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Männer in der Gesundheits- und Krankenpflege

Männer in der Gesundheits- und Krankenpflege
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Torsten Wellmann
  • Abgabedatum: August 2006
  • Umfang: 121 Seiten
  • Dateigröße: 444,7 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Bielefeld - University of Applied Sciences Deutschland
  • Bibliografie: ca. 40
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2196-0
  • ISBN (CD) :978-3-8366-2196-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wellmann, Torsten August 2006: Männer in der Gesundheits- und Krankenpflege, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Krankenpflege, Frauenberuf, Gender, geschlechtsspezifisch, Pflegeberuf

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Diplomarbeit von Torsten Wellmann

Einleitung:

Wer ist er, der Mann in der Gesundheits- und Krankenpflege? Was macht ihn aus? Wie fühlt er sich in einem klassischen Frauenberuf? Mit welchen Vorurteilen hat er zu kämpfen? Welche Rolle nimmt er ein? Wie wird er von seinen weiblichen Kolleginnen gesehen? Wie sieht er seine weiblichen Kolleginnen? Gibt es typisch männliche Tätigkeitsbereiche in der Gesundheits- und Krankenpflege? Was macht der männliche Gesundheits- und Krankenpflegenachwuchs? Sind Männer in der Gesundheits- und Krankenpflege immer auf Karriere und Berufsaufstieg aus? Hat es ein subjektiv attraktiver Mann wesentlich einfacher? Ist es vorteilhaft, ein Hahn im Korb zu sein? Hat die sexuelle Orientierung etwas mit seiner Berufswahl zu tun? Gäbe es ohne den Zivildienst überhaupt noch Männer in der Gesundheits- und Krankenpflege? Sind Gesundheits- und Krankenpfleger halbe Götter in Weiß?

Die vorliegende Diplomarbeit fokussiert die berufliche Situation und Rolle des Gesundheits- und Krankenpflegers in Deutschland. Die Geschlechterforschung in sozialen Berufen, so auch in der Gesundheits- und Krankenpflege, nimmt primär einen feministisch orientierten Blickwinkel ein, so daß der Mann bisher kaum im Mittelpunkt des Forschungsinteresses gestanden hat. Der geringe Anteil der Männer in der Gesundheits- und Krankenpflege deutet darauf hin, daß die gesellschaftliche Erwartungshaltung an die Gesundheits- und Krankenpflege weitestgehend einer weiblichen Orientierung unterliegt. Die weibliche Geschlechterrolle weist mit der beruflichen Gesundheits- und Krankenpflegerolle große Ähnlichkeiten auf. Die Berufsrolle ist eine Kombination von Erwartungen, die an die Arbeitsdurchführungen gestellt werden. Die Geschlechterrolle ist eine Kombination von sozialen Erwartungen an Männer und Frauen. Der Geschlechtscharakter ist vor allem in der Gesundheits- und Krankenpflege sehr spezifisch und scheint hier einen besonders großen Stellenwert zu haben. Die Vergeschlechtlichung des Berufs hat indirekte und direkte Auswirkungen auf die Situation und Rolle des Gesundheits- und Krankenpflegers, so daß er im beruflichen Alltag auffällt und mit sich selber als Mann konfrontiert sieht.

Die starke Verbindung von Weiblichkeit und Gesundheits- und Krankenpflege führt anscheinend dazu, daß Männer in der Gesundheits- und Krankenpflege viel Energie darauf verwenden, sich von der patientennahen Gesundheits- und Krankenpflege am Bett abzugrenzen und sich bestimmte Bereiche und Tätigkeiten zu sichern, die nicht oder als weniger weiblich gelten (Doing Masculinity). Das heißt, die Gesundheits- und Krankenpflege erfährt noch einmal eine geschlechtsspezifische Aufteilung in eher männliche und eher weibliche Tätigkeiten.

Für mich, selber der Berufsgruppe der Gesundheits- und Krankenpfleger angehörend, hat sich schon oft die Frage gestellt, ob sich meine Rolle als Gesundheits- und Krankenpfleger eindeutig definieren läßt, was auch die Motivation zu diesem Diplomthema darstellt. Meine subjektiven Erfahrungswerte fließen in diese Arbeit nicht mit ein, denn man kann als Mann in der Gesundheits- und Krankenpflege nicht die Rolle der Männer in der Gesundheits- und Krankenpflege unvoreingenommen beurteilen.

