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Der Lotse geht von Bord!

Die Problematik des Generationswechsels in Familienunternehmen

Der Lotse geht von Bord!
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Holger Staudt
  • Abgabedatum: November 2004
  • Umfang: 99 Seiten
  • Dateigröße: 712,4 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Mannheim Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8923-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8923-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8923-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Staudt, Holger November 2004: Der Lotse geht von Bord!, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Nachfolge, Führung, Auswahl, Senior, Junior

Diplomarbeit von Holger Staudt

Einleitung:

Berücksichtigt man die in letzter Zeit wieder vermehrt zu lesenden Artikeln, die sich mit Familienunternehmen und insbesondere mit deren Problematik des Generationswechsels beschäftigt, wird deutlich, welch reißerisches Potential mit diesem Thema verbunden ist. Dies gilt für wissenschaftliche Literatur und Presse gleichermaßen und reicht von bunter Metaphorik wie "unter großen Eichen wachsen nur Pilze", über drohende Formulierungen wie "Zusätzliche Dramatik schafft heute der Machtwechsel von der kämpferischen Kriegsgeneration auf die Wohlstandsgeneration, „die Zeit der autoritären und kraftvollen Firmenpatriarchen geht unweigerlich zu Ende", bis hin zur Benennung spezieller medizinisch-psychologischer Syndrome wie dem "Buddenbrook-Syndrom" und dem "Prince-Charles-Syndrom". An Kreativität mangelt es den Autoren nicht.

Diese Entwicklung ist auf zwei Hauptursachen zurückzuführen. Zum einen stellen Familienunternehmen ein vergleichbar junges akademisches Forschungsfeld dar, das sehr stark interdisziplinär geprägt ist und auf dem sich eine Vielzahl unterschiedlicher Berufsgruppen tummelt.

Zum anderen gehört der Generationswechsel zu den heikelsten Phasen im Lebenszyklus dieser Unternehmensform, was, verbunden mit der wirtschaftlichen Bedeutung und der Aktualität des Themas, einen hervorragenden Nährboden für interessante Recherchen und Untersuchungen liefert.

Der Generationswechsel entscheidet nicht selten über Erfolg oder Untergang eines Familienunternehmens. Altersgründe, Ehescheidung, Streit, Unfall und Krankheit stellen jedes Jahr etwa 70.000 Unternehmen in Deutschland vor das Problem, einen Nachfolger zu finden. Zwar halten 80% der Unternehmer das Nachfolgeproblem für eines ihrer wichtigsten und dringendsten Probleme überhaupt, die wenigsten planen jedoch frühzeitig einen adäquaten Übergabeprozess.

Diejenigen, die ihn planen, greifen – im Bewusstsein der Nachfolgeproblematik – nicht selten auf so drastische Maßnahmen wie Haniel oder Aldi Süd zurück. In deren Satzung wurde schwarz auf weiß festgehalten, dass in Zukunft kein Familienmitglied mehr an die Spitze des Unternehmens rücken darf.

Es ist daher nicht weiter überraschend, dass in der jüngeren Vergangenheit die Zukunftsfähigkeit des Modells "Familienunternehmen" regelmäßig in Frage gestellt wurde. Zwar kann man Familienunternehmen vorwerfen, sie besäßen Qualifikationsdefizite und wären nicht ausreichend über die neuesten Managementerkenntnisse informiert.

Es sollte allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass sie sich in den letzten Jahrzehnten, in denen viele große Aktiengesellschaften mit der Implementierung des jeweils neuesten Management-Trends zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren, dank einer gesunden Resistenz gegen diese "Moden" erfolgreich auf ihr Kerngeschäft und ihre Kunden konzentrieren konnten.

Gang der Untersuchung:

Nachdem zu Beginn unter anderem die definitorische Abgrenzung des Begriffes "Familienunternehmen" und deren volkswirtschaftlicher Bedeutung im Vordergrund des Interesses stehen, wird in Kapitel 3 auf das Konstrukt des Familienunternehmens und die damit verbundenen Stärken und Schwächen eingegangen.

In Kapitel 4 schließt sich die Darstellung der Nachfolgeproblematik an, wie sie in der wissenschaftlichen Literatur dargestellt wird. Hierbei werden nicht nur die einzelnen Phasen des Nachfolgeprozesses in chronologischer Reihenfolge beschrieben, sondern auch relevante psychologische Phänomene des Seniors bzw. Juniors herausgearbeitet. Dass gerade diese psychologischen Faktoren und Phänomene wie etwa die Rücktrittsmotivation des amtierenden Unternehmenslenkers bzw. die Persönlichkeit des Nachfolgers und nicht, wie oftmals vermutet, die mangelnde Wirtschaftskraft allein entscheidenden Einfluss auf die organisatorische Umsetzung des Generationswechsels haben, wird hierbei schrittweise verdeutlicht.

