Themen und Verfahren interkulturellen Lernens in russischen Englischlehrbüchern für die 10. Klasse
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Alena Rudnitskaya
- Abgabedatum: März 2009
- Umfang: 123 Seiten
- Dateigröße: 525,3 KB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
- Bibliografie: ca. 138
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3243-0
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Rudnitskaya, Alena März 2009: Themen und Verfahren interkulturellen Lernens in russischen Englischlehrbüchern für die 10. Klasse, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: interkulturell, Russland, Englisch, Lehrbuch, Fremdverstehen
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Magisterarbeit von Alena Rudnitskaya
Einleitung:
Das Ziel der vorliegenden Untersuchung besteht darin, die ausgewählten russischen Englischlehrwerke für die 10. Klasse daraufhin zu untersuchen, welche Möglichkeiten der Umsetzung interkulturellen Lernens diese bieten sowie ob und inwiefern die Inhalte zu interkulturellem Lernen beitragen. Die Auswahl des Themas ist durch mehrere Faktoren bedingt.
Seit den 1980er-Jahren ist durch die Prozesse der Globalisierung die Relevanz des Fremdverstehens zur Vorbeugung kultureller Missverständnisse beim Kulturkontakt zum Thema geworden ist; in diesem Kontext ist interkulturelles Lernen in den Vordergrund getreten. Der Zustand der Gesellschaft findet seine Reflexion gleichfalls im System der Fremdsprachendidaktik. Interkulturell orientierter Fremdsprachenunterricht soll ‘zu einer Reduktion kultureller Stereotype und zur Förderung von Toleranz, Empathie und gegenseitigem Verständnis beitragen’. Dem Lehrwerk kommt dabei eine bedeutende Rolle zu, weil es ‘nicht nur eine stützende, sondern in der Regel eine tragende Funktion’ hat. Von ihm gehen ‘starke Beeinflussungseffekte aus, die im ungünstigsten Fall sogar falsche Leitbilder und Klischees vermitteln können’. Insofern erscheint eine Analyse, die aufzeigt, wie geeignet Lehrwerke aus interkultureller Perspektive sind, als notwendig.
Russland war Jahrzehnte lang ein ‘geschlossener’ Staat; während des kommunistischen Regimes existierte lediglich eine Variante des Englischlehrbuchs - und sogar diese war ideologisch geprägt. In Verlauf der vergangenen 20 Jahren hat Russland große Veränderungen in politischer, gesellschaftlicher und kulturellen Sphären durchlaufen. Seit dem 1992 das russische Bildungsgesetz den Anspruch auf Vielfältigkeit der Schulsysteme gewährt, entstanden eine Vielzahl verschiedener Lehrwerke unterschiedlicher Qualität, Ideologie und Richtungen, die sich an diversen Bildungsmethoden orientierten.
Heute, im Zusammenhang mit der Integration Russlands in den weltweiten Wirtschafts- und kulturellen Raum sowie der aktiven Beteiligung Russlands an den internationalen Kontakten (auch seit dem Eintritt Russlands in den Bologna-Prozess in 2003), wird nach Wegen, nach passenden Lehrmaterialien usw. gesucht, um den modernen Anforderungen des Bildungssystems zu entsprechen. Infolgedessen werden Lehrwerke konzipiert, die eine interkulturelle Orientierung und Annäherung an den europäischen Referenzrahmen versprechen, wie beispielsweise die in der vorliegenden Arbeit zu analysierenden Lehrwerke. In diesem Kontext erscheint es interessant herauszufinden, inwiefern die Lehrwerke diesen ‘Versprechungen’ entsprechen.
Im Rahmen des Wandels des politischen Systems erscheint ebenfalls notwendig zu eruieren, wie die fremden und die eigene Kultur in den modernen Lehrwerken dargestellt werden. Dessen ungeachtet erscheint das Thema ‘interkulturelles Lernen’ in den modernen russischen Englischlehrwerken in der Lehrwerkforschung so gut wie nicht beleuchtet, was auch einer der Gründe dafür war, dass die Wahl für die vorliegende Abhandlung auf dieses Thema fiel.
Zur Beantwortung der Frage, ob und inwiefern die Inhalte der Lehrwerke zu interkulturellem Lernen beitragen, ist es zunächst notwendig, die theoretischen Grundlagen zu erörtern. Kapitel 2 befasst sich daher mit der Darstellung der zentralen Begriffe und Konzepte im Rahmen interkulturellen Lernens wie Kultur, Fremdheit, Fremdverstehen und interkulturelle Kompetenz.