Diese Arbeit soll einen Teil dazu beitragen, etwas Transparenz in die Berufssituation und Berufsrolle des Gesundheits- und Krankenpflegers zu bringen. Ergänzend zum einleitenden Theorieteil sind insgesamt 67 Aussagen von 58 Gesundheits- und Krankenpflegekräften (42 Männer und 16 Frauen) mit in die Untersuchung eingeflossen. Durch die offene Fragestellung zum Thema Männer in der Gesundheits- und Krankenpflege und die Nutzung des Mediums Internet konnte ich auf ein vielfältiges Meinungsbild zurückgreifen, das eine institutionsunabhängige Schnittmenge quer durch Deutschland darstellt und einen Vergleich zwischen Aussagen von Männern und Frauen in der Gesundheits- und Krankenpflege zuläßt.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1 Theorieteil 2
1.1 Begriffsklärungen 2
1.1.1 Geschlechtliche Berufsklassifizierung 2
1.1.2 Sex und Gender 3
1.1.3 Doing Gender 3
1.1.4 Gender Mainstreaming 3
1.1.5 Diversity 4
1.1.6 Stereotype Systeme 4
1.1.7 Formelle Gruppen 5
1.2 Der Berufswahlprozeß 5
1.3 Männliche Sozialisation 6
1.4 Projekte und Initiativen im Rahmen von Gender Mainstreaming 7
1.5 Männliche Rollen 9
1.6 Das Pflegeverständnis von Männern und Frauen 9
1.7 Historischer Kontext 11
1.8 Berufsspezifischer Kontext von Krankenpflegern 12
1.8.1 Das Berufsimage in der Öffentlichkeit 12
1.8.2 Vorurteile und Klischees 12
1.8.3 Die Situation männlicher Auszubildender 14
1.8.4 Männliches Pflegepersonal und Patienten 14
1.8.5 Bedeutung der zahlenmäßigen Geschlechterverhältnisse 15
1.8.6 Geschlechtsspezifische Unterschiede 16
1.8.7 Abhängigkeit von Geschlecht und Kontext 17
1.8.8 Geschlechtsspezifische Wahl des Fachgebietes 18
1.8.9 Mann, Medizin und Pflege 18
1.9 Präzisierung der Fragestellungen 19
2 Methodenteil 19
2.1 Untersuchungsmethode 20
2.1.1 Mögliche Bearbeitungswege 20
2.1.2 Gewählte Untersuchungsmethode 20
2.1.3 Auswahlkriterien der Internetportale 21
2.1.4 Kurzvorstellung der gewählten Internetforen 21
2.1.5 Methodische Implementierung 22
2.1.6 Datenschutz und Urheberschutz 22
2.1.7 Durchführung und Zeitraum 23

