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Männer im Gendermainstream

Möglichkeiten einer Gleichstellungsstrategie auch für Männer?

Männer im Gendermainstream
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Martin Wistuba
  • Abgabedatum: März 2007
  • Umfang: 109 Seiten
  • Dateigröße: 501,4 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 115
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0390-4
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0390-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wistuba, Martin März 2007: Männer im Gendermainstream, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Mann, Gender Mainstreaming, Gender, Gleichberechtigung, Geschlechterrollen

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Diplomarbeit von Martin Wistuba

Einleitung:

Spätestens seit dem Jahr 1999, als der Amsterdamer Vertrag das Konzept europaweit verankerte und die Bundesregierung es zu ihrem durchgängigen Leitprinzip erklärte, ist Gender Mainstreaming (GM) in aller Munde. Durch dessen weitreichende Einführung gelang es, das öffentliche Interesse an Geschlechterfragen neu zu entfachen und damit den ins Stocken geratenen geschlechterpolitischen Diskurs wiederzubeleben. Mit GM wird die Hoffnung verbunden, nun endlich die Gleichstellung von Männern und Frauen zu erreichen, welche trotz ihrer vielfältigen rechtlichen Festschreibung, trotz des jahrelangen Einsatzes der Frauenbewegung und trotz der in stetig gewachsener Anzahl vorzufindenden Gleichstellungsbeauftragten und expliziten Frauenförderplänen in Organisationen in der Gegenwart bei Weitem noch nicht realisiert ist. Obwohl diesbezüglich unbestritten beachtliche Fortschritte erzielt wurden, ziehen sich die Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts noch immer durch die gesamte Gesellschaft.

Im Zuge der Ausgestaltung von GM setzte sich aus diesem Grund immer stärker die Einsicht durch, dass auch die Männer an der Gestaltung der Geschlechterverhältnisse mitwirken müssen, um tatsächlich ein dominanzfreies Nebeneinander zu erreichen. Dabei sollen diese nun aber nicht mehr nur als Verursacher von Ungleichheit wahrgenommen werden, sondern auch als potentielle Adressaten von Gleichstellungsmaßnahmen. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied gegenüber der traditionellen Frauenförderpolitik, welche ausschließlich die Frauen als benachteiligte Gruppe im Blickfeld hat. GM richtet seinen Fokus hingegen ebenso auf die Männer. Geschlechtsspezifische Wirkungen, Benachteiligungen und Defizite sollen im Rahmen von GM für beide Geschlechter gleichermaßen erkannt und abgebaut werden. Ausgangspunkt ist dabei die Prämisse, dass dadurch eine „win-win“-Situation erwächst und damit sowohl Frauen als auch Männer profitieren können. Diese Annahme besitzt eine entscheidende Bedeutung, denn mit einem gleichstellungspolitischen Engagement der Männer, mit dem die vielfältigen Erwartungen an GM verbunden sind, kann kaum gerechnet werden, wenn diese darin ausschließlich eine Gefährdung ihrer Privilegien sehen.

Aufgrund dessen bildet genau diese Hypothese den Schwerpunkt der Auseinandersetzung der vorliegenden Arbeit mit GM. Ziel ist es aufzuzeigen, ob und, wenn ja, wie Männer tatsächlich davon profitieren können. Dabei steht deren Verhältnis zur Erwerbsarbeit im Fokus, da dieses sehr eng mit ihrer Geschlechterrolle verbunden ist und damit wesentliche Auswirkungen auf deren Leben besitzt. Des Weiteren wird das Hauptaugenmerk auf diesen Sektor gelegt, weil, auch wenn GM im Ergebnis eine gesamtgesellschaftliche Neugestaltung der Geschlechterverhältnisse anstrebt, es in erster Linie doch eine Strategie der Organisationsentwicklung darstellt. Außerdem begrenzt sich diese Untersuchung auf die Bundesrepublik Deutschland, da die Ausgangsbedingungen trotz vielfältiger Überschneidungen sogar zwischen westeuropäischen Ländern zum Teil sehr stark variieren.

