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Mädchen und Mathematik

Untersuchungen aktueller Schulbücher zum Mathematikunterricht nach Geschlechtsrollenstereotype

Mädchen und Mathematik
Über dieses Buch
  • Art: MA-Thesis / Master
  • Autor: Mihriban Bal
  • Abgabedatum: September 2010
  • Umfang: 70 Seiten
  • Dateigröße: 4,2 MB
  • Note: 1,1
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 30
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0487-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bal, Mihriban September 2010: Mädchen und Mathematik, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Mathematikschulbücher, Mädchen, Hobby, Schule, Familie

MA-Thesis / Master von Mihriban Bal

Einleitung:

‘Was?? Sie studieren Mathematik?

Dann gehören Sie bestimmt in Ihrem Studium zu der Minderheit!’.

Mit dieser Aussage werde ich jedes Mal konfrontiert, wenn ich danach gefragt werde, was ich denn studiere. Viele empfinden, dass Mathematik in unserer heutigen Gesellschaft immer noch Männersache ist. Während meiner eigenen Schulzeit interessierte mich die Geschlechterproblematik im Mathematikunterricht nur sehr wenig. Mädchen und Mathematik, das sollte nicht passen? Mädchen können keine Mathematik?! Von wegen! Davon wollte ich in meiner Schulzeit nichts hören. Mathematik gehörte von Anfang an zu meinen Lieblingsfächern und genau das wollte ich auch studieren, um meine Begeisterung für diese Wissenschaft auch an Andere zu vermitteln. Auf der Realschule hörte ich von meinen Klassenkameradinnen andauernd ihr Desinteresse an diesem unbeliebten Unterrichtsfach. Wozu brauch ich denn das alles, das wäre doch Quälerei! Horrorfach! All so was bekam ich immer wieder zu hören. Ich konnte ihnen nie zustimmen und versuchte oft mit eigener Kraft, die Lust an Mathematik zu wecken. Vergebens. Wenn ich mich jetzt in den Mathematik-Vorlesungen umschaue, fällt auf, dass tatsächlich der größte Teil der Professoren männlich ist. Demzufolge suchte ich nach einem Weg zur Erklärung der Minderheit meines Geschlechtes in der Mathematik und entschloss den Gegenstand näher zu betrachten.

Im Hinblick auf die Unterrepräsentanz von Mädchen und Frauen im Mathematikbereich lassen sich vielfältige, zum Teil miteinander in Zusammenhang stehende Ursachen angeben. Neben den kompletten Sozialisationsprozess in der Gesellschaft werden in diesem Zusammenhang häufig die Schulbücher genannt. So zeigen die bisherigen Analysen der Inhalte von deutschen Schulbüchern, dass sich hier Geschlechterrollenstereotypisierungen niederschlagen. Es schien daher anregend zu überprüfen, wie Frauen und Mädchen in den aktuellen Mathematikbüchern dargestellt werden. Verbunden damit stellt sich die Frage, inwieweit das Mathematikschulbuch Einfluss auf die Entwicklung nehmen kann, ob es sogar als Verstärker von gewissen Verhaltensweisen von Mädchen angesehen werden muss. Im Rahmen dieser Untersuchung kann dieses nicht geklärt werden, aber mit einer Schulbuchanalyse kann eventuell die Grundlage für weitere Untersuchungen gelegt werden und entsprechende Verbesserungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Die Arbeit beginnt mit einer Einführung in das Thema, in der gezeigt wird, dass die bereits für die heutige Zeit nachgewiesene Benachteiligung der Frauen eine lange ‘kulturelle’ Vergangenheit hat, die als Grund dafür angesehen werden kann, dass Mädchen im Mathematikbereich unterrepräsentiert sind. Dieser Teil erfüllt vor allem den Zweck, die Notwendigkeit der anschließenden Untersuchung deutlich zu machen. Es folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse bisheriger Schulbuchanalysen. Die Grundlage der eigenen Untersuchung bildet die Studie von Susanne Thomas, die sich im Zeitraum von 1989 bis 1998 erstreckt. Für diesen bedeutenden Teil der Arbeit stellt sich zunächst die Frage, was sich seit der geäußerten Kritik von Susanne Thomas geändert hat. Zuerst werden die Forschungsfragen und Hypothesen erläutert und anschließend die Auswahl der Schulbücher begründet. Nach der Erläuterung der Untersuchungsmethode erfolgt die Ergebnisdarstellung. Daran schließt sich eine Interpretation der Ergebnisse an, sowie ein abschließendes Fazit.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis 4
Tabellenverzeichnis 5
1. Einleitung 6
2. Die Bedeutung der kulturellen Geschlechtsrollenstereotype 7
3. Bisherige Forschungsergebnisse zu Geschlechtsrollenstereotype in Mathematikschulbüchern 9
3.1 Untersuchungen ab 1970 9
3.2 Die Studie von Susanne Thomas 10
4. Methodik der Schulbuchanalyse 11
4.1 Forschungsfrage und Hypothesen 11
4.2 Auswahl der Schulbücher 14
4.3 Untersuchungsmethode 14
5. Untersuchungsergebnisse 15
5.1 Ergebnisse der zahlenmäßigen Repräsentation 17
5.2 Untersuchungsergebnisse der Themenbereiche 22
5.2.1 Haushalt 22
5.2.2 Familie 29
5.2.3 Beruf 31
5.2.4 Schule, Wissen, Leistung 34
5.2.5 Freizeit, Spiel, Hobby 40
5.2.6 Umgang mit Geldbeträgen 45
5.2.7 Weitere Auffälligkeiten 47
5.3 Interpretation der Ergebnisse 48
6. Fazit 52
Anhang 55
Literaturverzeichnis 65

