Leistungsbündelbewertung in der Hotellerie
Empirische Analyse von Interaktionseffekten in der Bildung von Bündelurteilen, dargestellt am Beispiel einer Mittelalterpauschale des "Hotel Zum Walde"
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Melanie Christen
- Abgabedatum: September 2005
- Umfang: 145 Seiten
- Dateigröße: 2,7 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9689-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9689-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9689-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung: Die Diplomarbeit wurde 2006 mit dem Studienpreis der SEW-EURODRIVE-Stiftung prämiert.
- Arbeit zitieren: Christen, Melanie September 2005: Leistungsbündelbewertung in der Hotellerie, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Bundling, Tourismus, Pauschale, Imagetransfer, Prospect Theory
In den Warenkorb
98,00 €
Diplomarbeit von Melanie Christen
Einleitung:
In vielen Märkten ist es üblich, mehrere Produkte oder Dienstleistungen gebündelt zu verkaufen. Im Mobilfunksektor bekommt man als Neukunde zum Mobiltelefon einen kostenlosen DVD-Player und Sprachguthaben, Autos werden mit Schiebedach, Winterreifen und Radios verkauft. Computerkäufer erwerben einen Tower mit Festplatte und CD-ROM-Laufwerk, Grafikkarte und Softwareschulung, und im Lebensmittelmarkt erhält man Erfrischungsgetränke im Sechserpack. Die Begriffe für diese Bündel sind vielfältig. Letztendlich basieren Sammelboxen, Mehrfach- und Familienpackungen, Sondermodelle, Abonnements oder Systemlösungen usw. auf demselben Prinzip, dem sog. Bundling. Darunter versteht man das Angebot von Produkten bzw. Dienstleistungen im Paket.
Oft handelt es sich dabei um sog. Leistungsbündel. Ein Leistungsbündel ist dadurch gekennzeichnet, dass es eine Kombination von Sachgütern, Dienstleistungen, Informationen und Rechten sein kann. Genau genommen ist aber (fast) jedes Produkt bzw. jede Dienstleistung ein solches mehrdimensionales oder multiattributives Leistungsbündel, da es aus mehreren bedürfnisbefriedigenden Eigenschaften besteht. Deshalb werden einige Aussagen, die ursprünglich auf Einzelprodukte bezogen waren, im Verlauf dieser Arbeit analog auf Leistungsbündel übertragen. Alle Ausführungen zu Produkten gelten auch für Dienstleistungen und Leistungsbündel; der Einfachheit halber wird meist nur von Produkten oder Leistungen gesprochen.
Auch in der Hotellerie und Gastronomie begegnet man Leistungsbündeln. In so gut wie jedem Hotel werden Wochenend-Packages, Halbpensionen, Menüs, Arrangements, Seminarpauschalen, All Inclusive Angebote oder ähnliches offeriert. Deshalb wird die Relevanz und Bedeutung von Bundling für die Hotellerie in vorliegender Arbeit näher betrachtet. Viele Aspekte werden dabei anhand von Beispielen aus Hotels, Restaurants usw. veranschaulicht, können aber auch auf andere Wirtschaftszweige übertragen werden. Das Besondere an Hotelleriebündeln ist allerdings, dass es sich um immaterielle, nicht-lagerfähige Dienstleistungen handelt. Das Hotel stellt zwar dauerhaft Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung; für das Ergebnis der Dienstleistung, nämlich die Übernachtung, ist aber nötig, dass der Gast auch sein Zimmer bezieht. Freie Hotelzimmer können nicht gelagert werden, um zu Zeiten von Spitzennachfrage eingesetzt zu werden; die Potenziale verfallen, wenn sie nicht in Anspruch genommen werden. Deshalb wäre es ein wünschenswerter Effekt des Bundling, wenn es dabei helfen könnte, diese Kapazitätsschwankungen auszugleichen.
Ein Grund für die Entscheidung, Bundling für den Spezialfall der Hotellerie zu untersuchen, ist die große wirtschaftliche Relevanz dieser Branche in Deutschland. Obwohl die Entwicklungen im gesamten Gastgewerbe seit 2002 einem Negativtrend folgen, konnte im Jahr 2004 ein Umsatz von über 55 Milliarden Euro erwirtschaftet werden. Den größten Anteil haben Restaurants, Cafes, Eisdielen und Imbisshallen dazu beigetragen (ca. 43%), gefolgt von Hotels, Gasthöfen und Pensionen mit knapp 30 Prozent. An diesem Umsatz waren über 1 Million Beschäftigte beteiligt, die in den fast 250.000 gastgewerblichen Unternehmen arbeiten.
