"Superweiber" im neuen deutschen Frauenroman
Zur Kritik eines gesellschaftlichen Stereotyps
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Ulrike Boldt
- Abgabedatum: Oktober 1998
- Umfang: 89 Seiten
- Dateigröße: 716,2 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-1664-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-1664-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-1664-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Boldt, Ulrike Oktober 1998: "Superweiber" im neuen deutschen Frauenroman, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Karriere, Frauen, Superweiber, Klischees, Powerfrauen
In den Warenkorb
38,00 €
Magisterarbeit von Ulrike Boldt
Einleitung:
"Warum lesen Sie Hera Lind, wenn Sie Literaturkritikerin sind? Lesen Sie etwas, das sich zu lesen lohnt! Ich will Ihnen etwas verraten: Ich selber lese nie solche Bücher, wie ich sie schreibe, weil das für mich totgeschlagene Zeit ist." Diese Meinung vertrat Hera Lind Anfang 1998 in einem Interview mit dem Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt. Die Journalistin Angelika Ohland schickte voraus, daß Literaturkritiker Probleme mit der Literatur von Hera Lind hätten und Hera Lind konterte, daß sie schließlich keine Literatur für Literaturkritiker schreibt. Die Kritiker sollten endlich aufhören in ihren Romanen mehr zu sehen, als sie sind - nämlich Unterhaltungsromane für Frauen.
Und doch kann die Literatur von Hera Lind nicht nur als Unterhaltungsliteratur beschrieben, und dann ignoriert werden. Denn die Romane von Hera Lind und ihren KollegInnen erreichen Auflagen, von denen andere Autorinnen nur träumen. Millionen Leserinnen sind treue Fans der "neuen deutschen Frauenliteratur", Fans von Büchern, die von starken, selbstbewußten Frauen handeln, von sogenannten "Superweibern".
Selbstbewußt und selbständig, frech und forsch, kinderlieb und kinderreich, liebenswert und liebenswürdig, ehrgeizig und erfolgreich, klug und karrierebewußt, so sehen die Frauen in der modernen Frauenunterhaltungsliteratur aus. Und nicht nur da. Überall begegnen wir ihnen, den Frauen, die Karriere und Kinder, Familie und Männer erfolgreich in ihrem Leben vereinen können. Und das nicht etwa mühsam und gestreßt, sondern ohne Anstrengungen, mit einem Lächeln im Gesicht und frisch gestylten Haaren. Immer perfekt aussehend und nie mit schlechter Laune, Frust oder Wut. "Superweiber" werden sie seit Jahren genannt. Diese Bezeichnung entstand nach dem gleichnamigen Buch von Hera Lind und dem nachfolgendem Film mit der Schauspielerin Veronica Ferres in der Hauptrolle. Eine wissenschaftliche Definition des Begriffes "Superweib" gibt es nicht. Doch die Schauspielerin Veronika Ferres hat das "Superweib" auf der Leinwand so verkörpert, wie es seitdem publiziert wird. Proper, gutaussehend, aktiv, nett und kreativ, so sind die "Superweiber". Jeden Tag begegnen wir den ihnen: auf Plakaten, in der Werbung, in den Hochglanzmagazinen für Frauen und in der seriösen Presse. Die Medien vermitteln der Gesellschaft, daß es leicht sei, Karriere und Familienleben erfolgreich zu bewältigen. "Superweiber" sind, ebenso wie Blondinen oder Girlies, zu einem Stereotyp geworden. Wo Blondinen das Klischee für dumme und sexwillige Frauen ist, und ein Girlie für ein junges, freches Mädchen steht, sind „Superweiber“ Frauen mit Kindern und erfolgreicher Karriere. Und Frauen wie Hera Lind, Autorin vieler Frauenbücher, lebt uns dieses Klischee vor: als Mutter von vier Kindern, Erfolgsautorin, Fernsehmoderatorin und Sängerin. Hera Lind ist die meistgelesene deutsche Autorin. Selbst im internationalen Vergleich wird sie auf dem deutschen Buchmarkt nur noch von Rosamunde Pilcher übertroffen. Fünf Romane hat Hera Lind bisher geschrieben, mit einer Auflage von insgesamt etwa sieben Millionen Büchern.