Textprobe:

Kapitel 3, Bisherige Forschungsergebnisse zu Geschlechtsrollenstereotype in Mathematikschulbüchern:

Untersuchungen ab 1970:

Seit Anfang der 1970er Jahren werden verschiedene Inhaltsanalysen gängiger Mathematikschulbücher veröffentlicht, darunter sind jedoch wenige Analysen mit einem sozialkritischen Schwerpunkt zu finden. Diese werden in unregelmäßigen Abständen erstellt, da davon ausgegangen wird, dass in der Mathematik in erster Linie die Vermittlung von Fachwissen und didaktisch- methodische Gesichtspunkte stehen.

Die mir bekannten ersten Untersuchungen stammen von Glötzner. Er analysierte bayrische Mathematikbücher aus den sechziger und siebziger Jahren und stellte fest, dass die weiblichen Personen sowohl in den Textaufgaben als auch in den Illustrationen unterrepräsentiert sind. Während Frauen und Mädchen hauptsächlich in haushaltsbezogene Tätigkeiten vorkommen, treten Männer und Jungen in anderen interessanten, anspruchsvollen Tätigkeiten auf, wie z.B. Fahrradtouren, lösen Denkspiele oder erfinden Zahlensortiermaschine. Zugleich sind sie aktiv, wissenschaftlich und technisch interessiert und wissend dargestellt. Frauen werden fast gänzlich ignoriert und erhalten wesentlich wenige berufliche Identifikationsangebote. Männer hingegen üben eine breite Palette von Berufen aus. Zu diesen Ergebnissen kommen auch andere Untersuchungen von Schulbüchern aus den 1970er Jahren, wie z.B. Lopatecki & Lüking.

Neuere Inhaltsanalysen aus den 1980er Jahren zeigen, dass sich trotz vehementer Kritik an der Darstellung der Frauen und Mädchen im Schulbuch nicht viel geändert hat. Dieses zeigt unter anderem Glötzner in seiner Untersuchung bayrischer Schulbücher, die im Jahre 1988/89 erschienen sind. Zwar kann in den meisten Texten zumindest aus Grundschulbüchern eine extreme Unterrepräsentation von Mädchen und Frauen nicht mehr nachgewiesen werden, wohl aber eine immer noch stark an gängigen Klischeevorstellungen orientierte Darstellung, die die Schülerinnen nach wie vor fast ausschließlich zu späteren Hausfrauen und Müttern formen will. Zusätzlich werden überwiegend männliche Wortformen benutzt.

Die Studie von Susanne Thomas:

Während Schulbücher in den 1970er und 1980er Jahren noch sehr stark Geschlechterrollenstereotype transportierten, haben sich diejenigen aus den 1990er Jahren in Bezug darauf verbessert. Zu diesem Ergebnis kommt auch Susanne Thomas in ihrer Untersuchung, in der sie weniger die Diskriminierung des weiblichen Geschlechts betonen will, sondern konkret nach neuen Maßstäben und Entwicklungen sucht. Um alle Gesichtspunkte zu erfassen, ist die Verfasserin gemäß der quantitativen und qualitativen Inhaltsanalyse vorangegangen. Sie untersuchte 18 Mathematikschulbücher der Jahrgangsstufe 5 bis 10, die jeweils einzeln nach einem einheitlichen Kriterienraster vorstellt werden. Dabei erfolgte die Auswertung grundsätzlich getrennt nach Jugendliche und Erwachsene in den ausgewählten Kategorien Freizeit, Geld, Beruf, Familie, Haushalt, Sozialverhalten, Schule und Sonstiges.

Susanne Thomas kommt zu dem Ergebnis, dass zwar auf der quantitativen Ebene eine zahlenmäßig ausgewogene Darstellung von Frauen/Mädchen und Männer/Jungen erkennbar ist, dennoch im dem qualitativen Teil der Analyse einige Differenzen sichtbar sind. So stellt sie fest, dass berufstätige Frauen in neueren Büchern häufiger vorkommen, aber dagegen die Männer in sehr viel differenzierten Berufen und in einem viel größeren Umfang darstellen werden. Zu den Erfolgen der Schulbuchdebatte gehört, dass Frauen in Verbindung mit Geldgeschäften präsentiert werden und auch einen größeren Finanzvolumen besitzen. Zu den Kritikpunkten nennt die Verfasserin, dass Männer in Zusammenhang zu Hausarbeit nur zweimal geschildert werden. Frauen werden in diesem Bereich öfters dargestellt.

Arbeit zitieren:
Bal, Mihriban September 2010: Mädchen und Mathematik, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Mathematikschulbücher, Mädchen, Hobby, Schule, Familie

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