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Lernen durch Lehren im Generationendialog

Durchgeführt mit einem BVJ

Lernen durch Lehren im Generationendialog
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Andreas Deubel
  • Abgabedatum: Januar 2008
  • Umfang: 42 Seiten
  • Dateigröße: 795,8 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Gießen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 17
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2076-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Deubel, Andreas Januar 2008: Lernen durch Lehren im Generationendialog, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Generationenlernen, Lehren, EDV, Unterricht, BVJ

Staatsexamensarbeit von Andreas Deubel

Einleitung:

Die Gesellschaft, in der wir heute leben, wird in zunehmendem Maße komplexer und undurchsichtiger. Bildung kann in einer solchen Gesellschaft nicht als ein abgeschlossener, feststehender Zustand angesehen werden, sondern ist als ein Prozess ohne festlegbaren Abschluss (lebenslanges Lernen) zu verstehen. Das bereits angeeignete Wissen kann innerhalb kürzester Zeit schon wieder veraltet sein. Um den Anforderungen der komplexen Gesellschaft -speziell der Arbeitswelt- gerecht werden zu können, reicht es nicht mehr aus, dass die Schülerinnen und Schüler lediglich Faktenwissen vermittelt bekommen.

Vor allem die Arbeitgeber fordern, neben einer guten Allgemeinbildung und sprachlichem Ausdrucksvermögen, die Befähigung zum selbstständigen Arbeiten, Teamfähigkeit und ein hohes Maß an sozialer Kompetenz. Des Weiteren sind sich Arbeitgeber, Eltern oder Pädagogen darin einig, dass es bei der Erziehung vor allem darum geht, den jungen Menschen dabei zu helfen, eine starke Persönlichkeit zu entwickeln, den Lern- und Leistungswillen zu wecken bzw. zu stärken und nicht zuletzt die Jugendlichen zu sozialem und verantwortungsbewusstem Verhalten zu befähigen.

Diese Ziele spiegeln sich auch in den Rahmenvereinbarungen der Kultusministerkonferenz über die Berufsschule wider. Nach diesen Rahmenvereinbarungen hat die Berufsschule die Ziele:

- ‚eine Berufsfähigkeit zu vermitteln, die Fachkompetenz mit allgemeinen Fähigkeiten humaner und sozialer Art verbindet.

- berufliche Flexibilität zur Bewältigung der sich wandelnden Aufgaben in der Arbeitswelt auch im Hinblick auf das Zusammenwachsen Europas zu entwickeln.

- die Bereitschaft zur beruflichen Fort- und Weiterbildung zu wecken.

- die Fähigkeit und Bereitschaft zu fördern, bei der individuellen Lebensgestaltung und im öffentlichen Leben verantwortungsbewusst zu handeln’.

Während sich Allgemeinbildung und fachliches Wissen vielleicht noch belehrend im klassischen Frontalunterricht vermitteln lassen, erfordert die Vermittlung von Teamfähigkeit, Selbstständigkeit, Konfliktfähigkeit oder Kommunikationsverhalten ein besonderes methodisches wirken. So gesehen liegt es auf der Hand, dass Veränderungen in den Anforderungen der Gesellschaft zu Veränderungen in den Methoden des Lehrens und Lernens führen müssen.

Ausdauer, Präsentationskompetenz, Selbstvertrauen, Teamfähigkeit sowie Selbstständigkeit sind essenzielle Fähigkeiten, welche vor allem bei den schwächeren Schülerinnen und Schülern, die beispielsweise das Berufsgrundbildungsjahr, E.I.B.E. oder das Berufsvorbereitungsjahr besuchen, oft nur unzureichend vorhanden sind. Deshalb liegt es nahe, dass besonders bei diesen jungen Menschen diesbezüglich ein hoher Förderbedarf besteht. Dies führte bei den Überlegungen zu meinem Unterrichtsvorhaben zu dem Entschluss, eine schüler- und handlungsorientierte Methode mit Schülerinnen und Schülern auszuprobieren, die ein sehr niedriges Bildungsniveau und äußerst schlechte Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt haben.

