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Lernhandeln von Führungskräften zur Rekonstruktion spezifischer Lernbegründungen

Lernhandeln von Führungskräften zur Rekonstruktion spezifischer Lernbegründungen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Michaela Müller
  • Abgabedatum: September 1999
  • Umfang: 176 Seiten
  • Dateigröße: 1,4 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Augsburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4894-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4894-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4894-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Müller, Michaela September 1999: Lernhandeln von Führungskräften zur Rekonstruktion spezifischer Lernbegründungen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Lernmotivation, betriebliche Weiterbildung, Führungskräftetraining, Evaluation

Diplomarbeit von Michaela Müller

Einleitung:

Komplexe Forschungsfragen dieser Art können in einer Diplomarbeit nicht sehr umfänglich und damit auch in keinster Weise abschließend beantwortet werden. Da hier kein quantitativer Zugang zum Forschungsfeld gewählt wird und nicht hypothesenprüfend vorgegangen wird, wird kein Ergebnis in Form von „Die Teilnehmer von Führungskräftefortbildungen lernen größtenteils defensiv“ erreicht werden, sondern es soll - dem zeitlichen und inhaltlichen Umfang einer Diplomarbeit entsprechend - lediglich im Rahmen einer Vorstudie ein Fall rekonstruiert werden, wobei ein weiterer Fall als Vergleichshorizont hinzugezogen wird. Dies ergibt sich aus der Logik des gewählten Auswertungsverfahrens.. Damit soll u.a. auch geprüft werden, inwieweit Holzkamps Lerntheorie, die ja bisher nur von wenigen Autoren für die Erwachsenenpädagogik rezipiert worden ist, geeignet erscheint, das Lernen von Erwachsenen theoretisch angemessener verstehen zu können.

Das empirische Datenmaterial liegt in Form von transkribierten Interviewtexten vor, wobei als Erhebungsinstrument das problemzentrierte Interview gewählt wurde. Interviewt wurden Führungskräfte - in diesem Fall Ingenieure - eines Betriebes der Stromwirtschaft, welche an der Weiterbildungsmaßnahme „Team-Management-Training“ an fünf Tagen teilgenommen hatten. Das Training umfaßte die Themen Mitarbeitergesprächsführung, Führung und Motivation. Als Auswertungsverfahren wird die Dokumentarische Methode herangezogen. Genaue Ausführungen zum Forschungsverfahren sind in Kapitel 4 zu finden.

Ausgeklammert wird eine Auseinandersetzung mit der subjektwissenschaftlichen Lerntheorie Holzkamps selbst. Diese wird, als heuristischer Rahmen, der Arbeit vorausgesetzt. Sie gestattet in dieser Form die theoretische Rekonstruktion von empirisch erhobenem Forschungsmaterial (Interviewtexte). Diese Leistung, dies wurde im Zugang auf diese Lerntheorie, quasi in einem groben Zugriff, definiert, kann sie erbringen. Mehr wird von ihr nicht erwartet. Diese Voraussetzung schließt deshalb auch ein, den gesellschaftstheoretischen Hintergrund der „subjektwissenschaftlichen Lerntheorie“, die sog. „Kritische Psychologie“, nicht zu thematisieren. Dies wäre ein Thema eigener Art.

Gang der Untersuchung:

Zunächst wird der aktuelle Forschungsstand zum Thema dargestellt.

Anschließend wird der heuristische Rahmen für die Rekonstruktion des Lernhandelns von Führungskräften entwickelt, insbesondere die Teile der Holzkamp‘schen Lerntheorie, die für diese Arbeit bedeutsam sind.

Nachfolgend werden Überlegungen zum Forschungsverfahren angestellt, um dann abschließend die Ergebnisse der Forschung darzustellen und zu interpretieren.

