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Männliche Macht in heterosexuellen Beziehungen

Über die prekäre Stellung des Mannes in der Praxis intimer Beziehungen der modernen Gesellschaft

Männliche Macht in heterosexuellen Beziehungen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Markus Schmitz
  • Abgabedatum: April 2001
  • Umfang: 100 Seiten
  • Dateigröße: 10,8 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Bergische Universität - Gesamthochschule Wuppertal Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4584-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4584-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4584-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schmitz, Markus April 2001: Männliche Macht in heterosexuellen Beziehungen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Diskurse zum Geschlecht, gender, Lebenswelt, Modernisierungen, Emanzipationsbewegungen

Diplomarbeit von Markus Schmitz

Einleitung:

„Differenz und Integration - Die Zukunft moderner Gesellschaften“ so lautete das Thema des 28. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, der 1996 in Dresden stattfand. Dieses Begriffspaar verweist auf ein Grundproblem der modernen, funktional differenzierten Gesellschaft und damit sozialwissenschaftlicher Analyse, das einerseits durch die evolutionäre Mechanismen der Arbeitsteilung (Anomie durch Desintegration) bestimmt, andererseits aber auch, vor allem auf der Basis des Strukturfunktionalismus, durch Formen der Integration beschrieben wurde. Demgegenüber stehen mit dem vielfach beobachtbaren Wertewandel einhergehende Integrationsverluste, die zur Auflösung von „Klassengemeinschaften“ führen und unter dem Stichwort der „Individualisierung“ diskutierte neue Formen des Fortschritts, durch einen Zugewinn von Freiheit und Autonomie bei gleichzeitig ansteigendem „Risiko“ von Fehlentscheidungen, sichtbar werden lassen. So gewinnt die Privatheit, als vermeintlich „sicherer“ Ort vor den Unbilden der Arbeitswelt, eine immer stärker ausgleichende Funktion, die diese allerdings sowohl in ihrer institutionalisierten Form der Familie als auch in den sich immer weiter ausdifferenzierenden Formen heterosexuellen Zusammenlebens nicht mehr bewältigen kann.

Neben der Überbetonung affektiver Gemeinschaft, der Überlastung durch reproduktive, vor allen Dingen sozialisatorische Aufgaben, sind es insbesondere die Veränderungen im Verhältnis der Geschlechter, die hier ihren Brennpunkt finden, da diese vor allem im Zuge feministisch emanzipatorischer Forderungen die Zuweisung der Frau auf Haushalt und Familie in Frage stellten. So kommt der heterosexuellen Beziehung eine politisch strategische Funktion zu, die den Ausgangspunkt einer Neuformierung der geschlechtlichen Arbeitsteilung in der Gesellschaft markiert und damit die Aufhebung patriarchaler Strukturen anstrebt. Geschlecht als die grundlegendste Kategorie sozialen Handelns entwickelt sich so für Männer wie Frauen zu einer voraussetzungsvollen Angelegenheit, deren Grundlagen immer wieder neu ausgehandelt werden müssen. Sozialpsychologische Modelle der kognitiven Struktur des Individuums zeigen aber, dass das alltägliche Handeln Sicherheit auf der Grundlage von geschlossenen Sinnwelten erlangt, die wiederum als „Schema“ oder „Skript“ sich wiederholende Handlungen verarbeitet. Daraus wird ersichtlich, dass gerade das Geschlechtsverhalten in der Moderne in „direkte“ Abhängigkeit diskursiver Entwicklungen gerät und so in der Breite auf mediale Darstellung dessen „angewiesen“ ist. Aber auch sozialpolitische und Setzungen des juridischen Systems müssen scheitern, wenn diese z.B. pluralistische Entwicklungen familialer Lebenslagen auf der institutionellen Basis der bürgerlichen Kleinfamilie erhalten wollen, denn sowohl emanzipatorische Bildung als auch darauf aufbauende integrative Maßnahmen sozialer Arbeit sind auf eine umfassende Diskursivierung gesellschaftlicher Problemfelder angewiesen.

