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Liquidity at Risk (LaR) und LiquidityValue at Risk (LVaR)

Zwei neue Ansätze für das Liquiditätsmanagement

Liquidity at Risk (LaR) und LiquidityValue at Risk (LVaR)
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Sander Conzen
  • Abgabedatum: Oktober 2006
  • Umfang: 96 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Frankfurt School of Finance & Management Deutschland
  • Bibliografie: ca. 61
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3500-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Conzen, Sander Oktober 2006: Liquidity at Risk (LaR) und LiquidityValue at Risk (LVaR), Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Liquidity at Risk (LaR), LiquidityValue at Risk (LVaR), Liquiditätsmanagement, Risikomanagement, Fiedler / Zeranski

Bachelorarbeit von Sander Conzen

Einleitung:

Einführung in das Thema:

In der Theorie - im vollkommenen Geld- und Kapitalmarkt - ist die Sicherstellung der Liquidität eines Unternehmens kein betriebswirtschaftliches Problem. Wenn der Marktwert des Unternehmensvermögens die Verbindlichkeiten übersteigt, können alle Auszahlungen extern refinanziert werden. In der Realität allerdings, wird durch unvollkommene Geld- und Kapitalmärkte, beispielsweise durch Informationsasymmetrien, eine unternehmensinterne Liquiditätssteuerung notwendig; Liquidität ist ein reales, betriebswirtschaftliches Problem. Besonders Banken haben durch die Komplexität der Zahlungsströme und durch implizite Kundenoptionen bei vielen ihrer Produkte einen erhöhten Bedarf an einem gut aufgestellten Liquiditätsmanagement.

Relevanz und Ziel der Arbeit:

Es ist bisher noch keine geschlossene Liquiditätstheorie ersichtlich. Auch in der Praxis konnten sich noch keine anerkannten Methoden oder Modelle als unternehmensübergreifende Standards herauskristallisieren. Es gibt zum Thema Liquiditätsrisiko im Vergleich zu den anderen Risikoarten, wie beispielsweise Zinsrisiko, relativ wenig Literatur. Das liegt zum einen daran, dass Risikomanagement ein sensibles und lukratives Gebiet ist und viele Unternehmen ihr Wissen als Betriebsgeheimnis für sich behalten, da sie sich daraus einen Wettbewerbsvorteil erhoffen. Consulting Unternehmen beraten ihre Kunden und geben ihr Know-how selektiv weiter ohne ihre Ergebnisse auch zu veröffentlichen. Zum anderen gibt es auch von aufsichtsrechtlicher Seite, national wie international, noch keine einheitlichen Aussagen über Best-Practice-Methoden oder besonders geeignete Ansätze, um Banken einen gewissen Freiheitsgrad zu lassen. Einigkeit besteht nur darüber, dass viele traditionelle Ansätze unzureichend sind, da sie keine Aussagen über Wahrscheinlichkeit und Höhe eines Risikoeintritts machen.

Angetrieben von einem aktuellen Wandel in den aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk), durch genaue Analysen einiger Firmenzusammenbrüche und durch die modernen Ansätzen großer Kreditinstitute und Consulting Unternehmen, ist in den letzten Monaten Bewegung in viele Facetten des Themas ‘Liquiditätsrisikomanagement’ gekommen. Dieser Wandel stellt viele Banken ‘vor [die] Aufgabe, neue Ansätzen zur Messung, Überwachung und Steuerung von Liquiditätsrisiken zu entwickeln.’ Auch von praktischer Seite haben sich in den letzten Jahren die Anforderungen an das Liquiditätsmanagement erhöht. Ein wachsendes Spektrum an komplexer werdenden Finanzprodukten, wachsender Wettbewerb, IT-Neuerungen, Verhaltensänderungen der Marktteilnehmer, Globalisierung und aufsichtsrechtliche Neuerungen.

