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Können Männer und Frauen Freunde sein?

Eine Studie über gegengeschlechtliche Freundschaft

Können Männer und Frauen Freunde sein?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jenny Ziegenbalg
  • Abgabedatum: November 2002
  • Umfang: 213 Seiten
  • Dateigröße: 1,5 MB
  • Note: 1,8
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Dresden Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7511-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7511-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7511-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Ziegenbalg, Jenny November 2002: Können Männer und Frauen Freunde sein?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sozialforschung, Transkriptionsregeln, episodisches Interview, cross-sex friendship, gegengeschlechtlich

Diplomarbeit von Jenny Ziegenbalg

Einleitung:

Es gibt wahrscheinlich wenige Begriffe in der Soziologie, welche die Gesellschaft so genau zu kennen scheint, wie den Begriff der Freundschaft. Vermutlich ist es wie in der Medizin, wo der Patient glaubt, genauso gut über Kopfschmerzen Bescheid zu wissen wie der Arzt. Daß das natürlich nicht den Tatsachen entspricht, kann sich jeder denken. Obwohl die Freundschaft durchaus eine soziologische Kategorie ist - wie schon NÖTZOLDT-LINDEN (1994) in ihrem Buch zum Ausdruck brachte - findet sie sich in der Soziologie relativ selten wieder. Verdient macht sich bei der Erforschung der Freundschaft vor allem die Sozialpsychologie (vgl. LEMKE, 2000: 22). Dabei wäre es auch in der Soziologie wichtig, der Freundschaft mit mehr Interesse entgegenzukommen, da sie in einer zunehmenden Individualisierung und dem damit verbundenen Bedeutungsverlust traditioneller Bindungen eine Alternative - vorrangig in jungen Erwachsenenjahren - darstellt. Noch seltener, als dies ohnehin schon der Fall ist, wurde im deutschsprachigem Raum die gegengeschlechtliche Freundschaft untersucht. Eine gegengeschlechtliche Freundschaftsforschung ist daher in Deutschland nicht etabliert1. Lediglich zwei Arbeiten (LODDENKÖTTER, 2001; KUHNERT, 2001) einer Fernuniversität und ein populärwissenschaftliches Buch (MÖNKEMEYER/NORDHOFF, 1993) sind in diesem Zusammenhang zu finden. Ein Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, Ergebnisse aber auch Fragen aufzuwerfen, die weitere Untersuchungen ideengebend unterstützen sollen.

Zwei Erlebnisse brachten mich dazu, die gegengeschlechtliche Freundschaft - also die Freundschaft zwischen Mann und Frau - einer näheren Untersuchung zu unterziehen: Erstens - ich sah den Film „Harry und Sally“ (1989). Jeder der den Film kennt, weiß daß der Hauptdarsteller (Harry) die Behauptung aufstellt: „Männer und Frauen können nie Freunde sein. Der Sex kommt ihnen immer wieder dazwischen“2. Diese Annahme führte mit Sicherheit, nicht nur in meinem Bekanntenkreis, zu vielen Diskussionen. Der zweite Grund bestand in AUHAGENs (1993: 220) Äußerung, daß es weitestgehend unbekannt sei, wie Freunde und Freundinnen miteinander umgehen. Ein Thema, dem so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, obwohl es durchaus auch für die Soziologie interessant sein dürfte, verdient meiner Meinung nach eine wissenschaftliche Untersuchung.

In dieser Arbeit soll es nun darum gehen, ob Männer und Frauen Freunde sein können und wenn ja, was diese Freundschaften kennzeichnet. Hierbei sollen intersituationale (z.B. Verlauf der Freundschaft, Emotionsentwicklung in der Freundschaft und Motivbetrachtung) und intrasituationale (z.B. persönliche Kontaktaufnahme und Einfluß der Gesellschaft auf die Freundschaft) Aspekte berücksichtigt werden. Des weiteren stellt sich die Frage, ob in gegengeschlechtlichen Freundschaften „der Sex“ im Sinne von sexueller Anziehung eine Rolle spielen muß, da es sich immerhin um eine Mann-Frau-Beziehung handelt. Mit anderen Worten: Können Männer und Frauen Freunde sein, obwohl sie unterschiedlichen Geschlechts sind und sexuelle Anziehung somit eine Rolle spielen kann? Bei WERKING (1997a: 398) heißt es, daß Mann-Frau-Beziehungen vom sozialen Umfeld häufig als romantische Partnerschaft angenommen werden. Daraus ergibt sich eine weitere Frage für meine Untersuchung: Beeinflußt das soziale Umfeld das gegengeschlechtliche Freundespaar und wenn ja wie? Interessant ist auch, inwiefern von gegengeschlechtlichen Freundespaaren Unterschiede zu ihren gleichgeschlechtlichen Freundschaften - also zu Freunden gleichen Geschlechts - wahrgenommen werden und ob auffällige Besonderheiten auftreten.

