Der außerschulische Lernort im Politikunterricht zum Themenfeld Umweltpolitik
- Art: MA-Thesis / Master
- Autor: Bianca Adami
- Abgabedatum: August 2010
- Umfang: 108 Seiten
- Dateigröße: 538,3 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
- Bibliografie: ca. 52
- ISBN (eBook): 978-3-8428-2125-5
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Adami, Bianca August 2010: Der außerschulische Lernort im Politikunterricht zum Themenfeld Umweltpolitik, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Schüleruni, Empirische Untersuchung, Politikunterricht, Fachdidaktik, Sozialkunde
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MA-Thesis / Master von Bianca Adami
Einleitung:
Umweltpolitische Bildung zielt darauf ab, Schüler zu umweltverantwortlichem Handeln zu motivieren und zu befähigen. Fachkompetenz, Bewusstseinsausprägung, Urteilsfähigkeit und Handlungsorientierung werden in diesem Zusammenhang durch Kommunikations- und Bildungsprozesse entwickelt. Der damit verbundene Lernprozess vollzieht sich jedoch nur als freiwilliger Vorgang beim Lernenden, indem eigene Sinnstrukturen erzeugt werden. Daher spielt die dem Lerngegenstand beigemessene Relevanz eine außerordentlich wichtige Rolle. Sie resultiert aus dem Interesse am Lerngegenstand und der Verwertbarkeit des Gelernten im eigenen Alltag. Die gesellschaftliche Bedeutung umweltpolitischer Lernprozesse ist für die kommenden Generationen kaum zu unterschätzen, da die natürliche Umwelt zu den Existenzvoraussetzungen der Menschheit zählt. Entsprechend stellt sich die Frage, wie umweltpolitische Bildung möglichst effektiv gestaltet werden kann. Umfassende Fachkenntnisse auf dem Gebiet des Umweltschutzes bedingen singulär nicht zwangsläufig eine umweltbewusste Einstellung. Zwischen der Wertehaltung und dem Verhalten eines Individuums besteht ebenfalls kein zwingend kausaler Zusammenhang, da das Verhalten von vielen unterschiedlichen Faktoren bestimmt wird. So stellt sich die Frage, ob und wie Umweltbildung überhaupt Umweltverhalten beeinflussen kann. Hier bedarf es der Bestimmung der notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die zu einem umweltverantwortlichen Verhalten führen. Dem bewussten Verhalten ist der willentliche Entschluss vorgeschaltet, der wiederum eine Beurteilung der Situation voraussetzt. Erst die Urteilskompetenz ermöglicht die notwendige, vorgelagerte Abwägung der verschiedenen Argumente. In Bezug auf das umweltverantwortliche Verhalten entspricht dies der umweltpolitischen Urteilskompetenz, die zu umweltpolitscher Mündigkeit führt.
Im Rahmen dieser Arbeit soll anhand einer qualitativen, empirischen Erhebung am Beispiel eines Workshops innerhalb der halbjährlich stattfindenden Schüleruni schools@university – Klima + Energie an der Freien Universität Berlin (Schüleruni) untersucht werden, welche kompetenzorientierten Effekte umweltbildende Maßnahmen am außerschulischen Lernort auf die umweltpolitische Mündigkeit teilnehmender Schulkinder haben.
Zur Beantwortung dieser Frage soll zunächst eine theoretische Abhandlung Überblick über den Nachhaltigkeitsgedanken und umweltpolitische Aspekte des Klimaschutzes geben, da dies die inhaltlichen Schwerpunkte des untersuchten Workshops im Rahmen der Schüleruni sind. Anschließend folgen Ausführungen zur Umweltbildung, zur politikdidaktischen Perspektive und zu Aspekten außerschulischen Lernens, um theoretische Faktoren umweltpolitischer Bildungsmaßnahmen am außerschulischen Lernort zu erläutern und geeignete Analysedimensionen zur Einschätzung und Beurteilung umweltpolitischer Bildungsmaßnahmen im außerschulischen Bereich zu bestimmen. Die Erkenntnis, dass angehäuftes Wissen zu Umweltthemen nicht automatisch Umweltbewusstsein und umweltfreundliches Verhalten hervorruft, führte zu dem kompetenzorientierten Ansatz der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Dieser Ansatz ist auch in der Politikdidaktik bekannt und bietet geeignete Anknüpfungsmöglichkeiten der politischen Bildung mit Perspektive auf umweltpolitische Mündigkeit, vorausschauendes Denken und die Fähigkeit, zukunftsrelevante