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Lernen und Bildung im Umbruch

Die Darstellung und Evaluation notwendiger Anpassungsprozesse lernender Organisationen an eine globale Infrastruktur: Schule und Sportverein

Lernen und Bildung im Umbruch
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Andreas Funk
  • Abgabedatum: August 2004
  • Umfang: 348 Seiten
  • Dateigröße: 2,9 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8280-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8280-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8280-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Funk, Andreas August 2004: Lernen und Bildung im Umbruch, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Globalisierung, gesellschaftlicher Wandel, Softskills, Sportpädagogik, Konziliation

Dissertation / Doktorarbeit von Andreas Funk

Einleitung:

Lernen, Bildung und die Institutionen, welche dieses wichtige Gut vermitteln, sind mit den rasanten Entwicklungen nahezu aller Infrastrukturen ins Wanken geraten. In den letzten Jahren ist ein fundamentaler gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Wandel in Gang gekommen, der sowohl Möglichkeiten in hohem Umfang produziert, hoffnungsvolle Perspektiven eröffnet und auch gleichzeitig Ängste und Unsicherheiten schürt. Es erscheint so, als gäbe es nur eine „Konstante“ in der heutigen Welt - und das ist die Veränderung selbst. Die treibende Kraft dieser gesellschaftlichen Veränderungsprozesse ist unter anderem im technischen Fortschritt zu finden. Ein Ende dieser Entwicklung ist vorerst nicht absehbar. We live in a world, where everything is possible but nothing is certain (HAVEL, 1998).

Veränderungsprozesse, Globalisierungsprozesse und eine digitale Revolution stellen neue Anforderungen an die Lernkultur und an das Bildungssystem. Die zunehmende Globalisierung und Virtualisierung und die damit einhergehende, steigende Konkurrenz (z.B. durch Produktionsverlagerung ins Ausland) zwingen nahezu alle Organisationen, ihre eigenen Strukturen immer wieder auf ihre Anpassungstauglichkeit zu überprüfen. Unter der Bezeichnung der „Onlinegesellschaft“, welche die Virtualisierung und die Globalisierung umfasst, entstehen umfangreiche neue Chancen zur Gestaltung der verschiedensten Organisationen. Veränderung bedeutet gleichzeitig Innovation und Kreativität. Nicht nur die ältere Generation ist häufig mit dem Innovationstempo überfordert und reagiert aus dem daraus resultierenden Frust z.B. mit Unsicherheit, Indifferenz oder Desinteresse.

In den vergangenen Jahrzehnten haben Menschen für das Leben gelernt - non scholae, sed vitae discimus - heute ist daraus ein lebenslanges Umlernen geworden.

Bildung und ihre Funktion unterliegen einem stetigen Wandel, in „DIE ZEIT (1999)“ wird Bildung nicht mehr als Vorbereitung auf das Leben, sondern selbst als Leben bezeichnet. (DIE ZEIT, 1999). Obwohl schon W.v.HUMBOLDT Bildung als ein dynamisches, lebenslanges Geschehen interpretiert hat, ist die Notwendigkeit und der daraus resultierende Druck der lebenslangen Bildung (vor allem um sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten zu können) größer geworden. Dies bedeutet für jeden einzelnen hinsichtlich seiner Bildungsaktualisierungsbemühungen einen immerwährenden Fort- gang. Ausreden gelten schon lange nicht mehr: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr oder In teneris discere multum est – Verhaltensdirektiven, die nur bei dem unmittelbaren und dringenden Wunsch nach Arbeitslosigkeit beherzigt werden sollten, denn auch die Andragogik ist betroffen. Segen oder Fluch? Diese Frage gilt es zu klären.

