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Validierung von Ratingsystemen im Kreditbereich

Validierung von Ratingsystemen im Kreditbereich
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Carolin Schelling
  • Abgabedatum: Juli 2009
  • Umfang: 98 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,4
  • Institution / Hochschule: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Österreich
  • Bibliografie: ca. 72
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3557-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schelling, Carolin Juli 2009: Validierung von Ratingsystemen im Kreditbereich, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Validierung, Ratingsysteme, Stabilität, Kreditrisiko, Basel II

Magisterarbeit von Carolin Schelling

Einleitung:

Im Bereich des Kreditrisikos wird unter einem Futurist ein Ratingmodell verstanden, das im Rahmen der Erstellung eines Ratings das Risiko der Nichterfüllung der Kreditbeziehung durch den Kreditnehmer in Form des Ausfalls der Zins- und Tilgungszahlungen in der Zukunft einschätzt. Diese Kalkulationen der kreditnehmerspezifischen Ausfallwahrscheinlichkeit und im weiteren Sinne auch der Bonität von Kreditschuldnern sollten möglichst exakt sein, da sie als Einflussfaktoren in viele Planungen und Handlungen der Fremdkapitalgeber einfließen und daher deren Ertragssituation wesentlich mitbestimmen. Seit der Einführung von Basel II im Jahr 2007 bilden die geschätzten Ausfallwahrscheinlichkeiten der Kreditnehmer in Banken die Grundlage für eine risikosensitive Berechnung der Eigenmittelunterlegung und der Kreditkonditionen. Kreditinstitute können nun auch interne Ratingverfahren verwenden, die jedoch an die Erfüllung strenger Mindestanforderungen hinsichtlich der Qualität der verwendeten Methoden gebunden sind. Folglich zwingen ökonomische Aspekte (die aus einer Fehleinschätzung entstehenden Kosten für die Kreditgeber) und auch die Vorgaben der Bankenaufsicht die Ersteller von internen und externen Ratings, die Ratingmodelle regelmäßig hinsichtlich ihrer Prognosefähigkeit zu überprüfen und gegebenenfalls zu verbessern, indem sie die prognostizierten Ergebnisse (ex ante Werte) mit den realen Beobachtungen (ex post Werten) bzw. externen Daten vergleichen. Dieser Prozess wird als Validierung bezeichnet.

Die üblen Folgen falscher Prognosen von Ausfallwahrscheinlichkeiten beschränken sich jedoch nicht auf die Kreditinstitute und Investoren als Gläubiger in einem Kreditschuldverhältnis selbst, sondern können auch die Stabilität auf den globalen Finanzmärkten gefährden und Finanzkrisen mit weit reichenden Auswirkungen auch für andere Bereiche der Wirtschaft nach sich ziehen. Ein aktuelles Beispiel ist die seit dem Jahr 2008 bestehende Finanz- und Wirtschaftkrise, die als Konsequenz der Vergabe von Darlehen an kreditunwürdige Personen durch die U.S.-Hypothekenbanken und der inkorrektenBewertungen von forderungsbesicherten Wertpapieren durch die Ratingagenturen betrachtet werden kann. So sollte es nicht nur im Interesse der Aufsichtsbehörden und der Kreditgeber sein, qualitativ hochwertige Ratingmodelle als Prognoseinstrumente im Rahmen des Ratingprozesses einzusetzen, sondern auch ein Anliegen der Allgemeinheit und Wissenschaft sein, die Forschung im Bereich der Validierung von Ratingsystemen zu intensivieren.

Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
2. Struktur und Aufbau der Arbeit 2
3. Kreditrisiko 3
3.1 Bonitäts- und Ausfallrisiko 3
3.2 Ausfallwahrscheinlichkeit 3
4. Ratingsysteme 5
4.1 Allgemeine Ratingdefintion 5
4.2 Externes und Internes Rating 6
4.3 Ratingstruktur laut Basel II 8
4.4 Methoden der Bonitätsbeurteilung 9
5. Anforderungen an Ratingsysteme 10
5.1 Allgemeine Anforderungen an Ratingsysteme 10
5.2 Mindestanforderungen für externe Ratingstellen 11
5.3 Mindestanforderungen für interne Ratingstellen 12
5.4 Validierung von Ratingsystemen 16
6. Quantitative Validierung 18
6.1 Samplingmethoden 18
6.2 Formen von Prognosefehlern 22
6.3 Trennschärfe 24
6.3.1. Häufigkeitsverteilung 26
6.3.2 Cut-off-Wert 27
6.3.3 Kontingenztabelle 29
6.3.4 ROC-Kurve 32
6.3.5 Area under Curve 33
6.3.6 Fehlerkurve und Fehlerfläche 35
6.3.7 Pietra-Index 36
6.3.8 CAP-Kurve 36
6.3.9 Gini-Koeffizient 38
6.3.10 Konfidenzniveaus für Gini-Koeffizient und AUC 39
6.3.11 Bayes’sche Fehlerrate 43
6.3.12 Entropie-basierte Performancekennzahlen 44
6.3.12.1 Informationsentropie 44
6.3.12.2 Bedingte Entropie 46
6.3.12.3 Kullback-Leibler Distanz 46
6.3.12.4 CIER 47
6.4 Kalibrierung 49
6.4.1 Brier-Score 51
6.4.2 Relative Qualitätsmessung – Skill-Score 54
6.4.3 Grafische Darstellungsmöglichkeiten 56
6.4.3.1 Reliability-Diagramm 56
6.4.3.2 Attributives Diagramm 57
6.4.5 Kalibrierungstests 59
6.4.5.1 Kalibrierungstest auf Basis der Standardnormalverteilung 61
6.4.5.2 Binomialtest der Kalibrierung 63
6.4.5.3 Hosmer-Lemeshow-Test 66
6.4.5.4 Normaltest 68
6.4.5.5 Extended Traffic Light Approach 69
6.5 Stabilität 74
6.6 Backtesting versus Benchmarking 75
7. Fazit 78
Anhang VIII
Literaturverzeichnis XV

