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Die Britische Presseberichterstattung zur Deutschen Wiedervereinigung in der "Times" und im "Guardian"

Die Britische Presseberichterstattung zur Deutschen Wiedervereinigung in der "Times" und im "Guardian"
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Nikolaus Kruse
  • Abgabedatum: Januar 1997
  • Umfang: 135 Seiten
  • Dateigröße: 896,2 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7577-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kruse, Nikolaus Januar 1997: Die Britische Presseberichterstattung zur Deutschen Wiedervereinigung in der "Times" und im "Guardian", Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Margaret Thatcher, Deutschlandbild, Öffentliche Meinung, Deutsch-britische Beziehungen, Conor Cruise O´Brien

Magisterarbeit von Nikolaus Kruse

Zusammenfassung:

Als am 3. Oktober 1990 die britische Premierministerin Margaret Thatcher das vereinigte Deutschland als Freund, Verbündeten und Partner willkommen hieß, markierte sie damit den vorläufigen Schlußpunkt einer turbulenten Entwicklung, die ein Prüfstein für die deutsch-britischen Beziehungen gewesen war. Auch wenn britische Experten schon Ende der achtziger Jahre die osteuropäischen Reformbewegungen intensiv beobachtet und Veränderungen in der deutschen Frage prognostiziert hatten, war London wie alle anderen Hauptstädte von der Schlagartigkeit der Ereignisse, die mit der Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989 ihren Lauf nahmen, überrascht worden.

Großbritannien war durch die unvorhergesehene Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten auf drei Ebenen betroffen: Als Siegermacht des Zweiten Weltkrieges bestanden besondere Rechte und Verpflichtungen gegenüber Deutschland als Ganzem; im Rahmen der militärischen NATO-Partnerschaft war Großbritannien Schutzmacht der Bundesrepublik und West-Berlins; schließlich bestanden intensive wirtschaftliche und politische Verflechtungen mit Westdeutschland als Partner innerhalb der Europäischen Gemeinschaft. Ohne die Zustimmung aller Siegermächte – und damit auch Großbritanniens – wäre die Wiederherstellung der deutschen Einheit nicht möglich gewesen. Im Rahmen von NATO, EG und den Zwei–plus–Vier–Beratungen über die deutsche Einheit hat die britische Politik den Weg der Wiedervereinigung maßgeblich mitbestimmt.

Zunächst jedoch avancierte Premierministerin Thatcher zur profiliertesten Gegnerin des deutschen Einigungsprozesses. Auch die britische Bevölkerung stand der sich abzeichnenden Wiedervereinigung im Vergleich zu anderen europäischen Staaten sehr skeptisch gegenüber.

Dieser Stimmungsumschwung und die Tragweite, die die deutsche Wiedervereinigung für Großbritannien hatte, wirft die Frage auf, inwieweit die Entwicklung der Jahre 1989 bis 1990 das Deutschlandbild der Briten beeinflußt hat. Für die Analyse dieses Bildes bietet sich eine Untersuchung der Berichterstattung über die deutsche Entwicklung in der britischen Presse an. Eine solche Untersuchung, die im Rahmen dieser Arbeit erfolgen wird, kann Aufschluß geben über die Gründe für die vergleichsweise großen Vorbehalte der Briten gegenüber der deutschen Wiedervereinigung.

Im Verlauf dieser Arbeit wird untersucht, inwieweit sich in den Berichten über die Wiedervereinigung Deutschlands zwischen 1989 und 1990 eine Veränderung im Deutschlandbild der Briten ablesen läßt. Es wird gezeigt, welche Themen die Briten in dieser Zeit besonders stark bewegt haben, wo die Schwerpunkte der Berichterstattung lagen und wie die Politik der Bundesregierung und die Reaktion der britischen Regierung bewertet wurden.

