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Die alliierte Invasion 1944 und Joseph Goebbels

Die Schlacht in der Normandie in seiner Wahrnehmung und Propaganda

Magisterarbeit
Magisterarbeit von Rüdiger von Dehn ; Abgabe Oktober 2007; 177 Seiten, 773,9 KB ; Note 1,3; Sprache Deutsch
Bergische Universität Wuppertal Deutschland
Originaltitel: Die alliierte Invasion 1944 und Joseph Goebbels - Die Schlacht in der Normandie in seiner Wahrnehmung und Propaganda. Eine Fallstudie
Literatur- und Quellenangaben: ca. 213
Inhaltsangabe, Inhaltsverzeichnis und Textauszüge:

Einleitung:

Warum gerade Joseph Goebbels und die Invasion der Alliierten? Dies war eine Frage, die ich im Laufe der Realisierung des Projekts diverse Male zu beantworten hatte. Eine nicht ganz unberechtigte Frage. Was kann bei der doch breit gefächerten deutschen Geschichte gerade zu der Konzentration auf eine Person aus dem engsten Kreis des nationalsozialistischen Regimes führen? Bereits 1949 wurden mit der Entstehung der Bundesrepublik Deutschland die ersten Werke über das Leben von Joseph Goebbels veröffentlicht. Anzunehmen ist, dass heute eigentlich kaum eine neue Erkenntnis über ihn zu erwarten ist. In der Beleuchtung der Kombination von der Person Goebbels mit dem Thema der alliierten Landung am 6. Juni 1944 in Nordfrankreich eröffnen sich jedoch weitere Forschungsbereiche, die bisher sehr wenig bearbeitet wurden.

Die Operationen am 6. Juni 1944 in der Normandie bildeten in ihrer Gesamtheit den ersten Schritt zu dem, was als „Kalter Krieg“ den Weg in die Geschichtsbücher finden sollte. Allein in diesem Zusammenhang scheint es schon Grund genug zu sein, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Mit dem Erfolg der Landung ging die Reorganisation Frankreichs und schließlich Europas einher. Begründet war dies auf der Konstituierung einer neuen Politik der Vereinigten Staaten von Amerika, die im Gegensatz zu der von 1918/19 stand. Es war die Bereitschaft vorhanden, nunmehr auf dem europäischen Kontinent so lange zu bleiben, bis Deutschland völlig unterworfen und damit eine neue Machtsphäre gesichert war.

Bis heute gilt die Invasion als eine, wenn nicht sogar als die größte, amphibische Landung der Kriegsgeschichte. Trotzdem ist festzuhalten, dass sie im Wesentlichen aus westalliierter Sicht kriegsentscheidend war. Das sowjetische Russland hatte bis 1944 deutlich mehr Lasten des Krieges zu tragen gehabt, ganz zu schweigen von den über drei Jahre hinweg geleisteten Anstrengungen bei der Kräftebindung deutscher Truppen. Die Kämpfe an der Ostfront machten eine ständige Verstärkung der deutschen Einheiten durch Soldaten aus den in Frankreich stehenden Verbänden notwendig. Damit wurde die westliche Flanke wieder entblößt, die im Grunde noch gegen England und Amerika zu sichern war. Durch die Intensivierung des Luftkrieges hatten die Westalliierten seit 1943 die ersten Grundlagen für die Rückkehr auf das europäische Festland schaffen können. Mit den Beginn der Invasion wurde schließlich das militärische Ende des „Dritten Reiches“ eingeleitet. Die wirkliche Bedeutung lag aber in der Implementierung ideologischer Werte für die nächsten Jahrzehnte.

So wurde das Ereignis der Landung von der deutschen Bevölkerung und der nationalsozialistischen Führung unterschiedlich aufgenommen. Joseph Goebbels repräsentierte die letztgenannte Gruppe in höchstem Maße und gilt bis heute als eine Person, die einen ungemein großen Einfluss auf Adolf Hitler auszuüben wusste. Gleichzeitig verstand er es sehr gut, die seit dem Jahr 1919 enttäuschten Massen in Deutschland für die eigenen Ziele, d.h. für die Ziele der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, nutzbar und gefügig zu machen. Mit Hitler war es ihm endlich möglich gewesen, aus seiner eigenen Position des „gescheiterten Germanisten“ herauszukommen. Schon in der, um den zeitgenössischen Begriff hier einzuführen, „Kampfzeit“ der NSDAP stand er eng an der Seite des Mannes, dem er zuerst Bücher, dann sein Leben widmen und schließlich das eigene Leben und das seiner Familie opfern sollte.

