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Die Europäische und Chinesische Textilwirtschaft im Wandel

Chancen und Gefahren unter Berücksichtigung Vietnams als potentielle Alternative für chinesische und internationale Investoren

Die Europäische und Chinesische Textilwirtschaft im Wandel
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Vinh-Tai Tran
  • Abgabedatum: März 2010
  • Umfang: 95 Seiten
  • Dateigröße: 2,2 MB
  • Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
  • Bibliografie: ca. 139
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4644-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Tran, Vinh-Tai März 2010: Die Europäische und Chinesische Textilwirtschaft im Wandel, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Textilwirtschaft, Textilindustrie, China, Vietnam, Standortanalyse

Magisterarbeit von Vinh-Tai Tran

Einleitung:

‘Lasst China schlafen, wenn China erwacht, wird die Welt erzittern’, prognostizierte schon Napoléon Bonaparte (1761-1821) vor rund 250 Jahren. Aus diesem Schlaf wurde China schließlich durch den von Deng Xiaoping 1978 eingeleiteten Prozess von Reform und Öffnung geholt.

Der Beginn der Industrialisierung nahm mit der Erfindung der Dampfmaschine in Großbritannien seinen Anfang. Dort und allmählich in anderen europäischen Ländern entwickelten sich die ersten Textil- und Bekleidungsindustrien. Bereits in den 1970er-Jahren und den folgenden Jahrzehnten erkannten viele Ökonomen, dass sich der weltweite Schwerpunkt der Textilproduktion in den asiatischen Raum verlagern wird.

Mit dem Beginn der Reform und Öffnung Chinas 1978, stand auch die Weltwirtschaft neuen Herausforderungen gegenüber. Besonders die Textil- und Bekleidungsindustrie befand sich seit den 1980er-Jahren in einem Wandel: Dem Anwachsen des Modebewusstseins als Ausdruck des wachsenden Wohlstandes und der neu gewonnenen Lebensqualität. Auch die Vielfalt der Modeaccessoires ist so groß wie nie zuvor und kurbelt die Mode- Textil- und Bekleidungsindustrie weltweit an. Die wachsende Nachfrage förderte sogleich auch den internationalen Wettbewerb und schuf für China die Basis um zu einem der weltweit größten Anbieter von Textilien zu werden.

Das Manko an Knowhow und der niedrige Standard der technischen Anlagen waren Gründe für die seit langem anhaltende niedrige Arbeitseffizienz und unrationelle, kleine Produktionskapazitäten. Durch niedrige Produktionskosten wurde dieses Manko lange bzw. noch immer kompensiert, sodass ein stetiges Wachstum möglich war/ist. Nach und nach gründeten ausländische Firmen Produktionsstätten in China und brachten dabei Knowhow mit, das bald auch von den chinesischen Unternehmen adaptiert wurde.

Neben der neuen Konkurrenz aus Südostasien zwangen wachsende Produktionskosten - im Zuge der Globalisierung, der allmähliche Wegfall von nationalen und internationalen Handelsregulierungen zum Schutz der (eigenen) lokalen Wirtschaft - die Weltwirtschaft zu einem Umdenken und zu Umstrukturierungen der Betriebe und Produktionsstrategien. Folgedessen kam es allmählich zu Verlagerung der Produktionsstätten in eben diese und andere asiatische Staaten bzw. besonders nach China.

Die EU ist neben den USA der größte Einkäufer von Textilien ‘Made in China’. Durch den Trend der Globalisierung und den 2001 erfolgten Beitritt Chinas zur WTO steht die Textilwirtschaft in der EU stark unter Druck. Der Konflikt zwischen dem Textilhandel und der Textilproduktion in der EU spitzt sich zusätzlich zu. Einerseits verlangen Länder mit textilerzeugendem Schwerpunkt wie Portugal, Italien und Spanien eine Verschärfung bzw. Wiedereinführung von Quotenregelungen gegenüber China, andererseits fordern Länder mit dominierendem Textilhandel wie England, Deutschland und Dänemark ein rasches Ende der Quotenregelung und jeglicher Importblockaden.

