Die Linkshänder in einer rechtsorientierten Gesellschaft
Problembewältigung und Möglichkeiten am Beispiel einer Konzeptentwicklung für eine Linkshänder-Beratungsstelle
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Birgit Dietrich
- Abgabedatum: Mai 2002
- Umfang: 91 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Lausitz Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6935-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6935-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6935-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Dietrich, Birgit Mai 2002: Die Linkshänder in einer rechtsorientierten Gesellschaft, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Lateralität, Händigkeit, Seitigkeitsbevorzugung, Linkshändigkeit, Hirnforschung
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Diplomarbeit von Birgit Dietrich
Einleitung:
Linkshändigkeit und Linksseitigkeit ist eine natürliche und normale Variante der Seitenbevorzugung, die oft mit vielen Begabungen verbunden ist. Linkshänder finden jedoch in ihrer Umwelt für die Entwicklung ihrer natürlichen Händigkeit keine optimalen Bedingungen vor. Sie leben in einer Rechtshänderumwelt, an die sie sich ihr Leben lang anpassen müssen. In vielen Lebensbereichen sind sie mit Problemen konfrontiert, die auf Grund rechts orientierter Erziehungsstrategien und den typischen nur für den rechtshändigen Gebrauch geschaffenen Geräten und Techniken entstehen. Es fehlt oftmals in der Praxis an ausreichender Unterstützung und Hilfe, um Linkshändigkeit entsprechend fördern zu können. Die Folge kann Umerziehung und selbsterzieherische Fehlanpassung sein und dann kann es zu sehr schwierigen pädagogischen und psychologischen Problemen kommen. In der Literatur wird in diesem Zusammenhang Umschulung auf die nicht dominante Hand oder Über- und Fehlanpassung beschrieben. Barbara Sattler, Leiterin der Ersten Deutschen Beratungsstelle in München, spricht von Primär- und Sekundärfolgen durch Umschulung, die Auswirkungen auf das gesamte Leben des Betroffenen haben.
Gelingt es auf der anderen Seite dem Linkshänder, seine Händigkeit frei zu entfalten und seine dominante Hand für alle wesentlichen Tätigkeiten zu benutzen, entstehen keine Schwierigkeiten, ganz im Gegenteil: Gerade unter Linkshändern finden sich häufig sogar Hochbegabte. Berühmte und erfolgreiche Linkshänder sind beispielsweise die amerikanischen Präsidenten Ford, Reagan, Bush und Clinton oder Künstler wie Leonardo Da Vinci, Michelangelo, Mozart u.a.
Weiterhin postulieren immer mehr Wissenschaftler, dass der Anteil von Linkshändern weit höher in der Bevölkerung liegt, wie oftmals in der Statistik beschrieben. Es werden hier Zahlen von 40 - 50% genannt.
Zu beobachten ist in den letzten Jahren ein steigender Anteil linksschreibender Schüler in Grundschulen. Gerade am Anfang des Schreibenlernens ist eine ausreichende Unterstützung wichtig. Das Wissen über die richtige Hilfestellung, nicht nur beim Schreiben, ist bei Pädagogen und Eltern noch sehr unzureichend vorhanden. Hier besteht noch großer Nachholbedarf, damit auch linksseitige Kinder entsprechend unterstützt werden können. Auch in anderen Berufsgruppen wie z.B. Ärzten besteht Unsicherheit durch unzureichendes Wissen im Umgang mit der Spezifika von Linksveranlagten.
Ziel der Diplomarbeit ist die besondere Situation von Linkshändern bzw. Linksseitig veranlagten zu betrachten und Möglichkeiten aufzuzeigen, um auch für diese Gesellschaftsgruppe gleiche Chancen für die natürliche Entwicklung ihrer Händigkeit zu schaffen.