Möchte man Bundling den Marketinginstrumenten Produkt- bzw. Leistungspolitik, Kommunikationspolitik, Distributionspolitik und Preispolitik zuordnen, erkennt man die Vielseitigkeit und die strategische Rolle des Bundling: Es kann sowohl in der Produktpolitik als auch in der Preispolitik eingesetzt werden und beeinflusst und erleichtert die Aufgaben der Kommunikationspolitik. Erstens ergibt die Bündelung mehrerer Leistungen zum Paket ein „Neuprodukt“ in dem Sinne, als dass es andere Bedürfnisse befriedigen kann als die einzeln erworbenen Komponenten. Erkennbar ist das z. B. am Vergleich eines Pauschalurlaubs in einem Ferienclub mit einer Individualreise. Zweitens muss preispolitisch entschieden werden, ob die Leistungen nur zum (evtl. reduzierten) Bündelpreis ausgewiesen und erhältlich sind oder ob Gäste auch Einzelleistungen kaufen können. Drittens können interessante und auffällige Packages Aufgaben der Kommunikationspolitik unterstützen, so z. B. Aufmerksamkeit und Interesse erregen, Emotionen wecken, positiv auf den Aufenthalt einstimmen und das Image des Hotels ändern.
Der Aufbau dieser Arbeit ist nun wie folgt: Zuerst werden in Kapitel 2 Grundbegriffe des Bundling definiert und die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Bündeln, die man in der Hotellerie antrifft, erklärt. Im Anschluss wird in Kapitel 3 die Rolle des Bundling in der Hotellerie verdeutlicht. Es wird gezeigt, welche Gründe für Hoteliers vorliegen, um Bündel anzubieten. In diesem Rahmen wurde außerdem eine Befragung von Hotels zur derzeitigen Marktsituation für Hotellerie-Packages durchgeführt, die kurz angesprochen wird.
Kapitel 4 befasst sich dann mit den Prozessen aus Kaufverhalten und Psychologie, die bei der Planung und Gestaltung von Bündeln in der Hotellerie zu beachten sind. Fragen, die dabei im Vordergrund stehen, sind z. B.:
- Wie werden Packages durch die potenziellen Gäste wahrgenommen und bewertet?
- Ändert sich der Nutzen, wenn statt der Einzelprodukte ein Package gebucht wird?
- Welche Auswirkungen hat die Entscheidung, den Preis für das Paket oder für die Einzelleistungen auszuweisen?
- Spielt es eine Rolle, wie sehr die Leistungen im Package zueinander passen?
- Ändert sich die Bewertung einer Leistung, wenn sie gebündelt mit einer anderen verkauft wird? Gibt es einen Imagetransfer zwischen den Leistungen?
Im Anschluss wird in Kapitel 5 ein kurzer Rückblick Aufschluss darüber geben, welche Fortschritte die Bundling-Forschung in den letzten vier Jahrzehnten gemacht hat und welche Erkenntnisse dabei gewonnen wurden.
Um weitere der oben genannten Fragen auf Basis empirischer Daten zu beantworten, wurde eine Online-Umfrage unter Eventagenturen und Busreiseveranstaltern aus Deutschland durchgeführt. Als Untersuchungsobjekt wurde eine Mittelalterpauschale (bestehend aus Übernachtung und einem Mittelalter-Essen mit Animation durch einen „Ritter“) in einem Hotel in der Nähe von Aachen gewählt. Kapitel 6 befasst sich mit der Beschreibung der Umfrage und der Auswertung und Analyse der Daten, bevor in Kapitel 7 die Ergebnisse der Arbeit zusammenfassend dargestellt und abschließend Implikationen für das Hotelmanagement formuliert werden.
