Leistungssteigerung in Problemlösegruppen: Reduktion von Konformität durch Moderation
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Silke Lecher
- Abgabedatum: Januar 1997
- Umfang: 160 Seiten
- Dateigröße: 595,7 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-3083-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-3083-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-3083-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Lecher, Silke Januar 1997: Leistungssteigerung in Problemlösegruppen: Reduktion von Konformität durch Moderation, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Gruppenleistung, Konformität, Moderationstechniken, Moderation, Problemlösungen
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Diplomarbeit von Silke Lecher
Problemstellung:
Innerhalb von Organisationen und Betrieben wird durch den Einsatz von Arbeits- und Projektgruppen ein 'Gruppenvorteil' in Form besserer Ergebnisse, schnellerer Entscheidungsfindung und breiterer Zustimmung erwartet. Vielfach bedarf es jedoch eines derart hohen Aufwandes an Koordinations- und Integrationsleistungen, um den vielfältigen Argumenten, Einstellungen und Informationen gerecht zu werden, daß diese Erwartungen sich nicht erfüllen.
Der Einsatz von Moderationstechniken soll diese Koordinations- und Integrationsleistungen erleichtern und gleichzeitig sozio-emotionale Prozesse steuern. Eine Moderationstechnik, die theoriegeleitet die wesentlichen kognitions- und sozialpsychologischen Leistungskriterien berücksichtigt, liegt in Form der an der Universität Hamburg, Arbeitsbereich Sozialpsychologie, entwickelten Prozeduralen Moderation (PROMOD) vor.
Experimentell konnte im Rahmen eines dreijährigen DFG-Projektes gezeigt werden, daß die wissensbasierte Technik, PROMOD, der ebenfalls untersuchten Nominal Group Technique (NGT) hinsichtlich der Leistung beim komplexen Problemlösen signifikant mit mittlerer Effektstärke überlegen ist und daß sich der Einsatz beider Moderationstechniken als leistungssteigernd im Vergleich zu nicht-moderierten Gruppen erweist.
Als komplexe Problemsituation wurde die Computersimulation VAIDS eingesetzt, in der die Gruppenmitglieder (N=81) im Gremium von 3 Funktionsträgern (Bürgermeister, Gesundheitsdirektor, Minderheitenbeauftragter) die Ausbreitung der Krankheit AIDS in einer fiktiven Großstadt mit Hilfe effektiver Maßnahmenumsetzung bekämpfen sollen. Die N=27 Gruppen mit drei Mitglieder wurden entweder PROMOD-moderiert, NGT-moderiert oder nicht-moderiert für 5 Zeitstunden zur Problemlösung eingesetzt.
Neben Leistungsparametern wie Gruppengröße, Kommunikationsstruktur, Machtstruktur, Kohäsion wurden die Gruppenzusammensetzung, die individuellen Problemlösestrategien und die Konformitätsprozesse als unabhängige Variablen zur Vergleichsmessung herangezogen.
Die experimentell erzielten Ergebnisse bezüglich der Gruppenleistung und die Darstellung der in PROMOD integrierten Leistungsparameter untermauern die Forderung nach einer theoriegeleiteten Entwicklung integrativer und komplexitätsangemessener Methoden zur Leistungsverbesserung in Arbeitsgruppen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Betrachtungsebenen bei Problemlösegruppen | 3 |
| 2.1 | Unterscheidung von Gruppenarten | 4 |
| 2.1.1 | Formelle und informelle Gruppen | 4 |
| 2.1.2 | Natürliche, zusammengestellte und Quasi-Gruppen | 4 |
| 2.2 | Differenzierung von Problemtypen | 6 |
| 2.2.1 | Basisprinzipien von Aufgaben | 6 |
| 2.2.2 | Einfache Aufgaben | 7 |
| 2.2.3 | Komplexe Problemstellungen | 9 |