Im theoretischen Teil der Arbeit (Kapitel zwei) wird anhand von statistischen Aussagen die Verteilung von Rechts- und Linkshändern betrachtet. Weiterhin wird der Frage nachgegangen, welches gesellschaftliche Bild gegenüber Linkshändern vorherrscht und wie es zustande gekommen ist. Den Zusammenhang zwischen Händigkeit und den spezifischen Aufgaben des Gehirns ist ein weiterer Punkt der theoretischen Ausführungen. Als letzter Punkt werden mögliche Ursachen von Linkshändigkeit bzw. Einhändigkeit dargestellt. Bis heute besteht in der Wissenschaft darüber keine Einigkeit.
Im Kapitel drei wird u.a. der Frage nachgegangen, mit welchen besonderen Problemlagen es Linksveranlagte zu tun haben und inwieweit entsprechende Hilfen vorhanden sind bzw. wie diese aussehen könnten. Für Sozialpädagogen tut sich hier in verschiedenen Berufsfeldern ein weites Betätigungsfeld auf.
Kapitel vier fasst noch einmal die wichtigsten Aussagen zusammen.
Im Kapitel fünf wird eine Hilfe für Linkshänder anhand einer Konzeptentwicklung für eine Beratungsstelle vorgestellt. Ziel ist es, durch Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit flächendeckend in Deutschland präventive Einrichtungen zu schaffen.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | Einleitung | 4 |
| II. | Wissenschaftliche Aspekte | 6 |
| 2.1 | Die Verteilung von Rechts- und Linkshändern in der Bevölkerung | 6 |
| 2.1.2 | Häufigkeit der Linkshändigkeit in der Statistik | 6 |
| 2.1.3 | Kuturgeschichtliche Entwicklung | 8 |
| 2.1.4 | Heutige Einstellung gegenüber Linkshändigkeit | 12 |
| 2.2 | Lateralität der Händigkeit | 13 |
| 2.2.1 | Definition des Begriffes Lateralität | 13 |
| 2.2.2 | Aufbau und Funktion des Gehirns- Die Hemisphärenspezialisation | 14 |
| 2.2.3 | Hirnforschung Gestern und Heute | 15 |
| 2.2.4 | Händigkeit im Zusammenhang mit Hirn- und Sprachdominanz | 17 |
| 2.3 | Ursachen für Linkshändigkeit | 19 |
| 2.3.1 | Vererbungstheorie | 19 |
| 2.3.2 | Biologische- und organische Ursachen | 21 |
| 2.3.3 | Umwelttheorien | 22 |
| III. | Umgang mit Linkshändigkeit | 29 |
| 3.1 | Bestimmung der Händigkeit | 29 |
| 3.1.1 | Schwierigkeiten bei der Händigkeitsbestimmung | 29 |
| 3.1.2 | Bestimmung der Lateralität von Augen, Ohren und Füßen | 30 |
| 3.1.3 | Händigkeitsbestimmung durch Beobachten | 31 |
| 3.1.4 | Untersuchungsmethoden | 32 |
| 3.1.5 | Protokollbogen | 32 |
| 3.1.6 | Norminierte Testverfahren | 33 |
| 3.2 | Anpassung an eine Rechtshänderwelt und deren Folgen | 34 |
| 3.2.1 | Theorie der Umschulung nach Sattler | 34 |
| 3.2.1.1 | Primär- und Sekundärfolgen durch Umschulung | 36 |
| 3.2.1.2 | Rückschulung | 38 |
| 3.2.2 | Theorie der Über- und Fehlanpassung eines Linksveranlagten nach Pester | 40 |
| 3.3 | Linkshänder in verschiedenen Lebensbereichen - Schwierigkeiten und Hilfen | 41 |
| 3.3.1 | Einführung | 41 |
| 3.3.2 | Linkshändige Kinder und Spielen | 42 |