Um diese Überlegungen zu einem Ergebnis zu führen, wird im ersten Teil dieser Arbeit die Freundschaft theoretisch untersucht. Wie man dem Inhaltsverzeichnis entnehmen kann, wird erst sehr spät begonnen, von gegengeschlechtlicher Freundschaft zu reden. Das wird verständlich, wenn man das Problem der Freundschaftsdefinition (Kapitel 2) näher betrachtet. Im Kapitel 3 verweise ich auf theoretische Ansätze und Modelle. Um die Freundschaft im allgemeinen besser zu begreifen, gehe ich in Kapitel 4 auf Funktionen von Freundschaft ein, die nach der strukturellen Definition im vorhergehenden Kapitel hier eine funktionale Definition liefert. Darüber hinaus soll, um eine bessere Vergleichbarkeit zur gegengeschlechtlichen Freundschaft zu erhalten, die gleichgeschlechtliche Freundschaft (Kapitel 5) ebenfalls näher betrachtet werden. Erst nachdem diese Ansätze Erwähnung fanden, wird in Kapitel 6 näher auf die gegengeschlechtliche Freundschaft und deren Forschungsstand eingegangen. In Kapitel 7 werden Unterschiede der gleich- und gegengeschlechtlichen Freundschaft anhand empirischen Materials näher aufgezeigt.

Der zweite - empirische - Teil bestreitet anschließend den empirischen Zugang zum Thema gegengeschlechtliche Freundschaft. Dabei wird außer der Methodik (Kapitel 8) ein Einblick in die gegengeschlechtliche Freundschaftswelt ermöglicht (Kapitel 9). Die Ergebnisse werden sich, aufgrund der qualitativ angelegten Studie, in Form von Fallbeschreibungen und in Typenbildungen darstellen und teilweise Thesen generieren. Schließlich wird im letzten Kapitel auf weitere offengebliebene Fragen und Diskussionspunkte eingegangen.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis 2
Abkürzungsverzeichnis 4
I. TEIL - Theoretischer Zugang
1. Einleitung 6
2. Der Freundschaftsbegriff 8
2.1 Problemdarstellung der Freundschaftsdefinition 8
2.2 Die Freundschaftsdefinition - Eine gelöste Aufgabe? 10
2.2.1 In Abgrenzung von weiteren sozialen Beziehungen 10
2.2.2 Definition 13
3. Freundschaftsmodelle und -theorien 17
4. Funktionen von Freundschaft 21
5. Männerfreundschaft vs. Frauenfreundschaft - Männer vs. Frauen 24
5.1 Gemeinsam verbrachte Zeit, Aktivitäten und Gesprächsthemen 25
5.2 Soziale Unterstützung 27
5.3 Freundschaftsqualität 28
5.4 Geschlechtsrollenunterschiede 30
6. Gegengeschlechtliche Freundschaft 32
6.1 Allgemeines 32
6.2 Platonische Freundschaft 34
6.3 gegengeschlechtliche Freundschaften im (gesellschaftlichen) Dilemma 36
6.4 Entstehung, Aufrechterhaltung, Beendigung 40
6.5 Auftreten und Qualität 42
7. Gegengeschlechtliche vs. gleichgeschlechtliche Freundschaft 46
Exkurs: Paarbeziehungen vs. gegengeschlechtlichen Freundschaften 47
II. TEIL - Empirischer Zugang
8. Empirischer Zugang in die gegengeschlechtliche Freundschaftswelt 51
8.1 Anlage der Studie 51
8.1.1 Auswahl der Erhebungsmethode 51
8.1.2 Eingangsimpuls und Leitfaden 52
8.1.3 Stichprobe, Datenerhebung und Transkription 53
8.2 Auswertung und Darstellung 55
9. Gegengeschlechtliche Freundschaft - „..das ist so ein so übelst spezielles Verhältnis, ich weiß auch nicht, es ist einmalig.“ 58
9.1 Können Männer und Frauen Freunde sein? 59
9.2 Freundschaftsdefinition 61
9.3 Wahrgenommene Unterschiede zwischen gegen- und gleichgeschlechtlichen Freundschaften 65
9.4 Anziehung 69
9.4.1 Beidseitig sexuelle Anziehung – „...irgendein Knistern ist da schon da.“ 70
9.4.2 Beidseitige Freundschaftsanziehung 74
9.5 Umgang mit der Sexualität 80
9.6 Kontaktvermeidung 82
9.7 „Es würde nicht gut gehen“ 84
9.8 Soziales Umfeld 88
10. Diskussion und Ausblick 94
Literaturverzeichnis 100
Erklärung 108
ANHANG

Arbeit zitieren:
Ziegenbalg, Jenny November 2002: Können Männer und Frauen Freunde sein?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sozialforschung, Transkriptionsregeln, episodisches Interview, cross-sex friendship, gegengeschlechtlich

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