Zunächst wird eine kurze theoretische Einführung über die Definition von Images und Stereotypen gegeben und dargestellt, inwieweit die Presseberichterstattung Rückschlüsse auf die öffentliche Meinung zuläßt. Da Urteile und Vorurteile zwangsläufig auf historischen Erfahrungen beruhen und Images kontinuierlich in einem langen Prozeß entstehen, wird in Kapitel 3 die Entwicklung des Deutschlandbildes in Großbritannien vor 1989 nachgezeichnet. Die Darstellung der britischen Berichterstattung über die Wiedervereinigung in Kapitel 4 beginnt mit einem chronologischen Überblick über den Zeitraum, der die grundlegenden Tendenzen der Berichterstattung auf dem Weg zur staatsrechtlichen Vereinigung aufzeigen soll. Insbesondere wird untersucht, wann die Diskussion um eine mögliche Wiedervereinigung in der britischen Presse begann, für welchen Zeitpunkt sie erwartet wurde, und wie sich die Erwartungen für die weitere Entwicklung in den folgenden Monaten änderten. Daran anschließend werden einzelne Themenschwerpunkte der Berichterstattung analysiert und die Standpunkte von Times und Guardian gegenübergestellt. Kapitel 5 faßt die Profile der Deutschlandberichterstattung in beiden Zeitungen zusammen und vergleicht deren Entwicklung auch unter quantitativen Aspekten. Im abschließenden Kapitel werden die Ergebnisse der Untersuchung einer kritischen Würdigung unterzogen.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 1
1.1 QUELLEN- UND FORSCHUNGSSTAND 7
1.2 GANG DER UNTERSUCHUNG 10
2. IMAGES, PRESSE UND ÖFFENTLICHE MEINUNG 14
2.1 NATIONALE VORURTEILE UND STEREOTYPE 15
2.2 DIE PRESSE ALS SPIEGEL DER ÖFFENTLICHEN MEINUNG 17
3. DAS BRITISCHE DEUTSCHLANDBILD VOR 1989 23
3.1 DIE TEILUNG DEUTSCHLANDS UND DIE BEZIEHUNGEN ZUR BUNDESREPUBLIK 27
3.2 DAS BILD DER DDR 32
4. DIE BERICHTERSTATTUNG ÜBER DIE WIEDERVEREINIGUNG 36
4.1 DER WEG ZUR EINHEIT 38
4.2 MAUERÖFFNUNG 58
4.3 SICHERHEITSASPEKTE 63
4.3.1 Das Sicherheitsrisiko Deutschland 64
4.3.2 NATO-Mitgliedschaft 68
4.4 WIRTSCHAFTLICHE ASPEKTE 73
4.4.1 Deutsche Wirtschaftsmacht 73
4.4.2 Europäische Gemeinschaft 77
4.5 DEUTSCHER NATIONALISMUS 80
4.5.1 Die Diskussion um die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze 81
4.5.2 Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit 85
4.6 DIE BEWERTUNG DER BRITISCHEN POLITIK 88
4.6.1 Der Widerstand Margaret Thatchers 89
4.6.2 Die Ridley-Affäre und das Chequers-Seminar 92
4.7 DIE BEWERTUNG DER DEUTSCHEN POLITIK 98
4.8 CONOR CRUISE O'BRIEN 104
5. DAS PROFIL DER DEUTSCHLANDBERICHTERSTATTUNG IM VERGLEICH 112
6. EIN VERÄNDERTES DEUTSCHLANDBILD? FAZIT UND AUSBLICK 118
QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS 123

Automatisiert erstellter Textauszug:

Deutschland zu begegnen; die NATO diente „nicht nur der Eindämmung der Sowjetunion, sondern, was leicht übersehen wird, auch der Kontrolle Deutschlands“317. Die besondere Bedeutung der Bundesrepublik für die britische Sicherheitspolitik wird daran deutlich, daß die britischen Truppen in Deutschland annähernd vierzig Prozent des britischen Militärhaushalts beanspruchten318. Mit der sich abzeichnenden Wiedervereinigung Deutschlands wurde das sicherheitspolitische Gleichgewicht in Europa in Frage gestellt und die britischen Zielsetzungen gefährdet: Die Rolle der Bundesrepublik innerhalb der NATO konnte, so schien es, von der Vereinigung mit der DDR, einem Mitglied des Warschauer Paktes, nicht unberührt bleiben, und die größere politische und militärische Macht eines vereinten Deutschlands schien eine deutsche Vormachtstellung auf dem Kontinent zu ermöglichen. [...]

