Generationen der Jugend
Bedeutung und aktuelle Relevanz des Generationskonzepts in der Jugendsoziologie
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Quirin Bauer
- Abgabedatum: Januar 2006
- Umfang: 104 Seiten
- Dateigröße: 499,4 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität Augsburg Deutschland
- Bibliografie: ca. 89
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0094-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8366-0094-1 P - ISBN (CD) :978-3-8366-0094-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Bauer, Quirin Januar 2006: Generationen der Jugend, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Jugendsoziologie, Generation, 68er, Soziologie, Karl Mannheim
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Magisterarbeit von Quirin Bauer
Einleitung:
In den letzten Jahren hört man den Begriff der »Generation« immer öfter, sowohl in der Presse, als auch im Fernsehen, im Internet oder anderen Medien. Allein der Besuch des Internetportals „google.de“ listet auf den Suchbegriff ‚Generation’ 383.000.000 Treffer auf (am 01.12.2005). Dabei wird zum Beispiel von einer neuen Computergeneration, von einer neuen MTV Generation, oder anderen eigentümlichen Generationstypen gesprochen. Fakt ist, dass in den letzten Jahrzehnten in Deutschland die Jugendkulturen und die Jugendszenen in einem solchen Maß zugenommen haben, dass es sehr schwer geworden ist, sich ein Gesamtbild zu verschaffen. Es finden sich in der jugendlichen Bevölkerung eine derartige Vielzahl von unterschiedlichen Orientierungen, Wertdeutungen und Erscheinungen von der jugendlichen Art zu Leben, dass man sie inzwischen nicht mehr als ein geschlossenes Konstrukt ansehen kann.
Die Jugend bietet dem Betrachter nämlich mit all ihren verschiedenen Einflüssen und Auswirkungen einen sehr vielfältigen Eindruck, der konfus und zugleich auch widersprüchlich erscheint. Unternimmt man den Versuch, eine bestimmte Bewegung in der Jugend zu untersuchen, scheitert dieses Vorhaben oft an der Schnelllebigkeit der jugendlichen Welt. Dies zeigt sich in nahezu allen Bereichen, wie zum Beispiel im Kleidungsverhalten, bei der Musik, im Freizeitverhalten, bei Tanzstilen, im Jargon. Was von dem Betrachter, von der Gesellschaft, als aktuelle Gegebenheit, Strömung oder Orientierung angesehen wird, wird von den Jugendlichen oft bereits als veraltet empfunden. Überspitzt könnte man deshalb auch formulieren, dass sich die Einstellungen zu den Werten bei den Jugendlichen oft von Tag zu Tag ändern. Beeinflusst natürlich auch durch übergeordnete Institutionen, die versuchen sich die Jugend so erziehen, wie sie am nützlichsten ist.
Bei dem Versuch, die Entwicklung der letzten Jahre in der Jugendszene zu kategorisieren oder zu etikettieren, wird dabei leider zu oft und zu vorschnell der Begriff ‚Generation’ verwendet, ohne eigentlich genau zu wissen, was dieser Begriff exakt bedeutet und bezeichnet.
Gang der Untersuchung:
Diese Arbeit soll sich nun also mit dem Thema Jugend und Generationen beschäftigen. Im Detail geht es dabei vor allem um die Bedeutung und die aktuelle Relevanz des Generationskonzepts in der Jugendsoziologie.
Zu Beginn der Arbeit wird ein kurzer Abriss über die allgemeine Entstehung der Jugend als eigenständige Lebensphase gegeben, da ohne Jugend und Jugendphase naturgemäß keine Generationsbildung möglich ist. Dies geschieht durch eine Gegenüberstellung der Lebensumstände in der vorindustriellen und industriellen Zeit, sowie in einer Übersicht der Jugend im 20. Jahrhundert. Ebenso wird der Begriff Generation und Jugendbewegung näher erläutert, um von vornherein Verständnisprobleme zu vermeiden. Dafür werden grundsätzliche Überlegungen angestellt, was für eine Generationsbildung, beziehungsweise für einen Generationswandel notwendig ist.