Inhaltsverzeichnis:
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | IV | |
| TABELLENVERZEICHNIS | V | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | VI | |
| SYMBOLVERZEICHNIS | VI | |
| 1. | EINFÜHRUNG IN BUNDLING IN DER HOTELLERIE | 1 |
| 2. | DEFINITIONEN MÖGLICHER BUNDLING-FORMEN IN DER HOTELLERIE | 4 |
| 2.1 | ERLÄUTERUNG DER GRUNDBEGRIFFE DES BUNDLING | 4 |
| 2.2 | ERSCHEINUNGSFORMEN DES BUNDLING | 6 |
| 2.2.1 | Die Basisformen des Bundling | 6 |
| 2.2.2 | Bundling als Preisstrategie | 7 |
| 2.2.2.1 | Der Unterschied zwischen Preisbündelung und Produktbündelung | 7 |
| 2.2.2.2 | Bundling-Formen in Bezug auf den Bündelpreis | 8 |
| 2.2.3 | Sonstige Klassifizierungsmöglichkeiten für Bundling-Formen | 9 |
| 3. | BEDEUTUNG DES BUNDLING FÜR DIE HOTELLERIE | 11 |
| 4. | PSYCHOLOGISCHE UND KAUFVERHALTENSTHEORETISCHE GRUNDLAGEN DER BÜNDELBEWERTUNG | 14 |
| 4.1 | DER KAUFENTSCHEIDUNGSPROZESS UND DIE INFORMATION INTEGRATION THEORY ALS AUSGANGSPUNKTE | 14 |
| 4.2 | DIE MONETÄRE BEWERTUNG VON (LEISTUNGS-)BÜNDELN | 17 |
| 4.2.1 | Die Prospect Theory und die Theorie des Mental Accounting | 17 |
| 4.2.1.1 | Grundlagen der Prospect Theory | 17 |
| 4.2.1.2 | Grundlagen des Mental Accounting | 18 |
| 4.2.2 | Das Konzept der Vorbehaltspreise | 20 |
| 4.2.2.1 | Definition und Bedeutung des Vorbehaltspreises | 20 |
| 4.2.2.2 | Messung des Vorbehaltspreises | 21 |
| 4.2.2.3 | Integration der Einzel-Vorbehaltspreise zum Bündel-Vorbehaltspreis | 23 |
| 4.3 | DIE ENTSTEHUNG VON NICHT-MONETÄREN (LEISTUNGS-) BÜNDELURTEILEN | 25 |
| 4.3.1 | Integration durch Adding oder Averaging | 25 |
| 4.3.2 | Bewertung von (Leistungs-)Bündeln | 26 |
| 4.4 | INTERAKTIONSEFFEKTE IN DER URTEILSBILDUNG | 30 |
| 4.4.1 | Interaktionseffekte in der Wahrnehmung | 32 |
| 4.4.2 | Interaktionseffekte in der Gewichtung | 33 |
| 4.4.3 | Interaktionseffekte in der nicht-monetären Bewertung | 34 |
| 4.4.4 | Interaktionseffekte in der monetären Bewertung | 35 |
| 4.4.5 | Bundling als Instrument für Imagetransfers in der Hotellerie | 36 |
| 5. | ÜBERBLICK ÜBER DEN STAND DER BUNDLING-FORSCHUNG | 39 |
| 5.1 | STUDIEN ZUR ÖKONOMISCHEN THEORIE DES BUNDLING | 39 |
| 5.2 | FORSCHUNG ZUM KÄUFERVERHALTEN GEGENÜBER BÜNDELN | 40 |
| 5.2.1 | Studien zur monetären Bündelbewertung | 40 |
| 5.2.2 | Studien zur nicht-monetären Bündelbewertung | 42 |
| 6. | EMPIRISCHE ANALYSE VON INTERAKTIONSEFFEKTEN BEI LEISTUNGSBÜNDELN IN DER HOTELLERIE | 45 |
| 6.1 | ABLEITUNG DER UNTERSUCHUNGSHYPOTHESEN | 45 |
| 6.2 | BESCHREIBUNG DES ANALYSEOBJEKTS „MITTELALTERPAUSCHALE“ | 47 |
| 6.3 | DARSTELLUNG DER STICHPROBE UND DES STUDIENDESIGNS | 49 |
| 6.3.1 | Die Probanden | 49 |
| 6.3.2 | Die Befragungsmethodik | 50 |
| 6.3.3 | Aufbau des Fragebogens | 52 |
| 6.4 | ERGEBNISSE DER HYPOTHESENPRÜFUNG | 54 |
| 6.4.1 | Hypothese 1 | 54 |
| 6.4.2 | Hypothese 2 | 62 |
| 6.4.3 | Hypothese 3 | 67 |
| 6.4.4 | Analyse des Einflusses der Merkmale der Probanden | 72 |
| 6.4.4.1 | Bewertung in Abhängigkeit der Branche | 73 |
| 6.4.4.2 | Bewertung in Abhängigkeit der Unternehmensgröße | 74 |
| 6.4.4.3 | Bewertung in Abhängigkeit des Engagementbereichs des Unternehmens | 74 |
| 6.4.4.4 | Bewertung nach den (sonstigen) Interessen | 75 |
| 6.4.4.5 | Bewertung nach den bisherigen Erfahrungswerten | 75 |
| 7. | ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK | 77 |