Mit ihren Büchern propagiert sie seit ca. 10 Jahren das "neue Frauenbild", ebenso wie ihre zahlreichen Kolleginnen. "Frauenliteratur light" nennt sich diese neue Form der Frauenliteratur, die nicht nur viel gelesen, sondern auch für Kino und Fernsehen verfilmt werden.
Was ist das Besondere an diesen Büchern? Wie kommen die Auflagenzahlen von 600.000 bis zu 2 Millionen Exemplare pro Buch zustande?
Was bringt die Frauen dazu, diese Bücher zu kaufen, trotz schlechter Rezensionen? Was ist das Faszinierende an den Romanheldinnen? Was bringt die Leserinnen dazu sich mit ihnen zu identifizieren? Ich möchte die Rolle der "Superweiber" in der Gesellschaft hinterfragen. Sind die "Superweiber" gesellschaftlich gesehen wirklich realistisch oder wird in den Büchern ein Mythos aufgebaut? Was genau sind die Eigenschaften eines "Superweibes"? Mit welchen Klischees werden die "Superweiber" beschrieben?
Kann diese Literatur tatsächlich als neue Frauenemazipationsliteratur bezeichnet werden, kann sie in der Gesellschaft etwas verändern oder ist sie nicht vielmehr Trivialliteratur?
Diesen Fragen möchte ich in folgender Arbeit nachgehen.
Die Auswahl der ausgewählten Romane erfolgte unter Berücksichtigung der Auflagenzahlen der Bücher. Ich konzentriere mich auf drei Autorinnen, die allgemein als die drei "Erfolgreichsten" bezeichnet werden. Eva Heller, die die "Frauenliteratur light" einläutete, Gaby Hauptmann, die mit ihren ungewöhnlichen Buchthemen Aufmerksamkeit auf sich zieht, und Hera Lind, die als "Superweib" schlechthin gilt. Da es noch keine Sekundärliteratur zum neuen deutschen Frauenroman gibt, mußte ich mir mit Zeitungsartikeln behelfen. Auch einige Fernsehaufzeichnungen gaben mir Einblicke in das Thema und wurden zum Teil zitiert.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 4 | |
| 1. | Abriß der Entwicklung der deutschen Frauenliteratur | 9 |
| 1.1. | Kurzer Einblick in die Geschichte der deutschen Frauenliteratur | 9 |
| 1.2. | Der Umbruch der deutschen Frauenliteratur | 13 |
| 2. | Die neue deutsche Frauenliteratur - Kurzbiographie der Autorinnen, Inhalt, Rezensionen und stilistische Mittel der Romane | 14 |
| 2.1. | Eva Heller | 16 |
| 2.1.1. | Biographie | 16 |
| 2.1.2. | Inhalt der Romane: | 17 |
| Beim nächsten Mann wird alles anders | 17 | |
| Der Mann der’s wert ist | 17 | |
| Erst die Rache, dann das Vergnügen | 18 | |
| 2.1.3. | Rezensionen und stilistische Mittel der Romane | 19 |
| 2.2. | Gaby Hauptmann | 22 |
| 2.2.1. | Biographie | 22 |
| 2.2.2. | Inhalt der Romane: | 23 |
| Suche impotenten Mann fürs Leben | 23 | |
| Nur ein toter Mann ist ein guter Mann | 23 | |
| Die Lüge im Bett | 24 | |
| Eine Handvoll Männlichkeit | 24 | |
| 2.2.3. | Rezensionen und stilistische Mittel der Romane | 25 |
| 2.3. | Hera Lind | 27 |
| 2.3.1. | Biographie | 27 |
| 2.3.2. | Inhalt der Romane: | 27 |
| Ein Mann für jede Tonart | 28 | |
| Frau zu sein bedarf es wenig | 28 | |
| Die Zauberfrau | 29 | |
| Das Weibernest | 29 | |
| 2.3.3. | Der Roman "Das Superweib" | 30 |
| 2.3.4. | Rezensionen und stilistische Mittel der Romane | 33 |
| 2.3.5. | "Superweib" Hera Lind in den Medien | 40 |
| 3. | Das "Superweib" in Roman und Realität | 42 |
| 3.1. | Eigenschaften der "Superweiber" im Roman | 43 |
| 3.2. | "Superweiber" in der Realität | 47 |
| 3.3. | Interviews mit realen "Superweibern" | 51 |
| 3.3.1. | Vera | 52 |
| 3.3.2. | Tina | 54 |
| 3.3.3. | Petra | 56 |
| 3.3.4. | Claire | 57 |