Darauf folgt die Darstellung der wichtigsten Grundlage für die Arbeit, nämlich das Generationskonzept von K. Mannheim, welches als Leitfaden und Analyseinstrument für die gesamte Arbeit dienen wird. Dabei werden besonders seine Generationsmomente hervorgehoben, als da wären: die Generationslagerung, der Generationszusammenhang und die Generationseinheit. Mit Hilfe dieser Anhaltspunkte soll erörtert werden, inwieweit man in der heutigen Gesellschaft überhaupt noch von einer Jugendgeneration sprechen kann, beziehungsweise, ob sich heutzutage noch Generationen bilden können, oder, zumindest, ob man in der gegenwärtigen Gesellschaft Jugendbewegungen finden kann, die ein Anzeichen für eine zukünftige Generation sein könnten.
Damit verbunden ist, mit dem Generationsphänomen zu untersuchen, ob sich ein Wandel in der Bildung von Generationen vollzogen hat, beziehungsweise gerade stattfindet, oder aber auch sich eine Art Kontinuität eingestellt hat, die es ermöglicht, dass sich auch weiterhin Generationen unter gewissen Umständen bilden werden. Zusätzlich soll geprüft werden, wie tragfähig das Generationskonzept zu welcher historischen Phase für die Jugendsoziologie ist, um somit zu einer Aussage zu kommen, welche die Bedeutung bestimmt. Auch der gesellschaftliche und der historische Wandel sollen mit dem Konzept geklärt werden. Damit würde man zu einem Ergebnis kommen, welches die aktuelle Relevanz des Generationskonzepts in der Jugendsoziologie belegen würde, und was das Konzept insgesamt leistet.
Die Grundlage, um zu wissenschaftlichen Aussagen über die Bedeutung des Generationskonzept und später zur aktuellen Relevanz zu gelangen, bildet die Betrachtung von bereits vergangen Generationen im 20. Jahrhundert in Deutschland. Um jedoch nicht den Rahmen der Arbeit zu sprengen, wurden zunächst nacheinander drei Generationen ausgewählt und bearbeitet. Diese wären zu Anfang des Jahrhunderts die Wandervogelbewegung, nach dem zweiten Weltkrieg die skeptische Generation, und danach die Studentenbewegung der 68er. Danach werden die 70er, 80er und 90er ebenfalls mit Hilfe des Analyseinstruments nach generationsrelevanten Indizien, sowie einem möglichen Wandel überprüft. Alle Komponenten werden nach demselben Schema untersucht, um möglicherweise unter den verschiedenen Generationen Parallelen und Gemeinsamkeiten zu finden, die dann auf die Betrachtung der gegenwärtigen Jugend angewendet werden können, um dann am Ende der Arbeit zu einem möglichst aussagekräftigen Ergebnis zu gelangen.
Die Vorgehensweise gestaltet sich dabei folgendermaßen: Jede Generation wird Anfangs aus dem Blickwinkel der gesellschaftlichen und politischen Einflüsse betrachtet, die es ermöglichten, dass sich überhaupt eine solche bilden konnte. Das bedeutet, es werden die sozialstrukturellen Gegebenheiten untersucht, welche die Jugendlichen in der betreffenden Bewegung erlebt haben. Darunter fallen der sozial-historisch Raum, dieselbe Lagerung naher Geburtsjahrgänge, gesellschaftliche Ereignisse und Zustände, und die ähnlichen Partizipations- und Erlebnismöglichkeiten. Diese Umstände sind unter dem Moment der Generationslage zusammengefasst.
