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Therese Huber und die Französische Revolution

Erfahrung und Fiktion im Spiegel der Briefe und des Romans 'Die Familie Seldorf'

Therese Huber und die Französische Revolution
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: René Lützkendorf
  • Abgabedatum: Dezember 2008
  • Umfang: 123 Seiten
  • Dateigröße: 782,2 KB
  • Note: 2,5
  • Institution / Hochschule: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 86
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3050-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Lützkendorf, René Dezember 2008: Therese Huber und die Französische Revolution, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Therese Huber, Französische Revolution, Die Familie Seldorf, Georg Forster, Schriftstellerin

Magisterarbeit von René Lützkendorf

Einleitung:

Diese Arbeit setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen und ist in zwei Teile gegliedert, wobei der erste Teil theoretisch orientiert ist. Zum einen werden im ersten Teil die realhistorischen Erfahrungen und das Erleben der Therese Huber mit dem politischen Großereignis der Französischen Revolution anhand der überlieferten Briefe in Verbindung gebracht, und zum anderen wird im zweiten Teil am praktischen Beispiel des Romans demonstriert, auf welche Art und Weise Therese Huber das Thema der Französischen Revolution im fiktiven Roman Die Familie Seldorf verarbeitet hat. Pointiert lässt sich formulieren: Im fiktiven Roman verarbeitet Therese Huber ihr persönliches Erleben mit der Französischen Revolution. Gleichwohl ist es falsch, den Roman ausschließlich als autobiographischen Text zu deuten, denn Hubers populärer Unterhaltungsroman entstand speziell aus finanziellen Schwierigkeiten, wenngleich auch persönliche Erfahrungen mit eingearbeitet wurden.

Dem eigentlichen Thema sind einige Kapitel überblicksartig vorangestellt. Diese Kapitel haben den Zweck, kurz die wichtigsten historischen Ereignisse und Fakten der Französischen Revolution zu referieren, zusammenhängend darzulegen und zusammenzufassen, um diese im großen Kontext der Arbeit verständlich erscheinen zu lassen. Zudem wird dargeboten, wie die intellektuellen (männlichen) Zeitgenossen Therese Hubers im Allgemeinen auf den Ausbruch der Französischen Revolution reagierten, welchen Einfluss dieses geschichtliche Großereignis auf die Literatur in Deutschland nach 1789 nahm und welche herben Urteile sich Frauen einhandelten, die politisch und literarisch zu dem aktuellen Diskurs in Erscheinung traten bzw. dazu Stellung bezogen.

Die lange Zeit vergessene Autorin Therese Huber war wie kaum eine andere Deutsche eng mit der Französischen Revolution verbunden. Als Ehefrau des berühmten Georg Forster erlangte sie seit ihrer Wiederentdeckung Anfang der 1990er Jahre postum Anerkennung. Begründet liegt dies im außergewöhnlichen Lebenslauf und vor allem in ihrem Wirken. In der Arbeit sollen nicht der gesamte Lebenslauf und das Lebenswerk aufgerollt werden, sondern vor allen Dingen die Zeit der Französischen Revolution, die auch bei ihr zu prägenden Erfahrungen und Veränderungen geführt haben.

Biographisch einschneidend war die Ehe mit Georg Forster, die auf dem Höhepunkt mit dem Ausbruch der Französischen Revolution korrelierte. Für die Arbeit sind zwei Aspekte dieser Beziehung wichtig:

1. Die Verwicklung von Therese und Georg Forster in die Revolutionswirren der gemeinsamen Mainzer Zeit, mit der beabsichtigten Trennung, weil Therese Georg Forster nicht liebte.

