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Das Lernspiel als Träger mathematischer Lernprozesse im Anfangsunterricht

Das Lernspiel als Träger mathematischer Lernprozesse im Anfangsunterricht
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Taraneh Tehrani
  • Abgabedatum: Dezember 2005
  • Umfang: 82 Seiten
  • Dateigröße: 337,0 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 48
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2232-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Tehrani, Taraneh Dezember 2005: Das Lernspiel als Träger mathematischer Lernprozesse im Anfangsunterricht, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Lernen, Lernspiel, Mathematik, Unterricht, Lernprozess

Staatsexamensarbeit von Taraneh Tehrani

Einleitung:

Jeder Mathematikunterricht wirft die Frage auf, wie der Lehrer seinen Schülern effektiv einen Zugang zum Unterricht vermitteln kann und inwiefern das Ziel, mathematische Lernprozesse zu schaffen, gefördert werden kann. Eine Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, bietet der Einsatz von Lernspielen. Gerade der elementare Anfangsunterricht sollte den Weg gehen, Grundlagen in einer Weise zu vermitteln, die an das kindliche Verhalten anknüpfen und die Schüler dort abholen, wo sie gerade stehen.

Spielen ist ein gesellschaftliches Phänomen und hat eine große Bedeutung für die Menschheit. Kinder und Erwachsene haben zu allen Zeiten und in allen Kulturkreisen gespielt. Wir spielen in der Freizeit, nach Feierabend, in den Ferien und im Urlaub. Spiele zeigen sich in unterschiedlichen Ausrichtungen und Facetten und zudem in vielen Bereichen des Lebens, wie Gesellschaft und Sport. Spielen macht Freude, entspannt, bringt Erfolgserlebnisse und stärkt den Zusammenhalt einer Gemeinschaft. Besonders im Kindes- und Jugendalter ist es ein Motor der Entwicklung, eine Grundbedingung des Lebens. Betrachtet von der Seite der Veränderungen, die eine heutige Kindheit aufzeigt, bleibt doch eins konstant: Kinder spielen und vor allem: sie spielen gerne. Da liegt es nahe, auf vorhandenes zurückzugreifen und dies auch im Schulunterricht zu nutzen, indem Lernspiele verwendet werden. Speziell im Mathematikunterricht ist Spielen eine beliebte Methode, Inhalte zu üben und zu vertiefen.

Aufgrund der schlechten Erfahrungen und Schwierigkeiten, die der Mathematikunterricht vielen bereitet, ist das Ziel dieser Arbeit, Mittel und Wege aufzuzeigen, mehr Freude und Spannung am Mathematikunterricht zu wecken und ihn außerdem abwechslungsreich, freudvoll und mehr kindzentriert zu gestalten. Entsprechen Lernspiele diesen Kriterien und stellen sie eine geeignete Methode dar, mathematische Lernprozesse im Anfangsunterricht zu unterstützen und den Unterricht anzureichern? Das ist die zentrale Fragestellung dieser Arbeit Im ersten Teil dieser Arbeit, der den theoretischen Teil darstellt, wird der Themenkomplex des Lernens und Spielens behandelt. Was ist Spielen und was ist Lernen? Weiterhin stellt sich die Frage, inwiefern Lernen und Spielen, obwohl sie auf den ersten Blick völlig unterschiedliche Bereiche darstellen, doch zusammenpassen und sich sogar unterstützen und ergänzen. Der folgende Abschnitt beschäftigt sich mit dem Thema „Lernspiel“ und wird speziell dem Anfangsunterricht zugeordnet. Es soll hier auch die Frage beantwortet werden, was mathematische Lernprozesse überhaupt sind und wie sie angeregt und gefördert werden können.

Im zweiten, dem praktischen Teil dieser Arbeit, wurden drei ausgesuchte Lernspiele durchgeführt und beobachtet. Die Lernspiele haben den Schwerpunkt Multiplikation und wurden in einer Grundschulklasse durchgeführt, die am Ende des zweiten Schuljahres steht. Können sie belegen, ob die Theorie in der Praxis verifiziert wird und ihr Nutzen eine regelmäßige Anwendung im Unterricht legitimiert?

Weiterhin wird auf wichtige Gesetze der Übung und auf die Theorie der Multiplikation eingegangen, da es um Lernspiele mit dem Schwerpunkt „Üben und Festigen“ geht. Die Multiplikation und speziell das „Kleine Einmaleins“ bilden die Grundlage vieler weiterer Rechenverfahren und es ist notwendig, diese bei den Schülern zu festigen. Dies durch abwechslungsreiche und motivierende Übungsformen erreichen zu können, ist ein Ziel des Einsatzes von Lernspielen.