Um die Frage zu beantworten, inwieweit auch Männern Vorteile durch eine Gleichstellungsstrategie, im Speziellen durch GM entstehen können, soll zunächst gezeigt werden, auf welchem Wege sie überhaupt zu Adressaten der Gleichstellungspolitik wurden. Dabei zeigt die Entstehung des Konzepts im entwicklungspolitischen Zusammenhang die maßgeblichen Gründe für die Einbeziehung der Männer in die Gleichstellungspolitik auf. Ebenso wird durch deren Betrachtung bereits die Distanz zwischen GM und biologischen Erklärungsmustern deutlich, welches eine entscheidende Relevanz zur Beantwortung der dieser Arbeit zugrunde liegenden Fragestellung besitzt. Des Weiteren gilt es an dieser Stelle aufzuzeigen, wie das Konzept rechtliche Verbindlichkeit und erst damit für eine Vielzahl von Männern eine reale Bedeutung erlangte. Um dessen mögliche Auswirkungen zu erkennen, wird im Folgenden der konkrete Inhalt unter besonderer Berücksichtigung der Bedeutung seiner Anwendung innerhalb der Organisationen dargestellt und außerdem der Frage nachgegangen, für welche Organisationen GM überhaupt Relevanz besitzt. Die Darstellung der Grundlagen des Konzepts schließt mit der Beschreibung der konkreten Rolle, welche Männer darin sowohl als Akteure als auch als Adressaten spielen.

Will man untersuchen, welche Möglichkeiten GM für Männer bereithält, ist auch die Zielsetzung, auf der dessen Anwendung basiert, von elementarer Bedeutung. Liegt diese wirklich nur in der Berücksichtigung der geschlechtsbezogenen Sichtweisen oder impliziert das Konzept doch ein konkretes Ziel? Diese Frage wird unter Bezug auf den Genderbegriff diskutiert und versucht zu beantworten.

Positive Veränderungen, welche GM Männern bieten kann, zu erkennen, ist ohne eine Betrachtung der Ausgangsbedingungen nicht möglich. Ohne eine Reflexion ihrer gegenwärtigen Situation wird es GM auch kaum gelingen, diese zu modifizieren. Trotz der Fokussierung der Arbeit auf die Vorteile der Männer ist dazu zunächst eine Darstellung ihrer Vormachtstellung in der Gesellschaft notwendig, zugleich aber auch deren Relativierung, indem gezeigt wird, dass diese Männer in ganz unterschiedlicher Form betrifft. Das Konzept der hegemonialen Männlichkeit Connells bietet an dieser Stelle die theoretische Grundlage. Dabei wird die besondere Bedeutung der Erwerbsarbeit für Männer und deren Vormachtstellung sichtbar. Aus diesem Grund soll daraufhin auf die diesbezüglichen Vorstellungen der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, deren gegenwärtigen Bestand und auch auf die daraus resultierenden Benachteiligungen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt eingegangen werden.

Die Arbeitsteilung bringt jedoch auch für Männer nicht nur Vorteile mit sich, vielmehr haben diese für ihre Dominanz auf dem Arbeitsmarkt einen hohen Preis zu zahlen. Die Betrachtung ihrer sich aus der Arbeitsteilung ergebenen Nachteile, des Opferns außerhalb der Erwerbsarbeit liegender Bedürfnisse, der daraus erwachsenden gesundheitlichen Probleme, aber auch der Schwierigkeiten zu denen ein Arbeitsplatzverlust führen kann, bietet deutliche Anhaltspunkte, dass die Neugestaltung der Geschlechterverhältnisse auch für Männer enorme Chancen bereithält.

Doch an welchen Stellen muss GM ansetzen, um eine Abkehr von den traditionellen Rollenzuweisungen mit den damit verbundenen Nachteilen für beide Geschlechter zu erreichen? Um diese Frage zu klären, wird untersucht, an welchen Stellen die Geschlechterrollen festgeschrieben sind. Dabei wird zunächst sichtbar, wie stark diese in der Politik des deutschen Wohlfahrtsstaates verankert sind. Ebenso zeigen Studien über die männliche Rolle jedoch, dass trotz des einerseits vorhandenen Wunsches nach einer Beendigung der strikten Arbeitsteilung, die aus den traditionellen Rollenvorgaben entstandenen Klischees noch immer tief in den Köpfen der Männer und Frauen fixiert sind. Da GM in Organisationen Anwendung findet, gilt es außerdem darzustellen, wie stark auch die Führungsetagen dieser durch die Vorstellungen der Arbeitsteilung geprägt sind.