Der heutige Arbeitsmarkt verlangt immer mehr von seinen Arbeitnehmern. Anpassungsfähigkeit, Flexibilität, Toleranz und der Verzicht auf Sicherheiten sind nur einige wenige Beispiele, die heute zunehmend vorausgesetzt werden, um sich langfristig auf einem durch Veränderung gekennzeichnet Arbeitsmarkt zu behaupten und nicht ein Opfer des Jobless Growth zu werden. Das individuelle Curriculum Vitae wird aufgrund ständig neu zu erwerbender und/oder aufbauender Qualifikationen immer länger. Besonders der Bereich der elektronischen Datenverarbeitung ist davon betroffen. Die Informationstechnik und Telekommunikation hat schon 1999 200 Milliarden DM umgesetzt und damit den sonst führenden Automobilmarkt überholt. Bundespräsident HERZOG kritisierte damals, dass Staat und Bildung dieser explosiven Entwicklung hinterherhinke.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1. Gesellschaftlicher Wandel 10
1.1 Kulturkumulation als Voraussetzung für gesellschaftliche Entwicklung 11
1.2 Von der Muskelkraft zum Mikrochip 16
1.2.1 Digitalisierung, Virtualisierung, Personal Computer und das Internet als Initiatoren kultureller Umwälzungen 21
1.3 Dualismen als Ergebnis gesellschaftlicher Umbruchphasen 27
1.4 Tendenziell grenzenlos: Entmauert, europäisiert, internationalisiert, globalisiert 29
1.4.1 Facetten der Globalisierung und bildungspolitische Konsequenzen 33
1.4.2 Globale Wirtschaft gleich globale Gesellschaft? 37
1.5 Pädagogische Aspekte der Globalisierung 40
2. Aspekte des heutigen Bildungswesens 45
2.1 Entwicklungsgesichtspunkte des Bildungswesens 57
2.2 Forschungszeitraum der Bildungsgeschichte 59
2.3 Stationen der Bildungsgeschichte 60
2.4 Über einige bildungstheoretische Grundlagen 66
2.4.1 Bildungstheoretische Begründungen des Lehrplans/Didaktik – Beispiel KLAFKI 70
2.4.2 Ergänzende Aspekte zeitgenössischer Bildungstheorien 78
2.4.3 Vorläufige Stellungnahme zu den Bildungstheorien 79
2.4.3.1 Bildungspolitik und Bildungsdynamik 81
2.5 Menschenbilder sind Bildung 85
2.5.1 Näherungswissen und Unsicherheiten 88
2.5.2 Homines varii und andere aufschlussreiche Beispiele 93
2.5.2.1 Der Homo Sociologicus 95
2.5.2.2 Der „Systemische“ Mensch 100
2.6 Greencards, gelungene Beschäftigungs- und verfehlte Bildungspolitik? 105
3. Gesichtspunkt Lernen 115
3.1 Definition des Begriffs „Lernen“ 117
3.2 Einige Gesichtspunkte des Lernens 121
3.2.1 Biologische Grundlagen des Lernens 123
3.2.1.1 Das menschliche Gehirn im Prozess des Lernens 125
3.2.1.2 Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung 129
3.2.1.3 Einschub: Gesichtspunkte der Gehirnforschung 132
3.3 Lerntheorien als Erklärungsansätze 134
3.3.1 Der behavioristische Ansatz 137
3.3.2 Der konstruktivistische Ansatz 138
3.3.3 Der kognitivistische Ansatz 140
4. Organisationen und ihre Theorien 141
4.1 Der Organisationsbegriff 143
4.2 Organisationstheoretische Darstellungen 149
4.2.1 Ursprung und Entwicklung von Organisationstheorien 150
4.2.1.1 Organisationstheoretisch-Elementorientierte Ansätze 152
4.2.1.2 Organisationstheoretisch-Integrative Ansätze 153
4.3 Schwerpunkt: Systemtheoretischer Ansatz 156
4.3.1 Hierarchisierung in Systemen 160
4.3.2 Der Komplexitätsbegriff und andere zeitnahe Schlüsselbegriffe 162
4.3.3 Das Phänomen der Autopoiesis und der Selbstorganisation 167
4.3.4 Überblick und Durchblick in komplexen Systemen 169
4.3.5 Exkurs: Der systemtheoretische Ansatz der Sportpädagogik 172
5. Lernende Organisationen – und was man darunter versteht 179
5.1 Charakteristika lernender Organisationen 182
5.2 Zwei Hauptströmungen 184
6. Organisation Schule 187
6.1 Schule als gesonderte soziale, lernende Organisation 196
6.2 Handlungsbereiche im Rahmen der Institution Schule 200
6.3 Defizite des staatlichen Schulwesens 202
6.4 Abzuleitende Konsequenzen für die Zukunft der Schule und die Begleitung durch die Pädagogik 206
7. Sportvereine: Strukturen und Probleme 211
7.1 Verein im Wandel der Zeit 214
7.2 Strukturelle Besonderheiten: Verein und Verband 218
7.2.1 Aspekte ehrenamtlicher Tätigkeit im Verein und Verband 220
7.2.2 Sportvereine als Integrationsfaktor und die Rolle des Trainers 227
8. Handlungsansätze 233
8.1 Über die Notwendigkeit, zu wissen, wo man ist und wohin man will 236
8.2 Veränderungen als Chance 238
8.2.1 Verlernen als Voraussetzung zum Erlernen 240
8.2.2 Der „gesunde“ Wechsel von Dynamik und Plateau 243
8.2.3 Äquilibrum per Assimilation oder Akkomodation? 245
8.3 Was man über das Wissen wissen muss 247
8.4 Konziliation – oder: Wissenschaften vereinigt euch! 249
8.5 Rein metaphorisch: WinZip, MP 3, Multitasking und Memetik als Handlungsstrategie? 252
8.5.1 Gefahr für Schüler und Lernende? 256
8.6 Softskills und IQ 260
8.7 Personalentwicklung und Multiprofessionalität 263
8.8 Public Health und Bildung – Ein Zusammenhang? 267
8.9 Unüberhörbar: Der Ruf nach Orientierung durch Qualität und Standardisierung 271
8.10 Was müssen lernende Organisationen künftig lernen? 275
9. Resümee 279
Literaturverzeichnis

