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Das Image der Katastrophenhilfe seit dem Tsunami

Eine Inhaltsanalyse über fünf Jahre

MA-Thesis / Master
MA-Thesis / Master von Yvonne Schroerschwarz ; Abgabe März 2009; 80 Seiten, 1,3 MB ; Note 1,6; Sprache Deutsch
Universitäre Hochschule Luzern (UHL) Schweiz
Literatur- und Quellenangaben: ca. 50
Inhaltsangabe, Inhaltsverzeichnis und Textauszüge:

Einleitung:

Die 3.-Sektor-Forschung ist mittlerweile zu einem wissenschaftlich gut erforschten Thema geworden und hat in den Sozialwissenschaften ein grosses Echo ausgelöst. Auch die NGO-Forschung erhält ein immer solideres wissenschaftliches Fundament. Obwohl die Katastrophenhilfe über eine erhebliche Finanzkraft verfügt, steckt die Forschung zu diesem Thema sozialwissenschaftlich noch in Kinderschuhen. In der Katastrophenhilfe fliessen Millionenbeträge, allein die Glückskette sammelt regelmässig nach Katastrophen einige Millionen Franken.

Am 26.12.2004 kam es vor Sumatra zu einem Seebeben. Insgesamt waren zwölf Länder von den Auswirkungen des darauffolgenden Tsunamis betroffen und Menschen aus über 50 Ländern verloren ihr Leben. Weltweit kam es zu einem unvergleichlichen Spendenaufkommen und zu grosser Hilfsbereitschaft. Nach dem Tsunami in Asien wurden alleine in der Schweiz durch die Glückskette Spenden in Höhe von 227,7 Millionen Franken generiert. Hilfswerke aus zahlreichen Ländern der Welt leisteten Katastrophenhilfe. Eine geregelte Koordination war schwierig und die Katastrophenhilfe stand vor grossen Aufgaben. Bereits in den 1990er Jahren war die Katastrophenhilfe in Kritik geraten. Die Vorwürfe lauteten damals, dass es an Koordination und Professionalität mangelte. Dies führte zu einem Imageschaden und zu Vertrauensverlust.

Als Referenzpunkt der vorliegenden Masterarbeit wurde somit der Tsunami gewählt, weil auch hier die Gefahr besteht, dass ähnliche Vorwürfe wie in den 1990er Jahren wieder laut werden könnten und es auf Grund der enormen Herausforderungen erneut zu einem Imageschaden kommen könnte. Diese Punkte sind Anlass genug, um sich dem Thema der Katastrophenhilfe und ihres Images aus sozialwissenschaftlicher Perspektive zu nähern.

Zur Überprüfung der Frage, wird eine Inhaltsanalyse in vier schweizerischen Tageszeitungen durchgeführt. Der Analysezeitraum beginnt ein Jahr vor dem Tsunami, um zu sehen, wie die Katastrophenhilfe bis anhin dargestellt wurde und endet 2008, vier Jahre nach dem Tsunami. So können die mittelfristigen Auswirkungen des Tsunamis auf das Image aufgezeigt werden. Miteinbezogen in die Untersuchung wird auch die Berichterstattung über die Katastrophenhilfe nach anderen Katastrophen im Untersuchungszeitraum.

Im Kapitel 2 wird zuerst auf die in der Fragestellung enthaltenden Begrifflichkeiten, wie Katrastrophenhilfe, NGO und Image, sowie die notwendigen Hintergründe und Theorien eingegangen. Davon wird dann im Kapitel 3 die Fragestellung abgeleitet. Das Kapitel 4 widmet sich danach der Inhaltsanalyse, indem zuerst die Methode aufgezeigt wird, danach auf die Resultate eingegangen wird und schliesslich in der Diskussion relevante Schlüsse im Vergleich zu den eingangs erwähnten Theorien gezogen werden. Das letzte Kapitel widmet sich dann dem Fazit.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis 2
Abkürzungsverzeichnis 3
1. Einleitung 4
2. Begriffsklärungen und Hintergrundinformation 6
2.1. Definition Hilfswerke 6
2.2 Definition Katastrophenhilfe 9
2.3 Image 12
2.3.1 Bedeutung des Images für NGOs 16
Spendenverhalten in der Schweiz 16
Einstellung zum Spenden 18
Motive zum Spenden 18
Spendensiegel 19
2.3.2 Rolle der Medien 19
3. Herleitung der Fragestellung 23
3.1 Imageentwicklung der Katastrophenhilfe vor dem Tsunami 23
Professionalisierung der Katastrophenhilfe 25
3.2 Bedeutung des Tsunamis 26
4. Inhaltsanalyse 29
4.1 Methode 29
4.1.1 Limiten der Inhaltsanalyse 30
4.1.2 Grundgesamtheit 30
4.1.3 Sample /reduzierte Grundgesamtheit 31
4.1.4 Analysezeitraum 33
4.1.5 Kategorienbildung 33
4.2 Resultate 40
4.2.1 Verteilung der Artikel allgemein 40
Resultate der 230er Kategorien - Katastrophenhilfe nicht im Zentrum 42
Resultate der 220er Kategorie - Fokus auf Katastrophenhilfe 46
Resultate der 210er Kategorien - Fokus auf Katastrophenhilfe mehrerer NGOs 55
Resultate der 200er Kategorien - Fokus auf Katastrophenhilfe einer NGO 61
4.2.2 Verteilung der Artikel nach Jahren 67
4.3 Diskussion 71
4.3.1 Der Nachrichtenwert der Artikel 71
Nachrichtenwert der Kategorie 23x 72
Nachrichtenwert der Kategorien 22x 74
Nachrichtenwert der Kategorien 21X 75
Nachrichtenwert der Kategorien 20x 76
4.3.2 Auswirkungen auf das Image der Katastrophenhilfe 76
5. Fazit und Empfehlungen 80
Literaturverzeichnis 82

