Die Lüge und der Lügner
Eine Betrachtung der Lüge im Allgemeinen und im Speziellen mit besonderem Augenmerk auf die Unterschiede zwischen Männern und Frauen
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Nicole Schimanski
- Abgabedatum: Oktober 2005
- Umfang: 147 Seiten
- Dateigröße: 521,4 KB
- Note: 3,3
- Institution / Hochschule: Universität Duisburg-Essen, Standort Essen Deutschland
- Bibliografie: ca. 123
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0035-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8366-0035-4 P - ISBN (CD) :978-3-8366-0035-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schimanski, Nicole Oktober 2005: Die Lüge und der Lügner, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kommunikation, Täuschung, Non-Verbale Kommunikation, Linguistik, Geschlechter
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Magisterarbeit von Nicole Schimanski
Einleitung:
Beginnen wir mit einer grundlegenden Wahrheit: Gelogen wird seit Menschheitsbeginn. Die Lüge kommt schon in den ältesten Epen der Menschheit vor, die griechischen Olympier bei Homer praktizierten sie und Odysseus wird gar von Göttern und Menschen gelobt, wenn ihm wieder einmal eine (damals noch positiver formuliert) List gelungen ist.
Wie wäre Shakespeares Othello ausgegangen ohne Jagos Intrigen und Unwahrheiten, die Othello dazu brachten, sich selbst und Desdemona umzubringen?
Die Geschichte von Pinocchio, Gullivers Reisen oder die vor Phantasie sprühenden Abenteuer des Barons Münchhausen basieren vollständig auf ausgedachten unwahren Erlebnissen.
Kommt man zu einer Verabredung zu spät, wird schon mal zu einer Notlüge gegriffen, dem Arbeitgeber gegenüber ist man auch nicht immer ganz ehrlich und der Ehemann, der seine Frau betrügt, täuscht ihr vor, dass sie die einzige für ihn ist.
Die Lüge ist fester Bestandteil der menschlichen Existenz – über Zeiten und Gesellschaften hinweg.
Entsprechend haben sich bereits zahlreiche wissenschaftliche Publikationen diesem Thema angenommen, vor allem in konkreten Einzeldisziplinen (Harald Weinrich, Paul Ekman, Volker Sommer, etc.). Dennoch fehlt die Detailbetrachtung der geschlechterspezifischen Unterschiede beinahe völlig. Die einzig erwähnenswerte Ausnahme ist Bella DePaulo, die verschiedene Aufsätze in Fachzeitschriften der Psychologie veröffentlich hat, basierend auf von ihr durchgeführten Tagebuchstudien.
Existieren geschlechterspezifische Lügen denn tatsächlich und falls ja, wie unterscheidet sich die Kommunikation im Allgemeinen und die Lügen im Speziellen bei Frauen und Männern?
Diese Frage steht im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit. Um beantworten zu können, ob es geschlechterspezifische Lügen gibt, gilt es herauszufinden, wer häufiger lügt, ob Inhalte und Motive der Lügen unterschiedlich sind und wie sich Männer und Frauen in ihren Lügen als Kind, im Beruf, in Partnerschaften voneinander absondern, aber vor allem: weshalb bei beiden Geschlechtern manchmal die Lüge der Wahrheit vorgezogen wird.
Der Weg dahin führt über eine allgemeine Darstellung von Lügen, die verschiedenen Arten, in denen sie auftauchen kann und einen Überblick über die Untersuchungen von Wissenschaftlern und Lügenforschern. Wie genau definiert man denn eigentlich eine Lüge, woran erkennt man sie und gibt es Abstufungen in der Schwere von Lügen?
Im ersten Abschnitt beschäftige ich mich außerdem mit der Linguistik der Lüge und hinterfrage, ob man lügen lernen kann oder ob es den „geborenen Lügner“ gibt.
Im zweiten Kapitel untersuche ich die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Sind wir bereits vor der Geburt verschieden angelegt oder werden wir durch Erziehung und Sozialisation zu dem, was wir sind? Neben allgemeinen Divergenzen beleuchte ich die unterschiedliche Kommunikation, vor allem anhand von den Ergebnissen, die Deborah Tannen in ihrer Forschung erzielt hat, und betrachte, welche Rolle die Lüge in zwischenmenschlicher Kommunikation spielt. Des Weiteren wird hier erneut über die Definition einer Lüge gesprochen und wie diese sich unterscheiden kann, je nachdem, ob ein Mann oder eine Frau sie vornimmt.