Am Schluss folgt eine Auswertung der Lernspiele, in der die Ergebnisse aufgezeigt und beschrieben werden und auch für die Unterrichtspraxis relevante Folgerungen gezogen werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Lernen und Spielen 3
2.1 Das Lernen 3
2.2 Piagets Theorien - Die Psychologie des Denkens 5
2.2.1 Grundsätze der Theorie Piagets 6
2.2.2 Merkmale der Piagetschen Theorie 8
2.2.2.1 DIE GENETISCHE ERKENNTNISTHEORIE 8
2.2.2.2 STADIEN DER ENTWICKLUNG 9
2.2.3 Piagets Stufenkonzept 9
2.2.3.1 DIE SENSOMOTORISCHE INTELLIGENZ 10
2.2.3.2 DAS VOROPERATORISCHE ANSCHAULICHE DENKEN 11
2.2.3.3 DAS STADIUM DER KONKRETEN OPERATIONEN 12
2.2.3.4 DAS STADIUM DER FORMALEN OPERATIONEN 13
2.3 Neuere lernbiologische Erkenntnisse 14
2.3.1 Konstruktivistische Lernforschung und Unterricht 14
2.3.2 Gehirnforschung und Unterricht 16
2.3.3 Neue Vorstellungen vom Lernprozess bezogen auf den Mathematikunterricht 17
2.4 Das Spiel 18
2.4.1 Was ist Spielen? 19
2.4.1.1 WESENSMERKMALE DES SPIELS 20
2.4.1.2 SUBJEKTIVE KRITERIEN DES SPIELS 23
2.4.2 Das Spiel- ein unverzichtbares Medium im Grundschulunterricht 25
2.5 Zusammenhang von Lernen und Spielen 27
3. Das Lernspiel 28
3.1 Allgemeine Einordnung des Lernspiels 29
3.2 Das Lernspiel im Unterricht 31
3.3 Stellung des Lernspiels im Mathematikunterricht 33
3.4 Formen mathematischer Lernspiele 36
3.5 Fachdidaktische Legitimation für den Einsatz von Lernspielen im Mathematikunterricht durch den Rahmenlehrplan 38
3.6 Möglichkeiten und Ziele von Lernspielen im Mathematikunterricht 40
4. Das Lernspiel im mathematischen Anfangsunterricht 43
4.1 Bedeutung des Einsatzes mathematischer Lernspiele im Anfangsunterricht 44
4.2 Beschreibung mathematischer Lernprozesse 45
4.3 Zum Einsatz von Lernspielen im Mathematikunterricht 47
5. Praxisteil 51
5.1 Einleitung 51
5.2 Übung im Mathematikunterricht 51
5.2.1 GESETZE DER ÜBUNG IM RAHMEN VON LERNSPIELEN 52
5.2.2 DIE KATEGORIE DER DREI DURCHGEFÜHRTEN LERNSPIELE: ÜBUNGSORIENTIERTE SPIELE 54
5.3 Theorie der Multiplikation 56
5.4 Klassenbeschreibung und Voraussetzungen der Schüler für die durchgeführten Lernspiele 59
5.5 Vorüberlegungen zur Auswahl der gewählten Lernspiele 60
5.5 Durchführung und Auswertung der gewählten Lernspiele 61
5.5.1 VORBEMERKUNG 61
5.5.2 DIE 1 X 1- PYRAMIDE 62
5.5.3 HEINEVETTERS 1 X 1- TRAINER 66
5.5.4 MEMORY 70
5.6 Vor- und Nachteile der kommerziellen Lernspiele 73
6. Fazit 75
7. Literaturverzeichnis 77

Textprobe:

Kapitel 3.2, Das Lernspiel im Unterricht: Als Lernspiel werden alle jene Spielformen bezeichnet, mit deren Hilfe im ursprünglichen Sinn das Lernen von Zeichen, Begriffen und Fakten sowie deren regelhafte Ordnungsbeziehung provoziert werden soll.