2. Die Verarbeitung für den fiktiven Roman, worin Therese Huber die Vernunftehe entschieden ablehnt und für die Liebesheirat plädiert.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Zeitgenössische Reaktionen auf den Ausbruch der Französischen Revolution 9
2.1 Die klassische Beurteilung der Französischen Revolution 11
2.2 Die Einschätzung der Romantiker zur Französischen Revolution 12
2.3 Das Modell der Literatur aus Sicht der deutschen Jakobiner 13
3. Die literarische Umsetzung und Verarbeitung des historischen Stoffes der Französischen Revolution 15
4. Die historiographische Beurteilung von politisch aktiven Frauen in der Französischen Revolution 17
5. Zeitliche Einordnung, realhistorische Aspekte, Ursachen und Hintergründe der Französischen Revolution 20
5.1 Kennzeichen der vorindustriellen Gesellschaft 20
5.2 Realhistorische Hintergründe und Verlauf der Französischen Revolution - Ein Überblick 22
5.3 Die Mainzer Republik - Ein kurzer historischer Exkurs 25
6. Therese Huber - Eine ungewürdigte Revolutionsautorin 28
7. Therese Hubers Schaffenszeit seit der Französischen Revolution - Eine Erklärung aus ihren Briefen und zur Vorgeschichte ihres Romans Die Familie Seldorf 34
8. Therese Huber - Eine dilettantische Schriftstellerin? 43
9. Therese und Georg Forster - Irrung und Verwirrung einer Beziehung in den Zeiten der Französischen Revolution 49
10. Therese Hubers politische Aktivitäten in der Revolutionszeit 57
11. Therese Huber - Das Urteil in der Literaturgeschichte 68
12. Die Familie Seldorf 77
12.1 Die unterschiedlichen politischen Ansichten und Erziehungskonzepte der Eltern- bzw. Großelterngeneration zu Beginn der Französischen Revolution im Roman Die Familie Seldorf 77
12.2 Trauma von Vater und Familie in der Revolution 90
12.3 Saras Protest und Rache 97
12.4 Saras Rückkehr in die Heimat - Die Schlachtfelder in der Vendée 103
12.5 Die zerstörte Familie 106
13. Zusammenfassung 113
14. Literatur 118

Textprobe:

Kapitel 8., Therese Huber - Eine dilettantische Schriftstellerin?

Die Lebenszeit von Therese Huber ist durch außerordentliche zeitgeschichtliche Ereignisse und Umwälzungen – Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg, Französische Revolution, Napoleonische Kriege verbunden mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, den Wiener Kongress und die Restaurationszeit – geprägt. Diese veränderten Verhältnisse greift Therese in ihren Werken auf und setzt sich (sozial-) kritisch damit auseinander.

Therese Heyne-Forster-Huber, die eigentlich Marie Theresia Wilhelmine hieß, als Professorentochter am 7. Mai 1764 in Göttingen geboren, hat für eine Frau ihres Jahrhunderts ungewöhnlich viel erlebt und gesehen, den Aufstieg der Universität Göttingen (1764-1785), als Professorengattin die Anfänge der polnischen Universität Wilna (1785-1787) und die Jakobinerrevolution in Mainz (1788-1792). Als politischer Flüchtling und Exilantin hat sie die Revolutionskriege von der Schweiz aus verfolgt, vornehmlich in Neuchâtel (1792-1798) und später hat Therese Huber in Süddeutschland (u.a. Stuttgart, Tübingen und Ulm) die Befreiungskriege und Restaurationszeit als Journalistin, Redakteurin und Schriftstellerin begleitet. In ihren beiden Ehen mit Georg Forster und Ludwig Ferdinand Huber hat sie 10 Kinder geboren, von denen nur vier überlebten und von ihr weitgehend allein erzogen, finanziell unterstützt und ausgestattet wurden. Die schriftstellerische Tätigkeit als professionelle Autorin bildete die Grundlage ihrer Existenz, wobei ihr der Beruf als Kraftquelle und Erfüllung im Leben galt, obwohl sie sich immer gegen professionelles Schreiben verwehrt hat, das als unweiblich und unschicklich – als Dilettantismus und Brotschreiberei – diffamiert wurde.

Interessanterweise gab es um 1800 einige Frauen im deutschsprachigen Raum, die sich als Autorinnen und Redakteurinnen, als Zeitungsverlegerinnen und Dramatikerinnen einen Namen machten und mit dieser Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienten. Mit Hilfe von Literatur und Medien mischten sich diese Frauen politisch ein, wenn auch nicht immer radikal, sondern durchaus auch im Sinne der bürgerlichen Frauenrolle. Frauen waren bald nicht mehr wegzudenken von diesem Markt, sie produzierten, verhandelten mit Verlegern um ihr Honorar und professionalisierten sich zusehends.