Momentan werden verschiedene Value at Risk-ähnliche Konzepte aus der Zins-Betrachtung stammend vorgestellt, die an das Liquiditätsrisiko angepasst wurden. Damit soll die Ermittlung von Liquiditätsabflüssen ermöglicht werden, die mit bestimmten Wahrscheinlichkeiten in bestimmten Zeiträumen nicht überschritten werden. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die hohe Fremdbestimmtheit der Zahlungsströme von Banken ein Spannungsverhältnis zwischen Genauigkeit und Wirtschaftlichkeit der Liquiditätsplanung verursacht. Daher müssen sich neue Ansätze auch der Frage stellen, ob sie das Liquiditätsrisiko gleichzeitig praktikabel, rentabel und zuverlässig schätzen können und, ob sich daraus eindeutige Steuerungs- und Controllingsignale ableiten lassen. Hier setzt die vorliegende Arbeit an:

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die Problematik des Liquiditätsrisikos zu geben. Weiterhin soll ein Beitrag zur Klärung der Fragestellung geliefert werden, ob sich die aus dem Value at Risk Ansatz abgeleiteten Methoden Liquidity at Risk (LaR; zur Quantifizierung des Zahlungsunfähigkeitsrisikos) und LiquidityValue at Risk (LVaR; zur Quantifizierung des Liquiditätsfristentransformationsrisikos) für das Risikomanagement von Liquidität generell eignen, ob sie das Liquiditätsrisikomanagement von Banken verbessern und ob sich ihr Einsatz auch unter dem Primat der Rentabilität rechtfertigt. Überprüft werden soll dabei die zentrale These dieser Arbeit:

Die Ansätze des LaR und des LVaR sind den bisherigen Risikomaßen des Liquiditätsmanagements von Banken überlegen und stellen eine Bereicherung für das Liquiditätsmanagement dar.

Aufbau der Arbeit:

Um dieser Zielsetzung nachzukommen, ist die vorliegende Arbeit in fünf Teile gegliedert. Der erste Teil erläutert die Einleitung in das Thema des Liquiditätsmanagements.

Der zweite Teil identifiziert die wichtigsten Grundlagen und die Rahmenbedingungen des Liquiditätsmanagements. Zuerst werden in diesem Sinne die Begriffe ‘Liquidität’ und ‘Liquiditätsrisiko’ definiert und danach auf die Besonderheiten dieser Faktoren in Liquiditätsmanagement von Banken eingegangen. Anschließend werden die bestehenden und zukünftigen aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen beleuchtet und kritisch hinterfragt.

Nach der Betrachtung der grundlegenden, auf das Liquiditätsmanagement einwirkenden Faktoren in Kapitel 2, wird in Kapitel 3 die Antwort der Banken auf diese Einflussfaktoren anhand der bisherigen Risikomaße präsentiert. Dabei wird auch eine Überführung von Risikomaßen anderer Risiken auf das Liquiditätsrisiko vorgenommen.

Das vierte Kapitel stellt die beiden neuen Risikomaße LaR und LVaR den bisherigen Risikomaßen in Kapitel 3 gegenüber. Kapitel 4 bildet dabei den Kern dieser Arbeit und untergliedert sich in zwei Abschnitte, in denen die beiden neuen Ansätze zur Liquiditätssteuerung, LaR und LVaR, erläutert werden. Zuerst wird der LaR betrachtet. Dabei wird zunächst der LaR aus dem Value at Risk (VaR) entwickelt, um anschließend mit dem Vergleich der Werke von Fiedler und Zeranski zwei bedeutende Alternativen zur Herleitung des LaR zu diskutieren. Darauf hin wird ein neuer, eigener Ansatz des Autors dieser Arbeit vorgestellt, praktisch veranschaulicht und von der bisherigen Literatur abgegrenzt. Der zweite Teil des vierten Kapitels beschäftigt sich mit dem LVaR. Zuerst wird auf die aktuelle Situation der langfristigen Liquiditätssteuerung eingegangen und die Entwicklung der LVaR erläutert. Anschließend wird der Ansatz dieser Arbeit für den LVaR beschrieben und mit Beispielen verdeutlicht.