Entscheidungen im Sinne nachhaltiger Entwicklung zu fällen. Zukunftsorientierte Gestaltungskompetenzen im Sinne der BNE sind auch Gegenstand außerschulischen Lernens im Bereich der Umweltbildung. Empirische Untersuchungen auf diesem Gebiet zeigen Effekte außerschulischen Lernens, erlauben allerdings mangels Repräsentativität keine Vergleichbarkeit. Die Ausführungen im theoretischen Teil bilden die Grundlage des Konzepts und des Auswertungsleitfadens zu den qualitativen Leitfadeninterviews, die im Anschluss an die im dritten Kapitel vorgestellte Schüleruni und den exemplarisch untersuchten Workshop interpretiert und ausgelegt werden. Resultierend aus den Ergebnissen dieser Untersuchung folgt im letzten Kapitel eine Auswertung festgestellter Effekte auf die umweltpolitische Mündigkeit der interviewten Schüler und didaktischer Konsequenzen zu umweltpolitischen Bildungsmaßnahmen am außerschulischen Lernort.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 4 |
| 2. | Theoretischer Hintergrund | 6 |
| 2.1 | Nachhaltigkeit in der Umweltpolitik | 7 |
| 2.1.1 | Schwerpunkt: Klimawandel und Klimaschutz | 8 |
| 2.1.2 | Der Treibhauseffekt | 10 |
| 2.1.3 | Politische Reaktionen | 11 |
| 2.2 | Umweltbildung | 15 |
| 2.2.1 | Maxime der Umweltbildung | 16 |
| 2.2.2 | Empirische Erhebungen zur Umweltbildung | 18 |
| 2.2.3 | Didaktische Ansätze | 21 |
| 2.2.4 | Bildung für Nachhaltige Entwicklung | 22 |
| 2.3 | Politikdidaktische Perspektive | 26 |
| 2.3.1 | Kontroversitätsgebot und Überwältigungsverbot | 27 |
| 2.3.2 | Verortung im Rahmenlehrplan | 28 |
| 2.4 | Außerschulisches Lernen im Bereich der Umweltbildung | 29 |
| 2.4.1 | Effekte außerschulischen Lernens | 30 |
| 2.4.2 | Selbstbestimmtes Lernen | 30 |
| 2.4.3 | Qualitätsaspekte außerschulischen Lernens | 32 |
| 2.4.4 | Ausblick | 33 |
| 3. | Außerschulischer Lernort am Beispiel der Schüleruni | 34 |
| 3.1 | Schüleruni an der Freien Universität Berlin | 35 |
| 3.2 | Workshop: Das Klimafrühstück | 36 |
| 4. | Qualitative Erhebung am Beispiel der Schüleruni | 38 |
| 4.1 | Vorannahmen | 38 |
| 4.2 | Untersuchungsdesign | 40 |
| 4.3 | Konzeption des Leitfadeninterviews | 41 |
| 4.4 | Organisation | 44 |
| 4.4.1 | Datengrundlage | 44 |
| 4.4.2 | Probeleitfadeninterview | 44 |
| 4.4.3 | Durchführung der Leitfadeninterviews | 45 |
| 4.5 | Auswertung der Leitfadeninterviews | 46 |
| 4.5.1 | Auswertungskriterien | 47 |
| 4.5.2 | Auswertung Lehrerinterview | 50 |
| 4.5.3 | Auswertung Schülerinterview 1 | 52 |
| 4.5.4 | Auswertung Schülerinterview 2 | 54 |
| 4.5.5 | Zusammenfassung | 57 |
| 5. | Fazit | 58 |
| 6. | Anhang | 64 |
| 6.1 | Leitfadeninterview – Lehrer | 65 |
| 6.2 | Leitfadeninterview – Kinder | 66 |
| 6.3 | Verwendete Transkriptionszeichen | 68 |
| 6.4 | Interview mit einem Grundschullehrer zur Schüleruni | 69 |
| 6.5 | Interview mit S1 | 86 |
| 6.6 | Interview mit S2 | 93 |
| 7. | Literatur | 102 |
Textprobe:
Kapitel 2.3, Politikdidaktische Perspektive:
Politische Bildung zielt darauf ab, Interesse an Politik zu wecken, politische Analyse- und Urteilsfähigkeit zu bilden und eine Identifizierung mit demokratischen Werten zu erreichen. Als Politik ist jede Art der Einflussnahme, Gestaltung und Durchsetzung von Forderungen und Zielen in privaten oder öffentlichen Bereichen zu verstehen. Der politische Umgang mit Risiken, Unsicherheiten und Angst bildet zunehmend eine zivilisatorische Schlüsselqualifikation. Die dazu korrespondierenden Schlüsselprobleme sind laut Wolfgang Hilligen Umweltzerstörung, Rüstung und Hunger. Ängste werden in der öffentlichen Kommunikation, in den Massenmedien oder auch von politischen Akteuren zur Einflussgewinnung benutzt. Je größer die vorherrschende Unwissenheit der Rezipienten, desto größer ist die Gefahr, dass deren Ängste und Unsicherheiten für andere Interessen ausgenutzt werden können. Deshalb ist es ein vordringliches Ziel der Politikdidaktik, diesen Ängsten mit fundiertem Wissen und geeigneten Kompetenzen zu begegnen. Insofern lassen sich zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) Gemeinsamkeiten feststellen.