Danach wird der Generationszusammenhang der entsprechenden Generation betrachtet. Dabei wird versucht, Ereignisse zu dokumentieren, die in der Bewegung unter den Jugendlichen eine konkrete Verbindung entstehen lassen, die letztendlich unter ihnen ein reales „Wir-Gefühl“ hervorruft. Dieses Gefühl ist ein wichtiges Kennzeichen für eine Generation, allerdings fehlt dann, um die Thematik abzuschließen, noch die Generationseinheit als letzter Moment des Generationskonzepts. Diese soll in der Generation letztlich noch zeigen, dass die Mitglieder der Bewegung die gemeinsam erlebten Ereignisse verarbeitet haben, und so im Nachhinein die Situation subjektiv interpretieren können. Wenn dann am Ende alle diese drei Momente in der Bewegung nachgewiesen werden können, und ein Identitätsstiftendes „Wir-Gefühl“ vorliegt, dann kann man nach dem Generationskonzept von K. Mannheim erst von einer echten Generation sprechen. Die Betrachtung der jeweiligen Generation wird dann weitergeführt, um zu sehen, welche Bedeutung das Konzept für die Jugendsoziologie zu dieser bestimmten historischen Phase hat. Wie oben bereits kurz beschrieben, wird dabei auf den sozialen Wandel eingegangen und untersucht, wie tragfähig das Konzept in den verschiedenen Phasen ist.
Da die 70er, 80er, und 90er Jahre eine derartige geradlinige Untersuchung wegen der Schnelllebigkeit nicht zulassen, wird hier etwas anders verfahren. Dabei werden zuerst die wichtigsten Strömungen des betreffenden Jahrzehnts aufgezeigt. Es haben sich in dieser Zeit eine Vielzahl von neuen Größen entwickelt, die neben der Gesellschaft, der Familie und neben der Politik das Leben des Jugendlichen nun stark beeinflussen. Dazu zählen unter anderem die Medien, die Industrie und der neue Markt, soll heißen die Konsumanbieter.
Nach deren Untersuchung wird eine der bedeutendsten Bewegungen des jeweiligen Zeitabschnittes herausgegriffen, die aber dann ebenfalls wieder nach den Regeln des Generationskonzept untersucht wird, um festzustellen, ob hier ebenfalls das Generationskonzept in allen Punkten erfüllt ist. Am Ende dieses Kapitels wird dann ebenfalls die Bedeutung des Generationsphänomens für die Jugendsoziologie betrachtet, und versucht zu zeigen, was das Konzept in der modernen Gesellschaft überhaupt noch leisten kann.
Am Schluss der Arbeit sollen dann diese und die anderen erarbeiteten Ergebnisse zusammengefasst und analysiert werden. Der Blick soll dabei auf der Brauchbarkeit des Generationskonzepts in der heutigen Forschung liegen. Mit der Untersuchung der Bewegungen in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, und durch die vergangenen Generationen der Jugend, können dann gleichzeitig die Bedeutung und die aktuelle Relevanz des Generationskonzepts für die Jugendsoziologie bestimmt werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| I. | Einführung | 5 |
| II. | Bedeutung des Generationskonzepts für die Jugendsoziologie | 8 |
| 1. | Die Entdeckung der Jugend | 9 |
| 1.1 | Jugend in der vorindustriellen Zeit | 11 |
| 1.2 | Die Entdeckung der Jugend zu Beginn der Industrialisierung | 13 |
| 1.3 | Das 20. Jahrhundert als „Jahrhundertder Jugend“ | 15 |
| 2. | Jugendbewegung und Generation | 17 |
| 2.1 | Zum Verständnis von Jugendbewegungen und Bünde | 17 |
| 2.2 | Form und Bildung einer Generation | 19 |
| 2.2.1 | Generation - eine Begriffsbestimmung | 19 |
| 2.2.2 | Theoretische Ansatzpunkte einer Generation und eines Generationenwechsels | 20 |
| 2.3 | Das Generationskonzept nach Mannheim | 22 |