Ab 1933 war er schließlich durch Adolf Hitler in die Position gehoben worden, die für die Medienlandschaft in Deutschland prägend wurde. Die Ernennung zum Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda im März 1933 eröffnete ihm Wege, nun für die Partei medial das zu erreichen, was die Schlägertrupps der SA kaum längerfristig bewerkstelligen konnten, nämlich die Lenkbarkeit der Massen auf Dauer zu garantieren, um diese für die eigenen Zwecke einsetzen zu können. Damit war er in eine Machtposition gekommen, aus der er das ganze gesellschaftliche Leben im „Dritten Reich“ umstrukturieren konnte.

Dies wiederum war eng an seine Wahrnehmung der politischen Geschehnisse gebunden. Nur wenn er wirklich erkannte, was im „Reich“ vor sich ging, konnte er ganz im Sinne „seines Führers“ auch darauf propagandistisch reagieren. Dies nahm in den Jahren 1934 bis 1938 schließlich konkret strukturierte Formen an, die eine Rücknahme seiner persönlichen Macht nicht mehr möglich machten. Sein Wille, immer mehr Entscheidungsgewalt dazuzugewinnen, war schließlich ein Grund für ständige Konfrontationen mit Joachim von Ribbentrop und Hermann Göring.

Mit Beginn des Krieges war Goebbels zum Herrn über die Presse und den Rundfunk in Deutschland geworden und hatte damit das Steuerungselement in der Hand, das nun das Wesen des „bolschewistischen“ Feindbilds und der „plutokratischen“ Westmächte in allen Gesellschaftsschichten einführen konnte. Die durch ihn wahrgenommene Realität konnte, ganz im Sinne des Mechanismus der Gleichschaltung der Gesellschaft, zur Realität der Massen werden. Die daraus für die Partei resultierende Machtbasis bildete die Grundlage für die Durchführung des „totalen Krieges“, der 1943 im Sportpalast ausgerufen und 1944 auch umgesetzt wurde. Der 6. Juni 1944 eröffnete schließlich eine von den Alliierten diktierte Form des „totalen Krieges“, die durch die Propaganda im „Reich“ aufzufangen und abzufangen war, wollte er nicht seine Glaubwürdigkeit verlieren.

In Bezug auf die alliierte Invasion sind unzählige Forschungen und Arbeiten bis heute vorgelegt worden. Die kaum überschaubare Liste von Publikationen zum 60. Jahrestag der Landung alliierter Streitkräfte in der Normandie spricht für sich. Bis heute, so scheint es, ist dem Zusammenhang von Personengeschichte im politisch-publizistischen Bereich und einem Ereignis wie der Eröffnung der „zweiten Front“ in der Forschung kaum Tribut gezollt worden. Es besteht allerdings eine enge Beziehung zwischen der Wahrnehmung der Kriegslage in der obersten nationalsozialistischen Führungsschicht und den militär-politisch getroffenen Entscheidungen. Dies zeigt sich beispielsweise bei der so genannten „Panzerkontroverse“, die zwischen Erwin Rommel, Geyr von Schweppenburg, Gerd von Rundstedt und Heinz Guderian ausgetragen wurde und erst durch ein Machtwort Hitlers beendet werden konnte.

Alle folgenden Überlegungen zur Operation „Overlord“ werden schließlich auch auf die Frage zu konzentrieren sein, in welchem Kontext die Invasion im Sinne einer Anlandung verschiedener Truppenverbände von See her begann und in der Folge durch den Beginn selbstständiger in sich geschlossener Bodenoperationen beendet wurde. Kurz gesagt: bis zu welcher Phase des Krieges wurde „die Invasion“ von Goebbels noch im abgeschlossenen Kontext einer Landung gesehen? Die von Piekalkiewicz formulierte Festlegung auf den 31. Juli 1944, den Tag des Ausbruchs der alliierten Truppen aus dem Brückenkopf, ist aus militärhistorischer Interpretation sehr gut zu entwickeln, doch greift diese im Kontext individueller Wahrnehmung zu kurz. Eine ähnliche Feststellung bildet die Grundlage für Vogels Diskussion über die Landung in der Normandie. So gilt die Eroberung der Bretagne auch noch als Teil der Operation „Overlord“ und damit der Invasion. Die von Mönch entwickelte Definition, dass es sich bei der Invasion um ein „räumlich begrenztes Ereignis“ handelte, ist wiederum zu allgemein gefasst, als dass sie für die folgende Analyse nützlich erscheint.