Das breite Spektrum der künstlerischen Gattungen und des ästhetischen Niveaus der Ausdrucksmöglichkeiten für Frauen offenbarte eine gemeinsame Konfliktstruktur. Die Auseinandersetzungen zwischen den Geschlechtern um die kulturelle Definitionsmacht wurde nicht als ein Problem der Kunst, sondern als ein Frauenproblem behandelt. Eine zunehmend marktorientierte Produktion bezog immer mehr Schriftstellerinnen, Schauspielerinnen und bildende Künstlerinnen ein. Dennoch verbesserten sich die Bedingungen für sie in den männlich kontrollierten Institutionen der Künste kaum, ließen allenfalls häufiger als früher weibliche Ausnahmen zu. Die Weiblichkeitsideologie des 18. Jahrhunderts erklärte alle Frauen zu von Natur aus begabten Künstlerinnen der privaten Beziehungen, zu sozialen Genies der empfindsamen Einfühlung und der zwischenmenschlichen Phantasie. Der aufblühende weibliche Dilettantismus zeigt, dass deren Ausdruck in ästhetischen Produkten durchaus erwünscht war und gefördert wurde. Die Herstellung eines ´Werkes` jedoch, das als objektivierter Selbstausdruck über die privaten Beziehungen hinausreicht, die Welt erklärt und kulturelle Standards repräsentiert, erforderte die natürlichen Fähigkeiten des männlichen Geschlechtscharakters.

In der Revolution selbst wurden die Hoffnungen auf Freiheit von patriarchaler Kontrolle in der Familienproduktion und Gleichheit in der akademischen Ausbildung schnell und ohne nennenswerte öffentliche Diskussion von dem jakobinischen Antifeminismus vom Tisch gefegt.

Mit sexuellen Verleumdungen, Beleidigungen und übler Nachrede wurden vor allem jene Künstlerinnen bestraft, deren Ruhm sie zu Personen des öffentlichen Lebens machte. Schreibende Frauen wurden zwar bis zu einem gewissen Grad geduldet, aber nicht als selbstverständlich angesehen. Die steigende Zahl schreibender Frauen wurde mit Argwohn beobachtet. Insbesondere Therese Huber sah sich solchen Vorwürfen ausgesetzt, „muß ich oft die beleidigende Bemerkung hören“, weil das Schreiben auch eine Konkurrenzsituation für die männlichen Autoren darstellte.

Therese Hubers Rollenspiel als Hausfrau, Mutter und Schriftstellerin hatte in der Literaturgeschichtsschreibung die negative Konsequenz, dass sie häufig als „Brotschriftstellerin“, die nur „triviale Massenware“ verfasst, verunglimpft wurde. Die Verfasserin lehnte diese „triviale Massenware“ kategorisch ab: „Ich gestehe wohl dass mich diese deutsche Belletristerei durch marklose Seichtigkeit, und die Gelehrte durch Hochmuth um so mehr anekelt, da auf beiden Wegen unsere Nation zu keiner Bildung kommt. Die erste erschlafft und zieht in geistlose Lüstelei, die zweite schreibt gelehrten Bombast für Gelehrte – und die Nation bleibt roh und schwerfällig“.

In ihrer Rolle als Schriftstellerin und Redakteurin beobachtet Therese Huber die Situation auf dem Buchmarkt sehr genau. So beschäftigt sie sich wiederholt mit dem Zustand des Romans im Kontext der zunehmenden Unterhaltungsliteratur. Sie ist eine unermüdliche Kritikerin dieser Massenliteratur, die sich vor allem am Publikumsgeschmack orientiert und demzufolge ästhetisch reflektierte oder moralische Aspekte geringer achtet. Ihre Missbilligung trifft besonders die trivialisierten Formen des romantischen Romans, an denen sie in erster Linie eine ausschweifende Phantasie, wundersame Abenteuer und fehlende Vernunft bemängelt. Auch Huber rekurriert in ihrer Beschreibung auf Kriterien, die mit negativen Charakteristika des Weiblichen assoziiert werden. Aus diesen Gründen lehnt Huber die Mehrzahl dieser zeitgenössischen Romane als wertlos ab: „[...] hilf Himmel welches Zeug! – besonders schrecklich sind die deutschen Romane aus der heutigen Welt [...] ich weiß nicht welche Gattung ekelhafter ist – die vornehme unsrer Fouqué, Helvig, Gerstenberg, Arnim u.s.w. die in seinem Muselin und indischen Shawls an den besuchtesten Brunnen Orten seidenweich lieben, leiden, heirathen und verderben, oder die Candidaten Romane wo Pastöre Gretchen, Ziegenhainer, Ulmenpfeifenköpfe und endlich auch einige Selbstmörde die Elemente hergeben – endlich kommen die Kunstgefühligen und mystisch frommen Ausgebuhrten – O Weh!“.