Durch das fremdgesteuerte Lernen zeigen Schülerinnen und Schüler ohne weitere äußere Anreize erfahrungsgemäß nur wenig Interesse am Lernprozess. Soziale und personale Kompetenzen werden kaum gefördert. Des Weiteren fehlen ihnen durch den häufigen Einsatz des Frontalunterrichtes methodische Fähigkeiten, die ihnen ein eigenständiges Lernen ermöglichen. Als Lösungsmöglichkeiten für dieses Dilemma werden schüler- und handlungsorientierte Unterrichtsmethoden genannt, welche die intrinsische Motivation und die methodischen, personalen und sozialen Kompetenzen der Lernenden fördern und damit die angesprochenen Defizite der Schülerinnen und Schüler ausgleichen können.

Eine meines Erachtens erfolgsversprechende Methode ist ‚Lernen durch Lehren’. Bei dieser Unterrichtsform werden die Schülerinnen und Schüler zu den Gestaltern des Unterrichts, während sich die Lehrkraft zunehmend zurücknimmt und als Beobachter, Moderator und Koordinator wirkt.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Analyse, inwieweit die gewählte Methode LdL dazu beitragen kann, die Lernenden auf die Bewältigung der hohen gesellschaftlichen und beruflichen Anforderungen vorzubereiten und die daraus resultierenden Kompetenzen zu fördern. Es wird auch sehr interessant sein zu beobachten, ob die Schülerinnen und Schüler in ihrer neuen Rolle als Lehrende einen fachlichen Wissenszuwachs verzeichnen können.

Dabei entstand aus einem längeren Gespräch mit meiner Kollegin Frau Rosi Schmitt die Idee ein so genanntes ‚Generationenlernen’ durchzuführen. Das Konzept beinhaltet, dass die Schülerinnen und Schüler das zuvor erarbeitete Wissen aus dem EDV-Unterricht an Senioren weitergeben sollen, die mit dem Thema „Arbeiten am Computer“ noch keine Erfahrungen haben.

Durch dieses intergenerative Zusammentreffen soll geprüft werden, ob sich die junge und die ältere Generation wirklich nichts mehr zu sagen haben, wie es des Öfteren in der Öffentlichkeit dargestellt wird.

Zunächst ist einer Bedingungsanalyse der theoretische Hintergrund zur LdL-Methode vorangestellt, welcher die notwendigen didaktisch-methodischen Vorgehensweisen verdeutlichen soll. Hinsichtlich der Rahmenbedingungen für diese Unterrichtsreihe werden anthropogene, institutionelle, und soziokulturelle Faktoren beschrieben, die insbesondere für die nachfolgenden didaktisch-methodischen Überlegungen erforderlich sind und des Weiteren Einfluss auf die Intentionen und Ziele der Unterrichtsreihe ausüben.

Der Darstellung von zwei Unterrichtseinheiten schließt sich eine Reflexion aus der Sichtweise der Lernenden, der Senioren und der Lehrkraft an.