Der thematische Bogen erfährt schließlich durch die Anfügung erster Elemente zur Personengeschichte des „Dritten Reiches“ seine konkrete Fassbarkeit. So lohnt es sich, in diesem Zusammenhang einen Blick auf den Personenkreis zu werfen, der das System in der so genannten „zweiten Kampfzeit“ der NSDAP mit schuf und ab 1933 aktiv steuerte. Fast symbolhaft für die Gesamtentwicklung sticht die Person Goebbels’ hierbei hervor.

Die Vorstellung der Rezeption und Perzeption der Kriegslage aus seiner Sicht hat jedoch einen besonderen Wert, der sich in der Umsetzung seiner propagandistischen Mittel niederschlägt. Die Frage ist also, inwieweit das, was er privat äußerte und festschrieb, in der Propaganda wieder zu finden ist. Wo sind demnach heute die Feindbilder oder die persönlichen Einstellungen im Kontext der Landung wieder zu erkennen? So sind es also zwei komplexe Themenlinien, die es im Folgenden zu verknüpfen, aber auch zu entwirren gilt. Die erste Linie lässt sich auf die Formulierung der persönlichen Wahrnehmung des Krieges konzentrieren, die in den Betrachtungen den Schwerpunkt bildet. Die zweite wiederum ist ausschließlich auf den Aspekt der Entwicklung, Umsetzung und Wirksamkeit der Propaganda begrenzt. Im Falle des konkreten Ereignisses der „Operation Overlord“ sind diese beiden Themengebiete zu kombinieren, wobei das Hauptaugenmerk durchweg auf die Wahrnehmung des Ministers zu legen sein wird.

Gang der Untersuchung:

Vier Themenkomplexe sollen im Folgenden nun entwickelt werden, die die Betrachtungen zu Joseph Goebbels und der alliierten Invasion 1944 stützen. Nachdem nunmehr im Groben umrissen ist, wie die erste Entwicklungsphase nationalsozialistischer Propaganda erfolgte, wird in einem nächsten Schritt Bezug auf die Quellenlage herzustellen sein. Für eine genauere Einordnung und Einbindung in das Gesamtthema ist anschließend erforderlich, Bezüge zur Person Goebbels’ selbst und den Strukturen der Propaganda vor und nach dem 6. Juni 1944 herzustellen. Es sind hierbei Elemente zu entwickeln, die einen Eindruck davon geben, wie die Rezeption der Wirklichkeit des Krieges in die Propaganda mit einfließt oder gar nicht berücksichtigt wird.

Im dritten Kapitel, dem Hauptteil der Arbeit, liegt der Schwerpunkt der Betrachtungen auf der Beziehung zwischen der Wahrnehmung der Landung in der Normandie als historisches Ereignis an sich und der Personengeschichte. Ein intensives Auseinandersetzen mit den Schriftzeugnissen von Goebbels und anderen Vertretern aus der Führungsschicht des Propagandaministeriums wird hierbei den eigentlichen Forschungsgegenstand bilden. Im Folgenden sollen ausgewählte Ausgaben des Wuppertaler „General-Anzeigers“, Artikel aus wenigstens zwei Ausgaben des „Völkischen Beobachters“ und der Wochenzeitung „Das Reich“ einen Eindruck von der Behandlung der Invasion in den Medien geben. Ergänzt wird dies durch eine Analyse der nach der Landung veröffentlichten ersten Ausgabe von der „Deutschen Wochenschau“ und der geplanten Verarbeitung des Themenkomplexes in der literarischen Gattung des Romans.

Das vierte Kapitel wird von der Sache her eine Ergänzung der Wahrnehmung Goebbels’ sein. Hier soll dem Aspekt nachgegangen werden, wie weit die Propaganda im Kontext der Invasion auf die Soldaten und die deutsche Bevölkerung Wirksamkeit wirkte.

Inhaltsverzeichnis:

Ein Wort des Dankes 5
Einleitung in das Thema 6
I. Kapitel: Begriffe und Idee-Strukturen 11
I.1 Goebbels' Begriff der Propaganda 11
I.2 Quellenlage 16
II. Kapitel: Goebbels und die nationalsozialistische Propaganda vor und nach dem 6. Juni 1944 23
II.1 Das Leben des Dr. Paul Joseph Goebbels. Eine Charakterstudie 23
II.2 "Dr. G." und der "Wüstenfuchs". Der Mythos des "unbesiegbaren" Feldmarschalls 30
II.3 Die alliierte Invasion in den Medien 36
II.3.1 "Die Lage" und die Tagesparolen des Reichspressechefs 36
II.3.2 Die "Deutsche Wochenschau" 44
II.3.3 "Der General-Anzeiger" (Wuppertal) und "Der Völkische Beobachter" 52
II.3.4 Die Wochenzeitung "Das Reich" 55
II.3.5 Die Abwehr der Invasion in der Literatur 64
II.3.6 Die Person Goebbels' und die deutsche Propaganda zur Landung aus amerikanischer Sicht 66
III. Kapitel: Goebbels' Wahrnehmung der Invasion 72
III.1 Der "private Krieg" - Die Landung in der Darstellung der Tagebücher 72
III.1.1 Von Dieppe 1942 bis zur Normandie 1944 72
III.1.2 Die erste Woche nach der Landung 88
III.1.3 Der Kampf um Cherbourg 98
III.1.4 Der Kampf um Caen 106
III.1.5 Der gedankliche und militärische Stellungskrieg von Juli bis August 1944 111
III.1.6 Der Bewegungskrieg in Frankreich - Das Ende der Invasion 115
III.1.7 Das Thema der Invasion in ausgewählten Reden 120
III.2 Der Blick aus der Nähe 125
III.2.1 Wilfred von Oven 125
III.2.2 Rudolf Semler 129
III.2.3 Albert Speer 131
III.3 Die Landung als "entscheidende" Schlacht im "totalen Krieg" - Ein Fazit 135
III.3.1 Goebbels' Bild des Krieges 135
III.3.2 Goebbels' Rezeption der Invasion 136
IV. Kapitel: Reaktionen auf die Kriegsführung im Westen 138
IV.1 Die Wahrnehmung der Landung und Propaganda an den anderen Fronten 138
IV.2 Die Stimmung in der deutschen Bevölkerung 142
IV.3 Die Wirksamkeit der Goebbels'schen Propaganda im In- und Ausland - Eine allgemeine Einschätzung 149
V. Kapitel: Ergebnisse 151
V.1 Zusammenfassung und Einschätzung der Betrachtungen 151
V.2 Warum diese Fallstudie? Ein Nachwort 152
Anhang 154
Abkürzungsverzeichnis 154
Gedächtnisprotokoll des Gesprächs des Autors mit Frau Pomsel vom 4. Januar 2005 155
Quellenverzeichnis 159
Literaturverzeichnis 166
Zeitschriften und Zeitungen 179

Textprobe:

Kapitel II.2 „Dr. G.“ und der „Wüstenfuchs“. Der Mythos des „unbesiegbaren“ Feldmarschalls:

Rommel war enorm an die Familie Goebbels gebunden, was der Minister immer wieder mit Stolz feststellte. Der enge private Kontakt Rommels war, obgleich propagandistisch gesteuert, sehr leicht zu erkennen. Immerhin ließ er sich verschiedentlich mit den Kindern von Goebbels ablichten und war im Hause des Ministers ohnehin ein gern gesehener Gast. Dies war nicht ohne Hintergedanken von Goebbels, der für sich auf diese Weise einen Bedeutungszuwachs im Kreise der militärischen Führung beanspruchen konnte. So wundert es nicht sonderlich, dass er sich der achtungsvollen Haltung Hitlers Rommel gegenüber zunächst anschloss.

„Rommel ist wieder der alte Kämpfe[r]. Er hat sich vollkommen von seiner Krankheit erholt. Von Defätismus ist bei ihm nichts mehr zu entdecken; im Gegenteil, er brennt auf den Augenblick, sich mit seinen alten Feinden auseinanderzusetzen. Im Ernstfall wird nicht Rundstedt sondern er das Kommando übernehmen. Es liegt bei ihm zweifellos in den besten Händen.“ Er stützte sich hier durchweg auf Hitlers Einstellung aus den Jahren 1941/1942. Für Goebbels entsprach Rommel genau der Person, mit der eine Abwehrbereitschaft für die Bevölkerung im Westen dargestellt werden konnte. So wird aus diesem Tagebucheintrag schon klar, dass der Minister selbst darauf aus war, Rommel auch 1943/44 wieder zu einem Symbol für die deutsche militärische Schlagkraft zu machen.