Durch den Strukturwandel, sowohl in der EU als auch in China, wird die Frage nach alternativen Investitionsmöglichkeiten und einer Umgehung der Quotenregelungen aufgeworfen. Vietnam, das heute eine ähnliche Entwicklung durchläuft, wie sie einst China während der Periode von Reform und Öffnung Anfang der 1980er-Jahre erlebt hat, wird als potenzielle Alternative zu Investitionen in China gesehen. Für China ist Vietnam nicht nur ein potenzieller Ort für eigene Investitionen und Produktionsauslagerungen, sondern es respektiert auch die Stellung Vietnams in der internationalen Textilwirtschaft als ernst zu nehmenden Mitbewerber.

Durch die Öffnung Vietnams, die zunehmende politische Stabilisierung und den Beitritt zu internationalen Handelsorganisationen ergibt sich für ausländische Investoren einerseits der Vorteil eines günstigen Produktionsstandorts, anderseits die Chance auf einem potenziellen und schnell wachsenden Absatzmarkt Fuß fassen zu können. Dadurch kann der Standort und Beschaffungsmarkt ‘Vietnam’ als eine mögliche Alternative zu China genannt werden. Dennoch gibt es auch Risiken, die sich infolge der langen Isolation und den natürlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ergeben.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 2
2. Die Textilwirtschaft als Basis der Industrialisierung 5
3. Theorien zu Entwicklungsstufen der Textilwirtschaft 10
4. Produktionsverlagerung 14
5. Der Welthandel - Textil 20
6. Die asiatische Textilwirtschaft 21
7. China 23
7.1 Quotenregelungen bzw. Handelsbeschränkungen, Barrieren chinesischer Textilien 25
7.2 Verordnung Nr.1217/2007 der Europäischen Kommission Version 18.Oktober 2007 26
7.3 Qualifikationskriterien Chinas für den Export 28
8. Vietnam 38
8.1 Die Vietnamesische Textilwirtschaft 40
8.2 Vietnams internationale Beziehungen 41
8.3 Vietnam seit dem Beitritt zur WTO 2007 44
8.4 Die Vietnamesische Wirtschafsstruktur 45
8.5 Auslandsinvestitionen 46
9. Vietnam als Produktionsstandort 49
10. China als Investitionsstandort 53
11. Formen der Unternehmensgründung in Vietnam 56
11.1 Steuerliche Aspekte in Vietnam 58
12. Formen der Unternehmensgründung in China 59
12.1 Steuerliche Aspekte in China 61
13. Vietnam als Investitionsstandort? 62
14. China und Vietnam im Vergleich 64
14.1 Wirtschaftliche Entwicklung - Ein Vergleich 66
14.2 Guangdong - Vietnam 69
15. Bilaterale Beziehung China-Vietnam 72
16. Bewertung und Analysen China-Vietnam 73
17. Ausblick 78
17.1 Finanzkrise 2008 78
18. Fazit 80
19. Literaturverzeichnis 82
19.1 Online Quellen 85
19.2 Abbildungsverzeichnis 92
Anhang 1: Beantragungsformular 93
Anhang 2: Anerkennung dieser Arbeit durch die Wirtschaftskammer 94

Textprobe:

Kapitel 9.5, Auslandsinvestitionen:

‘Der Staat der sozialistischen Republik Vietnam begrüßt und regt fremde Investoren an, in Vietnam, auf der Grundlage von Respekt für die Hoheit der Unabhängigkeit von Vietnam, Befolgung des vietnamesischen Gesetzes, der Gleichheit und des gegenseitigen Nutzens, zu investieren. Der Staat der sozialistischen Republik von Vietnam garantiert den Besitz des investierten Kapitals und anderer Rechte der fremden Investoren und ermöglicht günstige Rahmenbedingungen, sowie eine vereinfachte und beschleunigte Abwicklung der notwendigen Formalitäten.’ (aus dem Investitionsgesetz der sozialistischen Republik Vietnam, Kapitel I Artikel 1) (Law on Foreign Investment in Vietnam 01.07.2006: Kapitel I Artikel I).