2.2 Untersuchungsinstrument 23
2.2.1 Qualitative Inhaltsanalyse 23
2.2.2 Textformen 24
2.2.3 Grundformen des Interpretierens 24
2.2.4 Grundprinzipien der Zusammenfassung 25
2.2.5 Bildung von induktiven Hauptkategorien 26
2.3 Durchführung der Untersuchung 27
2.3.1 Anonymisierung und Kodierung 28
2.3.2 Fragmentierung 28
2.3.3 Reduktion des Materials 29
2.4 Auswertung der Untersuchung 29
2.4.1 Duplikationen 29
3 Ergebnisteil 30
3.1 Quantitatives Ergebnis der Nebenuntersuchung 30
3.2 Auswertung der Hauptuntersuchung 31
3.2.1 Gebildete induktive Hauptkategorien 32
3.2.2 Detaillierte und geschlechtsspezifische Zuordnungen 34
3.3 Kategorien und Kurzinterpretationen 34
Kategorie 1: Männliche Eigenschaften 34
Kategorie 2: Weibliche Eigenschaften 38
Kategorie 3: Geschlechtsverhältnis 40
Kategorie 4: Männlicher Einfluß auf die Arbeitsatmosphäre 41
Kategorie 5: Karrieremöglichkeiten 44
Kategorie 6: Handlungsfelder 45
Kategorie 7: Wahrnehmung von Pflegern und Schwestern 47
3.4 Welche geschlechtsspezifischen Unterschiede nehmen Krankenschwestern im beruflichen Alltag wahr? 49
3.5 Welche geschlechtsspezifischen Unterschiede nehmen Krankenpfleger im beruflichen Alltag wahr? 49
3.6 Welche berufliche Rolle nimmt ein Krankenpfleger aus Sicht beider Geschlechter ein? 50
3.7 Wie bewerten Krankenpfleger ihren Einfluß auf ein primär weibliches Team? 50
3.8 Wie bewerten Krankenschwestern den Einfluß von Krankenpflegern auf ein primär weibliches Team? 50
4 Diskussionsteil 51
4.1 Diskussion der Ergebnisse 51
4.1.1 Was ist ein optimales Geschlechterverhältnis? 51
4.1.2 Welche Bedeutung haben sexuelle Komponenten? 52
4.1.3 Offensive oder defensive Solidarität von Krankenschwestern? 53
4.1.4 Typisches Doing Gender? 53
4.1.5 Sind geschlechtsspezifische Unterschiede gut? 54
4.1.6 Gegeneinander oder Miteinander? 54
4.2 Diskussion der Methode 54
4.2.1 Richtungslenkende Fragestellung? 54
4.2.2 Emotionsauslösende Ausdrücke 55
4.2.3 Integration der Aussagen aus der Nebendiskussion 55
4.2.4 Richtungslenkung durch Diskussionsteilnehmer 56
4.2.5 Auswertung der Ergebnisse 56
4.2.6 Möglichkeiten weiterer Analysen des vorhandenen Textmaterials 57
5 Resümee 57
6 Ausblick 59
Literaturnachweis 61
Anhang

Textprobe:

Kapitel 1.2, Der Berufswahlprozeß:

Hinsichtlich des Berufswahlprozesses lassen sich grundsätzliche Fragestellungen unterscheiden. Dies ist zunächst die Frage nach der Berufswahl als Entscheidungsprozeß: Wie entscheidet sich der Einzelne für eine der beruflichen Alternativen, die ihm offen stehen?

Des Weiteren kann die Berufswahl unter den Aspekten eines Allokationsprozesses hinterfragt werden: Durch welche sozialen Regelungen werden Heranwachsende auf die verschiedenen zur Verfügung stehenden beruflichen Positionen verteilt?

Zuletzt stellt sich die Frage nach der Berufswahl als Entwicklungsprozeß: In welchem Zusammenhang steht Berufswahl mit der individuellen Entwicklung des Einzelnen?

Die immer noch vorherrschende Geschlechtsspezifität der Krankenpflege als Frauenberuf hat auf Jungen und Männer deutliche Auswirkungen in allen drei Bereichen dieser Fragestellungen des Berufswahlprozesses. Im Rahmen der Literaturrecherche zu diesem Themenabschnitt haben sich mir aus quantitativer Sicht eher die Antworten zur Frage nach der Nicht- Berufswahl dargestellt. Diese negativ besetzten Aspekte werden im berufsspezifischen Kontext dieser Arbeit (1.8.) thematisiert, so daß der Schwerpunkt an dieser Stelle bei den Männern gesetzt ist, die sich bereits für den Beruf des Krankenpflegers entschieden haben.

In Deutschland spielt hierbei der Zivildienst eine wesentliche Rolle. Des Weiteren ist der Krankenpflegeberuf für Männer ein klassischer Zweitberuf, der nach einer bereits abgeschlossenen Berufsausbildung in einem primär technisch- handwerklichen Beruf, also nicht sozialen Beruf, gefunden wird. Der männliche Zugang zur Krankenpflege wird daher generell spät und über Umwege gefunden. Auch Bezugspersonen des nahen Umfelds, die im Bereich der Krankenpflege tätig sind, spielen eine entscheidende Rolle bei der Frage nach der Berufswahl zum Krankenpfleger.

Im Vordergrund der Berufswahl zum Krankenpfleger stehen hauptsächlich soziale Motive wie der Kontakt zu und mit Menschen, der Austausch, das Zusammensein, Zuneigung, Kollegialität, Auseinandersetzungen mit anderen, für Menschen da sein und ihnen helfen, die Vorstellung gleichgesinnte Kollegen und Kolleginnen zu treffen sowie die Aussicht auf Teamarbeit.