Seit dem Fall von Tobruk 1942 kannten die beiden sich ohnehin sehr gut. Einen Tag nach dem Fall der Festung in Nordafrika ließ es sich der Minister auch nicht nehmen, Rommel als „modernen General im besten Sinne des Wortes“ im Kreise um Adolf Hitler hervorzuheben. Nach dem Sieg über die dort kämpfenden englischen Truppen hatte er Rommel endgültig als aussagekräftiges Sinnbild für deutsche Stärke erkannt und dem Volk als Schwerpunkt der militärischen Schlagkraft propagandistisch zu reflektieren versucht. Diese Mythenbildung hatte aber im eigenen Ministerium nur wenig Überzeugungskraft. Das Anlehnen an den Rommel-Mythos auf gesellschaftlicher und propagandistischer Ebene wurde trotzdem von nun an für die nächsten zwei Jahre konstant betrieben. Weil der „Führer“ an den „Wüstenfuchs“ glaubte, hielt auch Goebbels sich gänzlich an diese Maxime, auch Rommel war schließlich sein „Produkt“. Schon 1942 sah der Propagandaminister in dem nun zum Feldmarschall ernannten Schwaben aber nicht mehr als eine Selbstbestätigung für seine eigene Organisation der betriebenen Propaganda auf nationaler und internationaler Presseebene.

„Auch hier hat der Führer für Rommel Worte höchsten Lobes. Der Landende ist bei einer Invasion immer der Dumme, denn er weiß nicht, worauf er stößt. Rommel, der Rache gebrütet hat, wird den Engländern und Amerikanern eine heiße Suppe bereiten.“ Diese Projektion eines anzunehmenden Sieges über die Invasion wurde noch durch seine tief gefestigten Hoffnungen auf die Waffen-SS-Verbände gestützt. Dies gründete sich darauf, dass „Sepp“ Dietrich, ein Parteigenosse aus „der Kampfzeit“ der NSDAP, dort die Führung über das im Westen stehende I. SS-Panzerkorps übernommen hatte.

Die Wirksamkeit des militärischen Geheimdienstes der Alliierten, die eng an die Arbeit der Résistance gebunden war, schien für Goebbels völlig unbekannt zu sein. Für ihn durften die landenden Truppen einfach nicht wissen, auf was sie stoßen könnten – ein völlig durch Emotionen und wirklichkeitsfremde Wahrnehmung geprägtes Urteil. Eine andere Sicht auf die Möglichkeiten der Westalliierten kam für ihn gar nicht in Frage. Die Unterschätzung einer gut betriebenen Feindaufklärung ist in dieser Aussage maßgeblich. Während des späteren Verlaufs der Landung der alliierten Streitkräfte ist auch kein Hinweis darauf zu finden, dass er diese Einstellung je zu revidieren bereit war. Dass die angreifenden Streitkräfte durchweg über besseres Kartenmaterial bis auf die Ebene der Verteilung der deutschen Schützenlöcher an der Küste hatten, war ihm offensichtlich nicht bekannt. Hieraus ist also auch ein erster Hinweis dahingehend abzuleiten, dass Goebbels kaum konkrete militärische Informationen beziehungsweise Material der Feindaufklärung und den Atlantikwall betreffend, zur Verfügung hatte.

Viel eher klammerte er sich selbst an den Bekanntheitsgrad Rommels, der im feindlichen Lager noch vorherrschte. Allein der gute Ruf des Feldmarschalls sollte die Invasion zurückschlagen. Längst hatte der Minister für sich die Feststellung getroffen, dass dieser sein Recht auf Selbstbestimmung im öffentlichen Leben verloren habe. Er war zwar ein Element der Propaganda, aber auch ein leicht steuerbarer Rezipient, was Hans Speidel in seinen Ausführungen über Rommel nicht wahrhaben wollte.

„Wir lassen Rommel über das Invasionsthema erneut zu Wort kommen. Er wirkt in England direkt wie ein Landschreck. Die Engländer wissen ganz genau, wessen sie sich bei ihm zu versehen haben. Sie rühmen sein außerordentliches operatives Geschick, das sich zweifellos bei den kommenden Aktionen zu unseren Gunsten auswirken werde.“ Der Bezug zu den Engländern legt den Gedanken nahe, dass er erneut auf die für sie hervorgerufenen Niederlagen in Nordafrika anspielte. Der Minister hatte in dieser Zeit sichere Informationen und Einfluss durch „seine“ PK-Berichterstatter in der nordafrikanischen Wüste sicherstellen können. Lutz Koch ist hier zu nennen, der mit Rommel 1944 auch weiterhin in Frankreich zusammen war.

Link zur Arbeit: http://www.diplom.de/katalog/arbeit/10688
Arbeit zitieren: von Dehn, Rüdiger Oktober 2007: Die alliierte Invasion 1944 und Joseph Goebbels, Hamburg: Diplomica Verlag
Bestellmöglichkeiten und Preise:

Bezugspreis eBook (PDF-Datei) per Download: EUR 48,00 inkl MwSt.
Bestellnummer: ISBN 978-3-8366-0688-2
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