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Märkte für Strom

Theoretische Konzepte und Erfahrungen aus Großbritannien

Märkte für Strom
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Bernd Bracht
  • Abgabedatum: Mai 1998
  • Umfang: 99 Seiten
  • Dateigröße: 573,8 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Dortmund Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6334-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6334-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6334-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bracht, Bernd Mai 1998: Märkte für Strom, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: natürliche Monopole, Energie, Industrieökonomie, Wettbewerb, Wirtschaftspolitik

Diplomarbeit von Bernd Bracht

Zusammenfassung:

In der vorliegenden Arbeit wird der Versuch unternommen, wirtschaftspolitische Empfehlungen für den Bereich der Elektrizitätswirtschaft zu treffen. Aussagen oder Empfehlungen, die gemacht werden, ohne dass ihr theoretischer Hintergrund klar wird (oder gar demjenigen, der sie macht, klar ist), können niemals den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erfüllen. Dies bedeutet für eine wissenschaftlich betriebene Wirtschaftspolitik, dass sie immer auch angewandte Wirtschaftstheorie sein muss.

Monopolistische Sektoren sind für die wissenschaftliche und praktische Wirtschaftspolitik von besonderem Interesse, weil sie i. d. R. spezifischen Interventionen des Staates unterliegen, mit denen dieser die unerwünschten Begleiterscheinungen von Monopolstellungen zu verhindern sucht. Die Frage, warum staatliche Eingriffe in wettbewerbliche Prozesse erfolgen, kann dabei sowohl positiv wie auch normativ-theoretisch angegangen werden, wobei sie in dieser Arbeit strikt normativ-theoretisch aufgefasst wird. Für die positive Erklärung und die normative Begründung des Bestehens von Monopolstellungen steht in der ökonomischen Literatur das sogenannte „natürliche Monopol“ im Vordergrund, das in der heutigen Sichtweise durch die Subadditivität der Totalkosten eines Sektors charakterisiert ist.

In dieser Arbeit wird in einem ersten Schritt versucht, die Elektrizitätswirtschaft vor dem Hintergrund der heutigen Erkenntnisse in die normative Theorie der Regulierung einzuordnen.

Zuerst werden traditionell von interessierter Seite vorgeschützte „Besonderheiten“ dieses Industriesektors diskutiert, die mit Hilfe des normativ-theoretischen Instrumentariums überprüft werden. Diese Schritte sollen dem ersten Hauptziel dieser Arbeit dienlich sein. Erklärtes Ziel dieser Arbeit ist es zum einen die Deregulierungspotentiale, die durch die neueren theoretischen Erkenntnisse und technologischen Weiterentwicklungen entstanden sind, vor klarem theoretischen Hintergrund offen zu legen.

Nachdem dies geschehen ist, wird zum anderen der Frage nachgegangen, inwieweit das englisch-walisische Deregulierungsmodell als „Leitbild“ für Reformen in anderen Ländern, wenn nicht sogar für die gesamte EU, dienen kann. Dabei wird überprüft, inwieweit die Um-strukturierung der englisch-walisischen Elektrizitätswirtschaft den angesprochenen Zielen der Effizienzsteigerung durch Marktöffnung und Wettbewerb gerecht wird. Diese Frage kann getrennt nach Erzeugermarkt und Versorgermarkt diskutiert werden.

