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Bildung für eine nachhaltige Entwicklung

Dargestellt am Beispiel des Haus am Strom

Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Sabine Ponath
  • Abgabedatum: Februar 2008
  • Umfang: 113 Seiten
  • Dateigröße: 8,0 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Passau Deutschland
  • Bibliografie: ca. 77
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3322-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Ponath, Sabine Februar 2008: Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Nachhaltige Entwicklung, Erziehung, Pädagogik, Bildung, Umweltbildung

Magisterarbeit von Sabine Ponath

Einleitung:

„Planst Du für ein Jahr, so säe Korn, planst Du für ein Jahrzehnt, so pflanze Bäume, planst Du für ein Leben, so bilde Menschen.“ Kuan Tzu, 7. Jahrhundert v.Chr.

Dieses alte Zitat ist heute kritisch zu betrachten. Vor dem Hintergrund der globalen ökologischen und soziologischen Krise – Beck spricht von der „Risikogesellschaft“ - würde man wohl eher Rat suchen, was zu tun sei, um die (Welt-)Gesellschaft über das eigene Leben hinaus dauerhaft überlebensfähig zu machen, nicht nur für „ein Leben“. Auch ist der Vorschlag „so bilde Menschen“ zu hinterfragen, wenn man die Bedeutsamkeit des eigenen, freien Willens von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen berücksichtigt und miteinbezieht, dass der Mensch nie auslernt, sondern sich sein Leben lang weiter entwickelt. So würde ein vergleichbarer Vorschlag heute möglicherweise eher lauten: „Planst du über dein Leben hinaus, so unterstütze die Menschen darin, ihr Leben lang zu lernen.“ Damit verbunden müssen inhaltliche Überlegungen angestellt werden: Was muss gelernt werden und mit welchen Fragestellungen muss man sich auseinandersetzen, um dem Ziel einer zukunftsfähigen, nachhaltig lebenden Gesellschaft näher zu kommen?

Für die Zeit aus der es stammt, kann man jedoch feststellen, dass dieses Zitat bereits recht umsichtig ist. Anstatt sich bei der Zukunftsplanung rein auf wirtschaftliche Mittel zu beschränken, wird hier nahe gelegt, auch den Aspekt der Bildung zu berücksichtigen.

Welche Bedeutung hat also Bildung für die Entwicklung einer zukunftsfähigen Gesellschaft und Umwelt? Wie können Individuen dauerhaft dazu motiviert werden, sich für gemeinschaftliche und langfristige Ziele einer nachhaltigen Zukunftsgestaltung einzusetzen? Welche Kompetenzen sind für erfolgreiches Engagement für eine nachhaltige Entwicklung vonnöten?

Seit nunmehr fast zehn Jahren findet eine intensive Beschäftigung mit Fragen der „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ statt. „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ wird seitdem als eigenständiger Bildungsansatz betrachtet. Diesem liegt eine langwierige Konzeptentwicklung zugrunde, deren Wurzeln sich wiederum in der Entstehung des Leitbilds „nachhaltige Entwicklung“ finden. In den letzten zwanzig Jahren hat es sich „weltweit zu dem zentralen Begriff entwickelt, anhand dessen über die zukünftige Entwicklung der Menschheit diskutiert wird.“ Seitdem wurden vielfältige Programme und Projekte zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ins Leben gerufen, ob auf internationaler, nationaler oder lokaler Ebene. Erwähnenswert ist dabei insbesondere die Weltdekade der „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ (2005–2014) der Vereinten Nationen, deren Ziel es ist, durch Bildungsmaßnahmen die Prinzipien nachhaltiger Entwicklung global in den nationalen Bildungssystemen zu verankern. Daneben spielt auf nationaler Ebene vor allem das Modellprogramm „21“, bzw. „Transfer 21“ der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung eine bedeutsame Rolle für das deutsche Bildungssystem.

Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ist demnach eine anerkannte, wichtige Herausforderung unserer Zeit. Sie erfüllt wesentliche Aufgaben in der Sensibilisierung für Nachhaltigkeitsfragen und -probleme und in der Kompetenzentwicklung zu ihrer Bewältigung. Dabei stellt einerseits die Gewährleistung von Grundbildung eine entscheidende Vorraussetzung nachhaltiger Entwicklung dar. Auf der anderen Seite muss nachhaltige Entwicklung inhaltlich und methodisch in den verschiedenen Bildungsphasen verankert werden.

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Frage, wie das theoretische und konzeptionelle Fundament der „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“, insbesondere in Deutschland, bislang ausgestaltet wurde und wie „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ in der Praxis aussehen kann.

Zu Beginn der Arbeit wird einführend die Entwicklung des Begriffes dargelegt und auf aktuelle, politische Konsequenzen eingegangen. Dabei wird deutlich, dass Nachhaltigkeit neben wirtschaftlichen Aspekten, auch den Erhalt einer intakten natürlichen Umwelt und soziale Fragen, wie zum Beispiel Fragen der (Verteilungs-) Gerechtigkeit, zum Thema hat. Des Weiteren wird klar, dass eine nachhaltige Entwicklung abhängig von intensiven, dahingehenden Bildungsanstrengungen ist. Das Konzept „nachhaltige Entwicklung“ in die Köpfe und Herzen der Individuen zu bringen und schließlich in die Tat umzusetzen und zur alltäglichen Realität werden zu lassen, ist eine enorme Aufgabe und Herausforderung der heutigen Zeit. Der folgende Teil der Arbeit befasst sich mit dem Konzept der „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“. Mit diesem Ansatz wird versucht die Entwicklung der Kompetenzen zu fördern, die Individuen befähigen, sich an einer gerechten, intakten Zukunft zu beteiligen. Die Entwicklungslinien auf dem Weg zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung werden dargestellt und es wird erläutert, was konkret unter Bildung für eine nachhaltige Entwicklung zu verstehen ist und welche Ziele mit ihr verbunden sind. Entscheidend ist der Erwerb von nachhaltigkeitsrelevanten Schlüsselkompetenzen, von Gerhard de Haan zusammengefasst unter dem Begriff „Gestaltungskompetenz“.

Nachdem das Konzept „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ erörtert wurde, beschäftigt sich die Arbeit mit deren Umsetzung. Besondere Bedeutung kommt dabei der UN-Dekade „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ zu. Das darauf folgende Kapitel verlässt die internationale Ebene, um sich konkret mit dem Stand der Dinge in Deutschland zu befassen, das heißt mit einer Nachhaltigkeitsdiagnose, der hiesigen Entstehung der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, so wie Programmen zu deren Umsetzung.

Um diesen Teil der Arbeit abzurunden, werden im Anschluss Schwierigkeiten in der Umsetzung dieser Programme aufgezeigt und schließlich wird die Rolle der Pädagogik für eine nachhaltige Entwicklung erörtert.

Diese theoretischen Erkenntnisse und Umsetzungsstrategien werden im Folgenden anhand eines konkreten, praktischen Beispiels beleuchtet. In Niederbayern befindet sich direkt an der Grenze zu Österreich ein „Zentrum für Nachhaltigkeit“, das Haus am Strom. Es ist zugleich Bildungsstätte- und Vernetzungszentrum. In dieser Arbeit wird der Bildungsaspekt dieses Zentrums genauer betrachtet: Welche Ideen und Konzepte liegen der Ausstellung im Haus zugrunde? Welche Themen werden in den Programmangeboten behandelt? Wie werden die Inhalte methodisch umgesetzt und vermittelt? Unter Darstellung einiger exemplarischer Programmangebote sowie der Ausstellung wird untersucht, ob das Haus am Strom tatsächlich „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ betreibt und welche Schwierigkeiten das Zentrum als außerschulische Einrichtung dabei hat. Anschließend wird unter zusammenfassender Betrachtung dieser Faktoren ein Fazit gezogen.