Automatisiert erstellter Textauszug:

“Buzzwords“ (tendenziell ausgerichtet nach dem Prinzip “everything, everytime, erverywhere“ wie sie BICKMANN (1999, S. 16 f.) nennt, sind sicherlich zukunftsbeschreibend, doch selten so hypertrophiert falsch und überzogen voreilig interpretiert worden, wie heute. In vielen Fällen psychischer Störungen zum Beispiel ist der Kontrollverlust (Desorientierung, Strukturverlust) und die Angst davor für den Klienten mit einem persönlichen “GAU“ gleichzusetzen. Wenn das Verhalten wie von HENTIG (2002) beschrieben feststellbar ist, so ist dies für die nachkommenden Generationen, die die Globalisierung bewältigen müssen, ein “motivationaler Overkill“. Dann übersetzt man einen GAU auch nicht definitionsgemäß mit “größter anzunehmender Unfall“, sondern mit “größte anzunehmende Unzulänglichkeit“ der Erwachsenen. Zusätzlich addiert sich der mit heutiger Technik zusammenhängende Generationenkonflikt hinzu. Wie soll der Educand den Educandus ernst nehmen, wenn dieser neben obiger Tendenz u.a. die größte “Kulturveränderungsmaschine“, in Form des PCs nicht annähernd gleichwertig beherrscht? Ein universell greifbarer Sündenbock ist schwer zu identifizieren, wenn es um Schuld oder Unschuld vorliegender Thematik geht. Scheinbar müssen alle Sozialisationsinstitutionen vom Kindergarten bis zur Universität auf Herz und Lunge abgeklopft werden, um dem Problem gerecht werden zu können. Eines scheint aber ganz deutlich zu sein: Keine Bildung ohne Erziehung! Wobei Erziehung und Bildung sich gegenseitig bedingen und beinhalten. Von der inhaltlich fragwürdigen “Kuschelpädagogik“ wird in diesem Zusammenhang heute seltener gesprochen. Leistung, Tugenden und Werte erlangen wieder an Bedeutung. Sie vermitteln Orientierung an Gewohntem und Rückbesinnung auf Altes und Vertrautes. Besonders das Thema “Leistung“ ist in unserer Gesellschaft häufig negativ besetzt, was MIEGEL in der Historie Deutschlands begründet sieht: [...]

