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Lesen und Lesenlernen

Aspekte einer kinderorientierten Lesepädagogik

Lesen und Lesenlernen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stephanie Müller
  • Abgabedatum: März 2003
  • Umfang: 90 Seiten
  • Dateigröße: 526,3 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Eberhard Karls Universität Tübingen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7811-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7811-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7811-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Müller, Stephanie März 2003: Lesen und Lesenlernen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Leseförderung, Kind, Leselust, Geschichte, PISA-Studie

Diplomarbeit von Stephanie Müller

Zusammenfassung:

Der Titel Lesen und Lesenlernen impliziert die Betrachtung des Individuums. Lernen ist ein individueller Prozess, eine kinderorientierte Pädagogik betrachtet somit die subjektive Welt des lesenden Kindes. Um diese Welt in ihrer pädagogischen Dimension zu erfassen, sind die Institutionen, die bei der Erziehung eines Kindes von Bedeutung sind, darzulegen. Die Familie, die Kindertagesstätte und die Schule gestalten unter anderem den Lebensalltag von Kindern. Der Titel schließt die Frage nach der kindlichen Motivation zum Lesen mit ein. Der gedankliche Leitfaden dieser Arbeit ist, die Frage nach den verantwortlichen Faktoren, die ein Kind mit Freude lesen lernen bzw. lesen lassen.

Dazu beschäftige ich mich zunächst in der historischen Betrachtung damit, wie die allgemeine Lesefähigkeit ausgebildet wurde. Die mediale Lebenswelt des Kindes, das lesende Kind und die Entwicklung der Phantasie werden im Folgenden erörtert. Die Fähigkeit, das Lesen zu erlernen bzw. dieses Lernen zu fördern, sowohl zur Verhinderung eines Defizits als auch im Sinne von lebenslangem Lesen und Lernen bilden den abschließenden Teil der Auseinandersetzung.

Inhaltsverzeichnis:

Statt eines Vorwortes 1
Einleitung 2
Teil 1 Geschichte des Lesens 6
1. Antike 8
2. Mittelalter 10
3. Frühe Neuzeit 15
4. Vom Barock zur Aufklärung 17
5. Das 18. Jahrhundert 19
5.1 Weibliches Leseverhalten 21
5.2 Lesesucht 23
6. Das 19. Jahrhundert 24
6.1 Lesefähigkeit 25
6.2 Erweiterung des Lesepublikums 27
7. Das 20. Jahrhundert 28
8. Mentalitätsgeschichtliche Aspekte des Lesens 31
Teil 2 Das Kind und das Lesen 34
1. Die Lebenswelt von Kindern 35
1.1 Der Wandel der Kindheit und der Familie im 20. Jahrhundert 35
1.2 Die Bedeutung der Medien und der neuen Informations- und Kommunikationstechnologie für das Aufwachsen 38
2. Die Lesewelt von Kindern 40
2.1 Leselust und Lesequal 41
2.2 Die Erinnerung ans Leseglück 43
2.3 Die Entwicklung der Phantasie beim Lesen 44
3. Aktueller Forschungsstand 47
Teil 3 Pädagogik des Lesens 50
1. Spielen, Erzählen und Vorlesen 51
2. Lesen lernen 56
2.1 Lesen lernen in der Familie 58
2.2 Lesen lernen in der Schule 59
2.2.1 Lesemethoden und Literaturunterricht in der Schule 60
2.2.2 Lese- und literaturdidaktische Konzepte in der Schule 64
3. Lesen fördern 65
3.1 Institutionen der Leseförderung 67
3.2 Projekte der Leseförderung 71
Fazit 74
Literaturverzeichnis

Automatisiert erstellter Textauszug:

„Wer niemals ganze Nachmittage lang mit glühenden Ohren und verstrubbeltem Haar über einem Buch saß und las und las und die Welt um sich her vergaß, nicht mehr merkte, daß er hungrig wurde oder fror– Wer niemals heimlich beim Schein einer Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen hat, weil Vater oder Mutter oder sonst irgendeine besorgte Person einem das Licht ausknipste, mit der gutgemeinten Begründung, man müsse jetzt schlafen, da man doch morgen so früh aus den Federn sollte- Wer niemals offen oder im geheimen bitterliche Tränen vergossen hat, weil eine wunderbare Geschichte zu Ende ging und man Abschied nehmen musste von den Gestalten mit denen man gemeinsam so viele Abenteuer erlebt hatte, die man liebte und bewunderte, um die man gebangt und für die man gehofft hatte, und ohne deren Gesellschaft einem das Leben leer und sinnlos schien– Wer nichts von alledem aus eigener Erfahrung kennt, nun der wird wahrscheinlich nicht begreifen können, was Bastian jetzt tat.“ (Ende 1979, 11) [...]

