Das Internet als Ergänzungsmedium für den Hörfunk am Beispiel ausgewählter Programmformate des öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Hörfunks
Eine Untersuchung zu Chancen und Risiken der Internetnutzung als programmbegleitendes Medium des Hörfunks
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Andreas Bade
- Abgabedatum: Juli 2003
- Umfang: 123 Seiten
- Dateigröße: 945,6 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
- Bibliografie: ca. 151
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3196-9
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Bade, Andreas Juli 2003: Das Internet als Ergänzungsmedium für den Hörfunk am Beispiel ausgewählter Programmformate des öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Hörfunks, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Hörfunk, Radio, Onlinemedium, Internet, Massenmedien
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Magisterarbeit von Andreas Bade
Einleitung:
Das Netz-Medium Internet gewinnt im Zusammenspiel mit dem Computer als Verbreitungsmedium eine immer größere Bedeutung in der Verwendung als Ergänzungsmedium für den terrestrischen Hörfunk. Während hinter den Onlineaktivitäten öffentlich-rechtlicher Rundfunkanbieter, z. B. bei der ARD als ein führendes Medienunternehmen, die Überzeugung steht, mit ihrem Internetangebot die unterschiedlichen Internetauftritte der einzelnen Länderanstalten ‘unter Nutzung von Synergieeffekten zu bündeln und zu erschließen’, sehen die kommerziellen Hörfunkanbieter für sich die Vorteile ihrer Onlineaktivitäten darin, jeweils ihr spezifisches Hörfunkprodukt zu optimieren und ihre Position als Werbeträger auf dem Hörfunkmarkt zu verbessern.
Mittlerweile beginnt sich abzuzeichnen, dass den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbietern im Netz auf Grund ihrer großen Kompetenz in den Bereichen Bildung und Information ein großer Vertrauensbonus entgegengebracht wird. Den Websites der kommerziellen Rundfunkanbieter kommt demgegenüber eine größere Bedeutung hinsichtlich ihrer hohen Kompetenz im Bereich der Unterhaltung zu.
Gang der Untersuchung:
Zielsetzung dieser Magisterarbeit ist es, am Beispiel ausgewählter Programmformate eines öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Hörfunkanbieters zu untersuchen, welche Chancen und Risiken für den terrestrischen Hörfunk mit der Nutzung des Internet als programmbegleitendes Ergänzungsmedium verbunden sind. Die Einbindung von Medien in die öffentliche Kommunikation einer Gesellschaft ist ein historischer Entwicklungsprozess, der in den ersten beiden Kapiteln der Untersuchung am Beispiel der Medien Radio und Internet nachvollzogen werden soll. An der Entwicklungsgeschichte des relativ jungen Mediums Internet lässt gut sich zeigen, dass wir als Zeitzeugen es gewissermaßen miterleben können, in welcher Weise (neue) Kommunikations- und Medientechnologien ‘die Kultur einer Gesellschaft historisch prägen’. Das gilt auch für die historische Entwicklung des Rundfunks zu Beginn des 20. Jahrhunderts und dem raschen Durchbruch des Hörfunks zu einem neuen Massenmedium. Parallelen der Entwicklungsgeschichte beider Medien werden in den folgenden Kapiteln am Beispiel ausgewählter medientheoretischer Prognosen zum Hörfunk (Kapitel 1) und zum Internet (Kapitel 2) diskutiert. Die Auswahl der medientheoretischen Texte erfolgt nach kommunikationstheoretischen und (medien)politischen Gesichtspunkten, mit der Absicht, die unterschiedlichen Erwartungen an das jeweilige Medium zu skizzieren, vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung der Einzelmedien Hörfunk und Internet zu Massenmedien, als Instrumente der öffentlichen Kommunikation.
Die rasant fortschreitende Entwicklung des Internet als Netz-Medium und des Computers als Verbreitungsmedium hat auf der einen Seite zu einer Integration des Radios auf der Computeroberfläche in Form von Online-Rundfunk geführt. Auf der anderen Seite bedienen sich die terrestrischen Hörfunkanbieter des Internet als ein Ergänzungsmedium, das nun neben dem Lautsprecher auch den Computer zu einer Schnittstelle des Radios werden lässt.
