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Machiavelli und Republikanismus: Die Option einer Republik zur Bewahrung und Reproduktion der virtú

Machiavelli und Republikanismus: Die Option einer Republik zur Bewahrung und Reproduktion der virtú
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Henner Lüttecke
  • Abgabedatum: März 1997
  • Umfang: 137 Seiten
  • Dateigröße: 6,6 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-0155-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-0155-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-0155-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Lüttecke, Henner März 1997: Machiavelli und Republikanismus: Die Option einer Republik zur Bewahrung und Reproduktion der virtú, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Machiavelli und Erziehung, Machiavelli und Moral, Machiavelli und soziale Konflikte, Reproduktion

Magisterarbeit von Henner Lüttecke

Einleitung:

Die virtú ist die elementare Kraft, die über den Erfolg oder Mißerfolg der Handlungen entscheidet. Ihre Existenz ist nicht nur an eine außergewöhnliche Persönlichkeit gebunden, sondern ist in allen Menschen vorhanden. (P,XXVI).

Diese Arbeit verfolgt zwei Ziele, die miteinander eng verbunden sind. Sie soll belegen, daß Machiavelli die republikanische Staatsform favorisiert und nicht der Wegbereiter eines reinen, nur dem Erfolg verpflichteten Machtstaates ist. Die republikanische Option ist dabei auf zwei Ziele ausgerichtet. Die Etablierung und der Erhalt einer Republik, die dem Zyklus widerstehen kann und eine hohe Lebensdauer erreicht.

Der Staat ist in der politischen Theorie Machiavellis nicht isoliert. Sie ist nicht darauf telexlogisch ausgerichtet, die Existenz des Staates gegenüber den Bürgern mit allen Mitteln, moralisch oder unmoralisch, zu sichern. Ein Staat, so die Quintessenz Machiavellis, kann nur auf Dauer Bestand haben, wenn eine gegenseitige Identifikation zwischen Staat und Bürger gegeben ist. Ihre Entwicklung sind voneinander nicht zu trennen.

Die Bedeutung der virtú für das Verständnis der machiavellischen Theorie ist in der Forschung unumstritten. Sie gilt als der Schlüssel zum politischen Erfolg. Umstritten ist allerdings, ob virtú nur auf eine kleine Zahl von Menschen begrenzt oder ob sie tatsächlich in breiten Schichten des Volkes erweckt werden kann.

Diese Arbeit möchte darlegen, daß Machiavelli davon ausgeht, daß die Reproduktion von virtú möglich ist. Sie ist nicht an einen uomo virtuoso gebunden, sondern sie kann durch Institutionen und insbesondere durch Erziehung in allen Menschen erweckt werden. Die Reproduktion der virtú erfordert jedoch die enge Verbindung von Gesetz, Religion, dem Militär und der Erziehung. Diese vier Säulen tragen gemeinsam den Staat. Sie bilden einen Komplex, der nicht voneinander getrennt werden kann. Die Etablierung der Säulen ist nach Machiavelli bereits ein Ausdruck höchster virtú.

Ihre Wirkung für die Gesellschaft ist allerdings enorm: Sie sind in der Lage, virtú zu reproduzieren. Machiavelli bietet in den Discorsi einen klaren Leitfaden, der die Ausgestaltung der einzelnen Säulen in einer Republik beschreibt.

Die Bürger werden in das Konzept Machiavellis eingeschlossen. Machiavellis anthropologischer Pessimismus ist keine feste Konstante; die Einschätzung des Menschen ist abhängig von der Analyse des Staates; ist der Staat wohlgeordnet, so sind die Bürger mit virtú erfüllt. Krankt der Staat, so befällt die Krankheit auch die Bürger. Die Abhängigkeit beruht auf Gegenseitigkeit.

Die Discorsi sind eine in sich geschlossene Handlungsanleitung, die einen universalen Charakter trägt. Machiavelli erhebt den Anspruch, daß seine Handlungsanleitungen für jeden Staat Gültigkeit haben. Denn jeder Staat befindet sich in einer Phase des Zyklus. Die Etablierung eines Staates, der dem Zyklus auf lange Zeit widerstehen kann, ist das Ziel Machiavellis.