Andererseits wertet Therese Huber, trotz aller Kritik, allgemein den Roman als bedeutendes, weil wirkungsvolles literarisches Genre auf, dem im Rahmen eines aufklärerischen Literaturverständnisses eine weitreichende Kommunikationsfunktion unterstellt wird.

Ganz im Sinne des aufklärerischen Literaturbegriffs beurteilt Therese Huber den Roman nach der Formel prodesse et delectare und differenziert deutlich zwischen qualitativ guten und schlechten Romanen.

Dem Roman kommt Huber zufolge eine wesentliche Aufgabe im Rahmen der Volksbildung zu, vor allem aber der Bildung der Frauen. Infolgedessen hebt sie in ihrem Romanverständnis stets das moralisch-didaktische Element der Gattung hervor. Insofern versteht sie unter einem ´guten Roman` einen Text, der den ernsthaften Zweck eines klaren moralischen Standpunkts verfolgt.

Durch ihre Tätigkeit als engagierte Literatin, die mit ihrem Werk öffentliche Wirksamkeit erreichen wollte und zugleich innere Erfüllung in ihrer Berufung fand, trat sie den Vorwürfen triviale Massenware zu verfassen, entgegen.

Als Schriftstellerin setzte sich Therese Huber in schreibender Weise zur Wehr, weil sie sich „nicht mit dem Los einer Existenz als unbedeutende, dekorative Ehefrau abfinden“ und idealistischen Männern wie Georg Forster, die Idealität und Realität verwechselten, entgegen wirken wollte. Therese Huber war sich ihrer Ausnahmeexistenz bewusst und schrieb nicht nur zur persönlichen Krisenbewältigung, sondern wollte von Anfang an mit ihren Werken ein Publikum erreichen, das sich in einer Zeit der Orientierungslosigkeit befand. Sie schrieb in einer Epoche, die den Aufbruch in das moderne Industriezeitalter markierte. Die Französische Revolution, die napoleonischen Kriege hatten die Grundmauern Europas erschüttert und den Zerfall des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation beschleunigt. Viele Menschen verloren die Orientierung oder waren verunsichert. Als Beobachterin und politisch versierte Frau nahm Therese Huber die gesellschaftlichen Umbrüche wahr. Durch ihr Schreiben konnte sie die Öffentlichkeit aufrütteln, belehren und erziehen.

Der „Griff zur Feder“ bei Schriftstellerinnen um 1800 war meist eine Ausnahmeerscheinung, weil, so die Begründung von Therese Huber, die Frau „keine ihrer weiblichen und häuslichen Pflichten über die Feder vernachlässigen“ dürfe.

Dieses Rollenmodell (sog. Rollendreiheit als Mutter, Ehe- und Hausfrau) sah eine Frau vor, die gebildet und intellektuell sein sollte, obwohl es zu dieser Zeit keine systematische Mädchenbildung gab. Zum Ende des Jahrhunderts wurde dieses Rollenmodell durch den sogenannten „natürlichen Geschlechtscharakter“ der Frau abgelöst, der in Philosophie, Theologie, Medizin und anderen Bereichen ausführlich beschrieben wurde. Demnach hatten Frauen keinen Subjekt-Status, waren keine mündigen, autonomen Menschen, sondern benötigten eine Geschlechtsvormundschaft, ausgeübt durch den Vater, den Bruder oder den Ehemann.

Aufgrund der ihnen zugewiesenen „natürlichen Geschlechtseigenschaften“ wie Tugend, Sittsamkeit und Fleiß war die ihnen zugedachte Rolle die der Ehefrau und Mutter. Dieses neue Rollenkonzept sorgte für eine Trennung der gesellschaftlichen Räume. Der Ort von Frauen war das Haus, der Ort von Männern war die Öffentlichkeit.

