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Mädchen im Jugendalter und plötzlicher Vatertod

Umgang mit dem Verlust des Vaters und Auswirkungen auf die zukünftige Lebensführung

Mädchen im Jugendalter und plötzlicher Vatertod
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Janine Scherer
  • Abgabedatum: Mai 2007
  • Umfang: 218 Seiten
  • Dateigröße: 665,7 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Köln Deutschland
  • Bibliografie: ca. 38
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0450-5
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0450-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Scherer, Janine Mai 2007: Mädchen im Jugendalter und plötzlicher Vatertod, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Weibliche Jugend, Trauerarbeit, Vater, Tod, Bindungstheorie (Psychologie)

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Diplomarbeit von Janine Scherer

Einleitung:

Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit sozialwissenschaftlichen Fragestellungen, die bislang nur unzureichend geklärt werden konnten. Das Thema "Mädchen im Jugendalter und plötzlicher Vatertod" entstand auf der Grundlage der Erkenntnis, dass die so genannte Bindungsforschung insofern immer noch in den Anfängen steckt, als sie sich vornehmlich auf die Beziehung des Kindes zur Mutter konzentriert.

Es wird zwar immer wieder betont, dass ein Kind auch eine primäre Bindung zu einer anderen Person aufbauen kann, z.B. dem Vater, aber Untersuchungen, welche die bedeutungsvolle Beziehung des Kindes zum Vater erforschen, sind praktisch kaum existent. Was der väterliche Verlust durch Tod für ein Mädchen im Jugendalter auch im Hinblick auf geschlechtsspezifische Aspekte bedeutet, ist demnach ein nahezu unerforschtes Gebiet, denn wenn nur bedingt geklärt werden konnte, wie eine Bindungsbeziehung zwischen Heranwachsenden und ihren Vätern aussieht, ist es kaum möglich, aufzuschlüsseln, welche Auswirkungen ein Verlust des männlichen Elternteils für eine Jugendliche haben kann.

Folglich wurden im ersten Kapitel die Besonderheiten der Eltern-Kind-Bindung aufgezeigt, wobei der Fokus im zweiten Teil dieses Kapitels auf die Vater-Tochter-Beziehung und das Jugendalter einer Heranwachsenden eingestellt wurde. Um einen Einblick in das Thema Tod und Trauer zu gewähren, wurde das allgegenwärtige Abschiednehmen, das im Leben eines Menschen einen besonderen Stellenwert einnimmt, im zweiten Kapitel näher ausgeführt und im Hinblick auf den generellen Umgang von Kindern und Jugendlichen mit Verlust allgemein untersucht. Das dritte Kapitel behandelt dann die Konfrontation eines jungen Menschen mit dem Tod eines Elternteils.

Die verschiedenen Todesarten werden näher beleuchtet und die Bedeutung eines plötzlichen Todes wird mit der eines vorhersehbaren verglichen. Kapitel eins bis drei arbeitet auf das vierte Kapitel hin, den Höhepunkt des theoretischen Teils der vorliegenden Arbeit. Hier werden die zuvor einzeln erarbeiteten Themenschwerpunkte miteinander verknüpft und die Umgangsweise einer Jugendlichen mit dem plötzlichen Tod ihres Vaters und dessen Auswirkungen herauskristallisiert.