Kapitel 1.3, Männliche Sozialisation:

Eine soziale Unterforderung junger Männer ist in verschiedenen Phasen und Bereichen männlicher Sozialisation feststellbar. Frühkindliche Sozialisation findet bei Jungen in einer überwiegend weiblich dominierten Alltagswelt statt. Bis zum Ende der Grundschule ist der Alltag von Jungen primär durch die Mutter, durch Erzieherinnen und durch Grundschullehrerinnen bestimmt. In all diesen Bereichen fehlen Männer oder sind zumindest unterrepräsentiert. Die Geschlechtsidentität von Jungen bestimmt sich durch Abgrenzung und Negation der ersten Person ihres Lebens, der Mutter. Der Junge darf die ihm am nächsten stehende Person nicht werden, da sie eine Frau ist. Die erste Botschaft des Lebens an einen Jungen wird von Badinter (1993) wie folgt beschrieben: Die erste Pflicht eines Mannes ist keine Frau zu sein .

Im schulischen Geschehen setzt sich der konkurrierende Stil der Jungen durch. Von ihnen werden kaum soziale Kompetenzen verlangt und gefordert. Jungen lernen, daß solche Kompetenzen Sachen der Mädchen sind und sie nicht betreffen. Sie sehen sich nicht veranlaßt und aufgefordert, ihre männlichen Status- und Selbstdarstellungsbedürfnisse den Gruppenbelangen unterzuordnen und unter Kontrolle zu halten. Von ihnen wird auch nicht erwartet, sich auf die jeweilige Gruppensituation einzulassen, Rücksicht auf andere zu nehmen und rechtzeitig einzulenken. Das bedeutet, daß Jungen in der Schule im Bereich des sozialen Lernens nicht gefordert und auch zu wenig gefördert werden.

Die Geschlechtsidentität von Jungen wird also von Beginn an durch Abgrenzung und Negation bestimmt.

Junge Männer treffen schließlich auf ein geschlechtshierarchisch segmentiertes Ausbildungs- und Berufssystem, innerhalb dessen nach wie vor die Männerberufe die Ernährerrolle implizieren. Berufe im Bereich Pflege, Erziehung und Sorgearbeit spielen dabei insgesamt keine Rolle. Eine aktuelle Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung stellt fest, daß Berufsbezeichnungen an sich bereits die geschlechtsspezifische Berufswahl von Jungen und Mädchen beeinflussen. Jungen nehmen eine ablehnende Haltung ein, wenn Tätigkeiten im sozialen Sektor auf nachrangige Positionen schließen lassen. Wenn sie dennoch auf Berufe im Sozialwesen treffen, hier speziell durch den Zivildienst, erfahren sie oft erstmals ihre eigenen sozialen Fähigkeiten und bislang verborgen gebliebenen sozialen Kompetenzen. Am Beispiel der Aussagen und Erfahrungen eines Zivildienstleistenden wird diese Situation exemplarisch verdeutlicht:

Ich mein`, das sind ja auch Dinge (gemeint sind soziale Kompetenzen), die man zumindest in der Schule so nicht braucht. In der Schule kommt es auf andere Sachen an. Da muß man halt stark sein oder bei den Frauen gut ankommen. Im Krankenhaus kommt es auf andere Dinge an, die hat man vielleicht vorher auch schon, aber die wollte man vielleicht noch gar nicht so zeigen und jetzt, wenn man im Krankenhaus ist, da ist man ja in einer ganz anderen Atmosphäre, da kann man die Sachen wieder raus lassen und sich eher so zeigen, wie man wirklich ist und nicht den harten Mann da bloß spielen, was man oft macht.

Die von dem Zivildienstleistenden formulierten Lernprozesse können als Hinweise auf vorenthaltene Lernchancen in den vorangegangenen Sozialisationsinstanzen interpretiert werden. Erfahrungen des persönlichen Gebrauchtwerdens, von sozialer Verantwortung, die Erweiterung der durch Geschlechterstigmatisierung reduzierten Handlungsmöglichkeiten, Einsichten in Handlungsabläufe, Strukturen sozialer Arbeit, Einblicke in andere Lebenswelten – die Chancen, solche Erfahrungen vor dem Zivildienst zu machen, sind offensichtlich gering. Die Konsequenzen, die sich aus dieser Negation und sozialen Prägung heraus ergeben, sind die entscheidenden Ansatzpunkte, die Projekte und Initiativen im Rahmen von Gender Mainstreaming aufgreifen müssen.