Textprobe:

Kapitel 3.1, Imageentwicklung der Katastrophenhilfe vor dem Tsunami:

NGOs sind kein neues Phänomen. Die ersten NGOs entstanden Ende des 18. Jahrhunderts. Zu diesem Zeitpunkt waren sie aber noch wenig organisiert und institutionalisiert. Vielmehr schlossen sich Menschen zusammen, die ähnliche soziale Anliegen hatten. Die Welt begann sich zu globalisieren und so taten es auch die Aktivisten. Noch in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts arbeiteten NGOs und Bürgerbewegungen eng miteinander. Am 21. November 1990 wurde der Kalte Krieg mit der Charta von Paris formell beendet. Dadurch vergrösserte sich auch der Aktionsradius der NGOs. NGOs und soziale Bewegungen waren noch immer nah miteinander vernetzt, aber auch hier hat sich der Radius vergrössert. Es ging nicht mehr nur um Themen im eigenen Land, sondern um Menschenrechte weltweit oder den Schutz der Regenwälder. Dadurch wurden, auch von den Aktivisten selber, eine Vielzahl an neuen NGOs gegründet. Dies erzeugte etwas, dass bisher im NGO-Sektor weitgehend unbekannt war: Wettbewerb. Die Hilfswerke standen in einem Wettbewerb um Spenden, Projekte und Finanzierungen.

Um sich stärker positionieren zu können, mussten sich die NGOs spezialisieren. Folglich nah auch der Grad der Beschäftigten an Professionalisierung zu. Dies bedeutet gleichzeitig, dass die Ehrenamtlichen zurück gedrängt wurden. Durch die Professionalisierung wurden und werden Hilfswerke in ihren Strukturen for-Profit Organisationen zwar immer ähnlicher, aber ihr Ziel ist weiterhin nicht die Profitmaximierung.

Unter anderem dadurch geriet aber die Entwicklungshilfe in die Kritik. In Deutschland löste Brigitte Erler diese Debatte aus. Bezüglich der Katastrophenhilfe schaffte das vor allem Horand Knaup mit seinem Buch ‘Hilfe, die Helfer kommen’. Knaup beschreibt in seinem Buch anhand von Katastrophen in den 1980er und 1990er Jahren Beispiele negativer humanitärer Hilfe. Er zeichnet den Zusammenhang des Wettbewerbs zwischen Hilfswerken, Spendern und Berichterstattung auf. So weist Knaup darauf hin, dass die Hilfsorganisationen kaum Rechenschaft über ihr Tun ablegen müssen. Des weiteren erklärt er, dass die NGOs nicht nur Gutes tun, sondern sie werden ‘zum Wirtschaftsfaktor Nummer eins in der Elendsregion’ und das ist ‘für die sozioökonmische Struktur’ nicht nur positiv, da viele kleine Betriebe ihre Mitarbeiter verlieren, die zu den besser bezahlenden Hilfswerken wechseln. Gibleman und Gelman verweisen in ihrer Studie auf elf Fälle in den USA. In den Fällen geht es vornehmlich um Unterschlagung und Veruntreuung von (Spenden-)Geldern. Dabei ist allerdings auffällig, dass die Schädiger meist aus dem Management kommen. Das Image der NGOs hat darunter stark gelitten, da die Medien sich des Themas angenommen und es der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben.