Das Aufbrechen der starren Rollenbilder ist die Grundlage, soll diese Gleichstellungsstrategie auch für Männer Vorteile beinhalten. Welche Potentiale GM innewohnen, um dieses Ziel zu erreichen, ist der Schwerpunkt des letzten Abschnitts. Er beschreibt, wie dessen Anwendung zu einer Erhöhung der diesbezüglichen Wahrnehmung führen kann, welches im Ergebnis mit sich bringt, dass nicht mehr die Männer allgemein den Gegenstand der Kritik der Gleichstellungspolitik darstellen, sondern die traditionellen Zuweisungen und die sich daraus ergebene Dominanz der hegemonialen Männlichkeit. Daraufhin werden die konkreten Vorteile, welche diese Wahrnehmungserweiterung durch GM für Männer im Bereich der Erwerbsarbeit beinhalten kann, aufgezeigt.

Abschließend werden die wesentlichen Erkenntnisse im Fazit zusammengefasst, um die dieser Arbeit zugrunde liegende Fragestellung zu beantworten.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Männer gelangen in den Gendermainstream 6
2.1 Die geschichtliche Entwicklung des Gender Mainstreaming 6
2.1.1 Die Integration der Frauenbelange in die Entwicklungspolitik 6
2.1.2 Die Etablierung des Gender-Ansatzes 8
2.1.3 Die Ausbreitung des entwicklungspolitischen Ansatzes 9
2.1.4 Die rechtliche Verankerung der Gleichstellungsstrategie 11
2.2 Das Konzept des Gender Mainstreaming 14
2.2.1 Ein Konzept der Organisationsentwicklung 14
2.2.2 Ein Konzept für alle Organisationen 17
2.2.3 Männer als Akteure und Adressaten 20
3. Die Zielsetzung von Gender Mainstreaming 23
3.1 Gender Mainstreaming als Strategie ohne Zielvorgabe? 23
3.2 Die Herrschaftskritik im Genderbegriff 26
3.3 Die Heterogenität innerhalb der Geschlechtergruppen 27
3.4 Soziale Gleichheit als Ziel des Konzepts 30
4. Die traditionellen Rollenbilder 32
4.1 Das Konzept der hegemonialen Männlichkeit 32
4.1.1 Männlichkeit als soziale Praxis 32
4.1.2 Die kulturelle Hegemonie 34
4.2 Das männliche Ernährermodell 36
4.2.1 Die idealtypischen Vorstellungen des Modells 36
4.2.2 Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in der Gegenwart 38
4.2.3 Die strukturelle Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt 41
4.2.4 Frauenförderung als notwendige Konsequenz des Ernährermodells 45
5. Der hohe Preis der Ernährerrolle 48
5.1 Der Rollenzwang und das Opfern von Bedürfnissen 48
5.2 Die gesundheitlichen Folgen der männlichen Rolle 51
5.3 Die sinkende Erwerbsbeteiligung und die tiefe Krise bei Arbeitsplatzverlust 53
6. Die Verankerung der Geschlechterrollen 56
6.1 Die Orientierung des deutschen Wohlfahrtsstaates am Ernährermodell 56
6.2 Die tiefsitzenden Rollenklischees in den Köpfen 63
6.3 Die männerbündische Arbeitskultur 68
7. Das Aufbrechen der Rollenbilder als Vorteil für Männer 73
7.1 Gender Mainstreaming als Zwang zur Auseinandersetzung mit den Geschlechterverhältnissen 73
7.2 Männerkritik wird zur Kritik an der hegemonialen Männlichkeit 76
7.3 Die konkreten Möglichkeiten für Männer im Bereich der Erwerbsarbeit 80
8. Fazit 84
Literaturverzeichnis 87