Kapitel 1.4, Projekte und Initiativen im Rahmen von Gender Mainstreaming:

Dieser Abschnitt stellt exemplarisch Projekte und Initiativen in Deutschland vor, die sich im Rahmen von Gender Mainstreaming mit den Zugangsbedingungen von Jungen und Männern in geschlechtsuntypischen Berufen befassen. Bislang erschien die Transparenz und Kooperation der Bundesländer untereinander noch nicht wirklich abgestimmt zu sein, derzeit haben sich jedoch Netzwerke gefunden, die einen großen Beitrag zur Thematik leisten und die Koordination der Bundesländer untereinander organisieren.

Das mittlerweile fest etablierte Projekt Girls Day , das seit einigen Jahren bundesweit von Arbeitsämtern, Schulen und anderen Institutionen organisiert wird, nimmt hier eine Vorreiterposition ein und hat in seinen organisatorischen Grundstrukturen viele Parallelen, die zur institutionellen Etablierung eines Boys Day übertragen werden können. Der Boys Day gewinnt im Rahmen des Gender Mainstreaming immer mehr an Bedeutung, da vor allem der männliche Nachwuchs in sozialen und erzieherischen Berufen fehlt und männliche Vorbilder gefunden werden müssen.

Das bundesweite Vernetzungsprojekt Neue Wege für Jungs unterstützt beispielsweise Projekte und Initiativen, die einen Boys Day in allen geschlechtsuntypischen Berufsfeldern realisieren. Das Bildungsnetz Berlin für geschlechtergerechte Bildung und Beschäftigung unterstützt Projekte, die männliche Berufswahlentscheidungen speziell im Bereich der Pflege- und Erziehungstätigkeiten fördern. Das generationsübergreifende Projekt Sozial engagierte Jungs organisiert schulische Praktika in sozialen Bereichen der Kranken-, Alten-, Kinder- und Behindertenarbeit und macht sich für eine projektbegleitende Unterstützung berufserfahrener Männer in den jeweiligen Bereichen stark.

Die Erfahrungswerte und evaluierten Ergebnisse der hier exemplarisch dargestellten Projekte so wie die der hier nicht genannten Projekte und Initiativen aus vielen anderen Städten und Koordinationsgemeinschaften zeigen ein nahezu einheitliches Bild auf, das sich für den Bereich der sozialen und pflegerischen Berufe im Wesentlichen wie folgt darstellen:

Schulpraktika in sozialen und pflegerischen Berufen sollten für Jungen gezielt angestrebt und gefördert werden.

Jungen brauchen Vorbilder und Identifikationspersonen, d.h. berufstätige Krankenpfleger und Zivildienstleistende sollten an Schulen gehen.

Eltern sollten ihre eigenen Berufsvorstellungen und deren Vergeschlechtlichung reflektieren, damit sie in Gesprächen mit ihren Kindern z.B. deren soziale Kompetenzen erkennen und entsprechende Berufsfelder erörtern können.

Soziale Wahlpflichtfächer im Bereich der Pflege und der Gesundheitserziehung sollten angeboten werden.

Schulen sollten mit Informationsmaterialien, Broschüren, Flyern etc. versorgt sein.

Mitarbeiter in Einrichtungen der Berufsberatung sollten durch geschlechtsreflektierte Konzepte geschult werden.

Praktika sollten auf den Zivildienst angerechnet werden. Mehr Männer, die schon überlegen, ob sie Zivildienst mache sollen, würden in der Folge als konkrete Tätigkeit Pflegetätigkeiten wählen. Die Schlüsselerfahrung der eigenen sozialen Kompetenz wird so häufiger gemacht.

Die Krankenpflegeausbildung muß speziell Männer ab 25 Jahre in den Blick nehmen und ansprechen.

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Arbeit zitieren:
Wellmann, Torsten August 2006: Männer in der Gesundheits- und Krankenpflege, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Krankenpflege, Frauenberuf, Gender, geschlechtsspezifisch, Pflegeberuf

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