Das Lernspiel steuert in kindgemäßer Form ein bestimmtes fachliches Ziel an. Nach Kluge trägt das Lernspiel formal die Kennzeichen bekannter Gesellschaftsspiele, inhaltlich ist es aber auf ein mögliches Lernziel ausgerichtet. Die Vorstellung allgemeiner Spieltheorien, dass das Spiel eine völlig zweckfreie Aktivität sein sollte und ist, kann für das Lernspiel im Unterricht nicht gelten. Der Einsatz von Lernspielen im Unterricht verfolgt konkrete Absichten. Nach dem heutigen Diskussionsstand besteht Einigkeit darüber, dass das Spiel bereits in der Grundschule didaktische Funktionen erfüllen kann:

Das Spiel enthält viele Elemente, die im Unterricht leicht zu kurz kommen: Freiheit der Entscheidung, Ungewissheit über den Ablauf, Spaß am Spiel, Zusammenspiel mit anderen. Wenn durch das Spiel einiges davon in den Unterricht gebracht wird, dann hat es sicher einen unbestreitbaren Wert. Dieser Reiz muss keineswegs verloren gehen, wenn das Spiel Lernen erleichtern soll.

In der Fachliteratur wird die Bedeutung des Spiels beim Erwerb grundlegender Qualifikationen immer wieder hervorgehoben. Ein weiteres wichtiges Argument, das für den Einsatz von Lernspielen im Unterricht spricht, ist die dadurch geförderte Motivation des Schülers, denn das Spiel ist für den Schüler ein freudvolles Ereignis (siehe die Beschreibungen in Abschnitt 2.4.2 und 3.1). Es kann auch eine Motivationssteigerung durch Freude am Erlernen von speziellen Lerninhalten hervorrufen. Nicht nur, dass Lernspiele eine Abwechslung im Unterrichtsalltag bieten; sie können auch neugierig machen auf den zu vermittelnden Stoff. Lernspiele können somit dazu beitragen, Spaß an der Mathematik zu haben.

Leistungsschwächere Schüler, die bereits eine ablehnende Haltung oder sogar Ängste vor dem Mathematikunterricht aufgebaut haben, werden durch die spielerische Form zur Auseinandersetzung mit mathematischen Inhalten herausgefordert (durch das Wecken von Neugierde und Spiellust sowie das Erkennen von einer Gewinnchance). Eine entspannte, freudvolle Atmosphäre und die Lernbereitschaft können sich positiv gegenüber Lernschwierigkeiten und Lernunlust auswirken.

Die vielfältig einsetzbaren Spielformen von Lernspielen ermöglichen ein Lernen mit allen Sinnen und sprechen somit verschiedene Lerntypen an. Ebenso ermöglichen mathematische Lernspiele eine Differenzierung und Individualisierung des Lernens und können folglich helfen, vorhandene Lernschwierigkeiten abzubauen. Bei der Bearbeitung von Aufgabenstellungen haben Kinder unterschiedliche Arbeitstempi. Mit Lernspielen kann darauf reagiert werden, indem im Unterricht Lernspiele für die verschiedenen Sozialformen (Einzel-, Partner-, Gruppenarbeit) angeboten werden und die Schüler in den unterschiedlichen Sozialformen je nach Leistungsmöglichkeiten zusammen arbeiten. Dies entspricht der Binnendifferenzierung.

Das Lernspiel ist beispielsweise auch im Förderunterricht gut geeignet, Lernschwierigkeiten, die im affektiven, d. h. gefühlsmäßigen Bereich liegen, abzubauen. Durch die Spielhandlung kann die (intrinsische) Motivation von leistungsschwächeren Schülern geweckt und ihr Selbstbewusstsein durch kleine Erfolge gestärkt werden.

Kapitel 3.3, Stellung des Lernspiels im Mathematikunterricht: Für den Mathematikunterricht gelten zunächst einmal die gleichen Voraussetzungen wie in anderen Schulfächern. Ein flächendeckender Einsatz von Lernspielen ist nicht vorhanden. Vieles hängt von der Bereitschaft der Lehrer ab, einen gewissen Mehraufwand in der Unterrichtsvorbereitung und einen größeren Geräuschpegel in der Unterrichtsdurchführung in Kauf zu nehmen. Es müssen strukturelle Voraussetzungen für den äußeren Unterrichtsrahmen geschaffen werden, um den Einsatz von Lernspielen effektiv zu gestalten. In erster Linie muss der Lehrer um die Bereitschaft der Schüler zum Spielen wissen. Er ist es, der bei der Auswahl eines Spiels die Motivation der Schüler wecken will. Der Schwierigkeitsgrad darf weder eine zu starke Unter- noch Überforderung bei den Schülern auslösen.

Mathematische Spiele sind so konstruiert, dass sie eine mathematische Idee in reiner Form verkörpern. Die Kinder können diese Idee durch gelenkte Beschäftigungen mit dem Material selbst entdecken. Die mathematisch relevanten Eigenschaften des Spielmaterials sind- anders als im Falle von Spielsachen und Gebrauchsgegenständen- leicht erkennbar und einfach zu beschreiben.