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Männer gelangen in den Gendermainstream 6
2.1 Die geschichtliche Entwicklung des Gender Mainstreaming 6
2.1.1 Die Integration der Frauenbelange in die Entwicklungspolitik 6
2.1.2 Die Etablierung des Gender-Ansatzes 8
2.1.3 Die Ausbreitung des entwicklungspolitischen Ansatzes 9
2.1.4 Die rechtliche Verankerung der Gleichstellungsstrategie 11
2.2 Das Konzept des Gender Mainstreaming 14
2.2.1 Ein Konzept der Organisationsentwicklung 14
2.2.2 Ein Konzept für alle Organisationen 17
2.2.3 Männer als Akteure und Adressaten 20
3. Die Zielsetzung von Gender Mainstreaming 23
3.1 Gender Mainstreaming als Strategie ohne Zielvorgabe? 23
3.2 Die Herrschaftskritik im Genderbegriff 26
3.3 Die Heterogenität innerhalb der Geschlechtergruppen 27
3.4 Soziale Gleichheit als Ziel des Konzepts 30
4. Die traditionellen Rollenbilder 32
4.1 Das Konzept der hegemonialen Männlichkeit 32
4.1.1 Männlichkeit als soziale Praxis 32
4.1.2 Die kulturelle Hegemonie 34
4.2 Das männliche Ernährermodell 36
4.2.1 Die idealtypischen Vorstellungen des Modells 36
4.2.2 Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in der Gegenwart 38
4.2.3 Die strukturelle Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt 41
4.2.4 Frauenförderung als notwendige Konsequenz des Ernährermodells 45
5. Der hohe Preis der Ernährerrolle 48
5.1 Der Rollenzwang und das Opfern von Bedürfnissen 48
5.2 Die gesundheitlichen Folgen der männlichen Rolle 51
5.3 Die sinkende Erwerbsbeteiligung und die tiefe Krise bei Arbeitsplatzverlust 53
6. Die Verankerung der Geschlechterrollen 56
6.1 Die Orientierung des deutschen Wohlfahrtsstaates am Ernährermodell 56
6.2 Die tiefsitzenden Rollenklischees in den Köpfen 63
6.3 Die männerbündische Arbeitskultur 68
7. Das Aufbrechen der Rollenbilder als Vorteil für Männer 73
7.1 Gender Mainstreaming als Zwang zur Auseinandersetzung mit den Geschlechterverhältnissen 73
7.2 Männerkritik wird zur Kritik an der hegemonialen Männlichkeit 76
7.3 Die konkreten Möglichkeiten für Männer im Bereich der Erwerbsarbeit 80
8. Fazit 84
Literaturverzeichnis 87

Textprobe:

Kapitel 4.1.1, Männlichkeit als soziale Praxis:

Die Betrachtung des Genderkonzepts führte zu der Erkenntnis, dass die Beseitigung der Unterdrückung der Frauen durch die Männer wesentlicher Bestandteil eines GM-Prozesses sein muss, ebenso jedoch auch, dass Männer (und auch Frauen) keine homogene Gruppe darstellen. An dieser Stelle ergibt sich die Frage, worauf das Herrschaftsverhältnis bei der Verschiedenheit der Individuen beruht und wie es sich aufrecht erhält? Um dieses zu klären, soll im Folgenden das Konzept der hegemonialen Männlichkeit von Connell als theoretische Basis dieser Arbeit vorgestellt werden.

Die Strukturen und sozialen Arrangements innerhalb derer die Unterdrückung von Frauen durch Männer angelegt ist, werden als Patriarchat bezeichnet. Wörtlich meint der Begriff die Herrschaft der Väter, bezieht sich inzwischen aber auf die männliche Herrschaft in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. „Das traditionelle Patriarchat der Väter wurde schon vor langer Zeit in ein brüderliches, modernes Patriarchat oder in eine bürgerliche Gesellschaft verwandelt“. Connells Konzept gibt Aufschluss über die Struktur und Aufrechterhaltung des Patriarchats.

