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Theorien zum Internet

Ein systematischer Abriss

Theorien zum Internet
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Jörg Behnke
  • Abgabedatum: August 2001
  • Umfang: 126 Seiten
  • Dateigröße: 1,7 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Philipps-Universität Marburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5352-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5352-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5352-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Behnke, Jörg August 2001: Theorien zum Internet, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Theoriediskussion, Erzählgenres, Erzählpraktiken, ARPANET, Netzdiskurs

Magisterarbeit von Jörg Behnke

Einleitung:

Über das Internet ist jede Menge gedacht und geschrieben worden. Die Arbeit führt eine Bestandsaufnahme der Fakten und Fiktionen, um die herum sich das neue Medium entwickelt, durch.

Zuerst prophezeiten einige umfassende Medientheorien angesichts der Fortschritte in der Entwicklung medialer Vernetzung einen globalen Umschwung. Vor allem Marshall McLuhan und Vilém Flusser betonten deutlich die Ablösung linearer Denkstrukturen. Die Argumentationskette wird an dieser Stelle durch die Ansätze von Friedrich Kittler und Paul Virilio, sowie dem Denkbild des Rhizoms von Gilles Deleuze und Félix Guattari und dem Projekt der MEMEX von Vannevar Bush Raum vervollständigt.

Als sich die weitere Verbreitung des Mediums durch Benutzeroberflächen wie das WWW abzeichnete, begann die Metaphorisierung des Neuen als preformierendes Element, wodurch soziales und wirtschaftliches Selbstverständnis des Internet implementiert wurden. Neben der wichtigsten Diskurslinie, die durch den Gedanken des Cyberspace versus Datenautobahn charakterisiert ist, werden die Metaphern der Digitalen Stadt, des Globalen Dorfes und der Virtuellen Gemeinschaft betrachtet.

Das dritte Kapitel zeigt auf, wie die Schwächen der kommunikationswissenschaftlichen Theoriebildung soziale Utopien als Möglichkeit des Umgangs mit der neuen Technologie stark machen. Diese werden anhand der paradoxen Ideologie der virtuellen Klasse und des Zugangs durch die Netzkritik betrachtet.

An die Stelle der Pionierphase, mit deren zuversichtlichen Gründerideologien, tritt ein Netzalltag, der soziale, politische und ökonomische Probleme aufzeigt. Das Internet unterliegt nun starken Kontrollmechanismen, wie Kapitel vier beschreibt. Vor allem die Wirtschaft bekundet großes Interesse, das Potential globaler Netzwerke zu nutzen, um bereits bestehende Herrschaftsgebiete auszubreiten. Diesem Bestreben, das Internet als Wirtschaftsgut zu etablieren, stehen Hoffnungen auf soziale Leistungen gegenüber.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Metaphern im Kontext des Internet 4
2.1 Datenautobahn 5
2.2 Cyberspace und Datenmeer 9
2.3 Digitale Stadt 12
2.4 Globales Dorf 14
2.5 Virtuelle Gemeinschaft 16
Zusammenfassung 19
3. Allgemeine Medientheorien zur medialen Vernetzung 21
3.1 Marshall McLuhan 22
3.1.1 Das Medium ist die Botschaft 22
3.1.2 Die Ausweitungen des menschlichen Körpers 23
3.1.3 The Global Village 24
3.2 Friedrich A. Kittler 26
3.2.1 Aufschreibesysteme 26
3.2.2 Das Verschwinden des Subjekts 27
3.2.3 Die Sphäre des Symbolischen 29
3.3 Vilém Flusser 31
3.3.1 Nachgeschichte 31
3.3.2 Technische Bilder 32
3.3.3 Krise der Linearität 34
3.4 Gilles Deleuze, Félix Guattari, Vannevar Bush 36
3.4.1 Wunschmaschine 36
3.4.2 Rhizom 38
3.4.3 MEMEX 38
3.5 Paul Virilio 40
3.5.1 Die Dromologie 40
3.5.2 Die Ästhetik des Verschwindens 42
3.5.3 Eroberung des Körpers 45
Zusammenfassung 46
4. Medientheoretische Defizite und die Entwicklung sozialer Utopien 48
Exkurs: Die technische Geschichte des Internet 48
4.1 Theorie-Objekt Internet 52
4.1.1 Zur Topographie des Netzes 52
4.1.1.1 Distribuiertes Netzwerk
4.1.1.2 Sammelbecken von Informationen 52
4.1.1.3 Wahrnehmung des Internet 53
4.1.1.4 Die ökonomische Topographie des Internet 54
4.1.2 Kommunikationstheoretische Herausforderungen 55
4.1.2.1 Abgrenzungen 55
4.1.2.2 Ein neues Konzept der Massenkommunikation ist notwendig 56
4.1.2.3 Push- oder Pull-Medium? 58
4.2 Die Entwicklung sozialer Utopien 59
4.2.1 Die virtuelle Klasse 61
4.2.1.1 Der Wille zur Integration 61
4.2.1.2 Die neue linke Ideologie 62
4.2.1.3 Die neue rechte Ideologie 63
4.2.2 Die Netzkritik - Ein europäischer Zugang 66
4.2.2.1 Der Cyberspace ist nicht unabhängig 66
4.2.2.2 Skeptizismus 67
4.2.2.3 Eine neue Umgangsform 68
4.2.2.4 Inhaltliche Aspekte der Netzkritik 68
4.2.2.5 Elektronischer Widerstand 70
Zusammenfassung 71
5. Wirtschaft und Politik: Wer kontrolliert das Internet? 73
5.1 Einwirkungen auf den Cyberspace 74
5.1.1 Die Kluft zwischen den Vorstellungen des Cyberspace als Sozial- oder Wirtschaftsraum 74
5.1.2 Der Glaube an die Demokratie 75
5.1.3 Die Herrschaft des Kapitalismus 77
5.2 Kontrolle im Internet 79
5.2.1 Technische Kontrollmechanismen 79
5.2.2 Kontrolle des Zugangs 81
5.2.3 Rechtliche Kontrolle 83
5.3 Das Internet in der massenmedialen Umwelt 88
5.3.1 Abgrenzung der Begriffe Multimedia und Interaktion 88
5.3.2 Konvergenz der Medien 90
Zusammenfassung 93
6. Ausblick 95