Die Schlussfolgerungen, welche sich aus den Beobachtungen und Konsequenzen dieser Unterrichtsreihe ziehen lassen, geben Anlass zu einem abschließenden Ausblick in die Zukunft.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Lernen durch Lehren 4
2.1 Historie 4
2.2 Begriffsbestimmung 4
2.3 Voraussetzungen für den Einsatz von LdL 5
2.4 Vorgehensweise nach LdL 6
2.5 Begründung der Methode 7
3. Bedingungsanalyse 9
3.1 Institutionelle und organisatorische Rahmenbedingungen 9
3.2 Beschreibung der Lerngruppe 9
4. Didaktische Begründung und Einordnung der Unterrichtsreihe 12
5. Intentionen und Ziele 14
5.1 Intentionen meines Unterrichts 14
5.2 Konkrete Ziele dieser Unterrichtsreihe 14
5.2.1 Fachliche Ziele 14
5.2.2 Personale Ziele 15
5.2.3 Soziale Ziele 15
5.2.4 Methodische Ziele 16
6. Didaktisch-Methodische Begründung der Unterrichtsreihe 17
7. Durchführung der LdL-Methode 19
7.1 Unterrichtseinheit ‚Textverarbeitung’ 19
7.1.1 Vorbemerkungen 19
7.1.2 Ziele und Intentionen 20
7.1.3 Didaktisch-Methodische Durchführung 20
7.1.4 Reflexion 21
7.2 Unterrichtseinheit ‚Internetrecherche’ 22
7.2.1 Vorbemerkungen 22
7.2.2 Ziele und Intentionen 22
7.2.3 Didaktisch-Methodische Durchführung 22
7.2.4 Reflexion 23
8. Gesamtreflexion 24
8.1 Reflexion aus der Sicht der Senioren 24
8.2 Reflexion aus Sicht der Schülerinnen und Schüler 26
8.3 Reflexion aus Sicht der Lehrkraft 27
8.4 Ausblick 30
Literaturverzeichnis 31
Anhang 33

Textprobe:

Kapitel 6., Didaktisch-Methodische Begründung der Unterrichtsreihe:

Aufgrund der veränderten Anforderungen der Berufswelt an die Schülerinnen und Schüler ist, neben einem reinen Fachwissen, eine Vermittlung von fächerübergreifenden Qualifikationen, wie z.B. Kommunikationskompetenz, Präsentationskompetenz oder Selbstbewusstsein erforderlich. Da wir in der Berufsschule diese Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einstieg in die Berufs- und Arbeitswelt schaffen möchten, sollten diese Fähigkeiten intensiv gefördert werden. Dies ist mit einem handlungs- und schülerorientierten Unterricht am besten zu realisieren.

Eine herausragende Methode, handlungsorientierten Unterricht in der Schule zu implementieren, wird von vielen Fachleuten im Projekt gesehen. Hier tragen die Schülerinnen und Schüler ein praktisches Vorhaben in Zielsetzung, Planung, Ausführung und Beurteilung größtenteils selbst. Damit werden die Lernenden ganzheitlich angesprochen kognitive, affektive und psychomotorische Lernbereiche werden mit einbezogen.

Projektunterricht ist keine einzelne Methode, sondern setzt sich aus einer Vielzahl von Methoden zusammen. Wichtigstes Merkmal ist die Verbindung von theoretischer Erkenntnis und praktischem Tun. Das Projekt zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass praktisch gehandelt wird. Projektunterricht ist eine offene Unterrichtsform, da es Entscheidungsoffenheit innerhalb des Ablaufs gibt und das Projektergebnis sich aus dem unterrichtlichen Prozess heraus sukzessiv entwickelt.

Bei meiner Planung für die Unterrichtsreihe habe ich mich an dem Ablaufschema eines Projektes nach Karl Frey orientiert, welches folgende Phasen beinhaltet:

- Initiierungsphase (mit den Schülern ein Thema finden).

- Einstiegsphase (Einführung in das Thema).

- Planungsphase (Arbeitsmethoden und –orte bestimmen).

- Durchführungsphase (Bearbeitung des Themas).

- Präsentationsphase (das Produkt präsentieren).

- Auswertungsphase (das Produkt bewerten).

- Weiterführungsphase (das Produkt dokumentieren).

Ich habe dieses Schema lediglich als Orientierungshilfe genutzt und daher nicht alle Punkte exakt eingehalten. Infolgedessen möchte ich bei dieser Reihe nicht von Projektunterricht, sondern von projektorientiertem Unterricht sprechen.

Das Hauptaugenmerk liegt bei dieser Unterrichtsreihe zweifelsohne in der bereits unter Kapitel 2 ausführlich beschriebenen Methode ‚Lernen durch Lehren’. Die LdL-Methode ist in der durchgeführten Unterrichtsreihe in den projektorientierten Unterricht eingebettet.