Des Weiteren sollte die Lerngruppe durch gezielte Vorbereitung zu eigenständiger Partner- oder Gruppenarbeit befähigt werden. Nur, wenn die Schüler kommunizieren und kooperieren, wenn sie kontinuierliches individuelles wie gemeinsames, jedoch graduell lehrerunabhängiges Lernen praktizieren können, werden sie die ihnen vorliegenden Spielregeln selbstständig anwenden und erweitern und somit an den eigenen Lernfortschritt anpassen können.

Ebenso verändert sich die Rolle des Lehrers wie die des Schülers bei vielen Lernspielen grundlegend. Der Lehrer muss in der Lage sein, Führung und Kontrolle ruhen zu lassen und vielmehr als Lernbegleiter, Moderator oder schlicht Beobachter in den Hintergrund zu treten. Die Situation des offenen Unterrichts bzw. von offenen Situationen fordert vom Lehrer außerdem die Position des Beaufsichtigenden, Vermittlers, Helfenden, Erklärenden und spontan Handelnden. Dies fällt nicht allen Lehrern gleichermaßen leicht. Von großer Bedeutung für eine optimale Spielgestaltung ist auch die Sitzanordnung und Tischstellung im Klassenraum.

Es sollte für die Schüler möglich sein, das Spiel an einem Ort durchzuführen, an dem sie weder vom Lärm noch von Aktivitäten anderer Gruppen gestört werden. Auch sind genug Freiräume zu schaffen, damit die Schüler bei z. B. auftretenden Fragen, bei der Kontrolle an einem Kontrollbogen oder bei dem Wechsel eines Spiels die Möglichkeit haben, den Lehrertisch bequem zu erreichen.

Ergänzend bzw. vergleichend dazu sei die Liste von Vernay genannt, der fünf Punkte zur Durchführung von Lernspielen im Unterricht herausstellt, die auch für den Mathematikunterricht gelten: Es soll auf eine ansprechende Spielidee und Spielausstattung, einfache Spielregeln und die Beachtung des Glücksfaktors geachtet werden. Außerdem sollen Kontrollmöglichkeiten eingebaut werden und die Herausforderungen den Fähigkeiten angepasst werden.

Die Unterrichtspraxis zeigt, dass zumindest für den Stundenauftakt und für die Einstimmung auf den Mathematikunterricht Lehrkräfte häufiger auf Rechen-/Lernspiele zurückgreifen, als dies in anderen Fächern der Fall ist. Die Forderung nach täglichen, mündlichen Rechenübungen ist wohl inzwischen allgemeine Unterrichtspraxis. In der Tat sind die Gründe für das tägliche 5-10 Minuten - Rechnen einleuchtend, da kein anderes Unterrichtsfach infolge seines systematischen Aufbaus so sehr auf ständige Wiederholung angewiesen ist wie die Mathematik. Diese kleinen Rechenspiele zu Themeninhalten wie dem Kleinen 1x1, der Addition und Subtraktion, dem Runden und Überschlagen und dem Rechnen mit Größen haben also eine ähnliche Funktion wie das warm-up im Sportunterricht.

Dabei hat der Lehrer zu beachten, dass auch eine motivierende Einstimmung stattfindet, d. h. die ständige Gewohnheit des Kopfrechnens zum Stundenbeginn darf nicht zu einer übermäßigen Belastung oder gar Herabsetzung zulasten der lernschwachen Schüler werden. Spielformen, in denen die Schüler sich setzen können, wenn sie eine Aufgabe gelöst haben oder das sehr verbreitete 4-Ecken-Rechnen“ sind daher nicht geeignet.

Die meisten Anregungen für den Einsatz von Lernspielen im Mathematikunterricht finden sich in der didaktischen Literatur zu der Unterrichtsphase Üben und Festigen von Lerninhalten. Viele Schulen verfügen über Sammlungen von Spielen, die die Lehrer im Laufe der Zeit immer wieder einsetzen und erweitern können, diese sollten systematisch nach Lerninhalten gegliedert sein.

Je umfangreicher eine solche Sammlung des Lehrers allerdings ist, desto stärker wächst die Gefahr einer Inflation des Spiels, da es zu einer Gewöhnung führen würde. Es kann folglich nicht sinnvoll sein, zu jedem Lerninhalt ein Spiel bereit zu halten, da auch bei den Schülern die Lust und Freude am Spiel verloren gehen kann. Wie beliebt ein Spiel bei den Kindern ist, liegt vor allem an der Einstellung der Lehrer zum Spiel. Auch das spannendste Spiel kann zur langweiligen Pflichtübung werden, wenn die Lehrer etwa den Lerncharakter des Spiels zu sehr betonen, obwohl eigentlich jedem Schüler bewusst ist, dass Spiele im Unterricht nicht nur einen Zeitvertreib darstellen.