| 3.3.3 | Das linkshändige Kind im Kindergarten | 46 |
| 3.3.2.1 | Wechselnder Handgebrauch- ein Problem bei der Einschulung | 49 |
| 3.3.4 | Linkshänder in der Schule | 50 |
| 3.3.4.1 | Die Aufgabe von Lehrer und Eltern in der Schulzeit | 52 |
| 3.3.4.2 | Unterrichtsmaterialien und Hilfen für Lehrer und Eltern | 54 |
| 3.4 | Hilfen für Linkshänder | 57 |
| 3.4.1 | Ergotherapie | 57 |
| 3.4.2 | Beratungsstellen für Linkshänder | 57 |
| 3.4.3 | Initiativen | 58 |
| 3.4.4 | Adressen | 59 |
| IV. | Zusammenfassung | 60 |
| V. | Organisationskonzept der Linkshänder-Beratungsstelle | 63 |
| Literaturverzeichnis | 70 | |
| Internetadressen | 73 | |
| Graue Literatur | 73 | |
| Anlagenverzeichnis | 74 | |
| Eidesstattliche Erklärung | 91 |
Zwar ist es heute nicht mehr üblich zu diesen Mitteln zu greifen, dennoch erfolgt Umschulung immer noch, nur anders, unter Anwendung der „sanften Art“. Linkshändige Kinder versucht man zum Gebrauch der rechten Hand zu überreden, indem Belohnungen oder Verlockungen mit Geld oder Süßigkeiten versprochen werden oder moralischer Druck ausgeübt wird.77 Am Ende bleibt es eine Einwirkung von außen, denn auch psychischer Druck verfehlt gerade bei Kindern nicht seine Wirkung. Nach der Theorie von Dreikurs und Soltz sind Kinder soziale Wesen. Sie haben eine stark ausgeprägte Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Ob sich ein Kind sicher oder unsicher fühlt, hängt von seinem Platz in seiner Gruppe/ Familie ab. Sich einer Gruppe zugehörig fühlen, ist somit ein Grundbedürfnis. Also richten Kinder ihr Verhalten danach aus, ob es ihnen ein Zugehörigkeitsgefühl gibt.78 Erhält ein Kind Liebesentzug, wenn es mit der linken Hand schreibt, wird ihm ein Gefühl des Alleinseins vermittelt. Es lernt außerdem durch die Belohnung der rechten Hand, Anerkennung zu bekommen. Folglich wird es lieber mit der rechten Hand schreiben, auch wenn das viel schwerer ist, da ihm dann das Gefühl des dazugehörens gegeben wird. Kinder sind außerdem ausgezeichnete Beobachter. Sie versuchen alles in ihrer Umgebung wahrzunehmen und daraus Schlußfolgerungen zu ziehen. Dadurch lernen sie im Laufe ihrer Entwicklung, sich an die innere Anlage und äußere Umgebung anzupassen.79 Es kann zu Schwierigkeiten kommen, wenn es wie bei der Linkshändigkeit, nur eine (rechtshändige) Umgebung vorfindet, die nicht ihren Bedürfnissen entspricht. Kinder entwickeln Strategien mit denen sie versuchen einen Ausgleich zu schaffen (kompensieren) oder auch besonders gut zu sein (Überkompensation). Sie können aber auch ganz aufgeben. So ist es nur eine natürliche Folge, dass Kinder sich selbst umschulen, und sich damit an die rechtshändige Gesellschaft anpassen wollen. Dazu kommt, wie in der Literatur von Sattler beschrieben, ein starkes Nachahmungs- und Modellverhalten. Auch Modellverhalten ist eine Strategie, um sich in die [...]