Im Zusammenhang damit werden verschiedene Hilfe- und Unterstützungsmöglichkeiten für trauernde Jugendliche aufgeführt. Den empirischen Teil der Arbeit bilden die beiden letzten Kapitel, wobei das fünfte die Vorbereitungen für die Interviews und deren Durchführung und das sechste die Ergebnisse der narrativen Befragungen darlegt. Diese Untersuchungen dienen dem Vergleich mit der erarbeiteten Theorie und sollen zur Bestätigung bzw. Erweiterung dieser Theorie führen.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1. Die Eltern-Kind-Beziehung 3
1.1 Bindung und Bindungsverhaltenssystem 3
1.2 Funktion der Bindung eines Kindes an seine Eltern 4
1.3 Die Bindungsstile - Erziehungs- und Sozialisationsforschung 5
1.4 Die Vater- Tochter- Beziehung 8
1.4.1 Funktion des Vaters für die Tochter 9
1.4.2 Vater-Tochter-Bindung und die ödipale Komponente 10
1.5 Identifikation von Mädchen im Jugendalter 12
1.6 Unabhängigkeit und Bindungsfähigkeit im Jugendalter 14
1.7 Zusammenfassung 16
2. Das allgegenwärtige Abschiednehmen 18
2.1 Das abschiedsreiche Leben des Menschen 18
2.2 Der Mensch und die Trauer 19
2.3 Die Phasen der Trauer 20
2.4 Kinder und Jugendliche ergründen den Tod 23
2.5 Mädchen im Jugendalter zwischen Autonomie und Verlust 27
2.6 Zusammenfassung 28
3. Konfrontation mit dem Tod eines Elternteils 30
3.1 Die Übermittlung der Todesnachricht 30
3.2 Die Todesursache 33
3.2.1 Krankheit 34
3.2.2 Unfall 36
3.2.3 Suizid 37
3.3 Das soziale Umfeld und der Wunsch der Trauernden 40
3.4 Zusammenfassung 42
4. Mädchen im Jugendalter und plötzlicher Vatertod 44
4.1 Der Umgang mit dem plötzlichen Vatertod 45
4.1.1 Die erste Zeit nach Übermittlung der Todesnachricht 46
4.1.2 Das Ritual der Beerdigung 48
4.1.3 Das Beziehungsnetz junger Frauen und die Fähigkeit zu reden 49
4.1.4 Die Hilf- und Ratlosigkeit anderer akzeptieren 50
4.1.5 Zwischen Verlust und Gewinn 52
4.2 Mögliche Konsequenzen für die zukünftige Lebensführung junger Frauen 54
4.2.1 Psyche und Körper 54
4.2.2 Persönliche und berufliche Orientierung 58
4.2.3 Soziales Umfeld 60
4.2.4 Vertrauen und Bindung 62
4.3 Hilfe in der schwierigen Zeit 63
4.3.1 Familie und nahe stehende Personen 64
4.3.2 Professionelle Hilfe 65
4.4 Zusammenfassung 67
5. Die Praxis: Die Interviews mit weiblichen Betroffenen 71
5.1 Zielvorstellungen 71
5.2 Zielgruppe 72
5.3 Methode: Das narrative Interview 72
5.4 Vorbereitungen und Rahmenbedingungen 75
5.5 Durchführung der Interviews 75
5.6 Auswertung der Interviews 77
5.8 Zusammenfassung 78
6. Die Ergebnisse der narrativen Interviews 80
6.1 Persönliche Gegebenheiten der befragten Frauen 80
6.2 Umgang der Befragten mit dem plötzlichen Vatertod 85
6.2.1 Erste Reaktionen auf den Tod des Vaters 86
6.2.2 Emotionale Reaktionen 87
6.2.3 Kognitive Reaktionen 90
6.2.4 Handlungen 92
6.2.5 Körperliche Reaktionen 94
6.2.6 Wo wurde Hilfe gefunden? 95
6.3 Auswirkungen des Verlusts auf die Lebensführung der Befragten 97
6.3.1 Soziales Umfeld 97
6.3.2 Selbstbild der Befragten 100
6.3.3 Verhältnis zur Mutter und zu den Geschwistern 101
6.3.4 Partnerwahl und Beziehungsfähigkeit 104
6.3.5 Risikoverhaltensweisen 107
6.3.6 Berufliche Orientierung 108
6.4 Rückblickende Bemerkungen der interviewten Frauen 109
6.5 Zusammenfassung und Reflexion der Ergebnisse 112
6.6 Kategorisierte Kurzdarstellungen der jeweiligen Interviews 118
Resümee und Ausblick 132
Fazit der vorliegenden Arbeit 132
Ausblick für die angewandte Sozialwissenschaft 135
Kritische Selbstreflexion 137
Darstellungsverzeichnis 139
Literaturverzeichnis 140
Eidesstattliche Erklärung 146
Materialanhangverzeichnis 147
Materialanhang 149

Textprobe:

Kapitel 2., Das allgegenwärtige Abschiednehmen:

Im zweiten Kapitel werden verschiedene Facetten des Abschiednehmens veranschaulicht, die im Leben des Menschen eine bedeutende Rolle spielen. Die menschliche Trauer, eine Folge ständiger unumgänglicher Abschiede, wird näher beschrieben und in vier ineinander greifende Phasen unterteilt.

Bevor sie in das Erwachsenenalter eintreten, lernen Kinder und Jugendliche durch zahlreiche Verluste mit Trennung umzugehen. Wie Heranwachsende Sterben und Tod begegnen, ist somit eine weitere Facette des Abschiednehmens, die behandelt werden muss. Das Jugendalter stellt durch den Prozess der Identitätsfindung eine besondere Herausforderung für junge Menschen dar, weil sie in dieser Entwicklungsphase ihre Zukunft als selbständige Personen bestimmen. Welche Auswirkungen der Verlust eines geliebten Menschen auf die Autonomieentwicklung von Jugendlichen haben kann, wird am Beispiel „Mädchen im Jugendalter und Tod des Vaters“ erläutert. Die genauere Betrachtungsweise im letzten Abschnitt dieses Kapitels ist wichtig zum Verständnis von Jugendlichen, insbesondere Mädchen, die auf der Suche nach Identität und Autonomie sich davor fürchten, einen geliebten Elternteil zu verlieren.