Automatisiert erstellter Textauszug:

Standards von Programmiersprachen und Betriebssystemen brachte mehr und mehr die Idee auf, ein integriertes Netzwerk zu schaffen, um teure Hardwareressourcen und akademische Schaffenskraft ökonomischer einzusetzen. Bei der 1948 gegründeten RAND Corporation (Forschungsgesellschaft für Beratungs-, Planungs-, und Prognoseaufgaben) beschäftigte man sich zeitgleich mit der Aufgabenstellung, die Überlebensfähigkeit von Kommunikationssystemen zu steigern. „Nach Ansicht der Strategiefachleute bei RAND mußten die Kommunikationssysteme zum Einsatz strategischer Waffen unbedingt einen Angriff überstehen können, damit das Land immer noch einen Vergeltungsschlag führen könnte.“ Paul Baran, seit 1959 bei der RAND, entwickelte vor diesem Hintergrund die revolutionäre Idee einer Netzwerkstruktur, die verteilt war. Das stand im Gegensatz zu herkömmlichen zentralen und dezentralen Netzwerkmodellen, deren Verknüpfung mittels eines oder mehrerer zentraler Knoten immer Schwachpunkte aufwiesen. Dieses Netz mit einem Redundanzniveau von drei bis vier (was bedeutet, daß jeder Knoten wiederum mit drei bis vier anderen Knoten verbunden war) würde den herkömmlichen Modellen gegenüber eine bislang nie gekannte Zuverlässigkeit und Sicherheit bieten. Denn belegte oder zerstörte Knoten konnten durch den nächstbesten Übertragungsweg ersetzt werden. Barans zweite revolutionäre Idee war es, die Daten nicht mehr in Form eines gleichmäßigen Stroms von Signalen durch die Leitungen zu senden, sondern die Botschaften in einzelne Nachrichtenblöcke aufzuteilen. Am Zielort sollten diese bei ihrem Eintreffen zusammengesetzt werden. Beide Prinzipien beruhen zwar auf einem hochgradig ineffizienten System, verbürgen dafür aber eine bisher nie gekannte Sicherheit bei der Datenübertragung. Auf Seite der ARPA begann man 1966 sogenannte IMPs (interface message processors) zu entwerfen. Dies waren Computer, die den eigentlich miteinander kommunizierenden Mainframes (Großrechner einzelner Institutionen) zwischengeschaltet werden mußten, um sie zu einer Kommunikation miteinander zu bewegen. Ende 1969 programmierte man ein Protokoll namens Telnet, das zwar den ersten elementaren Dialog zwischen zwei Rechnern erlaubte, aber nicht deren Zusammenarbeit bewerkstelligen konnte. Das Ziel mußte es sein, ganze Dateien zwischen zwei Computern zu transferieren. Theoretisch gelang das 1972 durch das sogenannte File Transfer Protocol, kurz FTP. Im Oktober desselben Jahres [...]

