Soziolinguistische Untersuchung zur Terminologie der Fachsprache "Wirtschaftsrussisch"
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Wiebke Albert
- Abgabedatum: Juni 1997
- Umfang: 117 Seiten
- Dateigröße: 874,7 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Potsdam Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-3210-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-3210-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-3210-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Albert, Wiebke Juni 1997: Soziolinguistische Untersuchung zur Terminologie der Fachsprache "Wirtschaftsrussisch", Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Entlehnungen, Wortbildung, Russischesl Bankwesen, Geld- und Kreditwesen
In den Warenkorb
38,00 €
Magisterarbeit von Wiebke Albert
Gang der Untersuchung:
In Kapitel 1 werden einige terminologische Klärungen vorgenommen, um den Gegenstand der Erörterungen näher bestimmen zu können. Um die begrifflichen Grundlagen zu ordnen, wird deshalb zunächst untersucht, wie der Fachterminus in der Fachsprachenforschung definiert ist und anhand welcher Kriterien er gegenüber den gemeinsprachlichen Wörtern abgegrenzt wird.
Das Kapitel 2 soll einen Überblick über den Aufbau des russischen Fachwortschatzes des Geld- und Kreditwesens verschaffen und kurz mit einigen lexikalischen Besonderheiten seiner Terminologie vertraut machen.
Der Einfluss anderer Sprachen, besonders des Englischen, auf den aktuellen Fachwortschatz des russischen Geld- und Kreditwesens lässt sich an der Vielzahl von Entlehnungen und Wortbildungsneologismen nachweisen, wenngleich es mitunter problematisch ist, eine eindeutige Unterscheidung vorzunehmen. Einzelne Beispiele von semantischer Derivation sowie eigensprachlicher Bildungen sollen im Mittelpunkt des dritten Kapitels stehen.
Die Integration der russischen Banken in das internationale Finanzsystem ist in vollem Gange. Erste Filialen in der „westlichen“ Welt sind bereits eröffnet worden. Desgleichen zeigen immer mehr ausländische Banken Präsenz mit Filialen, Repräsentanzen und Beteiligungen in Russland. Der russische Bankensektor kann ohne Übertreibung als Schrittmacher der russischen Volkswirtschaft bezeichnet werden, der mehr und mehr in alle Bereiche der Volkswirtschaft ausstrahlt. Interessant ist unter diesem Blickwinkel der historische Entwicklungsprozess, der im Kapitel 4 näher beleuchtet werden soll. Dabei wird der gesamte Prozess der Herausbildung des Bankensystems in Russland von den Anfängen im 18. Jahrhundert bis heute betrachtet, der sich in folgende drei Etappen einteilen lässt: 1) die Entwicklung bis 1917, 2) von 1917 bis 1988 (Einleitung grundlegender Reformen) und 3) die jüngste Geschichte ab 1988.
Die Bedürfnisse sowohl der Privat- als auch der Geschäftskunden rücken immer mehr ins Interesse der sich dynamisch entwickelnden Kreditinstitute Russlands, deren Produktpalette in gleichem Tempo daran angepasst wird. Aufschluss über den Kundenservice ausgewählter Moskauer Banken bietet das fünfte Kapitel, in dem ein Ausschnitt von Finanzdienstleistungen in russischer bzw. deutscher Sprache vorgestellt wird.
Die russische Bevölkerung wurde als Zielgruppe russischer Banken zugunsten der finanzkräftigeren Geschäftskunden bislang etwas vernachlässigt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich diese Tendenz am mangelnden Vertrauen der Russen widerspiegelt, das sie der Mehrheit russischer Banken und Kreditinstitute entgegenbringen. Ein umfangreicher Fragebogen zum Kundenverhalten russischer Bürger wie z.B. Spar- und Zahlungsgewohnheiten sowie zu persönlichen Ansichten über die Vertrauenswürdigkeit, Seriosität und Integrität russischer und internationaler Kreditinstitute, Währungen und Kreditkarten, der in Moskau von einer breiten Schicht von Einwohnern beantwortet wurde, soll im Kapitel 6 präsentiert und ausführlich ausgewertet werden.