Als Besonderheit fand die LdL-Methode im Generationendialog, sprich mit, für die Jugendlichen völlig fremden, älteren Menschen, statt. Um die Senioren auf das Projekt aufmerksam zu machen, schaltete ich eine Anzeige in der Lokalpresse. Auf diese Anzeige meldeten sich kurz darauf neun lernwillige Senioren, die nach einem kurzen Gespräch mit mir auch gleich ihre Teilnahme bestätigten.

Zu Beginn der projektorientierten Unterrichtsreihe plante ich zunächst eine ‚Kick-off Veranstaltung’. In dieser Doppelstunde konnten bereits die Lernteams für die kommenden Wochen gebildet werden. Gemeinsam wurden anschließend die Inhalte, die Vorgehensweise und organisatorische Dinge für die nächsten Termine geplant und festgelegt.

Bei der Unterrichtsreihe nahmen die Schülerinnen und Schüler eine neue Rolle im Unterricht ein. Durch ihre Funktion als Lehrende gestalteten sie die Lernprozesse aktiv, während sich die Lehrkraft immer mehr zurückzog. Dadurch, dass die Jugendlichen ein hohes Maß an Verantwortung übertragen bekommen, entwickeln sie Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Des Weiteren lernen sie auf einen Menschen zuzugehen, sich in seine Lage zu versetzen und intensiv mit ihm zu kommunizieren.

Die Jugendlichen haben einerseits große Freiräume in der Ausgestaltung ihre Rolle, sollen aber andererseits auch konkrete Aufgaben- und Problemstellungen gemeinsam mit ihrem Lernpartner lösen. So werden sie auch im späteren Berufsleben Freiräume haben, sind aber gleichzeitig an gewisse Rahmenbedingungen gebunden.

Bei der LdL-Methode ist grundsätzlich angedacht, dass die Jugendlichen die Informationsblätter, Arbeitsaufträge oder die Übungsblätter, die im Unterricht eingesetzt werden, selbst erstellen. Von diesem Punkt habe ich in meiner Reihe bewusst abgesehen, weil ich dies für die allgemein doch recht schwachen Schülerinnen und Schüler für eine Überforderung hielt. Die Arbeitsmaterialien wurden deshalb von mir erstellt und sie dienen allen Kursteilnehmern als schriftliche Ergebnissicherung. Gegebenenfalls können die Aufgaben am heimischen PC geübt und wiederholt werden.

Bereits im Vorfeld des Projekts übten die Schülerinnen und Schüler in kurzen Sequenzen das Lehren, indem sie sich gegenseitig fachliche Thematiken am PC erklärten. Damit sollten sie sich langsam an die neue Rolle als Lehrer gewöhnen.

In den folgenden sechs Veranstaltungen brachten die Jugendlichen ihren ‚Schülerinnen und Schülern’ das Arbeiten am PC näher. Durch Plenumsphasen, die mindestens einmal pro Termin stattfanden, konnte sichergestellt werden, dass es in den Lernteams keine ernsthaften Probleme gab und sich alle thematisch in etwa auf dem gleichen Niveau befanden. Außerdem wurden in diesen Phasen gelöste Aufgaben und aufgetretene Probleme (oftmals über den Beamer) präsentiert und besprochen.

Des Weiteren wurde in diesen Sequenzen gemeinsam besprochen und festgelegt, wie weiter vorgegangen wird. Sollte etwa ein völlig neues Thema erarbeitet werden, sollten weitere Übungen zu der aktuellen Materie gemacht werden oder sollten die Inhalte der vergangenen Unterrichtsstunde nochmal komplett wiederholt werden.

Arbeit zitieren:
Deubel, Andreas Januar 2008: Lernen durch Lehren im Generationendialog, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Generationenlernen, Lehren, EDV, Unterricht, BVJ

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