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Der wirtschaftspolitische Transformationsprozess in Russland

Der wirtschaftspolitische Transformationsprozess in Russland
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Daria Berejnistkaia
  • Abgabedatum: Juni 2005
  • Umfang: 154 Seiten
  • Dateigröße: 821,9 KB
  • Note: 2,1
  • Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9544-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9544-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9544-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Berejnistkaia, Daria Juni 2005: Der wirtschaftspolitische Transformationsprozess in Russland, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Arbeitsmarktpolitik, Systemtransformation, Osteuropa, Wirtschaftspolitik, 90er Jahre

Magisterarbeit von Daria Berejnistkaia

Einleitung:

Trotz der langfristigen instabilen Entwicklung ist Russland aus dem internationalen Kontext nicht wegzudenken. Der Staat, der sich auf 4000 Kilometer vom Norden nach Süden und 9000 Kilometer vom Westen nach Osten erstreckt, und ungeachtet des Zusammenbruchs der Sowjetunion immer noch das größte Land der Erde ist, kann nicht als ‚kranker Bär’, gebrochene Großmacht und Opfer des 70-jährigen Sozialismus in Vergessenheit geraten und von der Weltgemeinschaft nicht berücksichtigt werden. Ein großes ökonomisches und politisches Potential verbirgt sich in dem Staat mit 147 Millionen Einwohnern, die sich zum Teil in der europäischen und zum Teil in der asiatischen Hälfte der Erde zu Hause fühlen.

Nicht umsonst gehört Russland zu den so genannten „Big Five“-Nationen. Neben China, Indien, Brasilien und Indonesien ist Russland eines der bevölkerungsreichsten und somit attraktivsten Schwellenländer der Erde. Außerdem offenbart sich das Land der Dichter und Denker, aber auch der Revolutionäre und Forscher unter Berücksichtigung mehrerer Besonderheiten, aber auch nicht zuletzt aufgrund seiner geografischen Lage und Geschichte als kultureller Mittler zwischen der östlichen und der westlichen Welt. „Bei aller Skepsis gegenüber klaren Prognosen für Russland sollte die positive Dynamik nicht unterschätzt werden. (…) Das heutige Russland ist schon meilenweit entfernt von seinen ersten chaotischen Erfahrungen im Übergang vom Sowjetsystem zur Demokratie und von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft „, – fasst Margareta Mommsen, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität München die Meinungen vieler Russlandforscher zusammen.

Die wirtschaftlichen Transformationsprozesse in Russland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion können nicht getrennt von den Veränderungen im Rechts- und Sozialsystem und in dem kulturellen Leben der Russen betrachtet werden. Der wirtschaftliche Wandel in der Russischen Föderation muss unter der Berücksichtigung der Umgestaltung in der russischen Politik untersucht werden.

Gang der Untersuchung:

Bei der Analyse der Literaturquellen zur aktuellen Entwicklung Russlands und insbesondere zum wirtschaftspolitischen Transformationsprozess in Russland lässt sich ein gestiegenes Interesse an der russischen Problematik von Seiten der Wissenschaftler und der Presse feststellen. Es werden jeden Tag mehrere Zeitungsartikel, Fernsehreportagen und Radioberichte über Russland rund um den Globus veröffentlicht. Viele ausländische Unternehmen wagen die ehemalige kommunistische Bastion als einen attraktiven Investitionsstandort für sich in Betracht zu ziehen. Viele von ihnen sprechen von Russland als von einem „gelobten Land“ für ihre Kapitalanlagen.

Dabei ist die beeindruckende Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft zu Russland keine Selbstverständlichkeit. Das Forschungsinteresse in Bezug auf Russland wurde in den letzten Jahren durch die negativen Ereignisse im Land mehrfach unterbrochen. Den Anfang des Misstrauens schaffte die russische Finanzkrise von 1998. Dieses Ereignis verursachte einzelwirtschaftlich mehrere Schicksalsschläge. „Die Finanzkrise offenbarte alle Facetten des chaotischen und kriminellen Kapitalismus in Russland. (…) Neben staatlichen Devisenreserven flossen dabei 3,8 Milliarden Dollar aus dem letzten IWF-Kredit in undurchsichtige Kanäle. Die Rückzahlung geht zu Lasten gesetzestreuer Bürger und Betriebsdirektoren.“, - berichtet M. Huber über die damalige Situation. Es wurde dadurch die Existenz sozial schwacher Bevölkerungsschichten und des Kleinunternehmersektors in Russland bedroht. Gesamtwirtschaftlich machte die Krise aber die russischen Exportgüter durch die Rubelabwertung wieder attraktiv und sorgte für die Verbesserung der außenwirtschaftlichen Leistungsbilanz.