als Einbildungs- oder als Vorstellungskraft. Die philosophischen Hintergründe zur Begriffsgeschichte der Phantasie werden an dieser Stelle nur in Umrissen dargelegt. Das christliche Mittelalter besann sich auf die Erkenntnis Platons, der davon ausging, dass die sinnliche Wahrnehmung keinen Zugang zur Erkenntnis und Wahrheit bietet. Die selbstproduzierte Vorstellung einer Welt durch die Phantasie galt für ihn als trügerisches Abbild. Trügerisch deswegen, weil nach Platon alles, was sinnlich wahrgenommen wurde, die Wirklichkeit verzerrte. In den Schulen des Mittelalters wurde der Verstand als vorrangig angesehen und versucht die Phantasie einzudämmen. Der Humanismus besann sich jedoch auf die Gedanken Aristoteles. Sinnlichkeit und Erfahrung öffneten den Zugang zur Erkenntnis. Die Vorstellungskraft bildete, geprägt von Freiheit und Spiel, die Brücke zwischen dem Verstand und den Sinnen. In der Rückbesinnung auf Aristoteles hatte somit auch die Phantasie wieder einen höheren Stellenwert. Im romantischen Zeitalter hatten die Phantasie und die Besinnung auf die schöpferischen Kräfte des Menschen eine Hochphase. „Die erziehungs- und bildungsphilosophische Definition des Phantasiebegriff kennt seit dieser Zeit drei Bereiche der Phantasie: den sensorischen (Sinne, Sinnlichkeit), den motorischen (Bewegung, Leiblichkeit) und den schöpferischen Bereich.“ (Schneider 2002, 69) Die Reformpädagogik stellt die Phantasie in ihren Erziehungskonzepten in den Mittelpunkt. Die Besinnung auf die schöpferischen Kräfte des Kindes wurde als elementar betrachtet. „Die Phantasie des Kindes soll durch die musische Erziehung entfaltet werden, um die rationalistische Entzauberung der Welt aufhalten zu können. Mit Hilfe der Phantasie sollten die Welt mit der sinnlichen Fülle ihrer Bilder in die eigene Innerlichkeit eingehen und die durch die Zivilisation und Kultur verschütteten schöpferischen Kräfte des Menschen befreit werden.“ (Schneider 1993, 3) Während der zwei Weltkriege hatten die Themen der Reformpädagogik keine Bedeutung, eine kritische Betrachtung der Theorien fand auch in der Nachkriegszeit nicht statt. In den sechziger Jahren entstand ein neuer Begriff. Statt von Phantasie wurde nun in der pädagogischen und psychologischen Diskussion von Kreativität gesprochen. Dieser Begriff entstand sozusagen als ´Reimport´ aufgrund der Tatsache, dass ab 1933 emigrierte Psychologen und Pädagogen in Amerika das Wort ´schöpferisch´ als ´creativ´ [...]

Werner Graf erläutert in seinem Vortrag über die Erfahrung des Leseglücks anhand Analysen autobiographischer Aussagen von Erwachsenen den Bezug zur Kindheit, die von lustorientiertem Lektüreverhalten geprägt war. „Diese Lesekonstruktion generiert ein Leseverhalten, für das einerseits die mit dem intensiven Hineingehen in den Text verbundene weitgehende Ausblendung der alltäglichen Existenz typisch ist, für das andererseits im Rahmen der Phantasiewelten der Lustgewinn für den Leser die unverzichtbare Lesebedingung ist: indem sich der scheinbar selbstvergessene Leser seine Wünsche erfüllt, ist er paradoxerweise überaus präsent, indem er suchtartig nach Geschichten verlangt, also selber unfrei wirkt, ordnet er die Bücher seinen Bedürfnissen unter.“ (Graf 1996, 193) Die Folgen für eine Lesepädagogik sind offensichtlich: die Förderung der Lust am Lesen; das selbstbestimmte Suchen nach Lektüre; das Schaffen von Rahmenbedingungen, die den Zugang zum Lesestoff ermöglichen; die selbstständige Entwicklung eines Lesebedürfnisses, unterstützt und gefördert durch günstige lesekulturelle Bedingungen. Graf spricht von drei Lesemodellen, die sich für die Aufgabe der literarischen Sozialisation anbieten. Bei einer ersten Position wird der Verlust der als Kind erlebten Leselust besonders intensiv beklagt, verantwortlich dafür wird die Schule erklärt.26 Es gelingt dieser Gruppe von Lesenden jedoch, eine neue Motivation und versierte Lesekompetenz in der Erwachsenenlektüre zu entwickeln. Graf kommt zu dem Ergebnis, dass die „zuweilen traumatische Zerstörung der kindlichen Leselust“ (Graf 1996, 209) die gesamte Entwicklung der Lesemotivation zu beschädigen scheint. Es ist durchaus möglich, als erwachsener Mensch ein stabiles und funktionales Leseverhalten zu entwickeln, die Motivation zum Lesen muss sich jedoch erneut einstellen. Eine zweite Gruppe [...]

Arbeit zitieren:
Müller, Stephanie März 2003: Lesen und Lesenlernen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Leseförderung, Kind, Leselust, Geschichte, PISA-Studie

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