In der Politikdidaktik wird der politischen Bildung das Ziel der Handlungskompetenz zugeschrieben, die sich aus der Sachkompetenz, Methodenkompetenz, sozialen und personalen Kompetenz zusammensetzt. Die Sachkompetenz befähigt die Schüler zur Auseinandersetzung mit Inhalten, Aufgaben und Problemen verschiedener Wissensbereiche, so dass sich ein Verständnis zu den Inhalten, Ordnungen und Strukturen der Wissensbereiche bilden kann, das dazu befähigt, eigenständig Fragen und Probleme zu formulieren, Lösungsansätze zu finden und auch Kritik zu üben. Die Methodenkompetenz bezeichnet die Fähigkeit der Schüler, Lernstrategien, Verfahrensweisen und Arbeitstechniken fachbezogen und fachübergreifend anwenden zu können und dabei planvoll und zielgerichtet vorzugehen. Indem Schüler empathisch in wechselnden sozialen Situationen, allein oder in Gemeinschaft erfolgreich gesteckte Ziele verfolgen können, zeigen sie ihre soziale Kompetenz. Mit wachsendem Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl entstehen emotionale Unabhängigkeit und Vertrauen in die eigenen Stärken. Diese personale Kompetenz befähigt dazu, Verantwortung zu übernehmen. Über den Erwerb dieser Kompetenzen soll politisches Bewusstsein und politische Mündigkeit erreicht werden. Das politikdidaktische Konzept der Kompetenzen ähnelt insofern jenen in der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Allerdings gibt es feine Unterschiede. Politikunterricht dient vorrangig der Entwicklung politischer Urteils- und Handlungsfähigkeit, stellt allerdings spezifische fachdidaktische Anforderungen. Da die empirische Untersuchung dieser Arbeit im zweiten Teil auf Schulkinder der Klassenstufen 4 bis 6 in der Grundschule ausgerichtet ist, wird folgend vorrangig auf die politikdidaktischen Prinzipien des Berliner Rahmenlehrplans Grundschule – Politische Bildung eingegangen.
2.3.1, Kontroversitätsgebot und Überwältigungsverbot:
Politische Bildung im Sinne der Rahmenlehrpläne unterliegt dem Kontroversitätsgebot. Die Lehrkraft ermutigt zu kontroversem Meinungsaustausch und gewährleistet Meinungsfreiheit. Erst das gegenseitige Argumentieren und Zuhören schafft den notwendigen Raum für abwägendes Nachdenken und fördert das Verständnis. Dies bildet die Grundlage für eine eigene Meinungsbildung. Aus nur einer Perspektive vermittelte Inhalte bieten keinen Raum für eine Auseinandersetzung auf komplexer Ebene, die eine Berücksichtigung zahlreicher Faktoren verlangt und in höheren Klassenstufen mit steigender Abstraktion einhergeht. Die Fähigkeit zu kontroversem Meinungsaustausch ist folglich eine Grundvoraussetzung für den späteren Umgang mit komplexen Problemen, wie sie auch in der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) immer wieder erwähnt werden. Darüber hinaus besteht in der Politikdidaktik seit dem Beutelsbacher Konsens von 1976 zusätzlich zum Kontroversitätsgebot ein Überwältigungsverbot (auch Indoktrinationsverbot). Die Meinung der Lehrkraft darf nicht zum alleinigen Maßstab werden oder gar ‘missionierend’ wirken. Die eigene Meinungsbildung der Schüler ist eine Grundvoraussetzung für das Ziel der politischen Mündigkeit. Weiterhin soll die politische Bildung anknüpfend an die Alltagserfahrungen der Schüler schülerorientiert sein. Und nicht zuletzt ist die aktive Beteiligung der Schüler an praktischen und anschaulichen Inhalten im Rahmen der Handlungsorientierung zu realisieren. Realitätserfahrungen, Selbsttätigkeit und Sozialbezug sind in diesem Zusammenhang wesentliche Bestandteile.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842821255
Arbeit zitieren:
Adami, Bianca August 2010: Der außerschulische Lernort im Politikunterricht zum Themenfeld Umweltpolitik, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Schüleruni, Empirische Untersuchung, Politikunterricht, Fachdidaktik, Sozialkunde