Zum Schluß dieser Einleitung möchte ich eine persönliche Anmerkung machen. Die thematischen, die subjektwissenschaftlich-lerntheoretischen und auch die methodologischen Basisentscheidungen für diese Arbeit stellen für mich – am Ende meines Studiums – Neuland dar. D.h. während meines bisherigen Studiums habe ich mich weder intensiv mit betrieblich-beruflicher Weiterbildung, noch mit der Holzkamp’schen Lerntheorie auseinandersetzen können – sie waren nicht Teil des Studienangebotes. Diese Diplomarbeit stellt sich für mich deshalb wie eine Entdeckungsreise dar, bei der ich immer wieder Neuland betrete, wo ich mich in bis dato unbekannte Theorien und Forschungsmethoden einarbeite und dabei erfahre, wie sich das Neue zum Alten fügt, es aber auch in Frage stellt und zum Teil überwindet. Mein Bemühen, eine empirische Arbeit als Fallrekonstruktion zu schreiben, habe ich als größte Herausforderung erlebt. Das Organisieren eines Forschungsfeldes, das Entwerfen von Interviewleittexten, das Gestalten der Interviewsituationen, das methodologisch reflektierte Auswerten der transkribierten Texte sowie der Versuch einer Verdichtung (neuer) wissenschaftlicher Erkenntnisse hat mich außerordentlich gefordert - damit auch gefördert.

Die Entdeckungsreise, so mein persönliches Fazit, war schwierig, anstrengend und aufregend, aber auch weiterführend und ertragreich für meine Fähigkeit, pädagogische Praxis mit wissenschaftlichem Anspruch zu erkennen.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINFÜHRUNG IN DIE THEMENSTELLUNG 3
1.1 Vorbemerkungen 3
1.2 Thema und Zielsetzung 5
1.3 Methodisches Vorgehen und Anspruch der Arbeit 13
2. Überblick über den Forschungsstand 15
2.1 Empirische Erforschung des Lernhandelns von Führungskräften 15
2.2 Bedeutung der subjektwissenschaftlichen Lerntheorie in Untersuchungen zum Erwachsenenlernen 18
3. Der heuristische Rahmen für die Rekonstruktion des Lernhandelns von Führungskräften: die subjektwissenschaftliche Lerntheorie Klaus Holzkamps 21
3.1 Zum Subjektstandpunkt als Diskursebene individueller Handlungsgründe 21
3.2 Überlegungen zum Lernhandeln des Subjekts 26
3.2.1 Ausgliederung einer Lernproblematik aus einer Handlungsproblematik - Optionen für das Subjekt 26
3.2.2 Thematische Lernbegründung für das Subjekt 33
Exkurs: Thematische Lernbegründung und das Konzept der extrinsischen / intrinsischen Motivation 38
3.2.3 Lebenspraktische Bedeutungszusammenhänge als Prämissen für die Begründung von Lernhandlungen 40
4. Überlegungen zum Forschungsverfahren 43
4.1 Einleitende Bemerkungen 43
4.2 Erhebungsdesign 45
4.2.1 Auswahl geeigneter Untersuchungsmethoden und Darstellung des Forschungsmethodischen Vorgehens 45
4.2.2 Festlegung der Stichprobe und des Untersuchungsdesigns 49
4.2.2.1 Festlegung der Stichprobe 49
4.2.2.2 Festlegung des Untersuchungsdesigns 50
4.2.3 Durchführung der Datenerhebung 55
4.3 Aufbereitungsverfahren 55
4.4 Auswertungsdesign 56
4.4.1 Formulierende Interpretation 58
4.4.2 Reflektierende Interpretation 59
4.4.3 Fallbeschreibung 60
4.4.4 Typenbildung 61
5. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse: die Rekonstruktion des Lernhandelns von Herrn Steiner 62
5.1 Formulierende Interpretation der Interviewtexte von Herrn Steiner und Herrn Meier 62
5.1.1 Überblick über das Interview mit Herrn Steiner 62
5.1.2 Detaillierte Formulierende Interpretation des Interviews mit Herrn Steiner 63
5.1.3 Überblick über das Interview mit Herrn Meier 77
5.1.4 Detaillierte Formulierende Interpretation des Interviews mit Herrn Meier 78
5.2 Reflektierende Interpretation des Interviewtextes von Herrn Steiner 89
5.3 Fallbeschreibung 105
5.3.1 Die personale Situiertheit von Herrn Steiner als Chance und Grenze seiner Lernmöglichkeiten 106
5.3.2 Herrn Steiners Umgang mit den Lernanforderungen des Betriebes 112
5.4 Typenbildung 116
6. Zusammenfassung und Ausblick
Literaturverzeichnis
Anhang 1: Interviewtext von Herrn Steiner
Anhang 2: Interviewtext von Herrn Meier