| 3. | Die deutsche Wandervogelbewegung | 26 |
| 3.1 | Politisch-kulturelle und sozialstrukturelle Umstände - die Generationslagerung | 27 |
| 3.2 | Die Anfänge der Wandervogelbewegung | 30 |
| 3.2.1 | Der Generationszusammenhang | 30 |
| 3.2.2 | Soziale Kontrollmechanismen | 32 |
| 3.3 | Identitätsfindung - die Generationseinheit | 34 |
| 3.4 | Die Zersplitterung und das vorläufige Ende desWandervogels | 37 |
| 3.5 | Die Wandervogelbewegung - eine Generation im Zeichen des Wandels | 39 |
| 4. | Das Nachkriegsjahrzehnt - die skeptische Generation | 41 |
| 4.1 | Geschichtliche Reflexion | 42 |
| 4.2 | Politischer Wandel und Untergang - die Generations-lagerung | 43 |
| 4.3 | Kollektiver Zweifel an einer eigenständigen Rolle | 45 |
| 4.3.1 | Der Generationszusammenhang | 45 |
| 4.3.2 | Versuch einer begrifflichen Bestimmung | 47 |
| 4.4 | Krise in der Verhaltenssicherheit - die Generationseinheit | 48 |
| 4.5 | Die skeptische Generation - ein Fazit | 51 |
| 5. | Die 68er Bewegung | 53 |
| 5.1 | Zu den Vorläufern der Studentenbewegung - die Generationslage | 54 |
| 5.1.1 | Historisch-sozialer Raum | 54 |
| 5.1.2 | Die geistigen Väter der Revolution | 56 |
| 5.2 | Konflikt und Mobilisierung - der Generations-zusammenhang | 58 |
| 5.2.1 | Konflikte bis 1966 | 58 |
| 5.2.2 | Höhepunkt der Mobilisierung: 1967/68 | 61 |
| 5.3 | Distanz zur Gesellschaft - die Generationseinheit | 62 |
| 5.4 | Die 68er Bewegung - Generation, Kulturrevolution und sozialer Wandel | 65 |
| 6. | Generationen3 - drei Jahrzehnte in Deutschland | 68 |
| 6.1 | Jugend nach der 68er Bewegung - vom fiktiven Generationenkonflikt zur Gesellschaftskrise | 69 |
| 6.2 | Die 78er - Aufstand im Schlaraffenland | 73 |
| 6.2.1 | Sozialstrukturelle Umstände - die Generationslagerung | 73 |
| 6.2.2 | Geschehnisse und Soziale Veränderungen - der Generationszusammenhang | 74 |
| 6.2.3 | Motto: Dagegensein - die Generationseinheit | 76 |
| 6.3 | Die Debatte um die 89er - Generation ohne Eigenschaft? | 78 |
| 6.3.1 | Krisen, Probleme, Einschränkungen - die Generations-lagerung | 78 |
| 6.3.2 | Der Anfang vom Ende - der Generationszusammenhang / die Generationseinheit | 80 |
| 6.3.3 | Die 89er: Generation ohne Eigenschaften - die Ursachen | 81 |
| 6.4 | Die 90er Jahre - die Generation @ | 83 |
| 6.4.1 | Die Kinder der Medien - die Generationslagerung | 84 |
| 6.4.2 | Leben im Informationszeitalter - der Generations-zusammenhang | 86 |
| 6.4.3 | Technische Innovationen als generationsstiftendes Ereignis? Die Generationseinheit | 88 |
| 6.5 | Szenen, Stile und Kulturen - Wandel ohne Pause | 90 |
| III. | Fazit & aktuelle Relevanz des Generationskonzeptsfür die Jugendsoziologie | 92 |
| IV. | Literaturverzeichnis | 99 |
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| I. | Einführung | 5 |
| II. | Bedeutung des Generationskonzepts für die Jugendsoziologie | 8 |
| 1. | Die Entdeckung der Jugend | 9 |
| 1.1 | Jugend in der vorindustriellen Zeit | 11 |
| 1.2 | Die Entdeckung der Jugend zu Beginn der Industrialisierung | 13 |
| 1.3 | Das 20. Jahrhundert als „Jahrhundertder Jugend“ | 15 |
| 2. | Jugendbewegung und Generation | 17 |
| 2.1 | Zum Verständnis von Jugendbewegungen und Bünde | 17 |
| 2.2 | Form und Bildung einer Generation | 19 |
| 2.2.1 | Generation - eine Begriffsbestimmung | 19 |
| 2.2.2 | Theoretische Ansatzpunkte einer Generation und eines Generationenwechsels | 20 |
| 2.3 | Das Generationskonzept nach Mannheim | 22 |
| 3. | Die deutsche Wandervogelbewegung | 26 |
| 3.1 | Politisch-kulturelle und sozialstrukturelle Umstände - die Generationslagerung | 27 |