Soll, wie im Praxisbeispiel (in Kapitel 5 dieser Arbeit) noch näher erläutert wird, die Übung und Festigung eines Unterrichtsthemas durch den Einsatz eines Lernspiels gestaltet werden, muss sich der Lehrer zunächst einmal darüber klar werden, welchen Lerninhalt er dafür als geeignet hält. Anschließend ist zu prüfen, ob ein geeignetes Spiel vorhanden ist oder selbst hergestellt werden kann, welches hilft, die angestrebten Ziele zu erreichen.

Kapitel 3.4, Formen mathematischer Lernspiele: Da eine zu große Anzahl von Formen mathematischer Lernspiele existiert, wird darauf hingewiesen, dass im Rahmen dieses Abschnitts nur einige von ihnen aufgezählt werden. Es handelt sich um die wichtigsten Klassifikationsmerkmale von Lernspielen im Allgemeinen, die gleichzeitig auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten hinweisen. Im Anschluss werden die Formen genannt, die für diese Arbeit relevant sind.

a) materialungebunden: Es handelt sich dabei um Spiele, bei denen kein Material benötigt wird, wie z. B. Kopfrechenspiele.

b) materialgebunden: Dies sind Spiele, zu denen Spielpläne, Figuren oder Formenmaterialien notwendig sind, z. B. Würfel-, Lotto-, Domino-, oder Regelspiele.

c) Spiel für eine oder mehrere Personen: Bei den Spielen mit Wettbewerbscharakter treten die Spielenden, meist Gruppen, in Konkurrenz zueinander an. Dazu zählen z. B. geometrische Legespiele, Partner- und Gruppenspiele.

d) mit und ohne Wettbewerbscharakter: Bei vielen Spielen mit Wettbewerbscharakter wird die Leistung am Rechentempo gemessen. Der Wettbewerb kann bei Schülern positive Motivationsanreize oder einen subjektiv als negativ empfundenen Leistungsdruck aufbauen, der sich wiederum auf die Spiel- und Lernbereitschaft auswirkt (z. B. Denkblockade, Entwicklung einer negativen Spielhaltung).

e) Strategiespiele/ Denkspiele: Um Spielfreude zu empfinden, muss der Spielende einzeln oder in Gruppen eine Taktik bzw. Strategie entwickeln. Dazu benötigt er sowohl vorausschauendes bzw. hypothetisch- deduktives Denkvermögen, als auch die Fähigkeit einfache und logische Operationen wie Identifizieren, Zuordnen und Klassifizieren (z. B. Lotto- oder Dominospiele, Rechenrätsel) durchführen zu können.

f) Zufallsspiele: Hierbei entscheidet ausschließlich der Zufall über den Spielverlauf (z. B. Würfelspiele, Kartenspiele). Die Gefahr dieser Spiele liegt im schnellen Verlust der Spielfreude und Spielbereitschaft. Es muss besonders kritisch geprüft werden, welches Lernziel mit dieser Art von Lernspiel intendiert wird.

g) Regelspiele: Sie ähneln in der äußeren Form den Gesellschaftsspielen und sind meistens materialgebunden (Spielplan, Würfel, Figuren) und werden von mehreren Schülern gespielt. Das Spiel wird nach vorgegebenen Spielregeln gespielt und setzt neben z. B. mathematischen Fähigkeiten auch bestimmte kognitive und soziale Fähigkeiten der Spielenden voraus: Erfassung der Spielregeln (Sprachkompetenz), Transfer und Anpassung an die jeweilige Spielsituation, Kooperation und Verständigung mit den Mitspielern.

Die große Vielfalt an vorhandenen Lernspielen wird hier deutlich. Vorteilhaft für die Schüler kann eine Kombination aus mehreren dieser Formen von mathematischen Lernspielen sein. So ist die Abwechslung im Unterricht vorhanden und es kann individuell auf den Leistungsstand der Klasse eingegangen werden. Für die Durchführung der Lernspiele in dieser Arbeit (siehe Kapitel 5) sind materialgebundene Regelspiele und zusätzlich Strategiespiele für mehrere Personen, auch mit Wettbewerbscharakter, ausgewählt worden.

Arbeit zitieren:
Tehrani, Taraneh Dezember 2005: Das Lernspiel als Träger mathematischer Lernprozesse im Anfangsunterricht, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Lernen, Lernspiel, Mathematik, Unterricht, Lernprozess

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