Lernen in der Krankenpflegeausbildung
Der Lernfeldansatz
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Evelyn Siebert
- Abgabedatum: November 2003
- Umfang: 117 Seiten
- Dateigröße: 1,5 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Evangelische Fachhochschule Ludwigshafen Hochschule für Sozial- und Gesundheitswesen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7883-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7883-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7883-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Siebert, Evelyn November 2003: Lernen in der Krankenpflegeausbildung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Lernfeld, Handlungsorientierung, Curriculum, Kompetenz, Unterricht
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Diplomarbeit von Evelyn Siebert
Problemstellung:
Alle Rahmenlehrpläne für die Berufsausbildung im Dualen System, deren Neuordnungsverfahren nach 1996 begannen, werden nach Lernfeldern gegliedert. Diese bilden die Grundlage für die Berufsschulen, ein Curriculum ausgehend von den vorgegebenen Lernfeldern zu konzipieren. Die neue Form der Strukturierung von Lehrplänen führt zu einer Neuorganisation des im Unterricht zu vermittelnden Wissens. Durch die weitgehend fehlende Verbindung der Krankenpflegeausbildung zum Dualen System, ist der Lernfeldansatz in der Krankenpflegeausbildung wenig bekannt.
Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und gesetzlicher Veränderungen werden curriculare Umgestaltungen innerhalb der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung notwendig. Aus diesem Grund wird in dieser Diplomarbeit analysiert, wie im Sinne der „Handreichungen für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der Kultusministerkonferenz (KMK) für den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule und ihre Abstimmung mit Ausbildungsordnungen des Bundes für anerkannte Ausbildungsberufe“ (im folgenden Handreichungen der KMK), ein nach Lernfeldern gestaltetes Curriculum strukturiert und auf welche didaktischen Annahmen Bezug genommen wird. Schlussfolgernd soll aufgezeigt werden, was den Unterricht innerhalb eines solchen Curriculums kennzeichnet, um zu neuen curricularen Ansätzen in der Krankenpflegeausbildung einen Vergleich herzustellen.
Darauf aufbauend werden die Möglichkeiten und Grenzen der Übernahme des Lernfeldansatzes in die Krankenpflegeausbildung diskutiert und kritisch hinterfragt, ob eine Übernahme des Lernfeldansatzes in die Krankenpflegeausbildung wünschenswert ist.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Motivation | 5 |
| 2. | Unterschiede zwischen der theoretischen Ausbildung in der Krankenpflege und der innerhalb des Dualen Systems | 6 |
| 3. | Der berufs- und bildungspolitische Hintergrund des Lernfeldkonzeptes | 9 |
| 3.1 | Gesellschaftlicher und sozialer Wandel | 9 |
| 3.2 | Bildungsverständnis | 11 |
| 3.3 | Der Transfer von schulischem Wissen in die berufliche Praxis | 13 |
| 3.4 | Lernortkooperation | 14 |
| 3.5 | Modularisierung der Ausbildung | 14 |
| 3.6 | Reaktion der Bildungspolitik | 15 |
| 4. | Curriculum versus Lehrplan | 18 |
| 5. | Beschreibung der amtlichen Verordnungen | 20 |
| 5.1 | Die Handreichungen der Kultusministerkonferenz | 20 |
| 5.2 | Der „Bildungsauftrag“ der Berufsschule | 21 |
| 6. | Bedeutung der Handlungskompetenz in der Berufsbildung | 25 |
| 6.1 | Kompetenzbegriffe | 25 |
| 6.1.1 | Der Kompetenzbegriff in der Sozialphilosophie | 26 |
| 6.1.2 | Der Kompetenzbegriff in der Psychologie | 27 |
| 6.1.3 | Der Kompetenzbegriff in der Pädagogik | 27 |
| 6.1.4 | Konsequenzen für das pädagogische Handeln | 28 |
| 6.2 | Kompetenzentwicklung - ein zukunftsorientiertes Konzept? | 30 |
| 7. | Die Entwicklung und Struktur eines lernfeldorientierten Curriculums | 33 |
| 7.1 | Curriculumentwicklung und -implementierung | 33 |
| 7.2 | Die Deduktion vom Tätigkeitsfeld über das Lernfeld zur Lernsituation | 35 |
| 7.2.1 | Die Gestaltung von Tätigkeitsfeldern | 36 |
| 7.2.2 | Die Gestaltung von Lernfeldern | 37 |
| 7.2.3 | Vom Lernfeld zur Lernsituation | 43 |
| 7.3 | Zwischenergebnis der Curriculumentwicklung und -konstruktion | 45 |
| 7.3.1 | Konstruktionsmerkmal: Fächerintegration | 47 |
| 7.3.2 | Konstruktionsmerkmal: Halboffen | 48 |