| 3.2 | Die Anfänge der Wandervogelbewegung | 30 |
| 3.2.1 | Der Generationszusammenhang | 30 |
| 3.2.2 | Soziale Kontrollmechanismen | 32 |
| 3.3 | Identitätsfindung - die Generationseinheit | 34 |
| 3.4 | Die Zersplitterung und das vorläufige Ende desWandervogels | 37 |
| 3.5 | Die Wandervogelbewegung - eine Generation im Zeichen des Wandels | 39 |
| 4. | Das Nachkriegsjahrzehnt - die skeptische Generation | 41 |
| 4.1 | Geschichtliche Reflexion | 42 |
| 4.2 | Politischer Wandel und Untergang - die Generations-lagerung | 43 |
| 4.3 | Kollektiver Zweifel an einer eigenständigen Rolle | 45 |
| 4.3.1 | Der Generationszusammenhang | 45 |
| 4.3.2 | Versuch einer begrifflichen Bestimmung | 47 |
| 4.4 | Krise in der Verhaltenssicherheit - die Generationseinheit | 48 |
| 4.5 | Die skeptische Generation - ein Fazit | 51 |
| 5. | Die 68er Bewegung | 53 |
| 5.1 | Zu den Vorläufern der Studentenbewegung - die Generationslage | 54 |
| 5.1.1 | Historisch-sozialer Raum | 54 |
| 5.1.2 | Die geistigen Väter der Revolution | 56 |
| 5.2 | Konflikt und Mobilisierung - der Generations-zusammenhang | 58 |
| 5.2.1 | Konflikte bis 1966 | 58 |
| 5.2.2 | Höhepunkt der Mobilisierung: 1967/68 | 61 |
| 5.3 | Distanz zur Gesellschaft - die Generationseinheit | 62 |
| 5.4 | Die 68er Bewegung - Generation, Kulturrevolution und sozialer Wandel | 65 |
| 6. | Generationen3 - drei Jahrzehnte in Deutschland | 68 |
| 6.1 | Jugend nach der 68er Bewegung - vom fiktiven Generationenkonflikt zur Gesellschaftskrise | 69 |
| 6.2 | Die 78er - Aufstand im Schlaraffenland | 73 |
| 6.2.1 | Sozialstrukturelle Umstände - die Generationslagerung | 73 |
| 6.2.2 | Geschehnisse und Soziale Veränderungen - der Generationszusammenhang | 74 |
| 6.2.3 | Motto: Dagegensein - die Generationseinheit | 76 |
| 6.3 | Die Debatte um die 89er - Generation ohne Eigenschaft? | 78 |
| 6.3.1 | Krisen, Probleme, Einschränkungen - die Generations-lagerung | 78 |
| 6.3.2 | Der Anfang vom Ende - der Generationszusammenhang / die Generationseinheit | 80 |
| 6.3.3 | Die 89er: Generation ohne Eigenschaften - die Ursachen | 81 |
| 6.4 | Die 90er Jahre - die Generation @ | 83 |
| 6.4.1 | Die Kinder der Medien - die Generationslagerung | 84 |
| 6.4.2 | Leben im Informationszeitalter - der Generations-zusammenhang | 86 |
| 6.4.3 | Technische Innovationen als generationsstiftendes Ereignis? Die Generationseinheit | 88 |
| 6.5 | Szenen, Stile und Kulturen - Wandel ohne Pause | 90 |
| III. | Fazit & aktuelle Relevanz des Generationskonzeptsfür die Jugendsoziologie | 92 |
| IV. | Literaturverzeichnis | 99 |
Textprobe:
Kapitel 3.5, Die Wandervogelbewegung - eine Generation im Zeichen des Wandels: Um nun die Betrachtung der Wandervogelbewegung abzuschließen, soll jetzt noch eine kurze Zusammenfassung der erarbeiteten Fakten folgen. In diesem Resümee soll gezeigt werden, inwieweit der Wandervogel eine Generation war, und welche Gegebenheiten dies veranschaulichen. Aus dem Blickwinkel des Soziologen wäre es ein müßiges und bedenkliches Unterfangen zugleich, für den Wandervogel die eine, alles umfassende Formel finden zu wollen. Der Wandervogel war in seinen soziologischen Aspekten ein derartig vielschichtiges Phänomen, dass jede Kurzformel schlichtweg falsch, da völlig einseitig sein müsste. Deshalb steht diese Zusammenfassung immer noch unter dem Gesichtspunkt des Generationskonzepts, und unter der Betrachtung, wie tragfähig es zu dieser historischen Phase war, und wie es den dynamischen Wandel darstellen kann.