Als Grundvoraussetzung fordert SEITZ (2001), dass diese international bedeutsamen Rahmenthemen in den Lehrplänen der Schulen aller Staaten und Gesellschaften festzulegen sind. Dies kann natürlich nicht funktionieren, wenn wie von Seitz festgestellt, die Lehrplaneinheiten der allgemein bildenden Schulen dieses Themenfeld nur mit 2 % berücksichtigen (SEITZ, 2001, S. 15). Hinzu kommt, dass plötzlich, wenn es jedermann nur oft genug sagt, diese Welt nicht mehr überschaubar ist. Die Erwachsenenwelt schein “infantil zu regredieren“ und unterstützt die Unsicherheit der nachwachsenden Generationen. Die Schlagworte der Zukunftsbewältigung haben nicht nur die jüngere Generation nachhaltig negativ beeinflusst und verwirrt. Verantwortung und Richtung geben scheinen Tugenden zu sein, die heute nicht mehr präsent sind, obgleich wir sie mehr denn je benötigen. Daß wir die technische Welt obendrein nicht beherrschen, ist nicht einfach die Kehrseite des eben dargestellten Merkmals, es hat seine Ursache auch nicht so sehr in der Technik, sondern in den bloßen Anhäufungen und Vernetzungen, zu denen sie verführt. Über die verlieren wir an einem bestimmten Punkt der Komplexität die Kontrolle. Ich nenne das das Tschernobyl-Syndrom. Es ist das größte Handicap der heute erziehenden Erwachsenen: Sie können die Jungen nicht überzeugen, dass sie die von ihnen gemachte Welt im Griff haben. Sie sind unentschieden, haben keine Zuversicht, können nicht zeigen, was es heißt, Verantwortung zu tragen - sie halten Fordern, Protestieren, Beschuldigen oder Beschwichtigen für, eine hinreichende Erfüllung ihrer republikanischen Pflicht. Dieser politische und pädagogische Notstand ließ sich vertuschen, so lange die Welt zweigeteilt war und unsere Republik auf der guten, tüchtigen, funktionierenden Seite stand. Niemand wünscht sich den Kalten Krieg zurück. Aber seit seinem Ende sind die Bewährung und Verteidigung der Demokratie, des freien Wirtschaftens, der Aufklärung sehr viel schwieriger geworden (HENTIG, 2002, S. 51). Selbst wenn globale Interdependenzen schwer voraussagbar und begreifbar sind, ist es nicht an der Zeit, Nuancen der Machtlosigkeit vorzuleben, sondern pädagogisches Unternehmertum, um die Komponenten (z.B. Ausdauer, langer Atem und Fähigkeit zum Wandel) der heute so dringend benötigten Kompetenzen zu realisieren. Pessimismus und Resignation sind als Verantwortungslosigkeit zu interpretieren. [...]

Im Spannungsverhältnis optimaler Leistung und verantwortlicher Kostengestaltung ist Qualität ein unverzichtbarer Orientierungsfaktor. Die Internationalisierung und Globalisierung der Wirtschaft führt u.a. von einem überwiegend nationalen zu einem mehr internationalen Arbeitsmarkt für viele Menschen verschiedenster Ausbildungsbereiche. Deutsche Bildungs- und Ausbildungsabschlüsse müssen sich demnach immer stärker auch auf einem internationalen Arbeitsmarkt profilieren. Durch die untrennbar mit der Implementierung eines Qualitätsmanagementsystems verbundene Pflicht der immerwährenden Verbesserung und der Entwicklung entsprechender Voraussetzungen ist das QMS eine Möglichkeit, der Schnelllebigkeit und steten Veränderung gegenüber zu treten. Nicht vergessen werden darf hier allerdings der erhebliche Aufwand der Umsetzung derartiger Maßnahmen. Diese führen gerade bei den Mitarbeitern zu der Überzeugung, dass durch weitere Bürokratisierung genau von der Arbeit abgehalten wird, die es zu bewältigen gilt, die “eigentlich wichtig“ ist. [...]

Arbeit zitieren:
Funk, Andreas August 2004: Lernen und Bildung im Umbruch, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Globalisierung, gesellschaftlicher Wandel, Softskills, Sportpädagogik, Konziliation

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