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Heilung in hochmittelalterlichen epischen Werken um 1200

Heilung in hochmittelalterlichen epischen Werken um 1200
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Christine Saygin
  • Abgabedatum: Oktober 2008
  • Umfang: 66 Seiten
  • Dateigröße: 353,9 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Deutschland
  • Bibliografie: ca. 50
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2612-5
  • ISBN (CD) :978-3-8366-2612-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Saygin, Christine Oktober 2008: Heilung in hochmittelalterlichen epischen Werken um 1200, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Heilung, Hochmittelalter, Parzival, Armer Heinrich, Iwein

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Magisterarbeit von Christine Saygin

Einleitung:

Die Vermittlung medizinischen Wissens im Mittelalter erschließt sich in einer äußerst vielseitigen Form – sowohl thematisch als auch textsortenspezifisch. So sind bereits seit althochdeutscher Zeit Belege in Form von Arzneibüchern, Rezeptsammlungen und Traktaten überliefert.

Bei der ältesten bekannten Darstellung handelt es sich um die Basler Rezepte, die nach Ansicht von Eis um 800 von einem in Deutschland tätigen Angelsachsen aufgezeichnet wurden und Fieber und Hautgeschwüre behandeln. Als ältestes Werk im deutschsprachigen Raum gilt das Lorscher Arzneibuch, eine medizinische Handschrift, die im letzten Jahrzehnt des 8. Jahrhunderts im Kloster Lorsch bei Worms niedergeschrieben wurde.

Im Folgenden sollen anhand dreier bekannter Werke drei Gebiete aus der mittelalterlichen Krankheitslehre aufgegriffen werden – die Verletzung, die Krankheit und der Wahnsinn.

Hierbei soll sowohl das Leiden des jeweiligen Protagonisten dargestellt, als auch die unternommenen Heilungsversuche vor dem Hintergrund der damaligen Wissensrezeption beleuchtet werden.

Nach Haage enthält „kein Werk der höfischen mittelhochdeutschen Dichtung soviel an medizinisch-naturwissenschaftlichen Kenntnissen wie der Parzival Wolframs von Eschenbach.“ Der arme Heinrich in Hartmanns gleichnamigem Werk ist mit Aussatz gezeichnet und erhofft sich von ‚der wîsen arzâte list’ (V 182) Heilung im berühmten Salerno.

Und Hartmanns Iwein wird aufgrund einer Verfehlung wahnsinnig.

Zu Beginn möchte ich jedoch einen historischen Abriss der Entwicklung der Medizingeschichte von der Antike bis zum Spätmittelalter geben. Besonders berücksichtigen werde ich in diesem Zusammenhang die Überlieferung antiker Traditionen, wobei das Augenmerk besonders auf das Wirken von Hippokrates und Galen gelegt wird.

Nach einem kurzen Überblick über die im Mittelalter vorherrschenden Erklärungen zur Krankheitsentstehung werden die in den Werken behandelten Verwundungen und Krankheiten anhand von Textbeispielen ausführlich dargestellt. Es folgt eine nähere Beschreibung der angewandten Heilungsversuche und Therapien. Im weiteren Verlauf werde ich die in den Werken eingesetzten Heilmittel und Methoden detaillierter betrachten und im Anschluss daran die Quellen der geschilderten Heilungsversuche darstellen. Abschließend sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Darstellung medizinischer Sachverhalte in den drei Werken aufgezeigt werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Definition und Ursachen von Krankheiten 2
3. Erklärungsansätze 5
4. Parzival 6
4.1 Art der Heilungsversuche 11
4.2 Charakterisierung der eingesetzten Heilungsversuche 12
5. Der arme Heinrich 19
5.1 Ursachen der Krankheit 20
5.2 Das Opfer durch die maget 22
5.3 Die Annahme des Opfers durch Heinrich 25
5.4 Die Reise nach Salerno 26
5.5 Weitere Aussatzlegenden und der Vergleich zum Armen Heinrich 28
5.6 Therapiekonzepte zur Behandlung von Aussatz 33
6. Psychische Erkrankungen im Mittelalter – Iwein 35
6.1 Wahnsinn und psychische Krankheiten im Mittelalter 35
6.2 Krankheitstheorien zum Begriff des Wahnsinn 36
6.3 Darstellung des Wahnsinn im Iwein 39
6.4 Die Ursachen für Iweins Wahnsinn 43
6.5 Die Symptomatik der Krankheit 45
6.6 Die Heilung Iweins 50
7 Quellen der beschriebenen Heilungsversuche 52
Schlussbetrachtung 57
Bibliographische Angaben 61

Textprobe:

Kapitel 5.5.1. Die Silvesterlegende in der Legenda aurea:

‚Die Legenda aurea kann nicht nur mit Gewinn in religiöser und philosophischer Hinsicht gelesen werden, sie ist außerdem eine unerlässliche Voraussetzung für das Verstehen mittelalterlicher Literatur und Kunst’.