Automatisiert erstellter Textauszug:

Interview) vorliegen, entschlüsselt und rekonstruiert werden. Ein rekonstruktives Forschungsverfahren trägt insofern dem Holzkamp’schen Begründungsmodell für Lernen am ehesten Rechnung: Ereignisse sind nicht als kausale Bedingungen für andere Ereignisse zu sehen, sondern erscheinen in ihrer Bedeutungshaftigkeit als Prämissen für Handlungsbegründungen: „Die Begründungen stehen zu den Prämissen nicht im Verhältnis empirischer Kontingenz, sondern diskursiver Schlüssigkeit: Sie ergeben sich für mich in Ansehung meiner Interessen (wie ich sie wahrnehme) als ‚vernünftige‘ Konsequenz aus den Prämissen. Derartige Annahmen über Begründungszusammenhänge enthalten demnach keinerlei ‚Vorhersagen‘ über reale Ereignisse, können mithin auch nicht als solche ‚an der Realität scheitern‘, es kann sich lediglich herausstellen, daß sie, da hier die darin vorausgesetzten Prämissen nicht vorliegen, auf eine bestimmte reale Situation nicht anwendbar sind“.3 Im folgenden werden von vier Interviews mit Führungskräften zwei ausführlich untersucht: Eines wurde nach nachfolgend beschriebener Methode ausgewertet und ein weiteres als Vergleichshorizont hinzugezogen.4 Es geht dabei um die Herausarbeitung der Besonderheit des Falles, um die Rekonstruktion dessen Eigenart, nicht um die Beantwortung der Frage, inwieweit das beobachtbare empirische Phänomen repräsentativ bezüglich einer Gesamtpopulation ist. Mit Blick auf derartige Ansprüche an die Repräsentativität des Untersuchungsgegenstandes kann hier allenfalls von einer Pilotstudie gesprochen werden. In Anlehnung an König und Bendler5, die ein schrittweises Vorgehen zur Festlegung von Forschungsmethodik und Durchführung der Untersuchungen vorgeschlagen haben, erfolgt in diesem Kapitel zunächst eine Darstellung des Erhebungsverfahrens des Datenmaterials sowie eine Begründung des forschungsmethodischen Vorgehens. Dabei wird begründet, warum für diese Untersuchung das problemzentrierte Interview gewählt wurde. Im nächsten Abschnitt des Kapitels wird das Untersuchungsdesign festgelegt. Zunächst wird dargestellt, wo und mit welchen Personen die Untersuchung durchgeführt [...]