Nach dem Abtreten von Präsident Boris Jelzin verbreitete sich ein Misstrauen bezüglich des neuen politischen und wirtschaftlichen Kurses in Russland. Die Skepsis gegenüber dem politischen Neuling Wladimir Putin, den niemand kannte und niemand offiziell gewählt hatte, wurde durch sein am Anfang nicht ausgereiftes Führungsverhalten in verschiedenen Bereichen und insbesondere im Bereich der Außenpolitik unterstützt. „Da Putin urplötzlich vom ‚bescheidenen Beamten’ zum Spitzenpolitiker avanciert wurde, konnte er nur sehr begrenzt aus Erfahrungen schöpfen. Tatsächlich veränderten sich seine Positionsbestimmungen im Zeitraum von Ende 1999 bis Ende 2001 zum größten Teil grundlegend. Deshalb galt auch für die Bestimmung des außenpolitischen Kurses eine ganze Weile das geflügelte Wort vom ‚Rätsel Putin’.“ Aber auch das mit Mühe gewonnene Vertrauen lies nach der Teilnahme im Tschetschenienkrieg und den Vorgängen gegen die russischen Oligarchen nach.

Inhaltsverzeichnis:

0. Einführung 5
0.1 Einblick in die aktuelle ökonomische und politische Lage Russlands 5
0.2 Das wissenschaftliche und ökonomische Interesse ander russischen Problematik 5
0.3 Bewertung der relevanten Literaturquellen 7
0.4 Aufbau der Magisterarbeit 9
1. Der wirtschaftspolitische Transformationsprozess 11
1.1 Der Begriff der Transformation 11
1.1.1 Transformation als mehrdimensionale systemische Änderungen 11
1.1.2 Determinanten von Transformationsprozessen: Intention, Modellübertragung, Eigendynamik 14
1.1.3 Die Rolle der politischen Führung 16
1.1.4 Endogene und exogene Transformation 18
1.1.5 Russische Transformation als eine gemischte Form der Transformation 19
1.2 Transformationstheorien 21
1.2.1 Die soziologische Systemtheorie 22
1.2.2 Die Autopoiesis-Schule 22
1.2.3 Die Konvergenztheorie 23
1.2.4 Die Dependencia-Theorie 24
1.2.5 Die neoklassische Theorie 25
1.2.6 Die bargaining approach und die strukturalistische Theorien 25
1.2.7 Die Theorie der ausländischen Investitionen (ADI) 26
1.2.8 Die Assimilationstheorie 27
1.3 Theorien der internationalen Unternehmenstätigkeit 29
1.3.1 Die Produktlebenszyklus-Theorie 30
1.3.2 Die Internationalisierungstheorie von Aharoni 32
1.3.3 Die monopolistische Vorteilstheorie von Hymer und Kindleberger und die Internationalisierungstheorie von Buckley/Casson 33
1.3.4 Sonstige transformationsrelevante Theorien 34
2. Besonderheiten der russischen Transformation 35
2.1 Die Reformlast als Störfaktor 35
2.2 Die typischen Merkmale der russischen Transformationsökonomik 36
2.2.1 Klassische Kriterien einer Transformationsökonomik 37
2.2.2 Transformationskriterien postsozialistischer Ökonomien Europas 38
2.2.3 Die Nichterfüllung der klassischen Marktwirtschaftskriterien 45
2.2.4 Strategiewahl in Bezug auf die Transformationsnachhaltigkeit 47
2.3 Protektionistische Tendenzen als Begleiterscheinungen der Transformationsprozesse in Russland 49
2.3.1 Klassifizierung der protektionistischen Tendenzen in Russland 49
2.3.2 Protektionistische Maßnahmen zur Wahrung nationaler Sicherheit 51
2.3.3 Schutz der strategisch wichtigen Wirtschaftsbranchen 53
2.4 Die Notwendigkeit eines spezifisch russischen Transformationsweges 55
2.4.1 Gesellschaftlicher Diskurs 55
2.4.2 Die Entmachtung des Staates nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 57
2.4.3 Die Lenkung der Transformation: Staat oder Wirtschaft, Zentrum oder Regionen? 58
3. Wirtschaftswachstum in Russland als Ergebnis der Transformationsprozesse 63
3.1 Unterscheidung verschiedenartiger Wachstumsfaktoren 63
3.2 Universale Erfolgskriterien für ökonomisches Wachstum 64
3.3 Externe Wachstumsvoraussetzungen 65
3.3.1 Energiepreissteigerung, die Abwertung des Rubels 65