Der im vorigen Kapitel beschriebene Fragebogen beweist deutlich, dass der überwiegende Teil der russischen Bevölkerung Berührungsängste im Umgang mit der - stark durch Entlehnungen aus dem Englischen geprägten - Terminologie des Bankensektors hat. Aufklärung der Bevölkerung im Sinne allgemeinverständlich aufbereiteter Informationsmaterialien über geldwirtschaftliche Themen, insbesondere Bankdienstleistungen, ist dringend notwendig; sie könnte wachsender Skepsis gegenüber Bankgeschäften Vorschub leisten und einen unbeschwerteren Umgang mit bereits angebotenen Serviceleistungen fördern. Eine Reihe häufig angewendeter russischer Termini des Geld- und Kreditsystems - durchaus geeignet als Basis für ein solches Informationspaket - wird im Glossar aufgelistet und definiert.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | 7 | |
| Einleitung | 8 | |
| 1. | Terminologische Grundbegriffe | 10 |
| 1.1 | Die Definition des Terminus | 10 |
| 1.2 | Charakterisierung des Begriffs „Terminus“ | 10 |
| 2. | Der russische Fachwortschatz des Geld- und Kreditwesens | 13 |
| 2.1 | Einführende Bemerkungen | 13 |
| 2.2 | Das Geld- und Kreditwesen in seiner historischen Entwicklung | 15 |
| 2.3 | Begriffliche Einordnung des Geld- und Kreditwesens in das Gesamtwirtschaftssystem | 16 |
| 3. | Analyse des russischen Fachwortschatzes des Geld- und Kreditwesens | 19 |
| 3.1 | Wortbildungsneologismen | 20 |
| 3.2 | Entlehnungen | 21 |
| 3.2.1 | Materialentlehnungen | 22 |
| 3.2.2 | Lehnprägungen | 25 |
| 4. | Die historische Entwicklung des russischen Bankwesens von den Anfängen bis heute. | 31 |
| 4.1 | Die Entwicklung bis zur Oktoberrevolution im Jahre 1917 | 31 |
| 4.2 | Das sowjetische Bankensystem nach dem Jahre 1917 | 33 |
| 4.3 | Zur Entwicklung des russischen Bankensystems seit 1988 | 35 |
| 5. | Das Dienstleistungsangebot russischer Geld- und Krediteinrichtungen | 39 |
| 5.1 | Zur Struktur des gegenwärtigen Bankenmarktes | 39 |
| 5.2 | Die Dienstleistungspalette russischer Kreditinstitute für Privatpersonen und juristische Personen | 40 |
| 6. | Die Widerspiegelung des Dienstleistungsangebotes der Banken am Kundenverhalten der russischen Bevölkerung | 46 |
| 6.1 | Präsentation des Fragebogens zu Dienstleistungen russischer Kreditinstitute | 47 |
| 6.2 | Auswertung und Interpretation des Fragebogens | 53 |
| 7. | Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und anschließende Bemerkungen | 77 |
| Literaturverzeichnis | 79 |
Verhältnismäßig gut war auch die Liquidität der aus der früheren Staatsbank hervorgegangenen Geschäftsbanken. Diese hatten zum einen noch lange Zeit privilegierten Zugang zu den Zentralbankkrediten. Zum anderen hatten sie das Firmenkundengeschäft der Staatsbank „geerbt“ und konnten sich zusätzlich durch die freien Mittel der Staatsunternehmen finanzieren. Auf der anderen Seite standen die neugegründeten Geschäftsbanken, die nur über geringe Refinanzierungsmittel verfügten, deren Kreditgeschäft jedoch sprunghaft anstieg. Mit der Übernahme der Zentralbankfunktion durch die Staatsbank der UdSSR im Jahre 1988 wurde die Formierung eines zweistufigen Bankensystems eingeleitet, die jedoch erst 1990 mit Annahme der erwähnten Gesetze vollendet wurde. Im Zuge des weiteren Reformprozesses ließen sich folgende Bankengruppen unterscheiden: 1) Banken, die aus der Staatsbank bzw. deren Nachfolgeinstituten hervorgegangen sind. Die Agroprombank spaltete sich bis Anfang 1994 in 276 Banken, aus der Promstrojbank entwickelten sich 173 Banken, z.B. die Tomskpromstrojbank und die Kuzbaspromstrojbank. Als bekannter Vertreter der aus der Žilsocbank hervorgegangenen 124 neuen Banken kann die Mosbiznesbank genannt werden. Aus den Sparkassen gingen die Sberbank für das Privatkundengeschäft und die Mežekonombank für das Auslandsgeschäft als Rechtsnachfolger hervor. 2) Die sogenannten Ministerialbanken, deren Gründung auf Veranlassung der Branchenministerien erfolgte 3) Banken, die durch Unternehmen, Gruppen von Unternehmen und Kooperativen gegründet wurden. Bedeutende Plätze unter den Geschäftsbanken dieser Gruppe nahmen die Inkombank und die Stoličnyi Bank Sbereženija ein. Die Unterschiede zwischen der zweiten und dritten Gruppe von Kreditinstituten verwischten mit der Zeit zunehmend, so daß am Ende der Entwicklung nur noch zwei Gruppen zu unterscheiden sind und somit die Zweistufigkeit des Bankensystems erreicht war. [...]