Testergebnisse, auf Grund einer Umschulung auf die rechte Hand.74 Diese Tatsache sollte berücksichtigt werden und zeigt das Tests auch ihre Grenzen haben. Von der Universität in Köln wurde Computeruntersuchungsapparaturen zum Testen der Händigkeit entwickelt. Sie befinden sich noch in der Experimentierphase und werden noch nicht allgemein eingesetzt. Interessant scheinen hier die Vorteile. Die Apparaturen könne auf der einen Seite Darstellungen wiedergeben. Außerdem liefern sie wissenErgebnisse beschleunigen und präzisieren und auf der anderen Seite anschauliche schaftliche Daten und messen verschiedene Faktoren gleichzeitig.75 2. Anpassung an eine Rechtshänderwelt und deren Folgen 2.1 Theorie der Umschulung nach Sattler Sattler definiert Umschulung mit dem überwiegenden Gebrauch der nicht dominierenden Hand, besonders beim Schreiben. Händigkeit wird hier als Ausdruck der Dominanz einer bestimmten Hirnhemisphäre gesehen. Demnach ist Umschulung, ob von der rechten auf die linke Hand oder umgekehrt, die Ursache massiver Störungen im Gehirn. Deshalb spricht Sattler von einem „Wackelkontakt im Gehirn“.76 Umschulung kann sehr unterschiedlich ablaufen. Beschrieben wird Umschulung durch Einwirkung von Außen, sowie selbst gewollt und herbeigeführt. Auf Grund gesellschaftlicher Vorurteile gegenüber der linken Hand, wurde vor noch gar nicht so langer Zeit mit drastischen Methoden auf die rechte Hand umgeschult. Dies erfolgte durch Schläge, Eingipsen oder andere brutale Maßnahmen. Durch Erzählungen in meiner Familie (meiner Mutter ist selbst ausgeprägte Linkshänderin), wurde mir von einem damaligen Lehrer berichtet, der die Hand linkshändiger Schüler mit einem Rohrstock bearbeitete. Damit wurde ihnen erst einmal die Schule gründlich verleidet. Nicht weniger schlimm waren Beschimpfungen, Strafen oder Liebesentzug beim Benutzen der linken Hand. [...]
c) Durch technische Vorrichtungen geprägt und durch fehlende linkshandgerechte Produkte erzwungen Am Anfang der Untersuchungen werden Angaben zur Händigkeit und Füßigkeit der Familie aufgenommen, um erbliche Faktoren zu ermitteln. Während der Testung wird auf einen spielerischen Umgang mit den Kindern geachtet sowie auf einen zügigen Ablauf und eine interessante Gestaltung. Dadurch findet das von kurzer Dauer vorhandene Konzentrationsvermögen von Kindern Beachtung und die Gefahr verringert sich falsche Testergebnisse zu bekommen.69 1.5 Testverfahren Zu den norminierte Tests gehören Spurennachzeichnen und Punktieren. Sie prüfen mit Zeitmessung die Schnelligkeit bzw. Geschicklichkeit der Hände. Inhaltlich geht es darum die Leistungsdominaz der Hände zu ermitteln. Es wird davon ausgegangen, dass die dominierende Hand die Aufgaben in kürzerer Zeit schafft. In der Praxis wird oft der Hand- Dominanz- Test (HDT) von Steingrüber/Lienert70 benutzt. Ein weiterer bekannter Test ist der Leistungs-Dominanz-Test (LDT) von Schilling. Hier geht es darum Kreise auf der Umrißlinie eines Hampelmannes zu punktieren (siehe Anlage 2). Dieser Test ist jedoch nicht offiziell normiert, sondern Teil des Punktiertests (PTK).71 Der HDT untergliedert sich in drei Untertests, mit Aufgaben zum Spurennachzeichnen (siehe Anlage 3), Kreis- und Quadratpunktieren (PKT). Im Ergebnis wird die Leistungsfähigkeit der linken und rechten Hand miteinander verglichen. Für die Auswertung liegen Normdaten für 6 bis 10jährige Jungen und Mädchen vor. Schilling hat weiterhin den Präferenz- Dominanz-Test (PDT) entwickelt. Er besteht aus zwanzig Gestikproben, die einhändig ausgeführt werden und soll somit die bevorzugte Hand ermitteln.72 In der Praxis werden der PDT und LDT teilweise gemeinsam gebraucht. Beide Tests zeigen bei 90% der Kinder eine hohe Übereinstimmung.73 Kritisch zu sehen sind evtl. Verzerrungen der [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832469351
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Lateralität, Händigkeit, Seitigkeitsbevorzugung, Linkshändigkeit, Hirnforschung