Die Legenda aurea, die goldene Legende, ist vermutlich vor 1264 von Jacob de Voraigne (1230-1298) verfasst worden. Sie umfasst eine Sammlung von Legenden über Heilige, die von der Kirche anerkannt waren und ihren Platz im liturgischen Kalender hatten. Es war das im Mittelalter weit verbreitetste Buch. In ihm findet sich auch die Legende um den Heiligen Silvester und Kaiser Konstantin wieder.

Diese erzählt, wie der Kaiser von Gott wegen seiner tyrannischen Christenverfolgung von Aussatz befallen wird. Auf Anraten von Götzenpriestern lässt er 300 Kinder zusammenkommen, um sie zu töten und in ihrem Blut zu baden. Aus Mitleid mit den anwesenden und weinenden Müttern verzichtet er jedoch auf das Bad. Schließlich erscheinen ihm in der Nacht die Apostel Petrus und Paulus, die ihm offenbaren, wie er geheilt werden könne. Er solle den Heiligen Silvester herbeirufen, der auf einem Berge Siramptin vor ihm Schutz suche und dieser zeige ihm einen Teich. In diesen tauche er dreimal ein und werde gesund. So geschah es, Konstantin erfuhr vom Heiligen Silvester die Taufe, wurde geheilt und trat dem Christentum bei.

Die Erkrankung an Aussatz ist hier eindeutig eine Strafe Gottes. Kaiser Konstantin ist nicht gottgläubig, kein Christ und betet Götzenbilder an. Er soll zum Christentum bekehrt werden, damit das Heilige Römische Reich entstehen kann.

Das Opfer erfolgt im Vergleich zum Armen Heinrich nicht freiwillig. Die Kinder werden nicht gefragt, bieten sich nicht an wie die maget. Die weinenden Mütter lassen den Schluss auf die Opferbereitschaft, ihre Kinder herzugeben, ebenfalls nicht zu.

Der Verzicht auf das Opfer wird gerade durch die weinenden Mütter ausgelöst, während dies bei Heinrich durch den Blick auf das nackte Opfer bewirkt wird.

‚Das magische Blutopfer wird schlichtweg als Faktum genommen’.

Hartmann hingegen hat seine todessehnsüchtige maget weiter in den Mittelpunkt der Geschichte gerückt, hat ihr eine Stimme und durch ihr Leiden eine eigene Rolle gegeben. Dadurch kann der moralische Aspekt, ob das Opfer gut oder schlecht ist, besser hervorgebracht werden. Somit konnte Hartmann den didaktischen Gehalt seines Werkes unterstützen.

Der Verzicht erfolgt in der Silvesterlegende in einer längeren Rede von Kaiser Konstantin, in der seine Gedanken deutlich werden:

‚Besser ist also, dass ich sterbe, und das Leben der Unschuldigen gerettet wird, als dass ich durch ihren Tod auf grausame Weise das Leben wiedererlange. Sicher ist hingegen nur, dass es grausam ist’.

Die Heilung erfolgt sowohl in der Silvesterlegende als auch im Armen Heinrich durch die Gnade Gottes und entscheidend bei beiden ist der Verzicht auf das Opfer. In den Anspielungen auf christliche Elemente und Motive findet sich im Gedicht auch das religiöse Konzept der Gnosis wieder. Die Gnosis, welche in der Erkenntnistheorie Platons zusammen mit der Wahrheit zum Ideenkomplex des Guten gehören, bezeichnet in religiösen Systemen die Erkenntnis, die Heil bringt und das Wissen, das erlöst. Der höchste Gegenstand der Gnosis ist Gott: wenn seine Erkenntnis sich in der Seele ereignet, wird der Erkennende selbst umgestaltet zu einem Teilhaber am Göttlichen Sein.

Der Begriff Gnosis meint mit „Erkenntnis“ eine Form der Inneren Erleuchtung. Durch diese Erkenntnis wird auch Heinrich mit Gott vereint und erhält eine völlig neue Sicht auf die Welt und das eigene Leben. Der wahre Mensch wird in der Gnosis Pneumatiker genannt, dieser strebt nach Erlösung, indem er den Weg zum Heil sucht.

Heinrich Sipperges beschreibt die gesellschaftliche Wahrnehmung der Lepra im Mittelalter als so vielgestaltig, dass sie nicht auf eine einfache Formel reduziert werden könne. Unter dem Einfluss der Kirche wurde Lepra als Strafe für ein sündhaftes Leben angesehen. Diese verbreitete Vorstellung erzeugte neben der sozialen Exklusion der Aussätzigen auch eine moralisch-religiöse Stigmatisierung, die bis heute Wirkung zeigt.

Gleichzeitig galt die Hinwendung zu den hilfsbedürftigen und ausgestoßenen Leprakranken als besonderer Akt christlicher Nächstenliebe und im Grunde als Dienst am leidenden Christus selbst. So bestimmte der Glaube die Christen zum demütigen Dienst am Aussätzigen, den Aussätzigen selbst aber zur Geduld.

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Arbeit zitieren:
Saygin, Christine Oktober 2008: Heilung in hochmittelalterlichen epischen Werken um 1200, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Heilung, Hochmittelalter, Parzival, Armer Heinrich, Iwein

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