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Jenseits von Partei-Ideologien

Eine Analyse des Sprachgebrauchs der Regierungs- und Oppositionsfraktionen in Nordrhein-Westfalen von 2004 bis 2006

Jenseits von Partei-Ideologien
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Alexander Plitsch
  • Abgabedatum: Dezember 2007
  • Umfang: 119 Seiten
  • Dateigröße: 539,8 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) Deutschland
  • Bibliografie: ca. 79
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0923-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Plitsch, Alexander Dezember 2007: Jenseits von Partei-Ideologien, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Politolinguistik, Sprachgebrauch, Politik, Parlamentssprache, Sprachanalyse

Magisterarbeit von Alexander Plitsch

Einleitung:

Einleitung:

In nahezu jeder Situation des menschlichen Alltags spielt Sprache eine zentrale Rolle. Durch sie wird uns der größte Teil unseres Wissens vermittelt, sie strukturiert unseren Blick auf die Welt, sie ermöglicht uns unterschiedliche Kontaktmöglichkeiten zu unseren Mitmenschen und sie hilft uns bei der Organisation unseres täglichen Lebens. Die Sprache gewährleistet also die Kommunikation (Kommunikationsfunktion) – darüber hinaus ist sie ein konstituierendes Element der menschlichen Denkprozesse (Erkenntnisfunktion) und ermöglicht den Ausdruck von Gefühlen (Ausdrucksfunktion). Zusammengefasst: Die Sprache ist das wichtigste Kommunikationsmedium des Menschen.

In der Politik äußert sich die besondere Bedeutung der Sprache vor allem in der Abhängigkeit von der öffentlichen Meinung. Demokratische Politik braucht die öffentliche Rechtfertigung und die Legitimation durch Kommunikation. „Zustimmungsabhängigkeit und Begründungspflicht sind demnach auch die zwei prägenden Seiten der ‚Medaille’ Demokratie.“ Und beides realisiert sich über Kommunikation und Sprache.

Wer die Wähler für seine Politik gewinnen will, muss so sprechen, dass er verstanden wird und mit seinen Äußerungen im Gedächtnis seiner Hörer haften bleibt. Dabei befindet er sich immer in Konkurrenz zu politischen Gegenspielern, die das gleiche Ziel verfolgen – es kommt zum semantischen Kampf, zum Kampf mit Worten. Die Unterschiede, die dabei im Sprachgebrauch der unterschiedlichen Parteien und politischen Strömungen bestehen, sind schon oft Gegenstand sprachwissenschaftlicher Untersuchungen gewesen.

Doch es gibt nicht nur Unterschiede zwischen den politisch Linken und den Rechten, zwischen der SPD und der CDU, zwischen dem Sozialismus und dem Kapitalismus. Es gibt auch Unterschiede im Sprachgebrauch zwischen Regierungsparteien und Oppositionsparteien – schließlich verfolgen sie schon unterschiedliche Ziele: die einen den Machterhalt, die anderen den Machtgewinn.

Ausgehend von der These, dass es den typischen Regierungssprachgebrauch und den typischen Oppositionssprachgebrauch gibt, lassen sich die zentralen Fragen der vorliegenden Arbeit so formulieren: Worin bestehen diese Unterschiede, bestehen sie unabhängig von Parteizugehörigkeiten und wie verändert sich der Sprachgebrauch der Politiker nach einem Regierungswechsel?

Um auf diese Fragen antworten zu können, wurde der Sprachgebrauch im Landtag von Nordrhein-Westfalen von 2004 bis 2006 analysiert. Die Sprache im Parlament ist eine der wichtigsten Formen politischer Sprache – im Plenum treffen Regierung und Opposition direkt aufeinander und debattieren über die Politik des Landes. Der gewählte Zeitraum ist deshalb besonders interessant, da 2005 ein Regierungswechsel stattgefunden hat und die Regierung (SPD und GRÜNE) durch die bisherige Opposition (CDU und FDP) abgelöst wurde.

Hier lässt sich die These formulieren, dass die Politiker nach dem Wechsel unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit die neue Rolle und damit auch den dazugehörigen Sprachgebrauch übernommen haben.

Gang der Untersuchung:

Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: In Kapitel 1 werden ein Überblick über die linguistische Forschung zur Sprache in der Politik und eine Einführung in die Disziplin Politolinguistik gegeben. Außerdem werden spezielle Aspekte der Parlamentskommunikation behandelt.

Kapitel 2 liefert einen kurzen historischen Abriss über die Geschichte des Landes und des Landtags von Nordrhein-Westfalen, eine Beschreibung der Aufgaben des Landtags und einen Überblick über die landespolitischen Eckdaten im Zeitraum der Untersuchung.

In Kapitel 3 wird beschrieben, welche Methodik und welche Rahmenbedingungen der Analyse zugrunde liegen.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Analyse wird in Kapitel 4 geliefert. Untersucht wird der Sprachgebrauch der Politiker in drei Schritten: lexikalische Analyse, rhetorische Analyse und pragmatische Analyse. Mit dieser Auswahl an Untersuchungsgegenständen soll gewährleistet werden, dass die Unterschiede im Sprachgebrauch von Regierung und Opposition auf breiter Basis beleuchtet werden.