| ANHANGVERZEICHNIS | 81 | |
| ANHANG | 82 | |
| LITERATURVERZEICHNIS | 127 | |
| VERSICHERUNG | 137 | |
| LEBENSLAUF | 138 |
Mazumdar und Jun (1993) untersuchen, ob mehrere Preisänderungen anders bewertet werden als eine einzige Preisänderung in gleicher Höhe. Die Konsumentenunsicherheit dient als moderierende Variable: Je preisunsicherer die Konsumenten sind, desto eher werden sie den angegebenen Preis als Referenzpreis akzeptieren und desto breiter ist ihr akzeptabler Preisbereich. Deshalb reagieren sie, verglichen mit preissicheren Konsumenten, weniger negativ auf mehrfache Preiserhöhungen relativ zu einer einzigen Erhöhung in gleicher Höhe und analog stärker positiv auf mehrfache Preissenkungen. Auch die Höhe des Preisunterschiedes zwischen den Produkten hat einen Einfluss darauf, welche Preisdarstellung präferiert wird. Ihre Ergebnisse stützen die Aussagen der Prospect Theory.135 Die Studie von Kaicker, Bearden und Manning (1995) sollte dieselbe Frage bei geänderter Experimentdurchführung untersuchen. Inkonsistent ist dann allerdings ihr Ergebnis, bei mehreren Verlusten würde Segregation präferiert.136 [...]
Die ökonomischen Studien beschäftigen sich hauptsächlich mit der Frage, welche BundlingForm optimal – meist im Sinne von gewinnmaximal– ist. Es sollen Algorithmen gefunden werden, die die optimalen Preise der Komponenten und des Bündels bestimmen. Die meisten Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Mixed Bundling den größten Gewinn bringt. Begründet wird dies mit der besseren Abschöpfung des Consumer Surplus. Dabei sind u. a. die folgenden Faktoren erfolgsbeeinflussend: • Verteilung und Korrelation der Vorbehaltspreise in der Käuferschaft und Größe der zugehörigen Käufersegmente125, • Komplementarität der Leistungen126, • Anzahl an Such-, Erfahrungs- und Vertrauenseigenschaften bei Dienstleistungen127, • Kapazitätsgrenzen (vor allem bei nicht-lagerfähigen Dienstleistungen)128, • Fähigkeit, Kunden vom Konsum bestimmter Güter abzuhalten129, • Wettbewerbssituation (vor allem: Monopol vs. Duopol)130, • Funktion von Einzelpreisen als Referenzpreise und „Köder“131, • strategischer Hintergrund des Bundling (vor allem: Preis- vs. Produktbündelung)132. [...]
Die Arbeiten zum Thema Bundling können grob in zwei Kategorien eingeteilt werden. Die ökonomischen Analysen einerseits beziehen sich vor allem auf die Abschöpfung und den Transfer des Consumer Surplus und auf die Vorteilhaftigkeit von Bundling aus Anbietersicht. Der zweite Forschungsstrang behandelt das Käuferverhalten als individuelle Reaktion auf die Bundlingpolitik. Fragen betreffen hier vor allem die Bildung und Kommunikation von Bündelpreisen sowie die beim Konsumenten ablaufenden Prozesse auf dem Weg zu einem kompakten Bündelurteil.124 Da die ökonomischen Theorien für die Fragestellungen dieser Arbeit eine untergeordnete Rolle spielen, wird in Kapitel 5.1 nur ein kurzer Überblick verschafft. Kapitel 5.2 wird sich dann mit den Studien zum Käuferverhalten auseinandersetzen. [...]
In den Warenkorb
98,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832496890
Arbeit zitieren:
Christen, Melanie September 2005: Leistungsbündelbewertung in der Hotellerie, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Bundling, Tourismus, Pauschale, Imagetransfer, Prospect Theory