Am Ende der Arbeit wird ein abschließendes Resümee gezogen, bei dem die zentralen Aussagen des gesamten Textes zusammengefasst und Schlussfolgerungen daraus gezogen werden sowie ein Ausblick für die Zukunft eröffnet wird.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis 4
1. Einleitung 5
2. Überblick über die Entwicklung des Begriffes Nachhaltigkeit 9
2.1 Die „Endlichkeit“ der Ressourcen 9
2.2 Politische Konsequenzen 10
3 Bildung für eine nachhaltige Entwicklung 15
3.1 Von der Umweltbildung zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung 15
3.2 Gestaltungskompetenz als Bildungsziel 21
3.3 UN-Dekade zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung 25
3.4 Bildung zur nachhaltigen Entwicklung in Deutschland 29
3.4.1 Nachhaltigkeitsdiagnose und Trends für Deutschland 30
3.4.2 Entwicklung der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland 35
3.4.3 BLK-Programm 21 und Transfer 21 40
3.4.4 Der nationale Aktionsplan im Rahmen der UN-Dekade 46
3.4.4.1 Weiterentwicklung und Bündelung der Aktivitäten, sowie Transfer guter Praxis in die Breite 51
3.4.4.2 Vernetzung der Akteure 52
3.4.4.3 Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung 53
3.4.4.4 Verstärkung der internationalen Kooperationen 53
3.4.4.5 Fortsetzung des Aktionsplanes 54
3.5 Schwierigkeiten bei der Umsetzung 55
3.5.1 Langfristigkeit der Projekte 56
3.5.2 Integration der Sichtweisen 57
3.5.3 Positionierung in Bildungseinrichtungen 57
3.5.4 Überfrachtung 58
3.5.5 Konkrete Umsetzung der theoretischen Konzepte 58
3.6 Bedeutung der Pädagogik für Nachhaltige Entwicklung 59
4. Global denken - Lokal handeln. Beispiel: Haus am Strom 62
4.1 Haus am Strom, Zentrum für Nachhaltigkeit 62
4.2 Bildungsarbeit im Haus am Strom 65
4.2.1 Die Ausstellung des Haus am Strom 66
4.2.2 Vorstellung einiger Programmangebote 70
4.2.3 Eingesetzte pädagogische Mittel 80
4.2.3.1 Lernen mit „Kopf, Herz und Hand“ 80
4.2.3.2 Situiertes Lernen 83
4.2.3.3 Handlungsorientiertes Lernen 84
4.2.4 Umsetzung von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung? 85
4.2.5 Fazit 95
5. Resümee 102
6. Literaturverzeichnis 105
Anhang 113

Textprobe:

Kapitel 3.4.4, Der nationale Aktionsplan im Rahmen der UN-Dekade:

Die Aufgabe, für Deutschland einen Nationalen Aktionsplan zu erstellen, wurde in einem einstimmigen Beschluss des Bundestages bekräftigt: „Nachdem die UNESCO mit der Vorbereitung und Koordination der Weltdekade beauftragt wurde, wird die Bundesregierung aufgefordert, in enger Abstimmung mit dem Deutschen Bundestag eigene Beiträge der Bundesrepublik Deutschland für die Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ zu entwickeln und diese in einem Aktionsplan zu bündeln, der Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung werden sollte.“ Da die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ein offener Prozess sein soll, wird der Aktionsplan jährlich mit Einbezug der Anregungen der Betroffenen fortgeschrieben. Die letzte Version wurde im Herbst 2005 veröffentlicht.

Wie bereits weiter oben veranschaulicht wurde, stehen in Deutschland ganz bestimmte Aspekte der Nachhaltigkeit im Vordergrund. Nachhaltigkeit ist hierzulande und in Europa vor allem eine Problematik der Ökologie und Chancengerechtigkeit, während in weniger entwickelten Ländern viel grundlegendere Probleme der elementaren Lebensgrundlagen, wie zum Beispiel die Sicherung der Grundbildung, eine immanente Rolle spielen. So sind auch Themen, die die unterschiedlichen Länder gemein haben, wie z.B. die Gleichstellung von Mann und Frau, vor den verschiedenen kulturellen Hintergründen unterschiedlich ausgeprägt. Eine Aufgabe der Dekade in Deutschland ist es, diese unterschiedlichen kulturellen Voraussetzungen zu thematisieren.