Diese Zusammenhänge werden im dritten Kapitel näher untersucht. Hier wird der Blick zunächst auf die audio(-visuellen) Möglichkeiten der öffentlichen Netzkommunikation am Beispiel des Online-Rundfunks gerichtet. Im Abschnitt 3.11 untersuche ich die unterschiedlichen Angebotsebenen eines neuen Radiotyps, des so genannten Internetradios, um mir im Abschnitt 3.12 die produktspezifischen Nutzungs- und Angebotsformen dieses Radiotyps etwas näher anzusehen. Zum Ende dieses Teils folgt in Abschnitt 3.13 ein Überblick zur rechtlichen Einordnung des Online-Rundfunks, der eine Antwort auf die Frage geben wird, ob Internetradios rechtlich dem Rundfunk zugeordnet werden können oder nicht.
Im Abschnitt 3.2 (Radio und Internet) steht die Internetnutzung als Ergänzungsmedium für den terrestrischen Hörfunk im Fokus des Interesses, die im Abschnitt 3.21 anhand eines Vergleichs näher untersucht wird. Die vergleichende Untersuchung beinhaltet jeweils einen allgemein gehaltenen Teil, der die generellen Onlinekonzeptionen terrestrischer, d. h. kommerzieller bzw. öffentlich-rechtlicher Hörfunkanbieter gegenüber stellt. Im Anschluss daran folgt jeweils ein Einzelvergleich, der den Blick auf unterschiedliche Programmformate von zwei Anbietern richtet, mit der Absicht, das Webangebot dieser Hörfunkanbieter hinsichtlich Zielsetzung, Interaktionsmöglichkeiten und programmspezifischen bzw. programmergänzenden Angeboten zu analysieren.
Zum Schluss des dritten Kapitels lenke ich den Blick auf die medienrechtliche und medienpolitische Diskussion zum Stellenwert der Grundversorgung, die im Hinblick auf die Onlineaktivitäten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieter recht kontrovers geführt wird. Die Diskussion ist deshalb von Bedeutung, da sich an dieser Frage entscheiden wird, welche Gestaltungsmöglichkeiten den öffentlich-rechtlichen Anbietern für ihre Rundfunkprodukte im Internet verbleiben, einem Medium, dessen Bedeutung als Massenmedium kontinuierlich zunimmt.
Mit dem vierten Kapitel schließt sich gewissermaßen der Kreis, da es an den Anfang der Arbeit anknüpft. In diesem Kapitel setze ich die medientheoretischen Prognosen zur Radio- und Internetkommunikation in eine Beziehung zu den praktischen Gestaltungsmöglichkeiten der Radio-Internet-Kommunikation, die im dritten Kapitel beschrieben wurden.
Anhand der Brechtschen ‘Utopie’ vom ‘Rundfunk als Kommunikationsapparat’, auf die zunächst in einem Exkurs ausführlicher eingegangen wird, sollen die Möglichkeiten der Individual- und Massenkommunikation des Internet mit Praktikern aus den Online-Redaktionen verschiedener Rundfunksender diskutiert werden. Die Stellungnahmen der befragten Praktiker geben aufschlussreiche Hinweise für eine abschließende Einschätzung zu den Chancen und Risiken der Internetnutzung als programmbegleitendes Medium des Hörfunks, die unter dem Gesichtspunkt der Brechtschen Überlegungen in einem anderen Licht erscheinen.