bedeutete für die britischen Kommentatoren die Öffnung der Mauer die Überwindung der Teilung. Das überaus negative Bild der Mauer als „grim and brutal barrier“312 und „ugliest symbol of Europe’s division“313 veranlaßte alle Kommentatoren, die Öffnung der Mauer uneingeschränkt zu begrüßen und damit auch die Folgen einer möglichen Wiedervereinigung billigend in Kauf zu nehmen314. Die euphorische Stimmung in Deutschland, die in beiden Zeitungen umfangreich wiedergegeben wurde, tat ihr übriges zum positiven Bild der deutschen Entwicklung. Auch Kritiker, die vor dem 9. November eine selbständige demokratisierte DDR für wahrscheinlicher oder wünschenswerter als eine Vereinigung mit der Bundesrepublik gehalten hatten, konnten sich der neuen Situation nicht verschließen, wie Times-Korrespondent Ian Murray nach der Maueröffnung feststellte: „Even the most hardheaded now believe that the forbidden dream of a united country will become a reality“315. Mit der Mauereröffnung hatte sich die Frage, ob eine Wiedervereinigung kommen würde, für die meisten Kommentatoren positiv beantwortet, und die Diskussion verlagerte sich auf das „wann“ und „wie“ der Einheit, verbunden mit der Frage, welche Auswirkungen sie auf Großbritannien haben werde. [...]

credentials“305. Auch Guardian-Kolumnist Julian Bullard betonte die „political maturity“306 der Bundesrepublik. Vor diesem Hintergrund sei es bedauerlich, daß es in Großbritannien Stimmen gebe, die eine deutsche Wiedervereinigung ablehnten: „Some people in Britain speak as if there were some way of keeping Germany divided whether or not this is what the Germans want“307. Diese Ablehnung sei vielleicht eine verständliche Position für die Sowjetunion, aber nicht für Großbritannien, das sich zur Durchsetzung des Selbstbestimmungsrechts und der Wiedervereinigung der Deutschen verpflichtet habe308. Auch nach dem Wochenende blieb die deutsche Entwicklung der Aufmacher in beiden Zeitungen309. Am Montag betonten die Leitartikel beider Zeitungen, daß nach der euphorischen Stimmung der letzten Tage nun eine nüchterne Betrachtung der Situation erforderlich sei. Der Guardian erkannte ein „morning-after feeling, as wary professionals began to state conditions and provisos“310. In den folgenden Tagen nahm die Zahl der Artikel über die deutsche Entwicklung ab, blieb aber ein Hauptthema der Auslandsberichterstattung. Die Bedeutung des 9. November lag für die britische Berichterstattung darin, daß eine zukünftige Wiedervereinigung Deutschlands nun für fast alle Beobachter als sicher galt. Die Diskussion um eine mögliche Wiedervereinigung hatte schon einige Monate vor dem 9. November begonnen, und auch danach war der Weg zur Einheit in der Einschätzung vieler Analytiker noch lang und unwägbar311. Dennoch ist die Symbolhaftigkeit der Maueröffnung in der Bewertung der Briten deutlich zu erkennen. Die Mauer war das Zeichen der Teilung Deutschlands, dementsprechend [...]

Arbeit zitieren:
Kruse, Nikolaus Januar 1997: Die Britische Presseberichterstattung zur Deutschen Wiedervereinigung in der "Times" und im "Guardian", Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Margaret Thatcher, Deutschlandbild, Öffentliche Meinung, Deutsch-britische Beziehungen, Conor Cruise O´Brien

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