Erfolgte die Betrachtung der Nachfolgeproblematik in Familienunternehmen im vierten Kapitel noch ausschließlich literaturgestützt, so wird die Arbeit in Kapitel 5 um eine empirische Untersuchung erweitert. Zielsetzung ist hierbei aufzuzeigen, inwieweit die in der Wissenschaft geschilderten Probleme und Symptome der familieninternen Nachfolge in den ausgewählten Unternehmen von Relevanz sind bzw. waren. Im Rahmen der Empirie wird auch die Gültigkeit der These überprüft, ob und in welchem Maße die Person des Nachfolgers zu Beginn des Führungswechsels zwangsläufig einem "Teufelskreis des Misserfolges" ausgesetzt ist.

Dass der Generationswechsel die systemimmanenten Schwachstellen des organisatorischen Gebildes "Familienunternehmen" verstärkt ans Tageslicht bringt, liegt auf der Hand. Ob diese jedoch dazu führen, dass das Schiff vom Kurs abkommt, wenn der Lotse von Bord geht, wird sich zeigen.

Inhaltsverzeichnis:

I. Abbildungsverzeichnis III
II. Abkürzungsverzeichnis IV
1. Der Lotse geht von Bord! 1
2. Familienunternehmen im 21. Jahrhundert 3
2.1. Das Familienunternehmen 3
2.2. Die wirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen 5
3. Familienunternehmen - Konstrukt und Substanz 8
3.1. Strukturelle Besonderheiten 8
3.1.1 Die soziologischen Subsysteme Familie & Unternehmen 8
3.1.2 Die Organisationsstruktur - Der Familienunternehmer 9
3.1.3 Unternehmenskultur versus Familienkultur 11
3.2 Verhaltensspezifika in der Organisation 13
3.2.1 Unternehmensführung - Einheit von Führung und Eigentum 13
3.2.2 Kommunikation in Familienunternehmen 14
3.2.3 Konfliktmanagement innerhalb von Familienunternehmen 16
3.3 Der Vater erstellt's, der Sohn erhält's, dem Enkel zerfällt's! - Von der Evolutionsproblematik in Familienunternehmen 21
4. Die Nachfolge in Familienunternehmen 25
4.1 Bedeutung und Ziel 25
4.2 Die Auswahl des geeigneten Nachfolgers 27
4.2.1 Welcher Unternehmertyp ist gefragt? 28
4.2.2 Der Auswahlprozess - Gerechtigkeit und/oder Kompetenz 31
4.3 Psychosoziale Faktoren des Generationswechsels 33
4.3.1 Die Bereitschaft des Seniors 34
4.3.2 Die Bedenken des Juniors 37
4.4 Die Herausforderungen an die neue Führung 41
4.4.1 Führungs- und Akzeptanzprobleme - interne und externe Widerstände 41
4.4.2 Ist eine beratende Funktion der älteren Generation erstrebenswert? 43
4.5 Erfolgreiche Nachfolge - Kontinuität oder Transformation? 46
4.6 Ergebnis der Literaturauswertung 47
5. Der Generationswechsel in der Praxis 49
5.1 Fragestellung und Ziel der Untersuchung 49
5.2 Untersuchungsmethodik und -ablauf 50
5.3 Ergebnisse der Unternehmensbefragung 53
5.3.1 Thematisierung und Umgang mit der Nachfolgeproblematik 53
5.3.2 Qualitäten, die einen geeigneten Nachfolger auszeichnen 54
5.3.3 Der Auswahlprozess - Gerechtigkeit und/oder Kompetenz 56
5.3.4 Die Bereitschaft des Seniors 57
5.3.5 Die Bedenken des Juniors 60
5.3.6 Herausforderungen an die neue Führung 61
5.3.7 Die Nachfolge - ein "Teufelskreis" des Misserfolges? 64
5.4 Die Problematik des Generationswechsels in Theorie und Praxis 66
6. Fazit - Ansatz für weitergehende Forschung 68
III. Anhang 71
IV. Literaturverzeichnis 82
Ehrenwörtliche Erklärung 92

Automatisiert erstellter Textauszug:

4.4.2. Ist eine beratende Funktion der älteren Generation erstrebenswert? Die Frage nach dem Für und Wider einer beratenden Funktion des Seniors nach dessen Rücktritt aus der Unternehmensleitung ist eine der am kontroversesten diskutierten Fragestellungen in der Literatur. Die Ergebnisse und Empfehlungen reichen von genereller Ablehnung bis hin zu deutlichem Befürworten einer solchen Regelung.183 Fürsprecher argumentieren, dass der Wechsel an der Unternehmensspitze nicht zwangsläufig mit einem vollständigen Ausscheiden der Senior-Generation verbunden sein muss. Eine beratende oder zumindest repräsentative Funktion ist ihrer Meinung nach insbesondere dann von sowohl menschlichem als auch wirtschaftlichem Nutzen, wenn man sich den Erfahrungsschatz und die bestehenden Netzwerke mit wichtigen Kunden, Lieferanten usw. vor Augen hält.184 Solange sich aus dieser beratenden Funktion kein sogenanntes „Backseatdriving“185 entwickelt, d. h. ein Hineinregieren aus dem Hintergrund, ist es als durchaus vorteilhaft anzusehen, Anregungen und Meinungen des zurückgetretenen Unternehmers einzuholen. Im Gegensatz dazu verweisen die Widersacher auf eben diese kritische Situation, in welcher der Senior seine beratende Funktion mit einer derartigen Intensität ausübt, dass der Nachfolger wichtige Erfahrungen nicht selber sammeln kann186 und im Extremfall sogar Entscheidungen über dessen Kopf hinweg getroffen werden.187 „The old man still has Veto power“188 ist die naheliegende Schlussfolgerung der verschiedenen Stakeholder-Parteien wie Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten etc. Eine solche Wahrnehmung kann für den Nachfolger zu einem hohen Hindernis werden, wenn es darum geht, seine Führungsposition sowohl intern als auch extern zu legitimieren. Ein permanentes Auftreten des Seniors in [...]

Unter Berücksichtigung der im vorangegangenen Kapitel geschilderten psychologischen Problembereiche der Nachfolge in Familienunternehmen wird deutlich, dass die Übertragung der Unternehmensleitung vom Senior auf den Junior viel mehr umfasst als die offenkundige Führungsübergabe.174 Es geht für den Nachfolger darum, sich gegen eine Vielzahl unterschiedlichster Widerstände durchzusetzen, notwendige organisatorische Veränderungen voranzubringen und das Gleichgewicht zwischen Familie und Unternehmen zu bewahren. Hinzu kommt, dass die Anforderungen an heutige Unternehmer kontinuierlich steigen.175 Die zunehmende Dynamik der Umwelt, die sich u. a. in einer beschleunigten Entwertung des erworbenen Fachwissens und kürzeren Produktlebenszyklen widerspiegelt, verlangt von der Führung ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und Weiterbildungsbereitschaft. Diese Entwicklung lässt somit die Vermutung zu, dass die persönliche Kompetenz und Autorität des Unternehmers zunehmend an Bedeutung gewinnt, da sie im Gegensatz zum Fachwissen weniger starken Veränderungen ausgesetzt ist.176 [...]

Der zweite oben erwähnte Zeitraum beschreibt die Situation, in welcher der Senior die Zügel des Unternehmens noch fest in der Hand hält und der Junior erste Erfahrungen im Familienunternehmen sammelt. Über die ideale Länge und Umsetzung dieses Zeitraumes gehen die Meinungen in der Literatur weit auseinander. Brors sieht in den seines Erachtens „unvermeidlichen Reibereien zwischen beiden, die langsam aber sicher die Belegschaft spalten“, einen klaren Beweis dafür, dass sich der Firmengründer möglichst schnell zurückziehen muss, ohne dabei als „Graue Eminenz“ im Hintergrund weiterhin die Fäden zu ziehen.167 Damit entscheidende Aspekte der Nachfolgeproblematik nicht außen vorgelassen werden, wird im Folgenden von einer positiven Nachfolgeentscheidung des Junior-Unternehmers ausgegangen. Wenn von einer „positiven“ Nachfolgeentscheidung gesprochen wird, ist dies nicht gleichbedeutend mit einer aus tiefster Überzeugung handelnden Person. Der zuvor geschilderte Fall zur Verdeutlichung der Dissonanz-Theorie hat dies bereits gezeigt. Im nächsten Abschnitt sollen nun darauf aufbauend die unterschiedlichen Nachfolgemotivationen genauer untersucht werden [...]

Arbeit zitieren:
Staudt, Holger November 2004: Der Lotse geht von Bord!, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Nachfolge, Führung, Auswahl, Senior, Junior

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