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Leistet Sport einen Beitrag zur Förderung der kognitiven Kompetenz von Erwachsenen mit geistiger Behinderung?

Eine experimentelle Feldstudie zur Reproduktionsleistung in Sport- und Bewegungsangeboten

Leistet Sport einen Beitrag zur Förderung der kognitiven Kompetenz von Erwachsenen mit geistiger Behinderung?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stefan Kopp
  • Abgabedatum: August 2002
  • Umfang: 121 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8841-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8841-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8841-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kopp, Stefan August 2002: Leistet Sport einen Beitrag zur Förderung der kognitiven Kompetenz von Erwachsenen mit geistiger Behinderung?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Gedächtnis, Intelligenz, Lernen, Behinderung, Bewegung

Diplomarbeit von Stefan Kopp

Einleitung:

In der Arbeit mit geistig behinderten Erwachsenen nimmt man an, dass eine Wechselwirkung zwischen der Lebenszufriedenheit und den Lebens- bzw. Arbeitsbedingungen besteht. Die Lebenszufriedenheit stellt eine grundlegende persönliche Ressource auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben dar. Es ist davon auszugehen, dass durch den Erhalt bzw. die Erweiterung der individuellen Handlungskompetenzen der Erwachsenen diese Ressource gestützt wird. Neben der Arbeitswelt bieten auch die sozialbegleitenden Maßnahmen den geistig behinderten Erwachsenen die Möglichkeit, ihre individuellen Handlungskompetenzen in physischer, psychischer und sozialer Hinsicht zu festigen bzw. zu entwickeln.

Kompetenz wird nach Greenspan und Granfield bzw. Holtz als persönliche Verfügbarkeit von Mitteln oder Fertigkeiten bzw. als situationsangemessene Aktualisierung definiert. Heutzutage soll sich stärker auf Veränderungen von Kompetenzen durch gezielte Förderung konzentriert werden, als auf eine Akzentuierung von Schäden und Beeinträchtigungen.

Auf diesem theoretischen Ansatz basierend, wird in der vorliegenden Diplomarbeit der Frage nachgegangen, ob bei geistig behinderten Erwachsenen die kognitive Kompetenz über das Erinnern von kontextgebundenen Inhalten empirisch prüfbar ist und sich Zusammenhänge darstellen lassen. Nach Tulving und Donaldson (1972) können die Merkmale der Übungsstunden in prozedurale und deklarative Wissenskategorien klassifiziert werden. Sie werden immer dann erinnert, wenn sie als subjektiv bedeutsam erlebt werden.

Ziel dieser Diplomarbeit soll es sein zu untersuchen, wie differenziert die einzelnen Wissenskategorien erinnert werden. Das Erinnern an die soziale Situation (SS) und die Handlungsinhalte (HI) wird eher dem prozeduralen Gedächtnis zugeordnet, weil diese Erinnerungen an motorische und soziale Handlungen geknüpft sind, während das Erinnern an die Übungsleiter (ÜL) und die verwendeten Übungsgeräte (ÜG) eher dem deklarativen Gedächtnis zugeordnet wird, da es sich um Faktenwissen handelt, das einer bewussten Anstrengung beim Abruf bedarf.

Nach Jantzen speichern Menschen mit geistiger Behinderung, mit Ausnahme der schwer zentralnervös Geschädigten, Informationen nach ähnlichen allgemeinen lernpsychologischen Prinzipien wie der Durchschnitt der Bevölkerung.

Deshalb soll der Frage nachgegangen werden, ob diese Lernstrukturen auch im Sport zum Tragen kommen, wo kognitive Lernaufgaben nicht im Vordergrund stehen.

Im Rahmen einer Längsschnittuntersuchung werden die Veränderungen der Gedächtnisleistung über das Wiedererkennen (recognition) von Merkmalen der Übungsstunde untersucht. Dabei wird davon ausgegangen, dass auch Erwachsene mit geistiger Behinderung durch bewusstes Abrufen von kontextgebundenen Inhalten ihre Gedächtnisleistung erhöhen.

Durch die kognitive Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und wieder abzurufen, erzeugt das Erinnern eine bewusste Reflexion des individuellen Handelns und Wissens. Geistig behinderte Erwachsene erleben ihre kognitive Kompetenz nicht nur im Arbeitsalltag, sondern auch bei den sozialbegleitenden Maßnahmen, z.B. Sport. Im Fokus der Betrachtung der vorliegenden Diplomarbeit steht somit der Beitrag des Sports zur Förderung der kognitiven Kompetenz von Erwachsenen mit geistiger Behinderung.