Mit dem Anfang der Wirtschaftsreformen von 1987 wurde auch ein neues Investitionsgesetz verabschiedet. Seit 1987 wurde das Investitionsgesetz bisher sechs Mal novelliert (1990, 1992, 1996, 1998, 2000, 2005) und orientiert sich an folgenden Zielen:

Schaffung von attraktiven Investitionsbedingungen für ausländische Unternehmen.

Aneignung ausländischen Knowhows.

Effektive Nutzung und Entwicklung des Landespotentials und der Ressourcen.

Verbesserung des Lebensstandards und Kampf gegen die Arbeitslosigkeit.

Förderung von Export und Einnahmen von Auslandsdevisen.

Die letzte Novellierung fand 2005 statt und trat am 01.07.2006 in Kraft. Es wurden 50 Gesetze geändert um die Rahmenbedingungen für eine Aufnahme in die WTO anzupassen. Die wichtigsten Änderungen sind unter anderem:

Aufhebung unterschiedlicher Gesetze für in- und ausländische Unternehmen.

Im Streitfall können verschiedene Schiedsverfahren in Anspruch genommen werden, so kann z.B. bei Differenzen mit einer vietnamesischen Behörde ein internationales Schiedsgericht angerufen werden, sofern dies vorher vertraglich vereinbart wurde.

Der Staat leistet vollwertige Staatsgarantien, was besonders wichtig bei auslandsfinanzierten Infrastrukturprojekten ist, die besonders auf solche Sicherheiten angewiesen sind.

Projekte, die ein Investitionsvolumen von 15 Mrd. Dong (ca. 600.000 EUR) nicht überschreiten, müssen nun kein Genehmigungsverfahren mehr durchlaufen.

Projekte in einer Größenordnung von 15 Mrd. bis 300 Mrd. Dong (ca. 600.000-1.200.000 EUR) müssen sich lediglich registrieren lassen.

Projekte, die den Wert von 300 Mrd. Dong (ca. 1.200.000 EUR) überschreiten, benötigen die Genehmigung der zuständigen Behörde.

Die Dauer eines Genehmigungsverfahrens ist auf 30 Tagen begrenzt. Bei begründeten Sonderfällen sind bis zu 45 Tage zulässig.

Verstärkter Schutz von geistigem Eigentum.

ein verschärftes Antikorruptionsgesetz.

Bei der Gründung von auslandsinvestierten Handelsgesellschaften sind nun, zusätzlich zur bereits bestehenden Möglichkeit der Gründung eines Joint-Ventures, auch zu 100% in ausländischem Besitz stehende Unternehmen erlaubt.

Für ausländische Investoren ist Vietnam seit dem Beitritt in die WTO 2007 noch interessanter geworden. 2007 sind über 15 Mrd. USD an ausländischen Direktinvestitionen nach Vietnam geflossen, was einer Vorjahressteigerung von 50% entspricht. Der Großteil der Investitionen wurde beim Bau von Ölraffinerien russischer und britischer Investoren, von Laptopproduktionsstätten taiwanesischer Investoren und einer Vespa-Produktionsstätte des italienischen Unternehmens Piaggio getätigt. Hauptsächlich wird in Ho Chi Minh City und Umgebung Investiert. Im Jahr 2007 sind 60% der ausländischen Investitionen in dieses Gebiet geflossen.

Arbeit zitieren:
Tran, Vinh-Tai März 2010: Die Europäische und Chinesische Textilwirtschaft im Wandel, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Textilwirtschaft, Textilindustrie, China, Vietnam, Standortanalyse

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