Die Analyse wird sich in dieser Arbeit dabei allein auf den Erzeugermarkt beschränken, wobei das Hauptaugenmerk auf das innovativste Element des neuen Erzeugermarktes, den Strompool, gelegt wird. Dieser steht im Zentrum der Kritik der Wettbewerbsgegner. Gelingt es, diesem „Pool-Modell“ positive Effizienzeigenschaften zu bescheinigen, dürfte sich dessen Funktion als „Leitbild“ für eine Regulierungsreform in anderen Ländern stabilisieren. Einem „Strompool“ als wettbewerbliches Kernstück eines europäischen Energiebinnenmarktes steht dann nichts mehr im Wege.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis III
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung und Methodik 4
1.3 Gang der Untersuchung 5
2. Rechtfertigung und Zielsetzung staatlicher Regulierungstätigkeit 6
2.1 Normative Theorie der Regulierung 6
2.1.1 Das Konzept der Pareto-Effizienz zur Beurteilung von Allokationen 7
2.1.2 Zum Begriff des natürlichen Monopols 9
2.1.2.1 „Traditionelle“ Sichtweise: fallende Durchschnittskosten 10
2.1.2.2 „Neuere“ Sichtweise: subadditive Kostenstruktur 12
2.1.3 Theorie bestreitbarer Märkte 15
2.1.4 Demsetz-Wettbewerb (Franchise Bidding) 22
2.1.5 Intermodaler Wettbewerb (Monopolistische Konkurrenz) 24
2.1.6 Schlußfolgerungen für den Regulierungsbedarf 25
2.2 Synthese 27
3. Einordnung der Elektrizitätswirtschaft in die Regulierungstheorie 29
3.1 Besonderheiten der Elektrizitätswirtschaft 31
3.1.1 Argumente für die Rechtfertigung der Ausnahmestellung 31
3.1.2 Kritik der „Besonderheitenlehre“ 32
3.2 Anwendbarkeit der normativen Regulierungstheorie 36
3.2.1 Economies of scale 37
3.2.2 Economies of scope 40
3.3 Deregulierung der Elektrizitätswirtschaft 43
3.4 Synthese 44
4. Privatisierung und Deregulierung der Stromversorgung in England/Wales 46
4.1 Historische Entwicklung 46
4.1.1 Struktur und Regulierung vor der Privatisierung 47
4.1.2 Der Energy Act 1983 und seine Wirkungen 49
4.1.3 Privatisierung der Elektrizitätswirtschaft in England/Wales 50
4.2 Struktur, Regulierungund Funktionsweise des neuen Systems 52
4.2.1 Struktur nach der Privatisierung im Überblick 52
4.2.2 Institutionelle Rahmenbedingungen (Electricity Act 1989) 55
4.2.3 Grundcharakterisierung des Spotmarktes 56
4.2.3.1 Funktionsweise des Strompools 57
4.2.3.2 Parallelkontraktmarkt für Sicherungsgeschäfte 60
4.3 Synthese 64
5. Effekte des geplanten Wettbewerbs - der Erzeugermarkt 66
5.1 Marktstruktur, Marktanteile und Entwicklung der Poolpreise 67
5.2 Das Modell von Harbord/von der Fehr 69
5.2.1 Modellannahmen 69
5.2.2 Modellanalyse 70
5.2.2.1 Low-demand periods 72
5.2.2.2 High-demand periods 73
5.2.2.3 Variable-demand periods 74
5.3 Eine alternative Preisbildungsregel 77
5.4 Kritische Würdigung der Modellergebnisse 80
6. Zusammenfassung und Perspektiven 83
Literaturverzeichnis 85
Versicherung 94

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Geschichte der britischen EVUs läßt sich nach VICKERS/YARROW in drei große Etappen einteilen:1 Die erste Phase geht von den Anfängen bis ins Jahr 1947 und ist durch eine gemischtwirtschaftlich zersplitterte Struktur mit geringen Konzentrationstendenzen gekennzeichnet. Die zweite Phase begann 1947, als im „Electricity Act“ die Elektrizitätswirtschaft vollständig verstaatlicht und weitgehend zentralisiert wurde. Als dritte Etappe folgte 1989 die radikale Reprivatisierung.2 Zuerst soll kurz überblicksartig die zweite Phase der Geschichte der britischen EVUs behandelt werden (Abschnitt 4.1.1), um dann im folgenden Abschnitt 4.1.2 ausführlicher auf den Privatisierungsprozeß einzugehen. Die Betrachtung des Systems von 1947 bis vor der Privatisierung ist von einiger Relevanz, denn ein vertikal voll integriertes und in allen Bereichen staatlich verwaltetes System wurde quasi über Nacht (genauer: am 31. März 1990) durch ein desintegriertes und wettbewerblich organisiertes ersetzt. Erzeugung und Übertragung wurden strikt getrennt, und Wettbewerb wurde auf der Erzeugerstufe etabliert. Eine Reihe von Ländern hat schrittweise versucht, Wettbewerb im Bereich der Stromversorgung zu etablieren, doch nirgendwo sonst auf der Welt wurden derartig radikale Einschnitte vorgenommen.3 [...]

