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Männlichkeit, Identität und Medien

Eine rekonstruktive Untersuchung zum Selbstverständnis einer jungen Männergeneration

Männlichkeit, Identität und Medien
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Claudia Trettenbrein
  • Abgabedatum: Juli 2009
  • Umfang: 183 Seiten
  • Dateigröße: 1,4 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
  • Bibliografie: ca. 18
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4329-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Trettenbrein, Claudia Juli 2009: Männlichkeit, Identität und Medien, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Männlichkeit, Geschlecht, Medien, Identität, Generation

Diplomarbeit von Claudia Trettenbrein

Einleitung:

Ist dir eigentlich bewusst, dass du Männer fragst, was Männlichkeit ist?

Diese Frage wurde mir von einem Mann gestellt, der an einer von mir durchgeführten Gruppendiskussion zum Thema Männlichkeit teilnahm. Eine rhetorische Frage, welche mich im ersten Moment sprachlos machte – bei genauerer Betrachtung aber exakt die Beweggründe für die vorliegende Arbeit veranschaulicht.

Was Männer ausmacht, wie Männer sein sollen, wie sie sich am besten verhalten, wie sie auszusehen haben - kurz: was Männlichkeit eigentlich bedeutet - sind Fragen, welche allgegenwärtig sind. Man stellt diese Fragen selbst undsie werden gestellt, in welcher Form auch immer: sei es in einer Frauenrunde, in Talkshows, in Diskussionsrunden oder Zeitschriften, Männlichkeit ist immer und überall zur Disposition gestellt, und ganz besonders, seit traditionelle Geschlechterarrangements ins Wanken geraten. Umso erstaunlicher ist, dass dazu selten Männer gefragt werden. Es scheint, als würde die Männlichkeitsdiskussion, auf welcher Ebene auch immer, hauptsächlich von Frauen geführt werden, und die Antwort auf die spezifische Frage, was denn Männlichkeit ausmache, beinahe ausschließlich in weiblicher Hand liegen. Folgt man diesen Alltagsbeobachtungen, so erscheint es auf einmal viel weniger verwunderlich, dass die Fragestellung an einen Mann gerichtet alles andere als selbstverständlich ist.

In der wissenschaftlichen Diskussion hat sich im Bereich Männerforschung in den letzten Jahrzehnten doch einiges getan, wie in der vorliegenden Arbeit u.a. gezeigt wird. Dennoch gibt es nur wenige Studien, die explizit darauf ausgerichtet sind, das männliche Selbstverständnis in den Blick zu nehmen. Je weiter weibliche Emanzipationsbemühungen voranschreiten und Erfolge verzeichnen können, desto wichtiger wird es, diese Frage einer jeden Generation an Männern erneut zu stellen, da sich nicht nur Weiblichkeit, sondern auch Männlichkeit in einem steten Wandel befindet. In dieser Untersuchung habe ich den Fokus auf eine relativ junge Männergeneration gerichtet, sowie auf die Frage, wie mediale Repräsentationen von Männlichkeit eine Rolle für das Selbstverständnis dieser Generation spielen.

Die Antworten, die mir von den Untersuchten auf meine Fragen gegeben wurden, sind um einiges vielfältiger und interessanter als jene, die ich auf die anfangs zitierte Frage geben konnte: Ich denke schon.

Inhaltsverzeichnis:

1. VORWORT 5
2. ERKENNTNISINTERESSE 7
2.1 MÄNNLICHKEIT 7
2.2 INDIVIDUALISIERUNG UND IDENTITÄTSKONSTITUTION 10
2.2.1 SOZIALER WANDEL 10
2.2.2 IDENTITÄT UND SOZIALE ROLLE 11
2.3 MEDIEN 15
2.4 ERKENNTNISINTERESSE 19
3. BEGRIFFLICH-THEORETISCHE EXPLIKATION 23
3.1 ZUM GENERATIONSBEGRIFF BEI MANNHEIM 23
3.1.1 GENERATION ALS SOZIALE LAGERUNG 24
3.1.2 GENERATIONSZUSAMMENHANG 25
3.1.3 GENERATIONSEINHEITEN 26
3.2 DAS KONZEPT DER HEGEMONIALEN MÄNNLICHKEIT 28
3.2.1 SOZIALER VS. BIOLOGISCHER DETERMINISMUS 28
3.2.2 KÖRPERREFLEXIVE PRAXIS 29
3.2.3 HEGEMONIALE MÄNNLICHKEIT 30
3.2.4 UNTERORDNUNG, KOMPLIZENSCHAFT UND MARGINALISIERUNG 31
4. ZUR METHODE 33
4.1 DIE ENTWICKLUNG DES GRUPPENDISKUSSIONSVERFAHRENS 36
4.1.1 MARKTFORSCHUNG 36
4.1.2 FRANKFURTER SCHULE 36
4.1.3 CULTURAL STUDIES 37
4.1.4 ENTDECKUNG DER KOLLEKTIVITÄT: WERNER MANGOLD 38
4.2 MANNHEIMS WISSENSSOZIOLOGIE: THEORETISCHE FUNDIERUNG DES KOLLEKTIVEN 40
4.2.1 KONJUNKTIVE UND KOMMUNIKATIVE EBENE 40
4.2.2 IMMANENTER UND DOKUMENTARISCHER SINNGEHALT 41
4.3 METHODISCHE INSTRUMENTARIEN ZUR OFFENLEGUNG KOLLEKTIVER ORIENTIERUNGEN 42
4.3.1 FOKUSSIERUNGSMETAPHERN 42
4.3.2 SCHRITTE DER INTERPRETATION 42
4.3.3 DISKURSIVER DREISCHRITT 43
4.3.4 ECKPUNKTE DER ORIENTIERUNGEN 44
5. FORSCHUNGSDESIGN 47
5.1 EINGRENZUNG DES FORSCHUNGSFELDES 47
5.2 METHODISCHES VORGEHEN 52
5.2.1 EINGANGSFRAGE 52
5.2.2 REFLEXION DER EINGANGSFRAGE 53
5.2.3 IMMANENTE NACHFRAGEN 55
5.2.4 EXMANENTE NACHFRAGEN 56
5.2.5 REFLEXION DER EXMANENTEN NACHFRAGE 57
5.2.6 EINSATZ VON BILDERN 57
5.2.7 REFLEXION DES EINSATZES VON BILDERN 58
6. ANALYSE 59
6.1 ZUR DARSTELLUNGSWEISE DER ERGEBNISSE 59
6.2 FELDZUGANG 61
6.2.1 KONTAKTHERSTELLUNG 61
6.2.2 PROBLEME BEI DER KONTAKTHERSTELLUNG 61
6.2.3 ERLÄUTERUNG VON ERKENNTNISINTERESSE UND RAHMENINFORMATIONEN 62
6.3 GRUPPE ‘WOHNUNG’ 65
6.3.1 KONTAKTAUFNAHME UND BESCHREIBUNG DER GRUPPE 65
6.3.2 ERHEBUNGSSITUATION UND BEOBACHTUNGEN IM FELD 66
6.3.3 DISKURSBESCHREIBUNG 67
6.3.4 PASSAGE ‘ENTHAARUNG’ 67
6.3.5 PASSAGE ‘HAUSHALT’ 75
6.3.6 PASSAGE ‘MÄNNLICHKEITSBILDER/JOCHEN RINDT’ 81
6.4 GRUPPE ‘GARTEN’ 84
6.4.1 KONTAKTAUFNAHME UND BESCHREIBUNG DER GRUPPE 84
6.4.2 ERHEBUNGSSITUATION UND BEOBACHTUNGEN IM FELD 85
6.4.3 DISKURSBESCHREIBUNG 87
6.4.4 PASSAGE ‘BAUARBEITER’ 91
6.4.5 PASSAGE ‘EIN RICHTIGER KERL’ 95
6.4.6 PASSAGE ‘AUTOS’ 97
6.4.7 PASSAGE ‘FORTPFLANZUNG’ 98
6.5 GRUPPE ‘TEPPICH’ 102
6.5.1 FELDZUGANG UND GRUPPENBESCHREIBUNG 102
6.5.2 ERHEBUNGSSITUATION UND BEOBACHTUNGEN IM FELD 103
6.5.3 DISKURSBESCHREIBUNG 104
6.5.3 EINGANGSPASSAGE 104
6.5.4 PASSAGE ‘FUßBALL’ 111
6.5.5 PASSAGE ‘WEINEN’ 114
7. ZUSAMMENFASSENDE DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE 119
7.1 ÜBERBLICK: PARALLELEN UND UNTERSCHIEDE 119
7.2 ORIENTIERUNG ZWISCHEN SOZIALEM UMFELD UND MEDIAL VERMITTELTEN VORBILDERN 122
7.3 EINORDNUNG DER FÄLLE IN DIE MÄNNLICHKEITSTYPOLOGIE VON MEUSER 125
7.3.1 DER TRADITIONELLE TYPUS 125
7.3.3 DER PREKÄRE TYPUS 128
7.3.2 DER DAUERREFLEXIVE TYPUS 131
7.3.4 DER EGALITÄRE TYPUS 133
7.3.5 EINORDNUNG DER FÄLLE 135
7.4 AUSBLICK 140
LITERATURVERZEICHNIS 141
ANHANG 143
1. TRANSKRIPTIONSRICHTLINIEN 143
2. TRANSKRIPTE 144
GRUPPE WOHNUNG - ENTHAARUNG 144
GRUPPE WOHNUNG - HAUSHALT 147
GRUPPE WOHNUNG - MÄNNLICHKEITSBILDER/JOCHEN RINDT 150
GRUPPE GARTEN - BAUARBEITER 154
GRUPPE GARTEN - EIN RICHTIGER KERL 159
GRUPPE GARTEN - AUTOS 160
GRUPPE GARTEN - FORTPFLANZUNG 164
GRUPPE TEPPICH - EINGANGSPASSAGE 167
GRUPPE TEPPICH - FUßBALL 171
GRUPPE TEPPICH - WEINEN 173
3. BEGRIFFSINVENTAR ZUR DISKURSORGANISATION 176
4. ABSTRACT 179
5. DANKSAGUNG 181
6. CURRICULUM VITAE 183