In den 1990er Jahren waren aber nicht nur die Skandale in den Medien. Die Medien entdeckten auch die Katastrophen und vor allem die Bilder von Katastrophen für ihre Zwecke. Hilfe nach Katastrophen lässt sich bestens vermarkten, und damit entbrannte auch ein Kampf zwischen den NGOs. Der Kampf, in den Medien möglichst positiv präsent zu sein und so auf kostengünstige Art Spendengelder zu akquirieren. Durch diesen Umstand wurde die Presse jedoch auch aufmerksamer auf die NGOs und rund um die Welt wurden zahlreiche Skandale im Bezug auf NGOs und Katastrophenhilfe aufgedeckt und die Glaubwürdigkeit der Hilfswerke hat stark gelitten. Diese Skandale haben auch Einfluss auf die öffentliche Meinung: ‘The press ist neither benign nor neutral; its messages are a powerful force in influencing public opinion’, zu diesem Schluss kommen Gibelman und Gelman nach ihrer Studie über NGOs, die in den 1990er Jahren in den USA ‘in the financing of medical research or delivery of health, human services and recreational programs for the disadvantaged in order to facilitate comparisons’ involviert waren.

‘Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben wissen, wissen wir durch die Massenmedien.’ Die Presse hat in Katastrophen und der Katastrophenhilfe ein Fortsetzungsthema gefunden. Es hat immer Katastrophen gegeben und es wird sie immer geben. Dadurch entsteht eine ‘Strukturelle Kopplung der Massenmedien mit anderen Gesellschaftsbereichen’. So fand und findet die Katastrophenhilfe Eingang in den persönlichen Gesellschaftsbereich, wie auch in die Politik. Deshalb werden für diese Arbeit, die Medien, insbesondere die Tagespresse als Träger des Images der Katastrophenhilfe in der Öffentlichkeit definiert und genutzt und mittels einer Inhaltsanalyse ausgewertet.

Professionalisierung der Katastrophenhilfe:

Wie oben beschrieben, ist die Katastrophenhilfe unter Druck geraten. Ihr Image hat beträchtlichen Schaden davon getragen und die Gründe dafür sind zahlreich. Damit wurde die Katastrophenhilfe zu einem Umdenken und einer Professionalisierung gezwungen. Es mussten Standards entwickelt werden. So wurde 1997 das Sphere Project ins Leben gerufen. Das Sphere-Project bedient sich zweier Kernaussagen. Zum einen muss alles, was in der humanitären Hilfe getan wird, das Leid der Betroffenen lindern und zweitens darf dabei ihre Würde nicht angegriffen werden. Damit greifen die Grundsätze kürzer als die mittlerweile und in Kapitel 2 vorgestellten Punkte zur Katastrophenhilfe. Aber die Outputs des Sphere-Projects gelten für alle NGOs. Deswegen dürfen sie nicht zu eng entwickelt sein, damit den Hilfswerken noch Spielraum gelassen wird.

Ein Output des Sphere Projects ist die humanitäre Charta, in der sich Hilfsorganisationen dazu verpflichten in der Katastrophenhilfe gewisse Minimum-Standards einzuhalten. Diese Standards umfassen u.a. Wasser, Abwassersysteme und Hygiene. Kapitel drei der Charter widmet sich den Minimum Standards bzgl. Lebensmitteln. Das vierte Kapitel beschreibt die Minimum Standards für Unterkünfte und Non-Food Items. Das letzte Kapitel der Charta erklärt die Minimum Standards zum Gesundheitswesen. Das Sphere-Project dient also der Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement für NGOs, vor allem im Katastrophenfall. Des Weiteren werden im Zuge des Projektes Prozesse und Abläufe der teilnehmenden Hilfswerke gesammelt, bewertet und dann erprobt.

Durch das Sphere-Project wird deutlich, dass die NGOs ihre Lage erkannt haben und versucht haben, der Kritik der Öffentlichkeit entgegenzuwirken. Seitdem hat die Zahl der Skandale in den Medien bezüglich der humanitären Hilfe abgenommen und das Image der Hilfswerke ist wie im Kapitel 2 erläutert vorwiegend positiv.

Link zur Arbeit: http://www.diplom.de/katalog/arbeit/13241
Arbeit zitieren: Schroerschwarz, Yvonne März 2009: Das Image der Katastrophenhilfe seit dem Tsunami, Hamburg: Diplomica Verlag
Bestellmöglichkeiten und Preise:

Bezugspreis eBook (PDF-Datei) per Download: EUR 38,00 inkl MwSt.
Bestellnummer: ISBN 978-3-8366-3241-6
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