| 3.3.5. | Bilanz | 59 |
| 4. | Die neuen Zwänge der Frauen - Das "Superweiber-Syndrom" | 62 |
| 5. | Erstrebenswerte gesellschaftliche Veränderungen | 66 |
| 6. | Gründe für den Erfolg der Bücher | 69 |
| 7. | Kritik am neuen deutschen Frauenroman | 71 |
| 7.1. | Der neue deutsche Frauenroman: eine Form der Trivialliteratur | 75 |
| 8. | Frauenromane ohne "Superweiber" - Claudia Keller | 77 |
| Zusammenfassung | 79 | |
| Literaturverzeichnis | 82 |
gen Konstantin. Und TROTZDEM meine Kinder genießen. Ich wollte eben einfach beides, hartherzig, egozentrisch und gierig, wie ich nun einmal war.“ 79 „Superweiber“ sind auch mal unsicher, zeigen dies aber nicht. Manchmal sind sie trotzig, naiv und kindisch und nicht immer klug. Aber sie nehmen sich immer, was sie wollen. Das kann auch ein Mann sein, mit dem frau keine feste Beziehung sondern nur eine Affäre haben möchte. Oft haben „Superweiber“ mehrere Liebhaber gleichzeitig. 80 Die Heldin „schert sich einen Dreck um Konventionen, sondern macht genau das, was ihr in den Kopf kommt. Bißchen flippig, aber immer sehr liebenswert. Halt so, wie jeder gerne sein würde.“ [...]
Beschreibung der Titelheldin Carmen in:Hauptmann, Gaby: Suche impotenten Mann fürs Leben, München 1995, Seite 6 77 Eva Hellers Heldin aus „Der Mann der’s wert ist“ ist Architektin, Pauline aus „Ein Mann für jede Tonart“ und „Frau zu sein bedarf es wenig“ ist Sängerin, Franka aus „Das Superweib“ wird Schriftstellerin, Charlotte aus Hera Linds „Die Zauberfrau“ ist Schauspielerin, Nina aus Gaby Hauptmanns „Die Lüge im Bett“ ist Journalistin, Constanze aus „Beim nächsten Mann wird alles anders“ ist Studentin an der Filmakademie. Einzig Gaby Hauptmanns Heldinnen haben auch oft andere Berufe. Ursula aus „Nur ein toter Mann ist ein guter Mann“ ist Unternehmerin und Marion aus „Nur eine Handvoll Männlichkeit“ ist Hausfrau, Carmen aus „Suche impotenten Mann fürs Leben“ ist Versicherungsvertreterin. 78 Der Spiegel, 20. März 1995 [...]
Eva Heller, Gaby Hauptmann und Hera Lind verbindet neben ihrem Erfolg auch das Thema ihrer Bücher. Ihre Romane handeln alle von „Superweibern“, bzw. „Powerfrauen“. Wichtig ist die Differenzierung zwischen „Superweibern“ und „Powerfrauen“. Wenn eine Frau keine Kinder hat, wird sie als „Powerfrau“ bezeichnet. Als „Superweiber“ werden generell nur Frauen mit Kindern bezeichnet. Deshalb befinden sich die „richtigen Superweiber“ auch nur in den Büchern von Hera Lind. Die Heldinnen der Eva Heller und Gaby Hauptmann Bücher können eher als „Powerfrauen“ charakterisiert werden. Die „Powerfrauen“ der Autorinnen Eva Heller und Gaby Hauptmann möchte ich nun etwas in den Hintergrund stellen und mich den „Superweibern“ widmen. Hera Linds Heldin Franziska aus „Das Superweib“ hat es eindrucksvoll vorgemacht. „Superweiber“ sind alleinerziehende, unabhängige Mütter, die neben der Kindererziehung schnell und erfolgreich Karriere machen und ein erfülltes Liebesleben führen. Im folgenden Kapitel soll auf Eigenschaften der Roman-„Superweiber“ eingegangen und untersucht werden, ob es solche „Superweiber“ auch in der Realität gibt und wie ihr Leben im Alltag aussieht. [...]
In den Warenkorb
38,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832416645
Arbeit zitieren:
Boldt, Ulrike Oktober 1998: "Superweiber" im neuen deutschen Frauenroman, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Karriere, Frauen, Superweiber, Klischees, Powerfrauen