Textprobe:

Kapitel 4.2., Externes und Internes Rating:

Abhängig von den Stellen, die die Ratings vergeben, unterscheidet man zwischen externen und internen Ratings. ‘Externe Ratings stellen öffentlich verbreitete Einschätzungen von speziellen Ratingagenturen über die zukünftige Fähigkeit eines Emittenten dar, Zahlungen von Zins und Tilgung einer von ihm begebenen Anleihe termingerecht und vollständig zu erfüllen.’ Externe Ratings werden folglich von Finanzintermediären, die sich auf die Kreditwürdigkeitsbeurteilung bestimmter Finanztitel spezialisiert haben, erstellt und von den Schuldnern (den Emittenten der Anleihe) selbst in Auftrag gegeben. Da diese Agenturen von den zu ratenden Unternehmen und von den Kreditgebern unabhängige Institutionen darstellen, werden ihre Ratings als extern bezeichnet. Diese Konstellation bringt die Ratingagenturen in eine sehr vorteilhafte Position, weil sie nicht nur öffentlich zugängliche Daten in das Rating einbeziehen können, sondern auch unternehmensinterne Informationen zur Verfügung gestellt bekommen (z.B. detaillierte interne Prognosen des Managements). Die international agierenden Agenturen sind Moody´s Investors Service, Standard & Poor´s, Fitch und Dominion Bond Rating Service (DBRS), wobei die beiden amerikanischen Agenturen Moody´s und Standard & Poor´s marktführend sind. Als national bzw. regional spezialisierte Agenturen können beispielsweise Japan Credit Rating Agency (JCR), Rating and Investment Information (RI), Mikuni, SVEA Kredit-Information, Rating Agency Malaysia sowie für Deutschland die Creditreform Rating, Rating Services, die Unternehmens Ratingagentur (URA), GDUR Mittelstandsrating, das Euler Hermes Rating und RS Rating Services genannt werden.

Im Gegensatz zu den externen Ratings wird bei den internen Ratings nicht die Bonität von Anleiheemittenten am Kapitalmarkt eingeschätzt, sondern hier bewerten die Banken die Kreditwürdigkeit ihrer Schuldner im Hinblick auf die Kreditvergabe mithilfe von institutsspezifischen Ratingsystemen und beruhend auf Informationen aus langjährigen Kundenbeziehungen. Während im Fall von externen Ratings die Bonität der Kreditnehmer unabhängig von konjunkturellen Veränderungen ermittelt wird (‘through-the-cycle Rating’), werden die internen Ratings über die Kreditwürdigkeit der Schuldner unter Berücksichtigung des konjunkturellen Verlaufs (‘point-in-time Rating’) eingeschätzt. Im Vergleich zu den externen Ratingagenturen mangelt es den internen Ratingstellen an Unabhängigkeit. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zu den externen Ratings besteht darin, dass interne Ratings ohne expliziten Auftrag erstellt und nur bankintern verwendet werden. Die Anwendung der internen Ratings ist an die Erfüllung von Mindestanforderungen im Rahmen von Basel II (siehe Kapitel 5.3.) gebunden und das Maß an aufsichtsrechtlicher Anerkennung kann als ein Indikator für die Qualität dieser Ratingform interpretiert werden. Die Bewertung von externen Ratings hingegen erfolgt vor allem durch Investoren bzw. Emittenten am Markt auf Basis ihrer persönlichen Erfahrungen mit der Prognosefähigkeit des Ratings.

Arbeit zitieren:
Schelling, Carolin Juli 2009: Validierung von Ratingsystemen im Kreditbereich, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Validierung, Ratingsysteme, Stabilität, Kreditrisiko, Basel II

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