Ziel dieses Kapitels war es, die Elektrizitätswirtschaft in die normative Regulierungstheorie einzuordnen. Dazu wurden in einem ersten Abschnitt die Begründungen diskutiert, die von Seiten der Befürworter regulierender Eingriffe in diesen Sektor immer wieder angeführt werden. Obwohl die Besonderheiten der Stromwirtschaft in ihrer Breite nur schwer zu erfassen sind, konnte zusammenfassend festgestellt werden, daß eine Begründung für die Aufrechterhaltung eines staatlich institutionalisierten Monopols in der Stromversorgung aus einer strikt normativen Perspektive kaum zu leisten ist. Die Beseitigung eines solchen Monopols scheint deshalb geboten. Darüber hinaus wurde in dem zweiten Abschnitt die Anwendbarkeit des in Kapitel 2 ausführlich diskutierten normativ-theoretischen Konzeptes im Bereich der Elektrizitätswirtschaft überprüft. Dabei beschränkte sich die Betrachtung auf das konstituierende Merkmal eines natürlichen Monopols, die subadditive Kostenstruktur. Da das Konzept der Subadditivität aber kein lokales, sondern nur ein globales Konzept ist, stößt dessen Nachweis in der Praxis auf Schwierigkeiten. Folglich konnte die Frage nach der Subadditivität nicht beantwortet werden. Deshalb wurde in einem ersten Schritt das Vorliegen von “economies of scale“ in den einzelnen Teilbereichen der Stromversorgung überprüft, um in einem nächsten Schritt die Existenz von Verbundvorteilen festzustellen. Dabei wurde deutlich, daß im Bereich der Stromerzeugung, des Stromhandels und -verkaufs die Kosten-bedingungen für die Existenz eines natürlichen Monopols nicht vorliegen. Im Bereich der Stromübertragung und -distribution spricht alles für das Vorliegen eines natürlichen Mono-pols. Nichtsdestotrotz wurde noch der Frage nachgegangen, inwieweit auch in diesen Bereichen Wettbewerb (z. B. um den Markt) möglich erscheint. Bei der Betrachtung der Verbundvorteile zeigte sich, daß diese zwischen der Erzeugung und der Transmission groß genug sein könnten. In diesem Fall würden diese beiden Bereiche zusammen die Kostenbedingungen eines natürlichen Monopols erfüllen, wenngleich der Erzeugungsbereich dies per se nicht tut. Die Frage, ob die Effizienzgewinne des Wettbewerbs in der Erzeugung die Kosten, die durch die verlorengegangene Koordination zwischen Erzeugung und Transmission entstehen, möglicherweise überkompensieren, blieb offen. Klar wurde auf jeden Fall, daß zum heutigen Zeitpunkt im Bereich der Elektrizitätsversorgung in der BRD offensichtlich massive Deregulierungspotentiale existieren, die es zu nutzen gilt. Die unzureichende Anwendbarkeit des Konzeptes der subadditiven Kostenstruktur mag dazu geführt haben, daß das Ausmaß, in dem diese Potentiale genutzt werden, relativ gering und der Zeitpunkt, zu dem dies geschieht, relativ spät ist. Im letzten Abschnitt wurde deshalb der Versuch unternommen, eine Strategie für die Erschließung dieses Potentials zu entwerfen. Im nächsten Kapitel werden einige der in diesem Kapitel aufgestellten Thesen anhand der praktischen Erfahrungen in Großbritannien überprüft. Die historische Entwicklung bis zur Privatisierung wird skizziert und die Struktur, Regulierung und Funktionsweise des neuen [...]

tionsfördernden Wirkungen.1 Die Möglichkeit, das Experiment nötigenfalls anzuhalten und Fehlentwicklungen zu korrigieren, ist der große Vorteil dieser Vorgehensweise. Zudem scheint eine Politik der schrittweisen Deregulierung und Harmonisierung in einem europäischen Kontext auch von Seiten der Stromproduzenten weitgehend akzeptiert zu werden. So hat EURELECTRIC erklärt2: “Eurelectric considers that achievement of the internal electricity market is an important objective for all customers, large and small, in the European Union. This should be a step-by-step process based on an acceptable balance between liberalisation and harmonisation and taking into account national diversity. Substantial changes in the organization of the electricity sector have been introduced or are being considered in almost all member states. It is important to ensure a sufficient degree of convergence between these different structures.“3 Kritiker wenden ein, daß die wichtigste Fehlentwicklung, die der Herausbildung einer volkswirtschaftlich ineffizienten Marktstruktur, nicht rechtzeitig erkennbar sein soll, so daß man sie auch nicht rechtzeitig anhalten kann.4 Zudem soll es nicht möglich sein, mittels einer solchen Deregulierung herauszufinden, ob die Energiemärkte als natürliches Monopol anzusehen sind oder nicht, da es bei einer solchen Politik niemals einen „fairen Markttest“ oder auch nur eine Annäherung daran geben kann. Darüber hinaus können z. B. SANDSBRATEN/VON DER FEHR 5 in einem theoretischen Modell zeigen, daß graduelle Liberalisierung sehr kostspielig sein kann. Sie analysieren die unter drei verschiedenen Handelssystemen realisierbaren Effizienzgewinne zwischen thermischen und auf Wasserkraft basierenden Systemen, und sie kommen zu einem radikalen Schluß: “Consequently, it would seem that electricity is an example of an industry where gradual reform involves costs that can be avoided by a big bang reform in which all trade barriers are removed at once.“6 Ob diese Argumente der Befürworter oder Gegner einer schrittweisen Deregulierung stichhaltig sind oder nicht, wird im weiteren Verlauf der Arbeit in Kapitel 4 im Rahmen einer Fallstudie anhand der Erfahrungen in Großbritannien beurteilt Dort wurde das System der stufenweisen Deregulierung angewandt. [...]

Arbeit zitieren:
Bracht, Bernd Mai 1998: Märkte für Strom, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
natürliche Monopole, Energie, Industrieökonomie, Wettbewerb, Wirtschaftspolitik

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