4. Medientheoretische Defizite und die Entwicklung sozialer Utopien Mit dem Internet hat sich in den letzten Jahren eine neue Medienwirklichkeit herausgebildet, an der die herkömmliche, an massenmedialer Kommunikation geschulte publizistikwissenschaftliche Analyse bislang scheitert. Als neues Informations- und Kommunikationsmedium hat das Internet die modernen Industriegesellschaften verändert und die daraus resultierenden Entwicklungen rasant ausgebreitet. Die Vielfalt der Perspektiven, welche das Internet durch seine allgemeine Zugänglichkeit kulturell eröffnet, übersteigt den Kanonisierungszwang der akademischen Disziplinen. Deren Instrumentarium reicht nicht aus, um die Transformationen der Kommunikationsverhältnisse zu begreifen. Diese fehlende Anschlußfähigkeit an die akademischen Theoriebildungsrituale erzeugt zuerst eine Verunsicherung. Des weiteren birgt sie eine ungeheure Hoffnung, die „mit gesellschaftspolitisch aufgeladenen Visionen über geglückte Kommunikation jenseits bestehender gesellschaftlicher Zwänge“, dem „Versprechen allgemeiner Demokratie“ und „eines entgrenzten elektronischen Marktplatzes“ aufwartet. Die Vorstellungen ergehen sich oftmals in Pathos und Konjuktivformeln, was sie unbewußt in die Nähe des Technikoptimismus der Futurologen vergangener Jahrzehnte, wie etwa Marshall McLuhan, rückt. Bevor die gängigsten Visionen diskutiert und mit dem Ansatz einer Netzkritik konfrontiert werden, werden anhand eines Exkurses die historisch-technischen Fakten des Internet veranschaulicht. Auf dessen Basis werden im Anschluß daran die Probleme einer kommunikationstheoretischen Einordnung des Internet diskutiert. [...]

Ordnungsprinzip der linearen Schrift nicht mehr standhält. Deleuze und Guattari sehen in der linearen Zielgerichtetheit einer Kultur die Unterdrückung der Wunschbefriedigung. Sie wird strategisch auf individuelle Konstellationen zurückverwiesen. Deshalb prägen die Autoren das Bild einer Wunschmaschine, deren Vermögen in der Bildung sich unendlich erstreckender Konnexionen besteht. Die Strategie wird durch das Denkbild des Rhizoms gestützt. Es stellt eine nonlineare Vernetzungsmetapher dar, welche die Abkehr von einer veralteten Schriftmaschine, die auf einzelnen subjektiven Äußerungen beruht, beansprucht. Die Vorstellung des Rhizoms wird in der Netzkultur aufgegriffen, um alle Arten nicht hierarchischer Netzwerke zu beschreiben. Vannevar Bush setzte das rhizomatishe Denken durch seinen Entwurf der MEMEX in die Praxis um. Diese Maschine sah eine individuelle Kontextualisierung von Wissen vor, ohne den Vorgaben einer alphanumerischen Codierung zu folgen. Eine Vorstellung, die für eine Weiterentwicklung des Computers in Richtung Online-Vernetzung maßgeblich war. Für Paul Virilio steht die Geschwindigkeit im Mittelpunkt gesellschaftlicher Entwicklungen. Seinen Ausgangspunkt bildet die sinnliche Wahrnehmungsfähigkeit des menschlichen Körpers. Durch die epochale Steigerung der Geschwindigkeit, die in der Lichtgeschwindigkeit kulminiert, löst sich der menschlich wahrnehmbare Raum auf. Diese Entwicklung entspringt militärwissenschaftlichem Denken, dessen Ziel in der Beherrschung des Kriegsschauplatzes liegt. Die Geschwindigkeit der Wahrnehmung kann nur noch durch die kategorische Verknüpfung zwischen Mensch und Computer gesteigert werden. Sie findet in der Kybernetik und der Erschaffung einer virtuellen Umwelt, dem Cyberspace statt. [...]

Arbeit zitieren:
Behnke, Jörg August 2001: Theorien zum Internet, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Theoriediskussion, Erzählgenres, Erzählpraktiken, ARPANET, Netzdiskurs

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