Bildung ist entscheidend für die Entwicklung einer nachhaltigen Gesellschaft. Am meisten Menschen können über das Schulsystem erreicht werden. Danach folgt meist eine berufliche Ausbildung, das Studium an einer Hochschule oder eine Weiterbildung. In Deutschland existiert eine Vielzahl an außerschulischen Bildungseinrichtungen, und es gibt reichhaltige Bildungsmöglichkeiten im Bereich des informellen Lernens. Die aktuellen Bildungsreformen in Deutschland bieten zudem neue Möglichkeiten zur Integration fachübergreifender Lernmethoden und für Kooperationen mit außerschulischen Partnern, wie sie für die Bildung für nachhaltige Entwicklung erforderlich sind. So ist beispielsweise in Bayern mit Einführung des sogenannten „G8“, also achtstufigen Gymnasiums, ab 01. August 2009 in der Oberstufe eine Projektarbeit zur Studien- und Berufsorientierung in Kooperation mit außerschulischen Unternehmen oder Institutionen zur Pflicht geworden. Die Aufgabenstellungen sollen interdisziplinär angelegt und der beruflichen oder wissenschaftlichen Praxis entnommen sein. Ziel eines effektiven Aktionsplanes muss es also einerseits sein, alle Bereiche des Bildungssystems anzusprechen und mit einzubeziehen. Nichtsdestotrotz betrifft Bildung für eine nachhaltige Entwicklung aber auch außerschulisches und Lebenslanges Lernen. So muss der Aktionsplan auch für Kommunen, Verbände, Vereine, Betriebe und Familien präsent sein. Bildung für eine nachhaltige Entwicklung „bereichert das Leben eines jeden Einzelnen und eröffnet durch die Vermittlung von Gestaltungskompetenz wertvolle Zukunftschancen.“ Das Hauptziel des Aktionsplanes zu UN-Dekade ist die Verankerung des Leitbilds nachhaltiger Entwicklung in allen weitestgehenden Bereichen der Bildung in Deutschland. Um der Vision der nachhaltigen Gesellschaft näher zu kommen, wurden im Nationalen Aktionsplan vier große Ziele formuliert (die wiederum weitere Teilziele enthalten), die in den kommenden Jahren vordringlich verfolgt und realisiert werden sollen.

- Die Weiterentwicklung und Bündelung der Aktivitäten sowie Transfer guter Praxis in die Breite.

- Die Vernetzung der Akteure der Bildung für nachhaltige Entwicklung.

- Die Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung von Bildung für nachhaltige Entwicklung.

- Die Verstärkung internationaler Kooperationen.

Zur praktischen Umsetzung dieser Ziele und dem allgemeinen Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung ist im Aktionsplan ein sehr umfangreicher Maßnahmenkatalog enthalten. Er „entstand in Anlehnung an das Driving-Force-State-Response-Modell der Commission on Sustainable Development und stellt die Operationalisierung der vier strategischen Handlungsziele dar.“ Bei jeder vorgestellten Maßnahme, die einem der vier Ziele untergeordnet ist, wird zunächst ein grober Titel, der initiierende Akteur, bzw. Akteurin sowie die betroffenen Bildungsbereiche vorgestellt. Um die Maßnahme genauer zu beschreiben, werden die wichtigsten Ziele, die Ausgangssituation, die Entwicklungsschritte und betroffenen Akteure und schließlich konkrete Überprüfungskriterien zur Zielerreichung ausgeführt. Um dies zu veranschaulichen, soll auf der folgenden Seite ein Beispiel aus dem Bundesland Bayern aufgezeigt werden (siehe Tabelle).

Der Katalog umfasst gegenwärtig 62 dieser Umsetzungsstrategien, wird aber wie der Nationale Aktionsplan als offener Prozess stets überprüft, erweitert und fortgeschrieben.

Im weiteren Verlauf sollen die vier Handlungsziele des Nationalen Aktionsplanes genauer ausgeführt werden.

Arbeit zitieren:
Ponath, Sabine Februar 2008: Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Nachhaltige Entwicklung, Erziehung, Pädagogik, Bildung, Umweltbildung

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