Einer der zentralen Sachverhalte patriarchaler Machtverhältnisse liegt danach in der konsequenten Trennung der Kategorien „Männer“ und „Frauen“. Trotz der Ergebnisse psychologischer Untersuchungen, welche feststellten, dass sich mentale Fähigkeiten, Gefühle, Einstellungen, Eigenschaften und Interessen im Vergleich zwischen den Geschlechtern nicht oder nur in geringem Ausmaße unterscheiden, werden solche Geschlechterunterschiede weiterhin als Rechtfertigung für die verschiedenen sozialen Positionen aufgeführt. Kulturell sind wir darauf getrimmt, diese überzubewerten, was zusätzlich durch die medialen Darstellungen gefördert wird. Auch der Ausgangspunkt von Connells Konzept ist aus diesem Grund die bereits dargestellte Unterscheidung von „Sex“ und „Gender“. Im Unterschied zu rein konstruktivistischen Ansätzen geht er zwar davon aus, dass sich die Geschlechterrolle ständig auf den Körper bezieht, niemals jedoch darauf reduziert. Er spricht an dieser Stelle vom sozialen Geschlecht und sieht darin die Grundlage der Geschlechtertrennung, welche sich in unterschiedlicher Form in allen Gesellschaften finden lässt.

Männlichkeiten, welche besonders in seinem Blickfeld stehen, entwickeln sich danach im Rahmen vorhandener Strukturen und werden durch die soziale Praxis hergestellt. Zur Darstellung der sozialen Praxis, welche das soziale Geschlecht konstruiert, entwickelte er ein dreistufiges Modell, um die Mehrdimensionalität der Struktur des sozialen Geschlechts zu verdeutlichen. Ein entscheidendes Merkmal von westlichen Gesellschaften sind die Machtbeziehungen zwischen den Geschlechtern, welche durch die Unterdrückung der Frau und die Dominanz des Mannes geprägt sind. Hierfür steht der Begriff des Patriarchats im engeren Sinne. Jedoch werden Männlichkeiten nicht alleine über die Machtverhältnisse konstruiert, sondern im Zusammenspiel mit weiteren Dimensionen der sozialen Praxis, von denen Connell besonders zwei herausstellte.

So sind auch die Produktionsbeziehungen innerhalb einer Gesellschaft von großer Bedeutung. Connell beschreibt Arbeitsteilung innerhalb der Dimension der Produktionsbeziehungen als wesentliche Grundlage der Geschlechterhierarchie. Sie beinhaltet in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem mehr als eine bloße Aufgabenteilung, sie bringt vielmehr weitreichende wirtschaftliche Konsequenzen mit sich. Durch die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung ist zwangsläufig auch der Akkumulationsprozess geschlechtsbezogen und damit das Kapital zwischen Männern und Frauen ungleich verteilt.

Daran wird die Bedeutung der Erwerbsarbeit für die Gleichstellung der Geschlechter sichtbar, denn es herrscht eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung vor. Dies ist für die vorliegende Arbeit besonders relevant, da sie auf den Bereich der Erwerbsarbeit fokussiert und GM bei seiner Anwendung dazu führen muss, eine solche Teilung zu hinterfragen. Emotionale Bindungsstrukturen als dritte Dimension der sozialen Praxis beschreiben den Zusammenhang von Heterosexualität und Dominanz. Diese Form des sexuellen Begehrens wird zum Zwang. Sie ist jedoch ebenso konstruiert wie die Macht- und Arbeitsstrukturen. Der männlichen Dominanz innerhalb der Gesellschaft geht somit eine klare Trennung und Rollenverteilung der Geschlechter voraus, welche durch die soziale Praxis manifestiert wird. Doch aus welchem Grund bleiben die männliche Vormachtstellung und die Strukturen, welche sie fördern, bestehen und wie lässt sich dies mit der Verschiedenheit der Männer untereinander vereinbaren? Auch diese Frage beantwortet Connells Konzept.

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Arbeit zitieren:
Wistuba, Martin März 2007: Männer im Gendermainstream, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Mann, Gender Mainstreaming, Gender, Gleichberechtigung, Geschlechterrollen

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