Weitere Fragestellungen sollen im Rahmen dieser Diplomarbeit untersucht werden:

Beeinflusst die Anzahl der Reproduktionsmerkmale die Wiedererkennungsleistung der Versuchspersonen?

Gibt es statistisch bedeutsame Unterschiede in der Wiedererkennungsleistung zwischen männlichen und weiblichen Versuchspersonen?

Welche Auswirkungen hat das Alter der Versuchspersonen auf die Wiedererkennungsleistung?

Im Blickpunkt dieser Diplomarbeit steht die Möglichkeit der Kompetenzerweiterung im Bereich der Reproduktionsleistung bei geistig behinderten Menschen. Ausgangspunkt der Untersuchung ist, dass bei Menschen mit geistiger Behinderung Lernvorgänge in ähnlicher Weise ablaufen wie bei Menschen ohne Behinderung.

In diesem Sinne werden im Folgenden theoretische Grundlagen geschaffen, die zum einen das Wesen der geistigen Behinderung aus der Sicht von unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen betrachten, zum anderen aber auch geistige Behinderung innerhalb bestehender Modellvorstellungen analysieren. Da bei dieser Pilotstudie die Behaltensleistungen im Vordergrund stehen, wird das Gedächtnis als informationsspeicherndes Organ im Fokus der theoretischen Betrachtung liegen.

Sportliche Tätigkeit mit ihren Möglichkeiten bedeutungsvolle und emotionale Erlebnisse zu schaffen, bietet eine gute Möglichkeit zur Kompetenzerweiterung in physischer, psychischer und sozialer Hinsicht. Welche Optionen sie für Menschen mit geistiger Behinderung bereit hält, wird in dieser Arbeit erläutert.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Theoretische Grundlagen 6
2.1 Wesen der geistigen Behinderung 6
2.1.1 Definition 6
2.1.2 Definitionsansätze 8
2.1.2.1 Medizinisch-biologischerAspekt 9
2.1.2.2 Verhaltenswissenschaftlicher Aspekt 10
2.1.3 Intelligenzmodell 15
2.1.4 Lernmodelle 18
2.1.5 Kompetenzmodell 24
2.2 Gedächtnis 27
2.2.1 Definition 27
2.2.2 Gedächtnismodelle 27
2.2.3 Erinnerungsstrategien - Wiederholen (maintenance rehearsal) 36
2.2.4 Einfluss des Alters auf die Gedächtnisleistung 38
2.2.5 Einfluss des Geschlechts auf die Gedächtnisleistung 40
2.2.6 Einfluss sportlicher Aktivität auf die Gedächtnisleistung 42
2.3 Sport- und Bewegungsangebote/ -therapie für Menschen mit geistiger Behinderung 43
2.3.1 Definition 44
2.3.2 Grundsätze und Ziele der Sport- und Bewegungsangebote/ -therapie mit geistig behinderten Menschen 44
2.4 Arbeitshypothesen 48
3. Empirische Untersuchung 50
3.1 Durchführung und Verlauf der Untersuchung 50
3.2 Untersuchungsgruppen 52
3.3 Messinstrument 53
3.3.1 Entwicklung und Aufbau der Itembögen 54
3.3.2 Gedächtnisaufgaben zu Sport- und Bewegungsinhalten der Übungsstunde (Sportfragebogen) 55
3.3.3 Gedächtnisaufgaben zu Freizeitaktivitäten der letzten Woche (Freizeitfragebogen) 59
3.3.4 Prüfung des Messinstrumentes 62
3.4 Untersuchungsauswertung 62
3.4.1 Hypotheseneinteilung 62
3.4.2 Mathematisch-statistische Auswertung 66
3.5 Methodenkritik 67
4. Darstellung und Diskussion der Untersuchungsergebnisse 69
4.1 Einfluss der kontinuierlichen Reproduktion von sportgebundenen Inhalten auf die Erinnerungsleistung 69
4.2 Einfluss der quantitativen Reproduktionsmerkmale auf die Erinnerungsleistung 73
4.3 Einfluss der kontinuierlichen Reproduktion von sportgebundenen Inhalten auf die Erinnerungsleistung der Wissenskategorien 79
4.4 Geschlechtsabhängigkeit der Erinnerungsleistung 91
4.5 Altersabhängigkeit der Erinnerungsleistung 96
5. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 101
Literaturverzeichnis 104
Anhang

Automatisiert erstellter Textauszug:

Es zeichnet sich ein Zusammenhang zwischen motorischer und kognitiver Entwicklung ab. Motorische Aufgaben werden durch die ganzheitlich handelnde Persönlichkeit gelöst, so dass motorisches Lernen immer kognitive Anteile besitzt. Pöhlmann (1994, S. 14) vertritt die Auffassung, dass sich Kognition und Motorik parallel und voneinander abhängig entwickeln. Ein Ursache-Folge-Verhältnis konnte bisher jedoch nicht nachgewiesen werden. Vom Standpunkt der Strukturgenetik kann es keine Grenzsetzung des Entwicklungsbegriffs geben, da sich das Individuum durch die ständige Auseinandersetzung mit der Umwelt immer neue Verhaltensschemata aneignet. Die Auseinandersetzung mit der Umgebung und die sich daraus ergebenden Anpassungs- und Entwicklungsprozesse vollziehen sich immer in der Wechselwirkung zu den beiden genannten Komponenten. Eine verstärkte Wirkung haben dabei im Sport emotionale und motivationale Bedingungsgrößen, die sehr komprimiert aufeinander treffen. Die Ursache für positive Veränderungen im kognitiven Bereich durch motorisches Training werden nach Bach (1979, S. 321ff.) vor dem Hintergrund zweier theoretischer Erklärungsmodelle diskutiert: [...]

Alfermann (1996) stellt einen deutlichen Wandel fest. Es kam im Bereich der kognitiven Fähigkeiten (verbales, mathematisches und räumliches Denken) bis auf eine Ausnahme im Durchschnitt auf annähernd vergleichbare Ergebnisse zwischen Männern und Frauen. Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen sich in einer Untersuchung zur intellektuellen Lernfähigkeit, vor allem im Bereich der Rechenaufgaben (zugunsten des männlichen Geschlechts) und Merkfähigkeit (zugunsten des weiblichen Geschlechts). Die Genese der geschlechtsspezifischen Testdifferenzen muss aber offen bleiben, da das Ergebnis nicht im Mittelpunkt der Fragestellung steht. Pädagogen und Psychologen versuchen Lern- und Gedächtnisprozesse naturwissenschaftlich exakt zu erklären. Dabei wird gelegentlich weit über das Ziel hinaus geschossen. Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Fähigkeit logisch zu denken werden darauf zurückgeführt, dass bei Frauen die für Gestalterfassung und Kreativität zuständige rechte Hirnhälfte dominant sei, während bei Männern die für Sprachfähigkeit und logisches Denken zuständige linke Hirnhälfte stärker entwickelt sei. Dass solche Aussagen keine Entsprechung in hirnbiologischen Befunden aufweisen, wird von Seel (2000, S. 37f.) und anderen Autoren dargelegt. Sie sind aus der Sicht der neurobiologischen Forschung eher Ausdruck von Geschlechtsideolo- [...]

Das Geschlecht eines Menschen ist ein Merkmal, das nicht nur die biologische und sexuelle Entwicklung entscheidend beeinflusst, sondern auch für die psychosoziale Entwicklung eines Menschen eine große Bedeutung hat. Die bisherige Forschung zu psychologischen Geschlechterunterschieden hat ein Ergebnisbild gezeigt, das zwei Gesichter hat. Auf der einen Seite lassen sich nur geringe oder gar keine psychologischen Geschlechterunterschiede nachweisen. Typische Beispiele für diese Annahmen sieht Alfermann (1996, S. 7ff.) in der Leistungs- und Wettbewerbsmotivation, den intellektuellen Fähigkeiten und den sozialen Verhaltensweisen. Auf der anderen Seite erscheint es kaum verständlich, warum eine geschlechtstypische Arbeitsteilung in unserer Gesellschaft vorhanden ist. Trotz kaum nachweisbarer Geschlechterunterschiede bei den intellektuellen Fähigkeiten, bleibt das weibliche Geschlecht, gemessen an den gesellschaftlichen Erfolgstandards, weit hinter den Männern zurück. Somit liegen offenbar zwei unterschiedliche Seiten einer Medaille vor, die großen Ähnlichkeiten auf der Grundlage individueller Merkmale und die Beobachtung bedeutsamer Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Kognitive Fähigkeiten sind traditionell der am meisten diskutierte und untersuchte Bereich der Geschlechterunterschiede. Dies ist zum einem darauf zurückzuführen, dass Untersuchungen zur Intelligenz die längste Tradition in der psychologischen Forschung haben. Zum anderen spiegelt es die Tatsache wieder, dass Intelligenz in [...]

Arbeit zitieren:
Kopp, Stefan August 2002: Leistet Sport einen Beitrag zur Förderung der kognitiven Kompetenz von Erwachsenen mit geistiger Behinderung?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Gedächtnis, Intelligenz, Lernen, Behinderung, Bewegung

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