| 8. | Handlungsorientierter Unterricht | 50 |
| 8.1 | Lerntheoretische Grundlagen | 50 |
| 8.1.1 | Das Modell-Lernen nach Bandura | 51 |
| 8.1.2 | Die materialistischen Tätigkeitspsychologie und Lerntheorie der kulturhistorischen Schule der Sowjetunion | 52 |
| 8.1.3 | Die arbeitspsychologische Theorie der Handlungsregulation | 54 |
| 8.1.4 | Der systemtheoretische Ansatz der Strategien des Handelns | 57 |
| 8.1.5 | Die europäische kognitive Handlungstheorie | 58 |
| 8.1.6 | Konsequenzen für den handlungsorientierten Unterricht | 62 |
| 8.2 | Synopse von Merkmalen handlungsorientierten Unterrichts | 64 |
| 8.3 | Durchführung einer Lernsituation | 67 |
| 8.4 | Bewertung des handlungsorientierten Unterrichts | 70 |
| 9. | Erfahrungen der Lehrenden mit dem Lernfeldkonzept | 73 |
| 9.1 | Auswirkung auf die Lehrenden | 73 |
| 9.2 | Notwendigkeit der Teambildung und -arbeit | 74 |
| 9.3 | Auswirkung auf die Stoffverteilung und Stundentafel | 75 |
| 9.4 | Auswirkungen auf die Unterrichtsorganisation | 75 |
| 9.5 | Auswirkungen auf das Lernen der Berufsschüler | 76 |
| 9.6 | Prüfungen | 77 |
| 9.7 | Auswirkungen auf die Lernortkooperation | 77 |
| 10. | Krankenpflegeausbildung und das Lernfeldkonzept | 79 |
| 10.1 | Berufs- und bildungspolitischer Hintergrund | 79 |
| 10.1.1 | Veränderte Anforderungen an den Pflegeberuf in Deutschland | 79 |
| 10.1.2 | Gesetzliche Herausforderungen der Gesundheit- und Krankenpflegeausbildung | 80 |
| 10.1.3 | Veränderungsbedarf in der Krankenpflegeausbildung | 84 |
| 10.2 | Curriculare Innovationen in der Krankenpflege | 85 |
| 10.2.1 | „Integrierte Unterrichtseinheiten“ | 86 |
| 10.2.2 | Das Curriculum „Gemeinsame Pflegeausbildung“ | 89 |
| 10.2.3 | Das Curriculum „Gemeinsam lernen - vernetzt handeln“ | 94 |
| 11. | Diskussion | 102 |
| 12. | Fazit | 107 |
| Literaturverzeichnis | 109 |
Ein Handlungsziel existiert vorerst nur in der Vorstellung. Der Mensch muss demnach einen Weg finden, um aus den verfügbaren Gegebenheiten heraus, das Handlungsziel zu erreichen. Mit Hilfe von Teilhandlungen kann er somit über Zwischenstufen zum Ziel gelangen. Die Handlungsplanung vollzieht sich meist nicht ausschließlich rückschreitend. Ist man beispielsweise zu einem konkreten Zeitpunkt verabredet, plant man von diesem Zeitpunkt aus rückschreitend, wann von zu Hause wegzugehen ist, um den Termin pünktlich einzuhalten. Aus der aktuellen Situation weiß man, dass man Geld mitnehmen muss. Dies nennt Aebli aus der gegenwärtigen Lage heraus vorwärts zu planen. Das Handlungsziel ist, in diesem Beispiel mit „Geld zur verabredeten Zeit am Treffpunkt zu sein“. Manchmal kann eine Teilhandlung auch nur durch Experimentieren umgesetzt werden. Aebli unterscheidet effektive Handlungen, die durch Bewegung vollzogen werden von innere Handlungen, bei denen die Handlungsreihe nicht ausgeführt, sondern sich nur gedanklich vorgestellt wird. Der Vollzug der inneren Handlung ist schwieriger, da sich auch der Gegenstand, an dem sich die Handlung vollzieht, vorgestellt werden muss. Der umgekehrte Vorgang, d.h. die Umsetzung einer Handlungsvorstellung in eine effektive Handlung ist einfacher, da der Schüler von der effektiven Handlung zur Handlungsvorstellung gelangt. Schwieriger wird es für ihn sein, die Handlung nur aus der Beobachtung zu gewinnen. Am schwierigsten ist es, aufgrund verbaler Schilderungen eine Handlung kennen zu lernen (Aelbli, 1993, S. 191 ff.). In der Konsequenz bedeutet dieses, dass Schüler am besten handeln lernen, wenn sie mit der Wirklichkeit konfrontiert sind und sie selbst tätig werden können. Damit Schüler selbst tätig werden, schlägt Aebli vor, sie mit einer Problemstellung zu konfrontieren, die zum Nachdenken anreizt und auf ein Ziel hin ausgerichtet ist. Der Lehrer soll die Problemstellung mit den Schülern sorgfältig ausarbeiten, damit die Schüler sich mit dem Problem identifizieren. Aebli unterteilt einen solchen Unterricht in Phasen: (1) Die Schüler schlagen vor, was zur Lösung des Problems beiträgt bzw. wie sie zu einer gewünschten Zielvorstellung gelangen können. Der Lehrer sollte die Beiträge entgegennehmen, ohne Stellung zu beziehen. Im Anschluss bringen die Schüler die vorgeschlagenen Teilhandlungen in eine Reihenfolge. Danach soll jede Teilhandlung einzeln durchdacht werden und die Schüler begründen, [...]