Eine knappe stichpunktartige Aufzählung soll zunächst die Ergebnisse darstellen, die vorher erarbeitet wurden:
Die Wandervogelbewegung entsteht auf Grund des gesellschaftlichen Wandels und der Unzufriedenheit des Bildungsbürgertums zur Jahrhundertwende.
Der Sozialisationsprozess kann nicht mehr nur durch Institutionen, wie zum Beispiel Schule, oder der familiären Erziehung übernommen werden. Es entsteht ein neuer Raum für die Jugendlichen.
In diesem neuen Verhaltensraum „sind altershomogene Gesellungsformen (‚jugendgemäße Gemeinschaften’) das dominierende Sozialprinzip“. Diese Gruppe steht der Erwachsenenwelt mit kritischem Abstand gegenüber, erfüllt den Normenkatalog nicht im vollen Umfang, aber lehnt ihn auch nicht gänzlich ab.
Die Erwachsenen halten sich so weit wie möglich aus diesem Bereich heraus, und die Heranwachsenden führen sich selbst durch gleich oder ähnlich Altriege.
Ein weiteres Merkmal für das Wir-Gefühl ist die Bildung von eigenen Ausdrucksweisen der Kommunikation in verbaler (zum Beispiel ‚Slang’) sowie nonverbaler (zum Beispiel Kleidung) Weise.
Die Gruppe vereint hauptsächlich eine emotionale und nicht rationale Verbindung. „Wo die intellektuelle Diskussion in Gruppen eine Rolle spielt, hat auch sie ihren Grund in der starken Emotionalität der Gruppenbeziehungen und der gemeinsamen Erlebnisse“.
Wenn man nun die Wandervogelbewegung und die eben genannten Faktoren unter dem Aspekt des Generationskonzepts von K. Mannheim, verbunden mit seinem Generationsphänomenen betrachtet, kommt man zu dem Ergebnis, dass sich aus dieser Jugendbewegung heraus eine Generation entwickelte. Wenn alle drei Momente für sich betrachtet werden, so ist jeder einzelne erfüllt.
Die Jugendlichen lebten im gleichen historisch-sozialen Raum, und gehörten benachbarten Geburtsjahrgängen an. Dadurch hatten sie ungefähr dasselbe Alter und erlebten somit die gleichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorkommnisse und Zustände, welche dann auch ähnlich verarbeitet wurden. Damit ist die Generationslagerung nachgewiesen. Der Generationszusammenhang wurde durch Faktoren hergestellt, wie zum Beispiel die emotionale Verbundenheit, die gemeinsame Ideologie, das Wandern an sich, die gleiche Schichtzugehörigkeit und soziale Herkunft, durch selbstentwickelte Kommunikationsstile, wie etwa das gemeinsame singen von Liedern oder einem Gruppenjargon, und letztendlich auch durch einen eigenen Kleidungsstil.
Mit diesen Faktoren konnten sich die Mitglieder der Generation identifizieren und das so notwendige Wir-Gefühl für den Generationszusammenhang entwickeln. Das letzte Moment, die Generationseinheit, welche sich aus dem Zusammenhang ergibt, ist nach dem Generationskonzept ebenfalls erfüllt. Die Jugendlichen verarbeiteten gemeinsam erlebte Ereignisse und konnten sich dadurch, wegen den strukturellen Veränderungen, ihre subjektiven Interpretationen über die Gesellschaft bilden, und deshalb auch ihre Identität finden und formieren.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836600941
Arbeit zitieren:
Bauer, Quirin Januar 2006: Generationen der Jugend, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Jugendsoziologie, Generation, 68er, Soziologie, Karl Mannheim