| 2.3 | Taxonomie von Leistungskriterien | 11 |
| 3. | Basisaspekte des Gruppenverhaltens | 14 |
| 3.1 | Gruppenentwicklung und deren Wirkung auf die Gruppenleistung | 14 |
| 3.1.1 | Gruppenbildung | 14 |
| 3.1.2 | Gruppenkohäsion | 17 |
| 3.2 | Gruppenstrukturen und deren Wirkung auf die Gruppenleistung | 19 |
| 3.2.1 | Gruppengröße | 19 |
| 3.2.2 | Kommunikationsstrukturen | 21 |
| 3.2.3 | Machtstrukturen | 24 |
| 3.2.4 | Führung und Koalition | 26 |
| 3.3 | Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse | 28 |
| 4. | Problemlöseverhalten von Gruppen in komplexen Situationen | 31 |
| 4.1 | Einflüsse auf die Gruppenleistung beim komplexen Problemlösen | 31 |
| 4.1.1 | Gruppenzusammensetzung | 31 |
| 4.1.2 | Problemlösestrategien | 35 |
| 4.1.3 | Konformitätsprozesse | 38 |
| 4.2 | Moderationstechniken zur Leistungssteigerung von Gruppenlösungen | 46 |
| 4.2.1 | Brainstorming | 47 |
| 4.2.2 | Delphi | 50 |
| 4.2.3 | FORMOD und PROMOD | 53 |
| 4.3 | Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse | 59 |
| 5. | Untersuchung der Einflüsse von FORMOD und PROMOD die Gruppenleistung | 62 |
| 5.1 | Ziele und Hypothesen der Untersuchung | 62 |
| 5.2 | Vorstudie zur Einstellungsmessung | 63 |
| 5.2.1 | Datenerhebung | 64 |
| 5.2.2 | Datenanalyse | 64 |
| 5.3 | SIMAD-Studie zur Leistungsmessung | 66 |
| 5.3.1 | Einsatz der Computersimulation VAIDS | 67 |
| 5.3.2 | Untersuchungsplan | 69 |
| 5.3.3 | Durchführung | 71 |
| 5.4 | Deskription der Untersuchungsergebnisse | 76 |
| 5.4.1 | Teilergebnisse zu den Polarisationseffekten | 77 |
| 5.4.2 | Teilergebnisse zu den Gruppenleistungen | 85 |
| 5.4.3 | Integration der Teilergebnisse hinsichtlich der Moderationseinflüsse | 88 |
| 5.4.4 | Ergänzende Betrachtungen der Effekte von VAIDS | 89 |
| 5.5 | Interpretation der Ergebnisse | 93 |
| 6. | Fazit | 96 |
| 7. | Anhang | 100 |
| 8. | Verzeichnisse | 139 |
Das Problemlöseverhalten von Gruppen wird durch strukturelle, kognitive und sozioemotionale Aspekte der Gruppensituation bestimmt. Die Gruppenzusammensetzung bestimmt die vorhandene Ressourcenverteilung in der Gruppe, die die in Kapitel 3.2 (Seite 18) beschriebenen Kommunikations- und Machtstrukturen sowie den Führungsstil und die Koalitionsbildung mit einschließt. Eine Heterogenität in der Zusammensetzung der Mitglieder wirkt sich als struktureller Aspekt positiv auf deren Leistungsfähigkeit aus. Heterogenität bedingt dabei eine größere Ressourcenbasis. Die Demographie der Gruppenmitglieder, ihre Fähigkeiten, Einstellungen und Persönlichkeitseigenschaften sollten in der Gruppe heterogen vorliegen, um die Produktivität der Gruppe zu erhöhen. Gleichzeitig ist ein erhöhtes Konfliktpotential unvermeidbar. Auf mittlerem Niveau kann der Aufbau einer Wettbewerbsituation und der Austausch verschiedenartiger Argumente der Gruppenleistung förderlich sein. Homogen innerhalb der Gruppe sollte jedoch ein integrativ-komplexes Niveau der konzeptuellen Denkstrukturen vorliegen, um die Anpassung an die komplexe Problemstellung zu optimieren. Kognitive Aspekte des Problemlöseverhaltens in Gruppen liegen in Form von Problemlösestrategien vor. Die Gruppe sollte zu Beginn der Aufgabenbewältigung eine explizite Auseinandersetzung über die Lösestrategie vornehmen und sich in der Strategiediskussion der gemeinsamen Problemdefinition widmen. Die Analyse der Problemstellung selbst führt zur Entwicklung von Gruppenstrategien aus den vorhandenen Einzelstrategien und zu einer Minimierung interpersoneller Unterschiede im indi53 [...]
