics, der zu diesem Zeitpunkt noch zu jung war, hätte ein solcher Moment bestehen krönen; oder eine illegitime Betrachtung der Designation durch Eduard den Bekenner hätte Gegner, sogar aus den eigenen Reihen, hervorrufen können. Jedoch könnten die Umstände jener Zeit schnelles Handeln erfordert haben. Man wusste, dass von Skandinavien her ein erneuter Angriff auf England bevorstand und dass Tostig von Flandern mit Waffengewalt zurückkehren konnte. Unter diesen Umständen war eine harte Führung notwendig, die am Besten vom Earl von Wessex, der bereits der mächtigste Mann in England war, übernommen werden konnte.208 In diesem Zusammenhang ist die Haltung von Tostig Godwinsson interessant. Es ist zwar nicht erwiesen, ob er sogar selbst nach der englischen Krone trachtete, jedoch ist seine Reaktion auf Harolds Inthronisierung nur wenig positiv. In der Heimskringla steht: „Als aber Jarl Tosti, sein Bruder, erfuhr, da war er wenig zufrieden.“ 209 Er kehrte nach England zurück [...]

König Eduard war ohne Nachkommen verstorben, daher trat sofort wieder die Frage der englischen Thronfolge in den Vordergrund. Die Hauptakteure der folgenden Geschehnisse, die sich um die Problematik drehten waren: Earl Harold von Wessex, König Harald Hardraada von Norwegen,203 der verbannte Earl Tostig von Northumbria und natürlich Herzog Wilhelm II. der Normandie. In der Rivalität jener Männer spiegelten sich hierbei auch die großen politischen Probleme wider, die durch die Beziehungen zwischen Skandinavien, England und der Normandie entstanden waren. Überdies berichten die zeitgenössischen Darstellungen von einem unheilvollen Omen, – einem Kometen – das am Himmel am Himmel in Europa aufzuleuchten begann.204 Harold Godwinsson ergriff die Gelegenheit und ließ sich einen Tag nach dem Tode Eduard des Bekenners, d.h. am Tage seiner Beerdigung, mit Unterstützung einer in London anwesenden Gruppe von Feudalherren wählen und zum König krönen; anscheinend geschah dies durch Erzbischof Ealdred von York in des Bekenners neuen Abtei von Westminster. [...]

Verhaltens offenbart eine findige und intelligente Urteilskraft. Obwohl er sich in den letzten Jahren seiner Herrschaft überwiegend dem religiösen Bereich widmete, bedeutet das automatisch nicht, er wäre plötzlich politisch handlungsunfähig gewesen. Der Strudel der Ereignisse lässt heute nur keine Alternative durchscheinen. Viele Urteile über die Person Eduard des Bekenners waren meist in Interpretationen mit politischer Zielsetzung eingebettet, die sich oftmals in ungerechtfertigten Ressentiments im Zusammenhang mit der normannischen Invasion Englands äußerten. Seine wahren Errungenschaften wurden oft ignoriert. In der Zeit zwischen 1042 und 1066 war unter Eduards Herrschaft ein Königreich entstanden, das eine größere organische Einheit als jemals zuvor darstellte. Er verlieh dem frühmittelalterlich geprägten England die Struktur eines festen Staatsgebildes. [...]

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Arbeit zitieren:
Geburt, Jana Dezember 2005: Die Schlacht von Hastings im Jahre 1066, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
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