3.4 Interne Voraussetzungen des Wachstums in Russland 67
3.4.1 Demokratisierung 67
3.4.2 Neue Gesetzgebung 68
3.4.2.1 Das Bodengesetz 69
3.4.2.2 Das Steuergesetz 70
3.4.2.3 Liberalisierung des Devisenmarktes 72
3.4.2.4 Flexibilisierung des Arbeitsrechtes 72
3.5 Wachstumsrisiken 73
4. Die Konkretisierung der wirtschaftspolitischen Transformation auf dem russischen Arbeitsmarkt 74
4.1 Kulturzugehörigkeit der Arbeitskräfte als Determinante des ökonomischen Erfolges 74
4.1.2 Kulturgebundenheit des Arbeitsmarktes nach Hofstede 76
4.2 Informationen über den russischen Arbeitsmarkt 77
4.2.1 Russischer Arbeitsmarkt in Zahlen 77
4.2.2 Kulturgebundene Anordnungen in Russland 81
4.3 Die Umfrage der russischen Arbeitnehmer 82
4.3.1 Anforderungen an den Arbeitsplatz 84
4.3.2 Umgang mit Konflikten 91
4.3.3 Unsicherheitsvermeidung, Umgang mit Stress 92
4.3.4 Selbsteinschätzung 95
4.3.5 Vorstellungen über ausländische Arbeitgeber 97
4.3.6 Ängste 102
4.4 Die Interviews zum Thema „Erfahrungen ausländischer Wirtschaftssubjekte auf dem russischen Arbeitsmarkt“ 102
4.5 Auswertung der Umfrage und der Interviews 107
4.5.1 Kollektivismus des russischen Arbeitsmarktes 107
4.5.2 Hierarchie des russischen Arbeitsmarktes 108
4.5.3 Unsicherheiten auf dem russischen Arbeitsmarkt 108
4.5.4 Langfristige Orientierung des russischen Arbeitsmarktes 108
4.5.5 Leistungsorientierung des russischen Arbeitsmarktes 109
4.5.6 Informationslage der russischen Arbeitnehmer bezüglich ihrer Rechte 109
4.5.7 Informationslage der russischen Arbeitnehmer bezüglich der Anforderungen auf den internationalen Arbeitsmärkten 110
5. Fazit 110
6. Anhang 122
6.1 Interviews mit den ausländischen Spezialisten (Vollversion) 122
6.2 Umfragebogen 142
7. Literaturverzeichnis 147

Automatisiert erstellter Textauszug:

Bei der Beurteilung des Wirtschaftswachstums in Russland wird oft von den so genannten gleichlaufenden Indikatoren gesprochen, die nur das aktuelle Wachstum konstatieren. Die wichtigsten gleichlaufenden Indikatoren sind: Veränderung des BIP, Industrie- und Handelsumsätze, Inflationsrate, öffentlicher Budgetsaldo, Export und Import von Gütern, Leistungsbilanzsaldo. Laut statistischer Daten sind diese Werte in Russland zurzeit sehr positiv. „Seit Jahren verzeichnet die russische Wirtschaft ein kräftiges Wachstum. Allein im Jahr 2003 legte das reale BIP um 7,3 % zu. Deutliche Wachstumsimpulse gingen von den Investitionen aus. Sie zogen um fast 13 % an. Nach wie vor positiv verläuft auch die Entwicklung beim privaten Konsum.“139 Nur auf diese Werte zu vertrauen stellt sich im Nachhinein als kurzsichtig heraus. Die oben angegeben Zahlen sind eine momentane Abbildung und sagen nichts über das zukünftige Wachstum aus. Aus diesen Gründen sollten bei den Aussagen über das zukünftige Wirtschaftswachstum in Russland vorlaufende Wachstumsindikatoren in Betracht gezogen werden. Unter solchen versteht man die Indikatoren, die auf eine zukünftige Entwicklung in einer Wirtschaft hinweisen. Die bekanntesten in dieser Reihe sind Baugenehmigungen, Zinsentwicklungen, Wechselkursentwicklungen, Investitionen, Aktienkurse, Auftragseingänge und Auftragsbestände. Ihre Analyse (bis auf die Untersuchung der Investitionen) tritt in den wissenschaftlichen Untersuchungen über Russland, die der Autorin bis jetzt bekannt sind, seltener auf. So verweisen nur einige Quellen auf Daten zur Wechselkursentwicklung, Börsen- und Zinsentwicklung und die Änderung der Zahl der Baugenehmigungen. Aber selbst wenn von diesen Faktoren gesprochen wird, fehlt es oft an der langfristigen Analyse und Prognose des Wirtschaftswachstums in Russland. [...]