Eine Republik ist nach Machiavelli die einzige Staatsform, die dieses Ziel umsetzen kann. In ihr finden sich quantitativ die meisten Bürger mit virtú. Sie ermöglicht es, das eigene Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Die Republik und damit auch die Bürger lösen sich damit von der Macht fortunas. Dies gelingt aber nur, wenn die Republik virtú reproduziert. Welche Maßnahmen hierfür ergriffen werden müssen, möchte diese Arbeit vorstellen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Zielsetzung 3
3. Stand der Forschung 4
3.1. Der Versuch einer Definition der virtú 4
3.2. Die Herkunft der virtú 9
3.3. Das Handeln nach virtú am Beispiel des Fürsten 10
3.4. Das Wesen der virtú 13
3.5 virtú und der Faktor Zeit 17
II. Das Kraftfeld der Politik 19
1. fortuna 19
2. necessitä 20
3. occasione 22
III. Der konzeptionelle Zusammenhang zwischen "Der Fürst" und den Discorsi 22
1. Der Fürst 25
2. Die Discorsi 25
IV. Die Bedeutung des Staates in Machiavellis politischer Theorie 26
1. Machiavelli und der Staat 26
2. Die Begründung des Staates 26
3. Die Funktion des Staates 28
4. Die Struktur des Staates 29
5. Die republikanische Option Machiavellis 32
6. virtü in einer Republik- Die Konstruktion des Idealen Staates? 34
V. virtú in einer Republik: Die Möglichkeiten zur Reproduktion der Virtú 36
1. Einleitung 36
2. Die Bedeutung des Rechts 37
2.1. Der pädagogische Ansatz des Rechts 38
2.2. Der autoritäre Charakter des Rechts 39
2.3. Die gesellschaftliche Komponente 41
3. Verfassung und virtú 44
3.1. Die Bedeutung einer Verfassung 44
3.2. Der Wirkungsbereich einer Verfassung 46
3.3. Die Verfassung als Stabilitätsfaktor der Gesellschaft 48
3.4. Die Reformierbarkeit der Verfassung 49
4. Die Bedeutung der Religion in Machiavellis Denken 54
4.1. Der historische Kontext 54
4.2. Machiavelli und Religion 54
4.3. Die Funktionalität der Religion 55
4.4. Machiavellis Kritik am Christentum 56
4.5. Die Religion als staatstragende virtú 59
5. Die militärische virtú als Vorbotin der politischen virtú 60
5.1. Der historische Kontext 60
5.2. Der Kausalnexus zwischen Militär und Staat 62
5.3. Der innenpolitische Aspekt des Militärs 64
6. Bürger und Staat 66
6.1. Der anthropologische Pessimismus Machiavellis 66
Exkurs: Das Menschenbild der Renaissance 66
6.2. Der anthropologische Widerspruch bei Machiavelli 66
6.3. Das Menschenbild Machiavellis: Diskussionen in der Forschung 67
6.4. Der anthropologische Positivismus: Der republikanische Bürger 70
6.5. Die hierarchische Strukturierung derGesellschaft 71
6.6. Der unüberbrückbare Gegensatz: Adel und Volk 72
6.7. Mobilität innerhalb der Gesellschaft 74
6.8. Die Kompetenzverteilung zwischen Adel und Volk 77
6.9. Der Freiheitsbegriff bei Machiavelli 79
7. Die sozialen Konflikte 82
7.1. Die bisherige Bewertung der sozialen Konflikte 82
7.2. Machiavellis Bejahung der sozialen Konflikte 83
7.3. Die Natürlichkeit der sozialen Konflikte 84
7.4. Fruchtbare und gefährliche Konflikte 86
7.5. Die gefährlichen Konflikte 86
7.6. Der Adel als Begründer der Faktionen 90
7.7. Der Nutzen der sozialen Konflikte 91
7.8. Der Sinn der sozialen Konflikte 93
7.9. Die Regulierung der sozialen Konflikte 95
8. Die Bedeutung der Erziehung 96
8.1. Die Notwendigkeit der Erziehung 96
8.2. Der qualiative Unterschiedin der Erziehung: "Der Fürst" und die Discorsi 98
8.3. Die Kontinuität der Erziehung 100
8.4. Erziehung als Säule des Staates 103
8.5. Die angestrebten Ideale der Erziehung 104
8.5.1. Die Ideale der Gemeinschaft 105
8.5.2. Der Patriotismus 105
8.5.3. Die Ziele der Erziehung des Individuums 107
8.6. Die Beurteilung der machiavellischen Erziehung 109
VI. virtú und Moral 110
1. virtú und Moral: Die traditionelle Sichtweise 110
2. virtü und Moral: Eine Betrachtung der Forschungsergebnisse 110
3. Discorsi und "Der Fürst": Unterschiedliche Moralvorstellungen? 112
4. virtú und Moral in Der Fürst" 112
5. virtú und Moral in den Discorsi 114
6. "Der Fürst" und die Discorsi: Gemeinsame moralische Prämissen 116
7. Die Unterordnungder Moral unter den politischen Erfolg 117
VII. Schluß 118
VIII Literatur 122
1. Zugrundegelegte Werke Machiavellis ( Abkürzungsverzeichnis) 122
2. Sekundärliteratur 122

Arbeit zitieren:
Lüttecke, Henner März 1997: Machiavelli und Republikanismus: Die Option einer Republik zur Bewahrung und Reproduktion der virtú, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Machiavelli und Erziehung, Machiavelli und Moral, Machiavelli und soziale Konflikte, Reproduktion

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