In Kapitel 5 werden die Ergebnisse der Analyse schließlich zusammengefasst und bewertet.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 4
1. Die Analyse politischer Sprache 6
1.1 Sprache in der Politik 6
1.1.1 Die Politolinguistik - eine Einführung 7
1.1.2 Besonderheiten der politischen Sprache 10
1.1.3 Handlungsfelder in der Politik 14
1.2 Sprache im Parlament 16
1.2.1 Das Parlament als Institution 19
1.2.2 Die Reden im Parlament 21
2. Landespolitik in Nordrhein-Westfalen 25
2.1 Die Geschichte des Landtags 25
2.2 Aufgaben und Funktionen des Landtags 26
2.3 Die Wende: Von Rot-Grün zu Schwarz-Gelb 28
3. Methodische Grundlagen 31
3.1 Die Fragestellung 31
3.2 Das Textkorpus 33
3.3 Der Untersuchungszeitraum 36
3.4 Sprachkritik versus deskriptives Vorgehen 37
3.5 Lexikalisch-semantische versus pragmatische Analyse 40
4. Die Untersuchung 46
4.1 Lexikalische Analyse 46
4.1.1 Schlagwörter 46
4.1.2 Schlüsselbegriffe 53
4.1.3 Selbst- und Fremdbezeichnungen 58
4.1.4 Bezeichnungskonkurrenz 63
4.2 Rhetorische Analyse 66
4.2.1 Metaphorik 66
4.2.2 Phraseologismen 72
4.2.3 Pathos 78
4.3 Pragmatische Analyse 81
4.3.1 Argumentation 81
4.3.2 Sprechhandlungen 92
4.3.3 Zwischenrufe 101
4.3.4 Zwischenfragen 103
4.3.5 Beleidigungen und Schmähwörter 105
4.4 Direkte Bezugnahme auf den Sprachgebrauch 107
5. Zusammenfassung und Fazit 109
Literaturverzeichnis 115
Erklärung 121

Textprobe:

Kapitel 3.5.1.3, Auswahl der sprachlichen Mittel:

Die Sprachwissenschaft stellt also eine ganze Reihe an Methoden zur Verfügung, die für eine Untersuchung des öffentlichen Sprachgebrauchs geeignet sind. Da es zur Untersuchung der Unterschiede im Sprachgebrauch von Regierung und Opposition bislang kaum Literatur gibt, war es schwierig vorauszusagen, in welchem Bereich der Sprache Unterschiede zu finden sein würden. Deshalb wurde eine relativ breite Auswahl an sprachlichen Mitteln und Aspekten für die Analyse getroffen. Grundsätzlich ist die Analyse in drei Schritte eingeteilt: die lexikalische Analyse, die rhetorische Analyse und die pragmatische Analyse.

Die lexikalische Analyse: Als Basis der politischen Sprache bieten sich die von den Parlamentariern verwendeten Wörter an. Zentrale Begriffe der Debatten können wichtige Aufschlüsse liefern, auch wenn die kontextlose Betrachtung der einzelnen Lexeme kaum zu entscheidenden Erkenntnissen führen wird. Untersucht werden sollen in diesem Kapitel Schlagwörter und Schlüsselbegriffe, die Aufschluss über unterschiedliche Bewertungen und Schwerpunktsetzungen von Regierung und Opposition liefern könnten. Außerdem Selbst- und Fremdbezeichnungen der Politiker und die Bezeichnungskonkurrenz, die besonders deutlich Unterschiede in der Bewertung von Sachverhalten unterstreicht.

Die rhetorische Analyse: Aus der Vielzahl rhetorischer Mittel sollen hier drei genauer untersucht werden, da sich ihre Analyse in vielen Arbeiten zur politischen Sprache als aufschlussreich erwiesen hat: Metaphern, Phraseologismen und Pathos.

Die pragmatische Analyse: Zu dieser Rubrik zählt zunächst die Argumentationsanalyse, die in dieser Arbeit dazu dient, Parallelen und Unterschiede in den Argumenten von Regierungs- und Oppositionspolitikern aufzudecken. Außerdem werden die Sprechhandlungen der Politiker genauer betrachtet, in jeweils eigenen Kapiteln werden die parlamentstypischen Sprechakte Zwischenruf und Zwischenfrage behandelt. Abschließend wird auf Beleidigungen und Schmähwörter in den Parlamentsdebatten eingegangen.

Zusätzlich wird im abschließenden Kapitel auf solche Äußerungen im Parlament eingegangen, in denen die Politiker direkt Bezug auf ihren eigenen Sprachgebrauch oder den ihrer politischen Gegner nehmen.

In den einzelnen Kapiteln zu den untersuchten sprachlichen Mitteln soll keine Auflistung und Zitation sämtlicher Fundstellen vorgenommen werden. Ohnehin ist es illusorisch und wenig zweckmäßig, den Versuch zu unternehmen, alle Stellen zu finden, an denen eines der Untersuchungsmerkmale auftritt. Dies wäre auch schon durch zahlreiche Zweifels- und Grenzfälle unmöglich. Stattdessen wird das gesammelte Material bewertet, Schlüsse werden daraus gezogen.

Wichtig ist dabei unter anderem, dass lediglich solche sprachlichen Auffälligkeiten berücksichtigt werden, die typisch für den parlamentarischen Sprachgebrauch sind und die im Bezug zur Fragestellung dieser Arbeit stehen. Denn natürlich benutzen die Politiker auch zahlreiche Metaphern, die in der Alltagssprache ebenfalls oft vorkommen, und die keine Rückschlüsse auf Unterschiede im Sprachgebrauch von Regierung und Opposition zulassen. Diese werden hier aber nicht berücksichtigt. Zur Veranschaulichung werden jeweils die besonders auffälligen sowie die besonders häufig auftretenden Beispiele anhand von Zitaten nachgewiesen.

Arbeit zitieren:
Plitsch, Alexander Dezember 2007: Jenseits von Partei-Ideologien, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Politolinguistik, Sprachgebrauch, Politik, Parlamentssprache, Sprachanalyse

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