und politisch verursachten Diskrepanzen zwischen den Regionen kaum entgegenwirkte. Als Ergebnis erfolgte eine Begünstigung der Moskauer und zentraleuropäischen Region mit der Benachteiligung des Restes des russischen Territoriums. Als Überbleibsel solcher Strategie politischer Begünstigung kann die zentralistische Finanzordnung im heutigen Russland betrachtet werden. „In Russland wird zwar zunehmend über „Budget-Föderalismus“ diskutiert und geschrieben, aber beinahe das einzige, was man dazu aus der Sicht der realen Finanzordnung des Landes sagen kann, ist, dass es ein System, das diesen Namen verdient, einstweilen nicht gibt.“137 Ohne sich in Detail mit den Budgetfragen in der Russischen Föderation zu beschäftigen, kann man folgend G. Brunner und O. Luchterhandt den Grund für das Scheitern einiger russischer Transformationsprozesse in der Diskrepanz zwischen den gesetzlichen Regelungen des Zentrums und den Bedürfnissen der Regionen sehen. Die schwache Finanzposition der Regionen folge aus der gesetzlichen Regelung, nach der die Regionen lediglich 20 Prozent ihrer Haushalte aus eigenen Einnahmen decken würden, während die Föderation den größten Teil der Steuereinnahmen behalte. Das Prinzip, nach dem diese Mittel später umverteilt worden seien, scheine den meisten Subjekten der russischen Regionen zu Recht undurchsichtig und wenig zweckmäßig. Somit entferne man sich laut Brunner dem Ziel der Etablierung einer selbständigen Steuer- und Haushaltspolitik der Regionen und kommunalen Selbstverwaltungskörperschaften in Russland immer weiter.138 [...]

Spätestens bei der Frage nach der Volksmoral landet man in einer Sackgasse, denn die Volksmoral kann sich nur durch die Erhöhung des Allgemeinwohls, durch den wachsenden Lebensstandard, Erfüllung zahlreicher Kriterien einer funktionierenden Demokratie verbessern. Die Erfüllung dieser Kriterien ist aber auf die funktionierende Wirtschaft angewiesen, die ja abwesend ist. Nicht zuletzt störte die anfängliche Transformation in Russland die Koexistenz der planwirtschaftlichen Strukturen und des marktwirtschaftlichen Handelns, der zentralistischen Gesetze und der Selbstbestimmung der Regionen, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vorhanden waren und zum Teil noch sind. Dieser Kampf führte zu einer ungleichen Verteilung zwischen den Regionen und dem Zentrum, die vom Zentrum wiederum geheim gehalten wurde. Dies sollte die Sonderrolle des Zentrums wahren. „Solche zurückhaltende Finanzpolitik ermöglichte aber ökonomisch schädliche, politisch motivierte Vergabe von Transfers durch das Zentrum an die Regionen bzw. eine finanzielle Benachteiligung der widerspenstigen Regionen.“136 Ein Trend zu wachsender Ungleichheit ergab sich, weil das Zentrum den naturgegebenen [...]

Arbeit zitieren:
Berejnistkaia, Daria Juni 2005: Der wirtschaftspolitische Transformationsprozess in Russland, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Arbeitsmarktpolitik, Systemtransformation, Osteuropa, Wirtschaftspolitik, 90er Jahre

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