4.2. Das sowjetische Bankensystem nach dem Jahre 1917 Unmittelbar nach der Machtübernahme der Bolschewiki wurde am 27. Dezember 1917 das Dekret über die Nationalisierung der Banken erlassen, mit dem V. I. Lenin die Bildung einer einheitlichen Volksbank und somit die Verstaatlichung des Bankensystems verfolgte. Der Staat bekam das Monopol für Bankgeschäfte übertragen. Die Nationalisierung der Banken erfolgte auf dem Wege der Vereinigung mit der Staatsbank in zwei Etappen: 1) Übernahme der Staatsbank und Kontrolle über die Geschäftstätigkeit der anderen Banken und 2) Nationalisierung der anderen Banken durch deren Vereinigung mit der Staatsbank. Gleichzeitig wurde die Nationalisierung des Bodens, der Schwerindustrie und des Transportwesens sowie die Errichtung des Staatsmonopols im Außenhandel durchgeführt. Im Zuge der Neuen Ökonomischen Politik (NEP) wurde der Versuch, die Geldwirtschaft insgesamt abzuschaffen, mit der Neugründung der Staatsbank am 12. Oktober 1921 wieder rückgängig gemacht. Zahlreiche weitere staatliche, genossenschaftliche bzw. kooperative Kreditinstitute sowie Kreditinstitute in Form von Aktiengesellschaften wurden gegründet. All diese Kreditinstitute unterlagen der strengen Kontrolle und straffen Organisation der Staatsbank und anderer staatlicher Organe. [...]
Zaren Nikolaus I. gegründet wurde, diente ab 1869 zur Verwaltung der russischen Staatsbank in Warschau. Mit der im Jahre 1860 erlassenen Verordnung über die städtischen Общественные Банки9 wurde zum ersten Mal der Versuch unternommen, einer Gruppe von Banken einen stabilen gesetzlichen Rahmen zu verleihen. Jedoch erst im Jahre 1872 waren allgemeingültige gesetzliche Regelungen für die Gründung privater und gesellschaftlich organisierter Krediteinrichtungen erarbeitet. Obwohl Rußland viel später als z.B. Italien oder England mit der Herausbildung eines marktwirtschaftlich-kapitalistischen Bankensystems begann, hatte es doch binnen kurzer Zeit den Anschluß an das Organisationsniveau westeuropäischer Kreditinstitute erreicht. Aus folgenden Banken, Kreditinstituten und Banktypen rekrutierte sich im Jahre 1917 das russische Bankensystem. (a) Staatliche Krediteinrichtungen Staatliche Kommission zur Tilgung von Verbindlichkeiten (Государственная Комиссия Погашения Долгов) Staatsbank (Государственный Банк) Adels-Grundbank (Государственный Дворянский Земельный Банк) Bauern-Grundbank (Крестьянский Поземельный Банк) Sparkassen (Сберегательные Кассы) Darlehenskassen (Ссудные Кассы) [...]
In den Warenkorb
38,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832432102
Arbeit zitieren:
Albert, Wiebke Juni 1997: Soziolinguistische Untersuchung zur Terminologie der Fachsprache "Wirtschaftsrussisch", Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Entlehnungen, Wortbildung, Russischesl Bankwesen, Geld- und Kreditwesen