Im Kapitel 3 soll der Forschungsstand der Lehrwerkforschung aus interkultureller Perspektive erläutert werden. Es werden verschiedene Kriterienkataloge vorgestellt und diskutiert. Die aus den theoretischen Überlegungen gewonnenen Ergebnisse bilden die Grundlage des Kriterienkataloges für die vorliegende Lehrwerkanalyse. Ferner erfolgt die Begründung der Auswahl der Untersuchungsmethode und der Lehrwerke.
Die in Kapitel 4 stattfindende Analyse gliedert sich in zwei Teile. In einem ersten Schritt wird die Konzeption (Struktur und didaktische Prinzipien) der Lehrwerke präsentiert. Danach wird der eigentlichen Fragestellung nach der Untersuchung der Kategorien Sprache und Kommunikation, Ethnozentrismus, Stereotype und Vorurteile sowie Multiperspektivität nachgegangen. Abschließend findet sich eine Zusammenfassung der Ergebnisse sowie ein Ausblick.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | EINLEITUNG | |
| 2. | INTERKULTURELLES LERNEN IN DER FREMDSPRACHENDIDAKTIK | |
| 2.1 | Kultur | 4 |
| 2.1.1 | Definition | 4 |
| 2.1.2 | Kultur und Sprache | 9 |
| 2.2 | Fremdheit | 11 |
| 2.2.1 | Ethnozentrismus | 13 |
| 2.2.2 | Stereotype und Vorurteile | 16 |
| 2.3 | Fremdverstehen | 19 |
| 2.4 | Interkulturelle Kompetenz als Ziel interkulturellen Lernens | 27 |
| 3. | KONZEPTUELLER RAHMEN ZUR ANALYSE RUSSISCHER LEHRBÜCHER | 37 |
| 3.1 | Zur Entwicklung der Analyse fremdsprachlicher Lehrwerke aus interkultureller Perspektive | 37 |
| 3.1.1 | Notwendigkeit der Lehrwerksforschung | 37 |
| 3.1.2 | Entwicklung der Lehrwerkanalyse | 39 |
| 3.1.3 | Lehrwerkanalysen zum interkulturellen Lernen | 44 |
| 3.2 | Forschungsfragen | 48 |
| 3.3 | Untersuchungsmethode | 52 |
| 3.4 | Auswahl der Lehrwerke und Begründung | 54 |
| 4. | ANALYSE RUSSISCHER ENGLISCHLEHRBÜCHER | 58 |
| 4.1 | Konzeption der Lerwerke | 59 |
| 4.1.1 | The World of English | 59 |
| 4.1.2 | New Millennium Englisch | 63 |
| 4.1.3 | Spotlight | 66 |
| 4.2 | Kategorienuntersuchung | 70 |
| 4.2.1 | Sprache, Kommunikation | 71 |
| 4.2.2 | Ethnozentrismus | 77 |
| 4.2.3 | Stereotype und Vorurteile | 92 |
| 4.2.4 | Multiperspektivität | 101 |
| 5. | ZUSAMMENFASSUNG DER ANALYSEERGEBNISSE | 106 |
| 6. | AUSBLICK | 109 |
| 7. | LITERATUR | 111 |
Textprobe:
Kapitel 3, Konzeptueller Rahmen zur Analyse russischer Englischlehrbücher:
Das folgende Kapitel soll zunächst die Entwicklung der Analyse fremdsprachlicher Lehrwerke aus interkultureller Perspektive beleuchten. Danach wird auf die Forschungsfragen und Untersuchungsmethode der vorliegenden Analyse eingegangen. Zum Schluss werden die Lehrwerke dargestellt, die für die Untersuchung ausgewählt wurden; in diesem Rahmen wird ihre Auswahl begründet.
Zur Entwicklung der Analyse fremdsprachlicher Lehrwerke aus interkultureller Perspektive:
Der Abschnitt vorliegender Arbeit verdeutlicht die Notwendigkeit der Lehrwerkforschung bei fremdsprachlichen Lehrwerken aus interkultureller Perspektive und vermittelt einen chronologischen Überblick der Forschung im Verlauf der 1950er-Jahre bis hin zur Gegenwart.