Dass die Ideologie des „natürlichen Geschlechtscharakters“ sich vor allem auf die Frauen des Bürgertums richtete (Abgrenzung zum Adel), wird vor allem daran deutlich, dass für Frauen der Arbeiterschicht diese Ideologie nicht funktionierte. Ihre Erwerbsarbeit wurde für den Unterhalt der Familie gebraucht, so dass das Konzept der nicht erwerbstätigen (bürgerlichen) Hausfrau und Mutter dieser Realität drastisch entgegenstand.

Das Modell der gesellschaftlich getrennten Geschlechterrollen blieb nicht unwidersprochen. Unter dem Einfluss der Französischen Revolution und den rasanten politischen Veränderungen gerieten seine Befürworter in Erklärungsnöte. Alternative Konzepte wurden entwickelt, wie beispielsweise das sogenannte ´Egalitätskonzept`. Es ging davon aus, dass Frauen, ebenso wie Männer, autonome Subjekte sind, d.h. Frauen und Männer sind gleich. Ein Vertreter dieser Richtung in Deutschland war Theodor Gottlieb von Hippel, der 1792 seine Schrift „Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber“ publizierte.

Die Schriftstellerinnen betonten, dass sie nicht Erfindung oder Phantasie, sondern Erfahrung und Wirklichkeit, historische und zeitgeschichtliche Quellen in Anspruch nehmen, was ihrem Schreiben eine gewisse Seriosität verlieh.

Die Ziele des Schreibens waren einerseits Belehrung, Besserung, Erziehung, Duldung und Verständnis für Unglückliche, Außenseiter und Fremde, und andererseits wollten die Autorinnen zur Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse beitragen.

Ihre Öffentlichkeit forderte selten sachliche Kritik am Werk heraus, stattdessen immer wieder wohlmeinende oder herabsetzende Äußerungen zur Person. Mit dieser Weigerung der Kunstkritik, die Trennung von Werk und Person gelten zu lassen, wurde die weibliche Produktion zur inferioren Frauenkunst erklärt. Wer immer über die Werke von Frauen urteilt, stellt sie nicht in die ästhetischen Diskurse der Literatur, des Theaters oder der bildenden Kunst, sondern in den der Geschlechterdifferenz. Viele Autorinnen gerieten daher in einen Zwiespalt zwischen Haushalt und Schriftstellerei, die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf.

Mit herablassender Geringschätzung registrierte Friedrich Schiller, in einem Brief an Goethe, das Auftreten von Berufskolleginnen wie Therese Huber oder Sophie Mereau im literarischen Geschäft: „Ich muß mich doch wirklich drüber wundern, wie unsere Weiber jetzt, auf bloß dilettantischem Wege, eine gewisse Schreibgeschicklichkeit sich zu verschaffen wissen, die der Kunst nahe kommt“.

Die Formulierung des weiblichen Geschlechtscharakters in der Tradition Rousseaus erlaubte es, die wachsende Konkurrenz um Marktanteile und Positionen zwischen den Geschlechtern in einen privaten Identitäts- und Rollenkonflikt der Künstlerinnen zu verwandeln. Es ist nicht Therese Hubers etwaiger Ängstlichkeit zuzuschreiben, sondern eher dem praktischen Gesichtspunkt, dass der Markterfolg davon abhängen könnte.

Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass unter diesen Bedingungen viele die „Dilettanterey“ als Selbstschutz wählten. 1807 schrieb Therese Huber: „So lange mein Mann es mir anständig machte, unbekannt zu schreiben, war ich es nicht, sondern Er, der vor das Publikum trat. Meine Weiblichkeit litt also nicht. Ich tadle die Frauen gar nicht, welche Schriftstellerinnen sind, aber mich macht es unglücklich als solche zu erscheinen. Es berührt in meiner Seele lauter Mißtöne“.

Die bürgerliche Frau um 1800 musste daher zwischen individuellem Bildungsanspruch und den weiblichen Aufgaben einen Ausgleich finden. Es gelang einigen, wie das Beispiel Therese Huber zeigen wird, als Mitarbeiterin und geistige Weggefährtin des Mannes.

Arbeit zitieren:
Lützkendorf, René Dezember 2008: Therese Huber und die Französische Revolution, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Therese Huber, Französische Revolution, Die Familie Seldorf, Georg Forster, Schriftstellerin

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