Textprobe:

Kapitel 5.2, Methodisches Vorgehen:

Die Frage nach dem konkreten methodischen Vorgehen erforderte mehrere Phasen der Überlegung und Überarbeitung. Einerseits wurde schnell klar, dass Gruppendiskussionen mit anschließender Auswertung mittels dokumentarischer Methode den idealen Zugang zu der Frage nach kollektiver männlicher Identitätskonstitution darstellen. Wie im vorangehenden Kapitel erläutert wurde, eignen sich Gruppendiskussionen besonders, um Einblick in kollektive Einstellungen und Orientierungen zu erlangen, da die von der Diskussionsgruppe aufgeworfenen Diskurse nicht nur für die Gruppe selbst sprechen, sondern für das gesamte Milieu, indem sich die Diskussionsteilnehmer bewegen. Des weiteren eignet sich die Auswertung mittels dokumentarischer Methode, um die in Kapitel 2.4 aufgeworfenen Wie-Fragen nach dem Interagieren der Massenmedien im Identitätsfindungsprozess zu beantworten, da dieser Zugang nicht bloß das Ergebnis, sondern besonders den Herstellungsprozess von Bedeutung in den Blick nimmt.

5.2.1, Eingangsfrage:

Das Gruppendiskussionsverfahren, welches auf die Analyse von kollektiven Orientierungen abzielt, sieht einen relativ offenen Einstieg in das Gespräch vor. Zu strenge Vorgaben zum Ablauf der Diskussion sollen vermieden werden, da diese den methodologischen Grundgedanken rekonstruktiver Forschungsansätze zuwiderlaufen würden. Durch offene, ‘demonstrativ vage’ Formulierungen der Einstiegsfrage wird ermöglicht, dass die GesprächsteilnehmerInnen ihre persönlichen Relevanzsetzungen zur Thematik entfalten können. Ein vorab streng strukturierter Gesprächsablauf würde hingegen den Schwerpunkt auf die Relevanzen der ForscherInnen legen und letztlich auch die Selbstläufigkeit der Diskussion hemmen. Die Eingangsfrage bzw. der Erzählstimulus soll dementsprechend offen gestaltet werden, und ‘eine abgeschlossene, in Form und Inhalt selbst gestaltete Darstellung’ von Seiten der GesprächsteilnehmerInnen ermöglichen und fördern.

Der erste Teil des Erkenntnisinteresses, also die Frage nach den kollektiven Orientierungen bezüglich Männlichkeit, lässt sich methodisch gut in eine solche Einstiegsfrage integrieren: da die Frage nach männlicher Identität bzw. danach, was Männlichkeit bedeutet, von sehr allgemeiner Natur ist und vielfältigen Gesprächsansätzen Raum lässt, bietet sie sich ideal als Ausgangspunkt einer Gruppendiskussion an. Die Einstiegsfrage in die erste Gruppendiskussion lautete dementsprechend folgendermaßen:

Y: Dann stell ich amal die erste Frage, (1) die Hauptfrage, (1) a:::m (1) was (.) bedeutet für euch (.) Männlichkeit.
5.2.2, Reflexion der Eingangsfrage:

Dieser Erzählstimulus zeigte während der Analyse sowohl Stärken, als auch Schwächen. Durch seine Vagheit ermöglichte er es den Diskussionsteilnehmern, ihre eigenen Relevanzen innerhalb des weiten Möglichkeitsfeldes zur Beantwortung der Frage hervorzuheben. Meuser, der im Zuge seiner Habilitation ebenfalls Männer nach ihrem geschlechtlichen Selbstverständnis fragte, reflektierte seine Eingangsfrage folgendermaßen:

Sie ermöglicht es jeder Gruppe und zwingt sie wegen ihrer inhaltlichen Unbestimmtheit dazu, gemäß den eigenen Relevanzen thematische Schwerpunkte zu setzen und den Stil der Diskussion zu bestimmen. Ob eine Gruppe mit dem Thema der Sexualität in die Diskussion einsteigt oder mit dem der Verantwortung des Mannes für die Familie, zeigt bereits, worauf die maskuline Orientierung jeweils fokussiert ist. Ob man meint, zur Beantwortung der Frage die eigene Sozialisationsgeschichte und darin die Beziehung zum Vater aufarbeiten zu müssen, oder ob die Frage in der Weise (miß-)verstanden wird, daß sie darauf abziele, ob man stolz sei, ein Mann zu sein, ist ebenfalls aufschlussreich.

Mit derselben Intention wurde auch die Einstiegsfrage in dieser Arbeit formuliert, und zeigte bei der ersten Gruppendiskussion auch den erwünschten Effekt, die Relevanzsetzung der Erforschten sichtbar zu machen: Unmittelbar nach der Formulierung dieser Frage begann ein längerer Aushandlungsprozess, welche Teilthematik nun überhaupt herangezogen werden kann, um Männlichkeit zu beschreiben: immer wieder wurden verschiedene Ansätze (z.B. körperliche Attribute, Verhalten) eingebracht, um sich dem Thema zu nähern, um dann von anderen Parteien wieder verworfen zu werden. Das gesamte Gespräch zeigte somit bereits auf kommunikativer Ebene auf, dass für die Diskussionsteilnehmer verschiedene Ansätze möglich erscheinen, um Männlichkeit zu beschreiben, eine eindeutige Definition und eine Einigung auf einen Ansatz aber Probleme bereitet. Durch die Offenheit der Fragestellung kam ein Gesprächsverlauf ins Rollen, der diese Schwierigkeiten deutlich zur Geltung brachte und interessante Erkenntnisse zur Problematik der männlichen Identitätsbildung lieferte.

Ein Mangel dieser Fragestellung zeigte sich allerdings im Fehlen von Erzählungen: zwar wurde an manchen Stellen deutlich, dass persönliche Erfahrungen durchaus eine wichtige Rolle spielen, um männliche Identität zu veranschaulichen, aber selbst diese Themen wurden in einen metatheoretischen Rahmen gesetzt bzw. allgemein formuliert. Konkrete Alltagserfahrungen der Teilnehmer und Erzählungen von Anekdoten blieben aus.

Die Eingangsfrage wurde daher für die folgenden Diskussionen so modifiziert, dass sie eine Aufforderung zum Erzählen aus dem konkreten, persönlichen Erfahrungsbereich darstellte:

Y: Gut also mi würd einmal am Anfang interessieren ahm::: (.) wenn ihr so überlegts (.) wann habts ihr oder in welcher Situation habts ihr euch (.) das letzte
Dieser Erzählstimulus hatte den Effekt, dass über das gesamte Gespräch hinweg immer wieder Beispiele aus dem persönlichen Erfahrungsschatz eingebracht wurden. Gleichzeitig blieben aber auch metatheoretische Überlegungen nicht vollkommen aus, was die Modifizierung der Eingangsfrage als gelungen ausweist.

Die Veränderung der Eingangsfrage darf bei der Analyse der Eingangspassagen natürlich nicht außer Acht gelassen werden: die Vergleichbarkeit der Eingangspassage aus dem ersten Gruppengespräch mit jenen der folgenden Gespräche ist lediglich eingeschränkt möglich, bzw. muss eine veränderte Ausgangssituation im Versuch, Vergleiche zu ziehen, berücksichtigt werden.

Arbeit zitieren:
Trettenbrein, Claudia Juli 2009: Männlichkeit, Identität und Medien, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Männlichkeit, Geschlecht, Medien, Identität, Generation

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