Im fünften Kapitel folgt eine kurze Zusammenfassung und Bewertung der erarbeiteten Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | I | |
| Einleitung | 1 | |
| 1. | Ausgewählte medientheoretische Prognosen zum Hörfunk im Spannungsfeld von Theorie und Praxis | 3 |
| 1.1 | Auswahl theoretischer Positionen zum Hörfunk von 1923 -1933 | 8 |
| 1.1.1 | Politische Positionen zur Theorie des Hörfunks | 8 |
| 1.1.2 | Positionen hinsichtlich Inhalt und Form des Hörfunks | 13 |
| 1.1.3 | Der kommunikationstheoretische Ansatz Walter Benjamins | 16 |
| 1.2 | Auswahl hörfunktheoretischer Positionen in der BRD nach 1945 | 18 |
| 1.2.1 | Die Auditivität des Radios: als Form, Kunst und Code | 19 |
| 1.2.2 | Ausgewählte politische Positionen der Hörfunktheorie | 22 |
| 1.2.3 | Überlegungen zu Ansätzen einer ‘politischen’ Medientheorie am Beispiel Günther Anders | 25 |
| 1.2.4 | Kommunikationstheoretische Positionen: Medienwirkung und Hörerforschung | 29 |
| 1.3 | Neuere Medien- und Kommunikationstheorie: Freie Radios - politische Aktion als 'Hörkunst' | 33 |
| 1.4 | Zwischenbilanz: Die Ambivalenz medientheoretischer Prognosen | 36 |
| 2. | Ausgewählte medientheoretische Prognosen zum Internet im Spannungsfeld von Theorie und Praxis | 39 |
| 2.1 | Massenmedien im kulturellen und gesellschaftlichen Kontext | 40 |
| 2.1.2 | Ausdifferenzierungsprozesse der Medien Internet und Computer | 42 |
| 2.1.3 | Netz und Nutzer als Gegenstand neuer kommunikationstheoretischer Überlegungen | 44 |
| 2.1.4 | Das Internet als Kommunikationsraum? | 46 |
| 2.2 | Das Internet im Fokus politischer Perspektiven | 50 |
| 2.2.1 | Politik vermittels Internet | 50 |
| 2.2.2 | Internet als Gegenstand von Politik und Recht | 51 |
| 2.2.3 | Politik im Internet | 52 |
| 2.3 | Fazit: Rahmenbedingungen für Medien und Medientheorien | 54 |
| 3. | Radio im Internet - Zwei Wege für die ‘Stimme’ im Netz | 57 |
| 3.1 | Internetradios | 59 |
| 3.1.1 | Unterschiedliche Angebotsebenen der Internetradios | 59 |
| 3.1.2 | Produktspezifische Nutzungs- und Angebotsformen von Internetradios | 61 |
| 3.1.3 | Rechtliche Einordnung des Online-Rundfunks am Beispiel der Internetradios | 63 |
| 3.2 | Radio und Internet | 66 |
| 3.2.1 | Nutzung des Internet als Ergänzungsmedium im Vergleich unterschiedlicher Programmformate öffentlich-rechtlicher und kommerzieller terrestrischer Hörfunkanbieter | 67 |
| 3.2.1.1 | Onlinekonzepte des kommerziellen Rundfunks | 68 |
| 3.2.1.2 | Der Webauftritt von Radio Hamburg | 71 |
| 3.2.1.3 | Onlinekonzepte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks | 74 |
| 3.2.1.4 | Der Webauftritt von Deutschlandfunk/DeutschlandRadio-Berlin | 76 |
| 3.2.1.5 | Bewertung der vergleichenden Untersuchung | 81 |
| 3.2.2 | Die Onlineaktivitäten öffentlich-rechtlicher Anbieter vor dem Hintergrund medienrechtlicher und -politischer Überlegungen | 82 |
| 3.3 | Ausblick | 84 |
| 4. | Exkurs: Der 'Rundfunk als Kommunikationsapparat' mit den Möglichkeiten der Individual- und Massenkommunikation des Internet als Ergänzungsmedium für den Hörfunk | 86 |
| 4.1 | Die Positionen Bertolt Brechts zum 'Rundfunk als Kommunikationsapparat' | 87 |
| 4.2 | Positionierung zum 'Rundfunk als Kommunikationsapparat' aus der Sicht von Hörfunkpraktikern | 92 |
| 4.2.1 | Übersicht zu den Teilergebnissen der Umfrage | 93 |
| 4.2.2 | Die Umfrage: Ergebnisse in der Diskussion | 94 |
| 5. | Zusammenfassung und Bewertung der erarbeiteten Ergebnisse | 97 |
| 6. | Literaturverzeichnis | 105 |
| 7. | Anhang | 118 |
Textprobe:
Kapitel 3.3, Ausblick:
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind die neuen Kommunikationsmöglichkeiten des Netz-Mediums Internet, die sich in Verbindung mit dem Medium Radio ergeben, sowohl von der Angebots- wie der Nachfrageseite kaum annähernd ausgereizt. Zum einen liegt dies am Stand der technologischen Entwicklung, die sich in einem ständigen Umbruch befindet. Hier ist die weitere Entwicklung noch völlig offen. Es ist unklar, ob schnelle Multimedia-Datennetze künftig auf der Basis moderner Breitbandkabelnetze oder leistungsfähiger Funktechnologien wie UMTS standardisiert werden oder ob und auf welche Weise beide Technologien parallel zum Einsatz kommen werden.