Nachdem im vorigen Kapitel die Holzkamp’schen Begründungsmuster für Lernhandeln als heuristischer Rahmen entwickelt wurden, mit dem das empirische Datenmaterial untersucht wird, wird im folgenden das gewählte Forschungsverfahren dargestellt. Insbesondere wird der Frage nachgegangen, mit welchen Forschungsmethoden sich Zugang zu Lernbegründungen von Führungskräften finden läßt und wie das methodisch erhobene Datenmaterial ausgewertet werden kann. Aufgrund der Leitgedanken /-ziele dieser Arbeit wird auf eine möglichst umfassende Darstellung des Forschungsprozesses besonderer Wert gelegt, um eine intersubjektive Überprüfbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten. „Qualitatives Forschen darf nicht verschwommen sein; die Vorgehensweisen müssen offengelegt und systematisiert werden wie quantitative Techniken auch. Nur so lassen sie sich vernünftig (und) gegenstandsangemessen einsetzen.“1 Deswegen werden die Schritte des Forschungsprozesses ausführlich dargestellt und die transkribierten Interviews dieser Arbeit als Anhang beigefügt. Wie bereits ausgeführt, wird nicht hypothesenprüfend vorgegangen, sondern der Untersuchungsgegenstand wird mittels eines rekonstruktiven Verfahrens beleuchtet, wie es im Rahmen qualitativer Sozialforschung entwickelt und erprobt wurde.2 Da in dieser Arbeit versucht wird, die Subjektperspektive einzunehmen, weil nur so die subjektiven Lernbegründungen von Weiterbildungsteilnehmern erforscht werden können, liegt die Entscheidung für ein rekonstruktives Verfahren in dieser Subjektperspektive begründet. Ein rekonstruktives Verfahren ist insofern gegenstandsadäquat, als es beim Forschungsgegenstand um Lernbegründungen des Subjektes geht. Diese Bedeutungshorizonte und Sinnstrukturen müssen – indem sie in „objektivierter Form“ (z.B. als transkribiertes [...]

rung an den Lerngegenstand sind, also quasi ‚in der Sache liegen‘, die Alternative aufscheint, es könne auch ‚an mir liegen‘, daß ich hier nicht weiterkomme. Prospektiv bedeutet dies, daß angesichts einer bestimmten Lernproblematik für mich nicht die Frage, wie diese Problematik ‚von der Sache her‘ zu überwinden ist, sondern die Frage, ob ich dazu ‚fähig‘ sein werde, in den Vordergrund tritt. Der Zweifel, durch den meine Fähigkeiten fraglich werden, bezieht sich dabei nicht lediglich auf mein abstraktes ‚Unvermögen‘, sondern impliziert in verschiedenen Anteilen immer auch die erfahrenen Beschränkungen meines biographisch unterlegten personalen Standortes. ‚Kann‘ ich dieses oder jenes lernen, heißt so etwa auch: Traue ich es mir von da aus, wo ich jetzt stehe, zu, will ich es mir (noch) zutrauen, d.h. zumuten? Dabei nicht nur: Will ich es überhaupt lernen, sondern: Kann ich es überhaupt lernen wollen? Weiterhin: Ist das, was ich da lernen soll / will, überhaupt ‚mein Ding‘, liegt es mir, steht es mir zu oder an, paßt es zu mir? Ist die Zeit dafür nicht vorbei, habe ich die Möglichkeit, dies (noch) zu lernen, nicht endgültig verpaßt?“47 In der empirischen Untersuchung ist also auch zu fragen, inwieweit die personale Situiertheit der Lernenden in der Weiterbildungsveranstaltung eine Rolle spielte. Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß sich die Bedeutungsanalyse des Lernens nicht nur auf die Bedeutungsstruktur des Lerngegenstandes beschränkt, sondern daß die Prämissen für die Begründetheit von Lernhandlungen zur Überwindung von Lernproblematiken auch immer in dem lebenspraktischen Bedeutungszusammenhang des Lernsubjekts zu suchen sind, also in seiner personalen Situiertheit, von der abhängt, „was mir (dem Lernsubjekt, Anm. d. Verf.) in welcher Weise überhaupt erst zum Lerngegenstand werden kann“.48 Die erläuterten theoretischen Annahmen zum Lernhandeln und zum lebenspraktischen Bedeutungszusammenhang der Lernsubjekte stellen für diese Arbeit den spezifischen Zugang zum Lernhandeln von Führungskräften dar. Sie werden theoretisierend auf den Untersuchungsgegenstand (die protokollierten Interviews) angewandt, um Möglichkeiten und Chancen bzw. Lernbehinderungen und Widerstände in deren Bildungsprozeß aufdecken zu können. [...]

Arbeit zitieren:
Müller, Michaela September 1999: Lernhandeln von Führungskräften zur Rekonstruktion spezifischer Lernbegründungen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Lernmotivation, betriebliche Weiterbildung, Führungskräftetraining, Evaluation

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