Unter anderem den verräterischen und typischen Charakteristika einer Lüge widmet sich das nächste Kapitel. Hier findet sich auch eine Beantwortung der Fragen, ob man Lügen kann ohne aufzufallen oder woran man Lügen erkennt. Ich gehe der Frage nach, ob gute Redner auch automatisch gute Lügner sind und wie sich die Lüge in verschiedenen Bereichen des Lebens findet. Wir werfen einen Blick in die bunte Welt der Werbung, erfahren, wie Tiere lügen und wie es ist, sich wochenlang in eine soziale Gruppe unter falschen Voraussetzungen einzuschleichen. Barbara Ehrenreich hat so die Arbeitswelt in den USA kennen gelernt, um herauszufinden, wie man mit einem Mindestlohn leben kann; Günter Wallraff berichtete in seiner Rollenreportage Ganz unten u.a. über die kulturellen Unterschiede der Arbeiter in Deutschland.
Das vierte Kapitel beinhaltet einen empirischen Ansatz. In Anlehnung an die Tagebuchstudien von Bella DePaulo führe ich ebenfalls eine Untersuchung zum Lügenverhalten von Männern und Frauen durch. Für die Auswertung stelle ich einige Hypothesen auf, die es durch die Resultate der Studie abzulehnen oder anzunehmen gilt.
Mit diesem empirischen Teil zusätzlich zur Literaturrecherche ist es möglich, auf die Ausgangsfrage, ob es geschlechterspezifische Lügen gibt und wie diese aussehen, eine Antwort zu finden, die im abschließenden Fazit noch einmal zusammenfassend dargestellt wird. In diesem fünften und letzten Teil der Arbeit wird auch eine mögliche Prognose ersichtlich, wie sich die Lüge in der Zukunft weiterentwickeln könnte.
Für die Kommunikationswissenschaft ist die Untersuchung der Lüge von Relevanz, da die Lüge als eine etwaige besondere Form der Kommunikation die Erforschung von Kommunikation im Allgemeinen unterstützt. Außerdem lassen sich mithilfe der Untersuchung von Lügen zwischenmenschliche Beziehungen besser verstehen, was zusätzlich zum wissenschaftlichen einen generellen Nutzen bietet.
Die Kombination der beiden Untersuchungsmethoden (Untersuchung von Literatur sowie eigene Datenerhebung) lässt sowohl einen weitreichenden Blick aufgrund der zahlreich vorhandenen Betrachtungsweisen und teilweise repräsentativeren Untersuchungen von Lügen zu, als auch einen neu geschaffenen detaillierteren Begriff, im vorliegenden Falle die Unterschiede zwischen Männer- und Frauenlügen.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 1 | |
| 1 | LÜGEN FÜR ANFÄNGER | 4 |
| 1.1 | Die Linguistik der Lüge | 7 |
| 1.2 | Die Lüge im Spiegel der Zeit und aus den Augen anderer | 9 |
| 1.3 | Die Lüge im Rampenlicht – Definitionen | 18 |
| 1.3.1 | Verschiedene Arten, in denen Lügen auftauchen können | 20 |
| 1.3.2 | Was steckt hinter den Lügen? | 23 |
| 1.3.2.1 | Lügen mit senderorientierten Motiven | 25 |
| 1.3.2.2 | Lügen mit empfängerorientierten Motiven | 27 |
| 1.3.2.3 | Lügen mit beziehungsorientierten Motiven | 28 |
| 1.4 | Der Weihnachtsbaum ist im Urlaub | 29 |
| 2. | LÜGEN MÄNNER MEHR ALS FRAUEN SCHUHE KAUFEN? | 37 |
| 2.1 | XX und XY – der biologische Aspekt | 40 |
| 2.2 | Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern | 43 |
| 2.2.1 | Deborah Tannen | 44 |
| 2.2.2 | Bella DePaulo | 55 |
| 2.2.3 | Populärwissenschaft und Feminismus | 60 |
| 2.3 | Ich ruf’ dich an und andere Liebe(s)Lügen | 64 |
| 2.4 | Einige Definitionen aus der Studie – aus männlicher und weiblicher Sicht | 68 |
| 3. | LÜGEN FÜR FORTGESCHRITTENE | 70 |
| 3.1 | Wie Affen einander Bären aufbinden | 71 |
| 3.2 | Berufswelten | 74 |