Das letzte Kapitel stellt das Fazit dieser Arbeit dar. Die Erkenntnisse aus der Entwicklung des LaR und des LVaR werden hier zusammengefasst und die beiden Ansätze unter Berücksichtigung ihrer Vor- und Nachteile kritisch hinterfragt. Schließlich wird ein Fazit bezüglich des praktischen Nutzens von LaR und LVaR für Banken präsentiert. Die Arbeit endet mit einem Ausblick über die zukünftige Entwicklung des Liquiditätsmanagements und insbesondere von LaR und LVaR.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis 4
Symbolverzeichnis 6
1. Einleitung 7
1.1 Einführung in das Thema 7
1.2 Relevanz und Ziel der Arbeit 7
1.3 Aufbau der Arbeit 9
2. Identifizierung der Grundlagen und Rahmenbedingungen des Liquiditätsrisikos 10
2.1 Definition und Bestimmung von Liquidität 10
2.2 Besonderheiten der Liquidität von Banken 12
2.3 Definition und Bestimmung von Risiko 13
2.4 Definition und Bestimmung von Liquiditätsrisiko 14
2.5 Aufsichtsrechtliche Bestimmungen 16
2.5.1 Gegenwärtige aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen 16
2.5.2 Zukünftige aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen 20
2.5.3 Kritische Reflexion des Aufsichtsrechts 21
3. Bisherige Risikomaße mit Relevanz für das Liquiditätsmanagement 22
3.1 Abgrenzung des Themas 22
3.2 Risikomaß: Bestände 23
3.3 Risikomaß: Relationen 23
3.4 Risikomaß: Gap-Analyse 24
3.5 Risikomaß: Sensitivitäten 27
3.6 Risikomaß: Value at Risk (VaR) 29
4. LaR und LVaR als neue Risikomaße für das Liquiditätsmanagement 33
4.1 Liquidity at Risk (LaR) 33
4.1.1 Bestimmung des LaR und dessen Entwicklung 33
4.1.2 Die Ansätze von Fiedler und Zeranski 33
4.1.3 Entwicklung eines eigenen LaR-Ansatzes 42
4.2 LiquidityValue at Risk (LVaR) 50
4.2.1 Intuitive & institutsinterne Steuerung 50
4.2.2 Bestimmung des LVaR und dessen Entwicklung 51
4.2.3 Entwicklung eines eigenen LVaR-Ansatzes 52
5. Abschließende Reflexion 58
5.1 Zusammenfassung des eigenen LaR-Ansatzes 58
5.2 Zusammenfassung des LVaR-Ansatzes 61
5.3 Fazit 62
5.4 Ausblick 63
Literaturverzeichnis 66
Abbildungsverzeichnis 74

Textprobe:

Kapitel 4.2, LiquidityValue at Risk (LVaR):

Intuitive & institutsinterne Steuerung:

Bei einer Refinanzierung am Kapitalmarkt müssen Unternehmen je nach ihrem Rating einen Aufschlag, einen so genannten Spread, gegenüber risikolosen Teilnehmern wie der Bundesrepublik Deutschland bezahlen. Dieser, für die jeweilige Ratingklasse verschiedene Spread ändert sich täglich. Insofern bestehen sowohl Chancen als auch Risiken für sich refinanzierende Unternehmen, dass sich ihre Refinanzierungskosten verringern oder erhöhen.

Der Spread zwischen Swapkurve und ratingadjustierter Kurve wird Liquiditätsspread genannt, da die Bank diesen Spread bezahlen muss, um sich am Kapitalmarkt mit Liquidität zu versorgen. Die Swapkurve ist streng genommen nicht risikofrei. Sie liegt einige Basispunkte oberhalb der risikofreien Bundkurve. Aufgrund von praktischen Vorteilen, wie Handelbarkeit, Aktualität, etc. wird die Swapkurve aber häufig als risikofreie Referenzkurve genommen. Für Unternehmen mit sehr guter Bonität ist es allerdings möglich, auch unterhalb des Swapsatzes zu emittieren.