Unter diesen Voraussetzungen analysiert die folgende Arbeit zunächst im ersten Kapitel modernisierungstheoretische Aspekte als Grundlage gesellschaftlicher Dynamik, da der epochale Wandel, der mit der Industrialisierung und Technisierung einherging, auf der Grundlage des humanistischen Gleichheitsgrundsatzes die Basis emanzipatorischer Bestrebungen bildet. Danach soll die Entstehung der Frauenbewegung angedeutet und in ihrer bewegungsimmanenten Entwicklung nachgezeichnet werden, um im Anschluss deren wissenschaftlich diskursive Perspektive der Geschlechterfrage auszuleuchten. Demgegenüber stellt die männliche Bearbeitung des Geschlechts, die in Kapitel 3 beschrieben werden wird, nicht nur zeitlich eine Folge der feministischen Bewegung, sondern erreicht damit nicht das Ziel Ausmaß und Einfluss einer sozialen Bewegung zu erreichen, die aufgrund abnehmender Werte die „alternative“ sinnweltliche Grundlage männlicher Praxis darstellen könnte. Neuere Ansätze einer Theorie der Männlichkeit versuchen deshalb „Schwachstellen“ und blinde Flecken männlicher Geschlechtsforschung auszufüllen, bleiben jedoch in bestimmten Bereichen männlicher Forschung einseitig oder unbestimmt. Der wichtigste ist der Machtbegriff, der in seiner restrikriv, patriarchalen Form männlicher Forschung nicht zugänglich erscheint. Diesen neu zu beleuchten, soll das Thema des vierten und damit abschließenden Kapitels sein, um damit die Verbindung zwischen den verschiedenen Diskursen und der „Wirklichkeit“ männlicher Praxis ziehen zu können.

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung 1
1. Die moderne Gesellschaft 4
1.1 Kritikpunkte klassischer Modernisierungstheorie 6
1.2 Moderne und Geschlecht 7
1.3 Institution und Geschlechterverhältnis 12
2. Von der Frauenbewegung zur feministischen Forschung 14
2.1 Familiale Beziehungen in der Industriegesellschaft 14
2.2 Die erste Emanzipationsbewegung 16
2.2.1 Die neue Frauenbewegung 18
2.2.2 Patriarchale Abkehr? 22
2.3 Geschlechtsspezifische Wesensmerkmale 22
2.3.1 Innerhalb, gegen oder trotz Patriarchat? 24
2.3.2 Androgynie: Lösung oder partnerschaftlicher Traum 25
2.4 Individualisierung und Partnerschaft 28
2.5 Die Emanzipation des Geschlechts 30
2.5.1 Geschlechterkonstruktion statt biologischer Essentialismus 31
2.5.2 Die feministische Diskussion um „Sex“ und „Gender“ 34
3. Männliche Wissenschaft oder die Wissenschaft von der Männlichkeit 37
3.1 Geschlecht und soziale Bewegung 38
3.2 Männergruppen: „Politik des Austritts“ oder „therapeutischer Selbstausschluss“? 39
3.3 Der Defizitdiskurs: Männlichkeit als „Mangel“ 41
3.3.1 „Mann bist du gut!“ Die „Wiedergeburt“ des Mannes 41
3.3.2 Die Frage nach der eigenständigen Männlichkeit: der Differenzdiskurs 43
3.4 Männlichkeit und Vaterschaft 44
3.5 Männer in Männerstudien 47
3.5.1 Geschlechterpraxis zwischen Macht und Liebe 49
3.6 Zwischenbilanz 54
3.7 Psychoanalyse Ursprung männlicher Geschlechtsforschung 56
3.7.1 Kritische Betrachtung des Geschlechtsrollenkonzepts 58
3.7.2 Die soziale Konstruktion von Geschlecht 60
3.8 Konstruktion und „Krise“ von Männlichkeiten 64
3.8.1 Der männliche Körper und Geschlecht 68
4. Geschlecht und Macht 72
4.1 Bestimmung des sozialwissenschaftlichen Machtbegriffes 72
4.2 Legitime Macht 73
4.3 Das Verhältnis von Doxa und Habitus 75
4.3.1 Symbolische Macht 76
4.4 „Der“ Geschlechtsdiskurs oder „konkurrierende“ Diskurse? 78
4.4.1 Diskurs um Wissen und Macht 79
4.5 Die prekäre Stellung des Mannes in der privaten Praxis 81
4.6 Fazit und Ausblick 84
Literaturverzeichnis

Arbeit zitieren:
Schmitz, Markus April 2001: Männliche Macht in heterosexuellen Beziehungen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Diskurse zum Geschlecht, gender, Lebenswelt, Modernisierungen, Emanzipationsbewegungen

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