Notwendigkeit der Lehrwerksforschung:
Das Lehrwerk nimmt eine zentrale Funktion bei der Gestaltung des Fremdsprachenunterrichts ein, da es den Lehrplan (fachdidaktische und fachmethodische Konzeption), die Lehrsituation (institutionelle Bedingungen/Lehrer) als auch die Lernenden (Zielgruppe) miteinander verbindet. Das Lehrwerk fungiert als zentrales ‘Medium in der Praxis des Fremdsprachenunterrichts, [als] eine wichtige Schnittstelle zwischen Lehrer, Lerner und der fremden Sprache’.
Es wird zwischen Lehrwerken und Lehrbüchern differenziert. Das Lehrbuch ist ‘ein in sich abgeschlossenes Druckwerk mit fest umrissener didaktischer und methodischer Konzeption (Zielsetzung: Lernstoffprogression; Unterrichtsverfahren), in dem alle zum Lernen benötigten Hilfsmittel (Texte, Übungen, Grammatikdarstellungen, Vokabeln etc.) ,zwischen zwei Buchdeckeln‘ enthalten sind’. Neben dem Lehrbuch werden zusätzliche Arbeitsmaterialien wie Arbeitshefte, Glossar, Grammatikheft, Zusatzlesetext, audiovisuelle Medien und Lehrerhandreichungen genutzt. Diesen gesamten Komplex bezeichnet man als Lehrwerk.
Die Begriffe ‘Lehrwerkkritik’ und ‘Lehrwerkanalyse’ sollen ebenfalls voneinander abgegrenzt werden. Während die Lehrwerkanalyse unter festgelegten Aspekten Lehrwerke untersucht, relativiert die Lehrwerkkritik die Ergebnisse, indem sie diese anhand äußerer Bedingungsfaktoren auswertet und auf diese Weise die ‘Eignung eines Lehrwerkes für eine bestimmte Lernergruppe’ feststellt.
Das Lehrwerk besitzt einen entscheidenden Einfluss auf den Fremdsprachenunterricht, sodass es ‘sinnvoll erscheint, lehrerorientierte und unterrichtspraktische Verfahren zur Lehrwerkbegutachtung zu entwickeln’. In den 1950er-Jahren war eine Lehrwerkanalyse nach Gerhard Neuners Untersuchung zufolge unnötig, da die fachdidaktischen Ziele und Richtlinien durch die gesellschaftliche Ordnung (Fremdsprachenunterricht nur für die Eliten) sowie die institutionellen Vorgaben (gymnasiale Pädagogik, Lehrpläne, Sprachenfolge, Lehrerausbildung etc.) festgelegt waren und in den Fremdsprachenfächern jeweils ein Lehrwerk eine Art Monopolstellung einnahm.
In den 1960er-Jahren führten mehrere Entwicklungen zum Beginn der Beschäftigung mit fremdsprachlichen Lehrwerken. Einerseits wurden die Lehrbücher zu komplexeren Lehrwerken erweitert. Durch die daraus resultierende Vielfalt und Konkurrenz auf dem Lehrwerkmarkt wurden Lehrwerkanalysen sinnvoll, da sie den Verlagen konstruktive Vorschläge zu einer Verbesserung der Lehrwerke boten und den Schulen Hilfe bei der Auswahl von anzuschaffenden Lehrwerken gaben. Andererseits wurde ab 1964 der Englischunterricht auf die Hauptschule ausgeweitet. Dadurch wurden neue Lehrmaterialien notwendig; die unterschiedlichen und konkurrierenden Lehrwerke mussten analysiert werden.
In der ersten Hälfte der 1960er-Jahre ergibt sich folglich aus schul- und bildungspolitischen Entscheidungen ebenso wie aus dem Wandel in der Zielsetzung und in den Unterrichtsmethoden die Forderung nach Lehrwerkanalysen. Seit den 1980er-Jahren befasste sich die Lehrwerkforschung, die zu einer eigenständigen, auch in die Lehrerausbildung integrierten Disziplin avancierte, verstärkt mit landeskundlichen und literarischen Inhalten von Lehrwerken.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836632430
Arbeit zitieren:
Rudnitskaya, Alena März 2009: Themen und Verfahren interkulturellen Lernens in russischen Englischlehrbüchern für die 10. Klasse, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
interkulturell, Russland, Englisch, Lehrbuch, Fremdverstehen