onstechnik zur Anwendung bei Technologiefolgenabschätzungen in Gruppen (SCHERM, 1995) herangezogen werden, um begründete Erwartungen bezüglich der Leistungsmerkmale von PROMOD zu formulieren. Die von SCHERM (1995) entwickelte Moderationsmethode für Gruppen bei der TA basiert auf einer Kombination von NGT und SLT und sieht ebenso wie PROMOD die Dyadenbildung zwischen Problemlöser und Moderator vor. Darüber hinaus ist die Koordination des schriftlichen Informationsaustausches durch den Moderator sowie die Anleitung zum Problemlösen per halbstrukturiertem Interview, mit der prozeduralen Moderation vergleichbar. Die Dialogphase und die Phase der Konsensbildung des PROMOD finden sich in dieser Moderation wieder, wenn auch inhaltlich anders strukturiert und auf ein Prognoseproblem angewandt. Der Leistungsvergleich der Moderationstechnik von SCHERM (1995) mit selbstgesteuerten, unmoderierten Gruppen belegt diverse Leistungsvorteile und Prozeßgewinne der moderierten Gruppen. So produzieren die moderierten Gruppen nicht nur nachvollziehbarere und stärker begründete Folgenabschätzungen, sondern waren den unmoderierten Gruppen hinsichtlich ihres Ideenreichtums an Abschätzungen, wissenshaltigerer und stärkerer Tiefenelaboration und einer verbesserten Folgenberücksichtigung überlegen. Die Prozeßgewinne führt SCHERM (1995) auf einen effektiveren Umgang mit den vorhandenen Ressourcen Wissen und Zeit zurück. Eine Beurteilung durch externe, unabhängige Rater bestätigte in dieser Untersuchung die höhere Qualität der TA der moderierten Gruppen. Die Zufriedenheit mit den produzierten Ergebnissen und der Arbeitsform war bei beiden Gruppenarten auf einem gleich hohen Niveau. Die Berücksichtigung dieser Ergebnisse läßt aufgrund der hohen methodischen Übereinstimmung beider Moderationstechniken, die Erwartung einer Leistungsverbesserung durch PROMOD begründet zu. [...]
• Anpassung an die Komplexität der Problemstellung: Die Elemente der Problemstellung werden gesammelt (Informationssammlung), deren Relationen berücksichtigt und die Vernetzung der Informationen abgebildet. Die vom Problemlöser wahrgenommene schwache Strukturierbarkeit des Problems wird mit Hilfe der Kartenstruktur und der damit verbundenen Visualisierung der Wirkungszusammenhänge verbessert. Es wird der Vernetztheit sowie der Stabilität und Eigendynamik der komplexen Problemstellung kognitionspsychologisch Rechnung getragen (Seite 8). • Verbesserung der Problemlösestrategien der Mitglieder: Die in Kapitel 4.1.2 (Seite 32) beschriebenen Probleme der Mitglieder das strategische Vorgehen der Gruppe aufgabenadäquat zu vereinbaren und dabei die Problemlösungsphasen optimal zu handhaben, entfällt als zusätzlicher Aufwand durch die Anleitung des Moderators. Eine den kognitionspsychologischen Erkenntnissen angepaßte Problemlösestrategie - mit Informationssammlung und -auswertung, Zielanalyse und Maßnahmenentwicklung - wird den Mitgliedern extern vorgegeben und optimiert gleichzeitig das individuelle Problemlöseverhalten der Individuen. • Berücksichtigung sozio-emotionaler und motivationaler Gruppenprozesse: Motivationsverlusten innerhalb der Gruppensituation (STEINER, 1972) aufgrund von Machtstrukturen (Seite 23), ressourcenorientierter Interaktionsverteilung (Seite 20) und Emotionskonflikten (Seite 29), wird vorgebeugt durch die dialogische Dyadenbildung zwischen jeweils einem Gruppenmitglied und dem Moderator. Gleichzeitig wird durch die eingeschränkte Kommunikation zwischen den Mitgliedern verhindert, daß sozio-emotionale Aktivitäten zu Lasten der Aufgabenbewältigung auftreten. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832430832
Arbeit zitieren:
Lecher, Silke Januar 1997: Leistungssteigerung in Problemlösegruppen: Reduktion von Konformität durch Moderation, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Gruppenleistung, Konformität, Moderationstechniken, Moderation, Problemlösungen