| 3.2.1 | Emotionsarbeit | 76 |
| 3.2.2 | Der Klassiker: Werbung | 79 |
| 3.2.2.1 | Der Kunde in der Klarsichtpackung | 79 |
| 3.2.2.2 | Der Mensch und seine Mogelpackung | 81 |
| 3.2.2.3 | Man ist, was man isst | 83 |
| 3.2.3 | Der vermeintlich Neutrale: Journalismus | 85 |
| 3.2.3.1 | Die James Bonds des Journalismus | 90 |
| 3.2.4 | Zugunsten des Volkes: Politik | 93 |
| 3.2.4.1 | Der Zweck heiligt die Lügen | 95 |
| 3.3 | Wahrheit günstig abzugeben | 97 |
| 3.3.1 | Lügenzeichen | 101 |
| 3.3.1.1 | Die Sprache | 101 |
| 3.3.1.2 | Die Stimme | 102 |
| 3.3.1.3 | Der Körper | 102 |
| 3.3.1.4 | Das Gesicht | 104 |
| 3.3.2 | Wer entlarvt Lügen besser? | 106 |
| 3.3.3 | Detektoren und Co. | 109 |
| 4. | WER WIRD LÜGENKÖNIG? | 111 |
| 4.1 | Methode des empirischen Teils | 112 |
| 4.2 | Versuchspersonen | 114 |
| 4.3 | Hypothesen | 115 |
| 4.4 | Auswertung | 118 |
| 4.5 | Ergebnisse im Überblick | 126 |
| 4.6 | Diskussion | 127 |
| 5. | ER LÜGT WIE TELEGRAPHIERT – FAZIT UND AUSBLICK | 128 |
| ANHANG | 130 | |
| QUELLEN | 137 |
Textprobe:
Kapitel 2.2.2: Bella DePaulo Bella DePaulo ist wesentlich durch das Durchführen von Tagebuchstudien mit ihren Forschungen über Lügen bekannt geworden. Die Psychologin untersucht hauptsächlich die ‚normale Alltagslüge’.
Die Studien dienten zur Herleitung unterschiedlichster Ergebnisse. In einem Artikel geht es vorrangig um die Motive des Lügens, in einem anderen darum, ob Lügen sich entsprechend der Persönlichkeiten unterscheiden. Ein dritter behandelt die Frage, ob in engen Beziehungen mehr oder weniger gelogen wird.
Bella DePaulo ließ zusammen mit Kashy, Kirkendol, Wyer und Epstein 77 Studenten und 70 Mitglieder einer Gemeinde in Virginia, USA, ein Tagebuch über all ihre Unterhaltungen im Zeitraum von einer Woche führen. Für jedes Gespräch musste angegeben werden, ob darin gelogen wurde oder nicht. Ebenso mussten Angaben über den Interaktionspartner gemacht werden.
So konnte beispielsweise herausgefunden werden, wie hoch die Anzahl von Lügen in Relation zur Wahrheit ist oder welches die Motive des Lügens sind.
Die Forscher entschieden sich für diese zwei unterschiedlichen Gruppen, um eine möglichst breit gefächerte Perspektive zu haben.
Im Gegensatz zu den Studenten sind viele der Gemeindemitglieder verheiratet, haben bereits Kinder, üben einen Beruf aus und die meisten haben nicht mehr als einen High School-Abschluss.
Die Studien ergaben, dass jeder der Teilnehmer gelogen hat. Im Schnitt erzählten die Bewohner der Gemeinde eine Lüge am Tag, die College-Schüler zwei.
Mehr als 80% der Lügen in beiden Studien hatten eigennützige Gründe, d.h. eigene Vorzüge wurden herausgestellt oder Fehler verleugnet, um besser dazustehen, sich Peinlichkeiten zu ersparen oder Konflikten aus dem Weg zu gehen.
Nur etwa jede vierte Lüge wurde erzählt, um den Gesprächspartner oder seine Gefühle zu schützen.
Diese altruistischen Lügen werden häufiger von Frauen geäußert, ebenso wie die Empfänger dieser Lügen ebenfalls häufiger weiblich sind.
Kaum jemand befand seine eigenen Lügen als schwerwiegend, wohl auch in Anbetracht der Tatsache, dass jeder von ihnen mindestens einmal am Tag eine Lüge geäußert hat. Außerdem schienen die meisten Lügen ungeplant.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836600354
Arbeit zitieren:
Schimanski, Nicole Oktober 2005: Die Lüge und der Lügner, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kommunikation, Täuschung, Non-Verbale Kommunikation, Linguistik, Geschlechter