Auf der anderen Seite fehlen die gesetzlichen Regelungen, die das Mediensystem Internet mit seinen spezifischen Möglichkeiten für das Radio in das duale Rundfunksystem integrieren. Zumindest für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieter besteht ein großer Bedarf an Klärung hinsichtlich Fragen der Finanzierung ihrer Online-Angebote und der künftigen Nutzung des Netz-Mediums, falls dies an Bedeutung für die Distribution von Rundfunkprodukten gewinnen sollte. Für die privaten Anbieter besteht ebenfalls eine große Unsicherheit hinsichtlich der Einschätzung der weiteren Entwicklung des Marktes, die sich in einer zurückhaltenden Investitionsbereitschaft artikuliert.
Ein anderer Unsicherheitsfaktor, der die künftige Entwicklung der digitalen Medientechnologien bestimmen wird, sind die hohen Entwicklungskosten von Netztechnologie und -Infrastruktur, die sich auf die Kosten der Mediennutzung auswirken werden und diese schlicht zu teuer werden lassen können. Bereits heute beginnt sich abzuzeichnen, dass hohe Zugangskosten und mangelnde Preistransparenz einer der Hauptgründe sind für eine zurückhaltende Bereitschaft daten- und zeitintensive Audio- und Videoangebote im Internet zu nutzen. In diesem Zusammenhang spielen die geringen Geschwindigkeitsraten des Datentransfers ebenfalls eine Rolle, die als ein weiteres Argument für das reservierte Nutzerverhalten angeführt werden. Zugangskosten und Geschwindigkeitsrate des Datentransfers korrelieren hinsichtlich der finanziellen Gesamtbelastung für Online-Rundfunk auf Anbieter- wie auf Nutzerseite, da mit steigender Datentransferrate auch steigende Kosten für Netzinfrastrukturen und Computerhardware verbunden sind. Letztlich werden sich die hohen Kosten für die Netzinfrastruktur auf die Preise der über das Netz vertriebenen Medienprodukte, z. B. Spielfilme, niederschlagen.
Die o. g. Faktoren haben primär auf die künftige Entwicklung des Online-Rundfunks einen maßgeblichen Einfluss, während die parallele Nutzung des Internet als Ergänzungsmedium davon nicht ganz so stark berührt wird, da das eigentliche Hörfunkprogramm nahezu kostenfrei über den traditionellen terrestrischen Vertriebsweg zugänglich ist und die Nutzung vieler Hörfunkergänzungsangebote im Netz, die häufig auch in Textform angeboten werden, weit weniger zeit- und kostenintensiv ist.
Die weitere Entwicklung des Netz-Mediums Internet als Distributionskanal für Audio- bzw. Videoprodukte wird zu wesentlichen Teilen davon abhängen, inwieweit die Musik- und Videoindustrie Abrechnungsverfahren und Marketingstrategien entwickelt, die auf die neuen digitalen Vermarktungsmöglichkeiten zugeschnitten sind. Hier bestehen hohe Risiken, da neue Kopierschutzverfahren sehr bald zu Reaktionen seitens der Nutzer führen diese zu umgehen. Gleichzeitig besteht bei vielen Nutzern eher eine geringe Bereitschaft, das Internet als kostenpflichtigen Vertriebsweg für Audio- und Videoprodukte zu akzeptieren. Davon sind die Online-Aktivitäten kommerzieller terrestrischer Hörfunkanbieter ebenfalls betroffen, deren Netzangebote eher auf den Vertrieb von Musikprodukten angelegt sind.
Für die öffentlich-rechtlichen Hörfunkanbieter, die ihr Angebot bislang auf den Schwerpunkt Service und Information ausgerichtet haben, stellt sich die Frage, wie das zusätzliche Online-Angebot neben den eigentlichen Aufgaben als Rundfunkanbieter definiert wird und wie es hinsichtlich Aufwand und Kosten begrenzt werden kann. Diese Frage stellt sich umso dringlicher, da zurzeit ungeklärt ist, in welchem Ausmaß das Online-Angebot der öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehanbieter dem Auftrag zur Grundversorgung zugerechnet werden darf und aus dem Gebührenaufkommen finanziert werden kann.
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http://www.diplom.de/ean/9783836631969
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Bade, Andreas Juli 2003: Das Internet als Ergänzungsmedium für den Hörfunk am Beispiel ausgewählter Programmformate des öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Hörfunks, Hamburg: Diplomica Verlag
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Hörfunk, Radio, Onlinemedium, Internet, Massenmedien