In dieser Arbeit wird die komplette Differenz zwischen ratingadjustierter Kurve und Swapkurve als Liquiditätsspread bezeichnet. Diese Vorgehensweise ist praxisnah, da der gesamte Liquiditätsspread die Refinanzierungskosten für die Bank darstellen. Die Bank muss für eine Refinanzierung 100% des Spreads bezahlen. Oft wird auch der Begriff des Credit Spreads für die Differenz zwischen Swapkurve und ratingadjustierter Kurve verwendet, da der Spread ebenfalls die Bonität des Unternehmens widerspiegelt. Wiederum zeigt sich, dass Bonität und Liquidität eng miteinander verflochten sind.

Die Praxis scheint zu zeigen, dass bislang die meisten Kreditinstitute individuell mit dem sich aus dem Liquiditätsspread ergebenden Risiko arbeiten. Oft wird es von der Treasury intuitiv und institutsabhängig verschieden gesteuert, ohne dass es institutsübergreifende Best Practice Ansätze gibt. Die Güte des Managements ist daher maßgeblich abhängig von dem Know-how der Mitarbeiter und der Qualität der Systeme. Auch die Literatur beschäftigt sich nur spärlich mit dem Thema. Im Gegensatz zu anderen Risikoarten und selbst im Vergleich zum Zahlungsunfähigkeitsrisiko wird das Liquiditätsfristentransformationsrisiko wenig beachtet. Auch das nationale Aufsichtsrecht nach Grundsatz II beschäftigt sich ausschließlich mit der kurzfristigen Liquidität. Bei dem Thema Fristentransformation wird hauptsächlich auf das Zinsänderungsrisiko, nicht aber auf das Liquiditätsrisiko geschaut.

Bestimmung des LVaR und dessen Entwicklung:

Nachfolgend findet die Transformation des ‘Zins’-VaR auf die Liquiditätsfristentransformation statt. Für die Berechnung des LVaR muss zuerst eine Liquiditätsablaufbilanz erstellt werden. Anschließend werden fiktive Glattstellungsgeschäfte konstruiert, mit denen die Liquiditätsgaps geschlossen werden könnten. Daraus lassen sich die Liquiditätskosten errechnen, die zur Schließung der Liquiditätsgaps benötigt werden. Anschließend können unter Annahme verschlechterter Refinanzierungssituationen durch eine Spread-ausweitung anfallende fiktive Kosten ermittelt werden. Der Verlust ist die Differenz der Liquiditätskostenbarwerte durch Schließung der Liquiditätsgaps unter heutigen und verschlechterten Bedingungen. Der Fall eines Downgradings wird hier nicht betrachtet. Hierbei handelt es sich um eine extreme Situation, die wie andere, ähnlich gravierende Fälle durch Stressszenarien betrachtet wird. Die Einbeziehung eines Downgradings in die Daten würde die statistische Betrachtung des normalen Geschäftsbetriebes extrem beeinflussen, da die Erhöhung der Spreads enorm wäre.

Ähnlich dem VaR Ansatz bei Zinsgeschäften wird der LVaR berechnet, in dem man die Verschiebungen der Kurve betrachtet: In diesem Fall wird allerdings nicht die Veränderungen der Zinskurven analysiert, sondern die Veränderungen der laufzeitabhängigen ratingadjustierten Spreadkurven (=Fundingkurve - Swapkurve) unter Ausschluss der Marktbewegungen. Als abgeleitete Annahme wird ein ungedecktes Funding für eine durchschnittlich große ‘plain vanilla’ Emission unterstellt.

Arbeit zitieren:
Conzen, Sander Oktober 2006: Liquidity at Risk (LaR) und LiquidityValue at Risk (LVaR), Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Liquidity at Risk (LaR), LiquidityValue at Risk (LVaR), Liquiditätsmanagement, Risikomanagement, Fiedler / Zeranski

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