Kapitel 2.1, Das abschiedsreiche Leben des Menschen:

Das Leben hält viele Abschiede für den Menschen bereit. Schon bei der Geburt muss er sich von seinem bisherigen Lebensraum trennen, dem Mutterleib. Im Laufe der Zeit sieht er sich mit weiteren Abschieden konfrontiert, denn tagtäglich lernt er, dass Dinge nicht so geschehen, wie in seiner Vorstellung angenommen. Die emotionale Reaktion, die durch solche Situationen hervorgerufen wird, ist die Enttäuschung. Schon im Kleinkindalter werden dem Sprössling in seinem Explorationsgang Grenzen aufgezeigt. Das Kind greift nach einem verschluckbaren Gegenstand, den die Eltern ihm, kaum, dass es ihn in seinem Besitz hat, wieder entreißen. Der Verlust, der damit verbunden ist, so unbeträchtlich er Erwachsenen erscheinen mag, wird vom Kind nur mit erheblichem Protest hingenommen. Neben diesen alltäglichen kleinen Verlusterfahrungen gibt es natürlich auch einschneidendere Ereignisse für den Menschen, wie z.B. die Trennung von vertrauten Orten oder von wichtigen Personen.

Durch die Erfahrung mit unzähligen Abschieden im Laufe der Persönlichkeitsentwicklung lernt das Individuum, mit Rückschlägen umzugehen. Überdies nehmen Menschen mit der Zeit wahr, dass Verluste mit Hilfe anderer Bezugspersonen überwindbar sind und es sich lohnt, Risiken einzugehen und neue Beziehungen aufzubauen, die für den weiteren Werdegang bereichernd erscheinen. Das „Sich-Einlassen und Loslassen“ gehört elementar zum Leben eines Menschen dazu.

Kapitel 2.2, Der Mensch und die Trauer:

Trauer ist eine Emotion, die dem Menschen ermöglicht, Trennung oder Verlust von etwas lieb Gewonnenem oder jemand nahe Stehendem zu verarbeiten. Im alt- und mittelhochdeutschen Sprachgebrauch bedeutet das Wort Trauer, „Niederfallen, matt und kraftlos werden, den Kopf sinken lassen, die Augen niederschlagen.“ Das Trauern ist ein schmerzhafter Prozess, der bei einem tief greifenden Verlust so durchlebt werden sollte, dass die Erinnerungen an verloren gegangene Objekte oder Personen weder vergessen noch verdrängt werden.

Trauer wird in den unterschiedlichsten Situationen bewusst durchlebt, wenn beispielsweise das erste Heimtier oder sogar eine enge Bezugsperson stirbt. Auch in die Brüche gegangene Partnerschaftsbeziehungen werden betrauert.

Die zu diesem Thema unverzichtbaren Untersuchungen von Erna Furmann und einer Gruppe englischer Psychoanalytiker (1977) zeigen, dass es sehr wohl Unterschiede gibt zwischen der Trauer um verlassene Wohnorte, unbelebte Objekte, vergangene Zeitabschnitte und dergleichen und der Trauer um geliebte Bezugspersonen, zu denen zuvor eine feste Bindung aufgebaut worden war. Aus diesem Grund wird im Folgenden, wenn von Trauer die Rede ist, diese als Reaktion auf den Tod eines geliebten Menschen behandelt.

Wie begegnen nun Menschen dem Tod einer wichtigen Bezugsperson?

Zumeist reagiert das Individuum auf den Verlust eines geliebten Menschen mit innerem Widerstand und ist mehr oder weniger in einem Schockzustand befangen. Erst nach einer Weile wird dem Schmerz ein gewisser Freiraum zugestanden und im Idealfall wird der Verlust nach und nach so verarbeitet, dass wiederum Lebensmut gefasst und die Erfahrung als Chance für einen Neuanfang genutzt wird. Der Trauernde geht aus diesem Prozess als veränderte Persönlichkeit hervor.

Es gibt Menschen, die solche schicksalhaften Lebensereignisse nie wirklich überwinden; die einen Bruch in ihrem Leben sehen, den sie nicht auszugleichen vermögen. Die Loslösung vom Verstorbenen fällt Betroffenen, die chronisch trauern, schwer, denn sie haben den Verlust weder verarbeitet noch akzeptiert. Dazu ist eine gewisse Trauerarbeit notwendig.

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Arbeit zitieren:
Scherer, Janine Mai 2007: Mädchen im Jugendalter und plötzlicher Vatertod, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Weibliche Jugend, Trauerarbeit, Vater, Tod, Bindungstheorie (Psychologie)

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