Für Aebli dagegen sind Handlungen im Unterricht zielgerichtet und in ihrem Aufbau verstandene Vollzüge, die ein fassbares Ergebnis erzeugen. Für Aebli bedeutet Bildung und Erziehung Anleitung zum Leben lernen, und dieses bedeutet nicht nur, die Welt zu betrachten, sondern aktiv in sie einzugreifen. Das Eingreifen ist mit Tätigkeit verbunden. Um Vorstellungen und Begriffe zu verstehen, muss das Individuum diese selbst nachkonstruieren. Aebli unterscheidet soziale, auf Personen bezogene Handlungen von physischen, die sich auf Sachen beziehen. Das Handlungsergebnis, das daraus dann erzeugt wird, kann nützlich oder ästhetisch sein (Aebli, 1993, S. 182ff.). Handlungen sind nach Aebli (1993, S. 185) bewusste Verhaltensweisen, um ein Ergebnis zu erreichen. Darum ist ein versehentliches Stolpern nach seiner Theorie keine Handlung. Innerhalb der Handlung unterscheidet er zwischen Handlungsfolgen und Handlungsschemata. Handlungsfolgen werden vom Menschen Schritt für Schritt entworfen und zusammengesetzt, sobald der Mensch etwas Neues tut. Die neuen Handlungsfolgen setzen sich aus Handlungselementen zusammen, die im Handlungsgedächtnis gespeichert sind, sogenannte Handlungsschemata. Da sie als ganze Schemata gespeichert sind, können sie reproduziert und auf neue Gegebenheiten übertragen werden. Dabei gilt, dass, je ähnlicher sich Situationen sind, umso eher wird das bekannte Handlungsschema angewandt, bzw. in eine neue Situation übertragen (Aebli, 1993, S. 185ff.). Die Struktur einer Handlung ergibt sich aus dem Handlungsablauf. Das Handlungsergebnis wird schrittweise durch Teilhandlungen mit den daran beteiligten Elementen erzeugt. Handlungselemente sind Gegenstände oder Personen, die zur Ausführung der Handlung notwendig sind, wie beispielsweise ein Wagenheber, um die Handlung „Reifenwechsel“ durchzuführen. Im Gesamtablauf wird mit jedem Einzelschritt ein Teilziel verwirklicht, auf das der nächste Schritt aufbaut. Meist sind mehrere Teilhandlungen nötig, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Jeder Teilschritt sollte sich jedoch didaktisch in einem objektiven Ergebnis niederschlagen, denn daran ist für die Schüler nachvollziehbar, was sie getan haben und wie weit sie vom gewünschten Handlungsziel entfernt sind. Auch in sozialen Handlungen sollte das Ergebnis durch einen Vertrag oder eine Übereinkunft verdeutlicht werden (Aebli, 1993, S. 187ff.). Der Mensch, der eine Handlung plant, geht von einer Zielvorstellung aus. Dieses Ziel leitet den Entwurf von Handlungen, die zu dem gewünschtem Ziel führen sollen. Unterricht sollte entsprechend aufgebaut sein. [...]
Die kognitive Handlungstheorie geht auf die entwicklungspsychologischen Erkenntnisse von Piaget zurück. Aebli, ein Schüler Piagets, hat diese Erkenntnisse in seine Handlungstheorie miteinbezogen. Nach Piaget gelangen Kinder zu immer komplexeren intellektuelleren Fähigkeiten; sie streben dauerhaft nach einem Gleichgewicht zwischen dem, was sie gegenwärtig wahrnehmen, wissen und verstehen und dem Zustand, in dem ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihr Können nicht ausreicht. Um das Gleichgewicht wieder herzustellen, geschieht die Anpassung durch Assimilation und Akkommodation. Durch Assimilation wird das, was wahrgenommen wird, so verändert, dass es in die bereits vorhandenen kognitiven Strukturen passt. Bei der Akkommodation hingegen werden die kognitiven Strukturen so verändert, dass sie zu dem Wahrgenommenen passen (Gage & Berliner, 1996, S. 115ff.). Aebli veröffentlichte 1980 seine Handlungstheorie unter dem Titel „Denken das Ordnen des Tuns“. Er ist der Ansicht, dass in der Schule meist nur Wissen und Können aus Büchern heraus vermittelt wird, was nicht direkt zur Handlung führt. Unterrichtsinhalte werden erklärt und beschrieben, aber sie werden nicht primär mit einer Intention verbunden, die Lebenswirklichkeit zu verändern. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832478834
Arbeit zitieren:
Siebert, Evelyn November 2003: Lernen in der Krankenpflegeausbildung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Lernfeld, Handlungsorientierung, Curriculum, Kompetenz, Unterricht



